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Spannung bis zum Schluss – Finale Entscheidung im Elfmeterschießen – Italien verdienter Europameister

11.07.2021, Großbritannien, London: Italiens Mannschaft feiert mit der Trophäe auf dem Podium nach dem Sieg. Italien gewinnt das Finale im Elfmeterschießen mit 3:2 und ist Fußball-Europameister. Foto: Michael Regan/GETTY POOL/AP/dpa

Die Fußball-EM war spannend bis ganz zum Schluss. Am Ende musste sogar ein Elfmeterschießen die Entscheidung bringen, nachdem es im Finale im Londoner Wembley-Stadion zwischen Italien und England sowohl nach 90 als auch nach 120 Minuten 1:1 gestanden hatte. Die Squadra Azzurra ist verdienter Europameister.

Italien hat sein mitreißendes Turnier mit dem zweiten EM-Triumph nach 1968 gekrönt und die Hoffnungen von Gastgeber England auf den ersten Titel seit 55 Jahren zerstört.

Vor der spektakulären Wembley-Atmosphäre von 67.173 Zuschauern setzte sich die Mannschaft von Trainer Roberto Mancini am Sonntag in einem intensiven und hochspannenden Endspiel mit 3:2 im Elfmeterschießen durch. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden.

11.07.2021, Großbritannien, London: Englands Luke Shaw (r) erzielt das Tor zum 0:1. Foto: Andy Rain/POOL EPA/dpa

Die Azzurri steckten den Schock des frühen Rückstandes durch Luke Shaw (2. Minute) weg und glichen zunächst durch Leonardo Bonucci aus (67.). Im Elfmeterschießen vergaben dann die Engländer Marcus Rashford, der Noch-Dortmunder Jadon Sancho und Bukayo Saka.

Italien blieb damit auch im 34. Spiel in Serie ungeschlagen und belohnte sich drei Jahre nach der verpassten WM 2018 für ein starkes Turnier. Die Three Lions dagegen müssen weiter auf ihren ersten Titel seit dem WM-Erfolg 1966 warten.

Auch die frühe Führung und eine starke Leistung reichten dem Team von Trainer Gareth Southgate nicht zur Erlösung. Für den Coach war es nach der erfolglosen Heim-EM 1996 zugleich der nächste persönliche Wembley-Rückschlag: Vor 25 Jahren hatte Southgate im alten Londoner Stadion im EM-Halbfinale als Einziger seinen Elfmeter gegen Deutschland verschossen und den Titel-Traum der Engländer beendet.

Wie emotional aufgeladen die Stimmung war, demonstrierten schon die Szenen Stunden vor dem ersten Pfiff des niederländischen Schiedsrichters Björn Kuipers. Die meisten Fans feierten friedlich, aber nicht wenige benahmen sich auch daneben und versuchten, ohne Tickets in das Stadion zu gelangen.

11.07.2021, Großbritannien, London: Italiens Jorginho (l-r) Italiens Giovanni Di Lorenzo, Englands Raheem Sterling und Italiens Marco Verratti kämpfen um den Ball. Foto: Christian Charisius/dpa

In der Innenstadt herrschte teilweise Ausnahmezustand, es kam auch zu Schlägereien und Gewalt. Die Lage im Stadion schien aber weitgehend unter Kontrolle, pünktlich um 21.00 Uhr begann der finale Akt der EM. Dass kurz vor Ende der regulären Spielzeit ein Flitzer auf den Platz gelangte, geht nur als Fußnote in die Geschichte dieses denkwürdigen Fußball-Abends ein.

Southgate begann wie erwartet ohne BVB-Profi Jadon Sancho und etwas überraschend mit einer Dreierkette – wie bis dato nur beim 2:0-Erfolg im Achtelfinale gegen Deutschland. Und seine Elf begann furios. Keine zwei Minuten waren gespielt, ein kleiner nervöser Wackler von Harry Maguire vergessen, als Shaw den bislang besten Konter der Three Lions im ganzen Turnier veredelte. Über Kapitän Harry Kane landete der Ball beim einen Außenverteidiger Kieran Trippier, dessen Flanke der andere Außenverteidiger Shaw per sehenswertem Dropkick verwertete.

Southgate ballte kurz die Finger zur Faust und klatschte anerkennend, vergrub dann aber wieder sofort beide Hände mit stoischem Gesichtsausdruck in den Hosentaschen. Sein Kollege Mancini, der der gleichen Startelf wie beim 4:2-Sieg im Elfmeterschießen im Halbfinale gegen Spanien vertraute, versuchte mit Lorenzo Insigne zu diskutieren. Doch der Angreifer signalisierte, dass er gar nichts hören könne. Überhaupt schienen die Italiener anfangs beeindruckt und eingeschüchtert von der imposanten Kulisse im Fußball-Tempel.

11.07.2021, Großbritannien, London: Italiens Leonardo Bonucci (M) erzielt den Treffer zum 1:1 gegen Englands Torwart Jordan Pickford (r). Foto: Pa Wire/PA Wire/dpa

„Macht sie blau“, hatte die „Gazzetta dello Sport“ gefordert. Der verletzte Leonardo Spinazzola war auf Krücken nach London gereist und hatte einen von „La Stampa“ veröffentlichten emotionalen Brief an seine Teamkollegen geschrieben. Doch diese taten sich schwer und fanden kaum ein Mittel gegen die ganz in weiß gekleideten Engländer.

Vor allem Southgates Systemumstellung erwies sich zunächst als genialer Kniff. Die Vorstöße von Shaw und Trippier über außen bekamen die Azzurri nicht unterbunden, weil deren Offensivkräfte Insigne und Federico Chiesa meistens vorne blieben. Allzu viel gelang ihnen dort nicht – bis zur 35. Minute. Chiesa probierte es aus der Distanz, sein Schuss auf dem regennassen Rasen ging aber knapp am Pfosten vorbei.

Am früheren Dortmunder Ciro Immobile hingegen lief das Geschehen bis zu seiner Auswechslung in der 55. Minute weitgehend vorbei. Marco Verrattis Schuss in der Nachspielzeit der ersten Hälfte stellte Englands Torwart Jordan Pickford vor keinerlei Probleme.

„Sie sind bereit. Wir freuen uns auf die Herausforderung“, hatte Southgate vor der Partie der BBC gesagt. Und bereit waren seine Spieler auch sofort nach Wiederanpfiff. „God save the Queen“ sangen die völlig euphorisierten Fans. Raheem Sterling suchte einen Elfmeter, der ihm aber – im Gegensatz zum heftig diskutierten Strafstoß im Halbfinale gegen Dänemark – korrekterweise verwehrt blieb (48.).

11.07.2021, Großbritannien, London: Italiens Torhüter Gianluigi Donnarumma pariert gegen Englands Jadon Sancho. Italien gewinnt das Finale im Elfmeterschießen mit 3:2 und ist Fußball-Europameister. Foto: Paul Ellis/Pool AFP/AP/dpa

Die Stimmung auf den Rängen konnte diese Szene nicht trüben. Voller Pathos und Leidenschaft trieben die Fans ihre Elf an, die sich auch über Unterstützung aus Königshaus und Politik freute.

Von Prinz William (39) über Queen Elizabeth (95) bis zu Premierminister Boris Johnson (57) – die ganze Insel wünschte den Three Lions Glück. Der „Daily Star Sunday“ stellte auf seiner Titelseite Kane mit aufgerissenem Mund als römischen Kaiser Cäsar dar. „CAESAR MOMENT“, schrieb das Blatt dazu. Der „Sunday Mirror“ bezog sich ebenfalls auf Top-Stürmer Kane und druckte die Schlagzeile: „WE KANE BE HEROES“ („Wir können Helden sein“).

Mit jeder Minute dieses stimmungsvollen Abends rückte die Heldentat näher, ehe sich die Italiener ihr entgegenstemmten. Nach dem Wiederanpfiff stellte Mancini die Offensive um und wurde dafür belohnt.

Die Partie blieb temporeich, rasant und voller packender Szenen. Insignes Freistoß ging drüber (51.), Chiesa scheiterte an Pickford (62.). Dann aber schlug der große Moment von Abwehr-Routinier Bonucci. Verrattis Kopfball parierte Pickford noch reaktionsschnell, ehe der 34-Jährige zum verdienten 1:1 abstaubte.

Er ist damit der älteste Spieler, der je in einem EM-Finale getroffen hat. Im Alter von 34 Jahre und 71 Tagen löste er den früheren deutschen Nationalspieler Bernd Hölzenbein ab, der im EM-Finale 1976 gegen die Tschechoslowakei im Alter von 30 Jahren und 103 Tagen erfolgreich war – die DFB-Auswahl verlor im Elfmeterschießen. Ins Elfmeterschießen ging es diesmal auch – mit dem Happy Ende für Italien. (dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

22 Antworten auf “Spannung bis zum Schluss – Finale Entscheidung im Elfmeterschießen – Italien verdienter Europameister”

    • Zu spät eingewechselt. Ohne vorherigen Ballkontakt im EM-Finale an den Elfmeterpunkt. Da kann nur schief gehen. Rushford hat das Verschiessen aber immerhin besonders gut zelebriert. Konzentrationpause, 5 Schritte nach links, Anlauf, stehen bleiben, auf der Stelle trippeln und Pfosten treffen. ;-)))
      Weiterer Fehler des Trainers den 19 jährigen Saka überhaupt ( und dann als letzer) schiessen zu lassen. Der hat im spiel schon keinen Ball getroffen.

  1. Tippel, Trippel, Trippel……………..und daneben! Ich schieße den wichtigsten Elfmeter meiner Karriere, zieh eine komplett idiotische Show ab und…………………verschieße. Das war kein Psech, sondern Charma. Dann hole ich den jüngsten und unerfahrensten Spieler auf dem Platz, und lasse Ihn den wichtigsten Elfmeter schiessen. Unbegreiflich.

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