AKTUALISIERT – Der slowenische Ausnahmekönner Tadej Pogacar ist im Radsport-Olymp angekommen. Mit fünf Toursiegen steht er auf einer Stufe mit Eddy Merckx und Co. Der Belgier Remco Evenepoel wird in der Gesamtwertung Zweiter. Auf der Schlussetappe in Paris triumphiert der Niederländer Mathieu van der Poel.
Erst ging Tadej Pogacar Arm in Arm mit den Teamkollegen auf seine Tour d’Honneur und winkte stolz ins Publikum, dann schaltete der Radstar wieder in den Angriffsmodus. Der Prestigesieg auf den Champs Élysées in Paris blieb dem Weltmeister aber verwehrt, den holte sich Klassiker-Rivale Mathieu van der Poel nach einem atemberaubenden Kletter-Spektakel in Monmartre. Für Pogacar allenfalls ein kleiner Schönheitsfehler vor seiner großen Krönung im Schatten des Arc de Triomphe.
Mit dem fünften Gesamtsieg bei der Frankreich-Rundfahrt hat Pogacar Radsport-Geschichte geschrieben. Fortan gehört er dem exquisiten Kreis der Fünffach-Sieger mit der belgischen Ikone Eddy Merckx, den beiden Franzosen Jacques Anquetil und Bernard Hinault sowie dem Spanier Miguel Indurain an. Dem Amerikaner Lance Armstrong wurden alle sieben Triumphe im Nachhinein wegen Dopings aberkannt.

26.07.2026, Frankreich, Paris: Der Slowene Tadej Pogacar, der das gelbe Trikot des Gesamtführenden trägt, fährt an der Basilika Sacré-Coeur vorbei. Foto: Thomas Padilla/AP/dpa
Der legendäre Eddy Merckx hatte den Ausnahmekönner im exquisiten Kreis der Fünffach-Sieger bereits willkommen geheißen. Das sei aber noch nicht das Ende. „Ich glaube nicht, dass er sich damit begnügen wird, mit mir und den anderen Champions gleichzuziehen. Bald wird er unseren Rekord an Tour-Siegen brechen“, sagte der 81-jährige Belgier der „Gazzetta dello Sport“.
Vergleiche zu seiner Zeit wollte Merckx nicht machen. „Jede Ära hat ihre Champions“, sagte der Belgier, der 525 Siege in seiner Karriere einfuhr. Merckx traut Pogacar auch zu, in einem Jahr die drei großen Rundfahrten Tour, Giro und Vuelta zu gewinnen. „Wenn es jemand schaffen kann, dann er. Meiner Meinung nach kann er es schaffen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, so Merckx.
Seinen Landsmann und Tour-Zweiten Remco Evenepoel sieht Merckx als den „Besten unter den Sterblichen“ an. Evenepoel sei der weltbeste Zeitfahrer, „aber ich bin mir nicht sicher, ob er an den Anstiegen jemals mit der Bestform von Pogacar wird mithalten können“, sagte Merckx.
Wer alles soll Pogacar auch schlagen? In den Bergen war es jedenfalls eine „Mission impossible“, wie Doppel-Olympiasieger Evenepoel eingestand. Wenn der Weltmeister antrat, leisteten seine Rivalen nicht mal mehr Gegenwehr. So wie bei seinem Meisterstück auf den 21 berühmtesten Serpentinen der Welt ins Radsport-Mekka Alpe d’Huez hinauf, als Pogacar dreieinhalb Minuten auf eine starke Ausreißergruppe aufholte.
– Pantani-Rekord übertroffen: Damit pulverisierte er auch den 31 Jahre währenden Rekord von Marco Pantani. 35:26 Minuten für den 13,8 Kilometer langen Schlussanstieg, ein Schnitt von mehr als 23 km/h, 1:24 Minuten schneller als 1995 die italienische Legende – für viele Experten eine unmenschliche Leistung.
Schon am Col du Tourmalet in den Pyrenäen hatte Pogacar eine neue Bestleistung aufgestellt. „Rekorde interessieren mich nicht, es geht mir um den Sieg“, sagt Pogacar in seiner bescheidenen Art. Ähnlich wollte er auch seine Etappenerfolge in Les Angles, Gavarnoe-Gèdre, Le Lioran und Le Markstein nicht überbewerten.

