Topnews

ICE Köln-Ostende im Sommer – Eine traditionsreiche Verkehrsachse wird reaktiviert – Gut für Tourismus?

Ein ICE rast in hohem Tempo vorbei. Foto: Pixabay

Erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten soll es wieder eine direkte Fernzugverbindung vom Rheinland an die belgische Nordseeküste geben. Die Deutsche Bahn plant im Sommer 2026 einen ICE von Köln bis Ostende – und knüpft damit an eine traditionsreiche Verkehrsachse zwischen Deutschland, Belgien und Großbritannien an.

Die Deutsche Bahn will im Sommer 2026 eine neue internationale ICE-Verbindung an die belgische Nordseeküste anbieten. Geplant ist, dass ein zusätzliches ICE-Zugpaar zwischen Köln und Brüssel verkehrt und an den Wochenenden weiter über Gent und Brügge bis Ostende fährt.

Damit erhalten Reisende aus Nordrhein-Westfalen erstmals seit vielen Jahren wieder eine direkte Bahnverbindung an die belgische Nordsee. Und die Tourismusbetreiber an der belgischen Küste reiben sich schon die Hände.

Der Kölner Hauptbahnhof. Foto: Shutterstock

Das Angebot soll vom 3. Juni bis zum 20. Juli sowie vom 6. bis zum 31. August 2026 gelten. Die Fahrzeit von Köln bis Ostende beträgt rund vier Stunden. Unterwegs halten die Züge unter anderem in Aachen, Lüttich, Leuven und Brüssel. Zum Einsatz kommt der moderne ICE 3neo.

– Historische Verbindung zwischen Rheinland und Nordsee: Die neue Eisenbahnlinie knüpft an eine lange Tradition an. Bereits im 19. und 20. Jahrhundert war die Strecke zwischen dem Rheinland und der belgischen Nordseeküste ein wichtiger Bestandteil des internationalen Zugverkehrs.

Ostende war lange Zeit ein bedeutender Fährhafen mit Schiffsverbindungen nach Großbritannien, etwa nach Dover. Viele Reisende aus Deutschland und Mitteleuropa nutzten daher die Bahnverbindung über Köln und Brüssel, um von dort mit der Fähre nach England weiterzureisen.

Internationale Fernzüge wie der Ostende-Wien-Express oder verschiedene Pullman- und Schnellzüge verbanden den belgischen Fährhafen mit großen europäischen Städten. Auch direkte Züge zwischen Köln und Ostende gehörten lange zum festen Bestandteil des internationalen Fahrplans.

Diese Ansichtskarte zeigt den Herbesthaler Bahnhof ca. 1929.

Eine besondere Rolle spielte dabei der Grenzbahnhof Herbesthal in Ostbelgien. Bis in die frühen 1960er Jahre hielten viele internationale Züge dort, weil an diesem Bahnhof Zoll- und Passkontrollen durchgeführt sowie Lokomotiven gewechselt wurden. Erst mit der Elektrifizierung der Strecke und der Verlagerung der Systemwechsel- und Grenzfunktionen nach Aachen und auch aus engstirnigen sprachpolitischen Gründen verlor der traditionsreiche Bahnhof Herbesthal seine Bedeutung im internationalen Verkehr. Statt dessen hielten die internationalen Züge im französischsprachigen Welkenraedt.

– Vom Zug direkt auf die Fähre: In der Blütezeit des internationalen Reiseverkehrs war die Verbindung besonders komfortabel organisiert. Reisende aus Städten wie Köln, Frankfurt oder Wien konnten mit einem durchgehenden Schnell- oder Luxuszug bis nach Ostende fahren. Der Bahnhof lag nur wenige Schritte vom Hafen entfernt. Dort warteten bereits die Fähren nach England.

Für viele Reisende bedeutete die Ankunft in Ostende einen fließenden Übergang vom Zug zur Seereise: Nach der Bahnfahrt ging es direkt an Bord der Fähre nach Dover und von dort weiter mit dem Zug nach London.

Der Strand von Ostende: Foto: Laurent Dubrule/EPA/dpa

Diese Kombination aus Bahn- und Fährverkehr machte Ostende über Jahrzehnte zu einem der wichtigsten Verkehrstore zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien.

– Ende der klassischen Direktzüge: Durchgehende Schnellzüge zwischen Köln und Ostende verkehrten noch bis 2002. Mit der Einführung moderner Hochgeschwindigkeitsverbindungen und einer stärkeren Konzentration des internationalen Verkehrs auf große Knotenbahnhöfe – insbesondere Brüssel – verschwanden diese klassischen Direktverbindungen aus dem Fahrplan. Reisende mussten seitdem meist in Brüssel oder anderen belgischen Städten umsteigen. Der Bau des Eurotunnels zwischen Calais und Dover wirkte sich ebenfalls negativ auf Ostende als Zielbahnhof aus.

Mit dem geplanten Sommer-ICE im Jahr 2026 wird diese traditionsreiche Verkehrsachse nun zumindest zeitweise wiederbelebt. Für Ausflügler aus dem Rheinland entsteht damit wieder eine direkte Bahnverbindung an die belgische Nordseeküste – und zugleich eine Erinnerung an eine Epoche, in der Ostende ein bedeutendes Tor Europas nach Großbritannien war.

Kürzlich kündigte die Deutsche Bahn eine weitere neue Strecke an: Ab dem 7. September 2026 wird zweimal täglich ein ICE zwischen Köln und Antwerpen verkehren, mit Halt in Aachen, Lüttich, Löwen (Leuven) und am Nationalflughafen Brüssel-Zaventem.(cre)

Eine Antwort auf “ICE Köln-Ostende im Sommer – Eine traditionsreiche Verkehrsachse wird reaktiviert – Gut für Tourismus?”

  1. Der Alte

    Eine Bahnverbindung lebt von Regelmäßigkeit, damit der potentielle Kunde einfach weiß, dass die Züge fahren. Ob es reicht, eine Verbindung nur in zwei Sommermonaten anzubieten? Zudem ist es für Reisende, die zwischen Aachen und Düren wohnen wesentlich preiswerter mit dem Auto bis Welkenraedt zu fahren, dort kostenlos zu parken und dann mit dem Zug weiter zu reisen, zum innerbelgischen Tarif. Abwarten wie die Deutsche Bahn das Experiment im September bewertet.

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern