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Ex-AS-Eupen-Stürmer Ulrich „Ole“ Kallius erinnert sich an Uwe Seeler: „Einen wie ihn wird es nicht mehr geben“

Bild links - Ulrich Kallius (r) in der Veteranen-Elf des Hamburger SV mit Charly Dörfel (l) und Clublegende Uwe Seeler (M). Bild rechts - 01.05.1972, Hamburg: Frenetisch gefeiert wird das Hamburger Fußballidol Uwe Seeler (M, auf den Schultern) nach seinem Abschiedsspiel im Volksparkstadion in Hamburg. Foto: privat/dpa

Nach dem Tod der Hamburger Fußball-Legende Uwe Seeler hat „Ostbelgien Direkt“ den ehemaligen Stürmer der AS Eupen, Ulrich „Ole“ Kallius, gefragt, welche Erinnerungen ihn mit „Uns Uwe“ verbinden.

Der heute 76 Jahre alte und in Hamburg lebende Kallius stürmte in der Saison 1972-1973 für den damaligen Zweitligisten AS Eupen und hatte mit 16 Toren in 25 Spielen großen Anteil am Klassenerhalt. Nach dem einen Jahr in Eupen wechselte Kallius zu Olympic Charleroi.

23.07.2022, Hamburg: Besucher stehen an einer Bronze vor dem Volksparkstadion, die den Fuß des ehemaligen Fußballspielers Uwe Seeler darstellen soll, und an dem Kerzen, Blumen und Trauerbekundungen abgelegt sind. Foto: Markus Scholz/dpa

„Oles“ Lieblingsverein war nicht der Hamburger SV, sondern stets der Stadtrivale FC St. Pauli, für den er zwischen 1966 bis 1969 in der Regionalliga in 81 Spielen 50 Tore erzielt hatte.

„Ole“ Kallius hat selber auch beim HSV gespielt – zusammen mit Uwe Seeler. „Nein, nicht in der Bundesliga, sondern als Mittelstürmer bei den Veteranen“, stellte er sogleich klar. Für die Altherren-Truppe spielte der auf Rügen geborene Kallius 14 Jahre mit Seeler sowie mit anderen ehemaligen HSV-Profis wie Charly Dörfel, Felix Magath, Jimmy Hartwig, Willi Schulz, Bernd Wehmeyer, Peter Nogly und Horst Blankenburg.

„Uwe Seeler“, so Ulrich Kallius gegenüber OD, „war eine sehr bescheidene und liebenswerte Privatperson und ein Weltklasse-Fußballspieler. Meine Familie lebte in Flensburg und war sehr sportbegeistert. Wir verfolgten sonntags die Spiele der Nordvereine über Radio, sogar meine Mutti nahm daran teil. Es waren die Zeiten der Oberliga und später der Regionalliga. Im Mittelpunkt standen natürlich der HSV und ‚Uns Uwe‘. Meine Mutti hörte ich häufig sagen: ‚Welch ein toller Mittelstürmer – und so bescheiden!‘ Meine Familie, Mutti, Papi, meine Schwester und mein Bruder, ja wir alle waren von ‚Uns Uwe’ begeistert.“

„Ole“ Kallius (rechts) im Gespräch mit Michael Reul bei der Feier zum 70-jährigen Jubiläum der AS Eupen im Business Club im Dezember 2015. Foto: OD

„Nach meiner Rückkehr aus Belgien im Jahre 1977 wurde Hamburg meine neue Heimat“, weiß Kallius weiter zu berichten: „Ich spielte ca. 14 Jahre in der HSV-Altliga und erzielte in dieser Zeit ca. 500 Tore. Zwei Jahre durfte ich noch zusammen mit ‚Uns Uwe’ spielen. Ich erlebte einen Fußballer, der noch unglaublich ehrgeizig und torgefährlich war. An fast jedem Tor war Uwe beteiligt. Die Zuschauer und Fans waren begeistert von seinen Toren, sie liebten ihn. Wenn in unserer Mannschaft zu viel mit ‚Hacke, Spitze, eins, zwei, drei‘ gespielt wurde, konnte Seeler wütend werden.“

Wie man weiß, war Uwe Seeler ein fairer Sportsmann. Das kann Kallius bestätigen. „Einen Gegner veralbern, das mochte er überhaupt nicht und teilte uns das mit sehr ernsten Worten auch deutlich mit. Von einer Sekunde zur anderen änderten wir unser Spiel.“

Ihm selbst hat Seeler „sehr gute Tipps“ gegeben, unter anderem bei Standardsituationen, so Kallius. „Tore fielen wie am Fließband. Sehr oft hat er unsere Mannschaft nach Spielen in sein Haus in Norderstedt eingeladen. Auf dem Platz war er der Chef, im Hause in Norderstedt hatte seine liebenswerte Frau Ilka das Sagen“, erinnert sich „Ole“.

Mittelstürmer Ulrich Kallius in einem Spiel mit Olympic Charleroi. Das erfolgreiche Kopfballspiel hatte er sich schon in frühen Jahren von einer anderen Nummer 9, nämlich von Uwe Seeler, abgeguckt. Foto: privat

Und Seeler spielte mit Köpfchen. Seeler war einer der besten Kopfballschützen weltweit. Sein letztes Tor für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 1970 in Mexiko im Viertelfinale gegen England erzielte Seeler sogar mit dem …Hinterkopf.

Kallius: „Während meiner Jugendzeit, wenn das Taschengeld dies erlaubte, bin ich von Flensburg zum Training der 1. Mannschaft vom HSV nach Hamburg gefahren und konnte ‚Uns Uwe’ beim Training beobachten. Uwe trainierte an einem Kopfballpendel, während seine Kameraden auf dem Spielfeld den Anweisungen des Trainers folgten. Uwe am Pendel. ….! Schweißnass sprang und sprang er dem Ball entgegen und plazierte diesen mit der Stirn. Welch eine Spannung in seinem Körper, höchste Konzentration, einfach genial. So ein Kopfballpendel gab es auch bei meinem Verein in Flensburg. Bei jeder Vertragsunterzeichnung fragte ich nach einem Kopfballpendel.“

Und der Aufwand hat sich gelohnt. „In meiner Profizeit habe ich ca. 150 Tore erzielt. Ein Drittel davon waren Kopfballtore. Woran mag das wohl gelegen haben?“ Abschließend betont „Ole“ Kallius: „Man sollte das Stadion in Uwe-Seeler-Stadion umbenennen. Einen wie Uwe wird es nicht mehr geben!“ (cre)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

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