Remco Evenepoel kann mit seiner Leistung bei der 113. Tour de France zufrieden sein. Foto: Shutterstock
In Alpe d’Huez feierte er bereits seinen 26. Tour-Etappensieg. Hätte er nicht zwischendurch auch seinen drittplatzierten Teamkollegen Isaac del Toro unterstützt, wären es wohl noch mehr. Nur noch Ex-Sprintstar Mark Cavendish (35), Merckx (34) und Hinault (28) stehen vor ihm. Geht der 27-Jährige in dem Tempo weiter zur Sache, könnte der Rekord schon in zwei Jahren fallen.
„Ich habe nicht das Gefühl, dass ich seit 2024 wesentlich stärker geworden bin. Aber ich habe mehr Erfahrung; kleine Dinge verbessern sich nach wie vor. Es kommt auf die Details an“, sagt er.
– „Hat Aura wie Federer“: Pogacar setzt im Radsport neue Maßstäbe. Er gewinnt Rennen mit langen Solofahrten oder zur Not auch im Sprint. „Pogi ist inzwischen zu einer weltweiten Persönlichkeit geworden“, schwärmte sein Teamchef Mauro Gianetti: „Er hat die Aura, das Charisma, die Anziehungskraft eines Roger Federer. Er ist eine Ikone.“
Und bei der Tour hat er längst auch die Rolle des Patrons eingenommen. Nicht mehr nur der nette Junge aus Komenda wie bei seinem Debüt vor sechs Jahren. Meinungsstark vertritt er die Interessen des Pelotons, wenn es sein muss. Wie nach dem verhängnisvollen Sturz seines Rivalen Jonas Vingegaard, der nach einer nächtlichen Dopingkontrolle auf der 15. Etappe stürzte und einen Schlüsselbeinbruch erlitt. Pogacar mutmaßte, dass darin ein Zusammenhang bestanden haben könnte.
Neben Vingegaard wurde auch Pogacar nachts kontrolliert. Ein in Frankreich beispielloser Vorgang, der von einem Pariser Gericht genehmigt wurde. Gibt es womöglich Verdachtsmomente? Oder sind derartige Wunderdinge auf dem Rennrad Grund genug für solch ungewöhnliche Maßnahmen?

26.07.2026, Frankreich, Paris: Der Slowene Tadej Pogacar, der das gelbe Trikot des Gesamtführenden trägt, fährt vor dem Arc de Triomphe vorbei. Foto: Mosa’ab Elshamy/AP/dpa
– Vereinzelte Buhrufe: Die Dominanz von Pogacar gefällt jedenfalls nicht jedem. Auch am Straßenrand gab es bisweilen Buhrufe für den Unersättlichen. Anders als Merckx, dem bei der Tour de France 1975 ein wütender Franzose beim Anstieg des Puy de Dôme einen Faustschlag in die Magengrube verpasste, blieb dem Slowenen Schlimmeres bisher erspart. „Wenn mich jemand ausbuht, denke ich an Novak Djokovic und lasse mich von ihm inspirieren“, verrät Pogacar. Auch der serbische Tennisstar hat nicht nur Anhänger. 99 Prozent der Leute seien ihm aber positiv gestimmt, merkte Pogacar an.
So kann der Radstar, der bis 2030 bei UAE unter Vertrag steht, seine nächsten Ziele in Angriff nehmen. Von der Vuelta ist die Rede, die dreiwöchige Rundfahrt durch Spanien fehlt ihm tatsächlich noch in seiner langen Siegerliste. Auch der Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix blieb ihm bei zwei zweiten Plätzen bislang verwehrt. Und dass Pogacar das Weltmeister-Trikot neben Gelb besonders gut gefällt, ist allseits bekannt. (dpa/cre)
HINWEIS – Van der Poel gewinnt auf Champs-Élysées – Pogacar im Kreis der Fünffach-Sieger – Evenepoel ist Zweiter https://ostbelgiendirekt.be/pogacar-dominiert-d-441035
Schöne Tour, außer dass der Sieger schon vorher feststand. Sechs belgische Siege und in Paris ein Podium entschädigten aber dafür.
Schade, für Remco war gestern eine Passage am Montmartre zuviel, da wäre vielleicht noch was gegangen. Trotzdem super Tour für Belgien und Remco!!!
Nachdem es vorher gang und gäbe war,dass er bei einer grossen Tour vorzeitig ausstieg,kann man Remco Evenepoel diesmal wirklich nichts vorwerfen<
*zustimm*
Bauke Mollema schlägt Mannschaften von sechs statt acht Fahrern vor. Das könnte die Überlegenheit von Pogacar bei der Tour erschweren, meint er. Wird aber bestimmt nicht kommen. Eigentlich schade, denn so ist jede große Rundfahrt, an der Pogacar teilnimmt, langweilig.