Meinung, Sport

Auf Europa ist mal wieder Verlass [Zwischenruf]

06.06.2025, Baden-Württemberg, Stuttgart: UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Foto: Marijan Murat/dpa

Europa hat nicht mehr viele Alleinstellungsmerkmale. Wirtschaftlich wird es von den USA und China herausgefordert, militärisch hadert es mit sich selbst, technologisch läuft es häufig hinterher. Aber wenn irgendwo eine größenwahnsinnige Idee auftaucht, ist auf Europa erstaunlich oft Verlass.

Das jüngste Beispiel liefert Gianni Infantino. Der Präsident des Weltfußballverbandes FIFA wollte Investoren den Einstieg in den Weltfußball erleichtern – ein weiterer Schritt hin zu jenem Fußball, der weniger Sport als globales Finanzprodukt ist. Milliarden sollten fließen, Renditen entstehen, neue Märkte erschlossen werden.

15.05.2025, Paraguay, Luque: UEFA-Präsident Aleksander Ceferin (l) hat sich von FIFA-Boss Gianni Infantino (r) nicht einschüchtern lassen. Foto: Fernando Calistro/AP/dpa

Doch dann passierte etwas, womit Infantino offenbar nicht gerechnet hatte: Die UEFA sagte Nein. Nicht aus romantischer Verklärung des Amateurfußballs. Die UEFA ist selbst ein Milliardenunternehmen und weiß sehr genau, wie man Geld verdient. Aber sie kennt auch den Unterschied zwischen einem Wirtschaftsgut und einem Kulturgut. Wer Investoren dauerhaft an den Schalthebeln des Weltfußballs installiert, verändert den Charakter dieses Spiels unwiderruflich.

Dass Infantino seine Pläne nun begraben musste (siehe Artikel unten), ist deshalb mehr als eine sportpolitische Randnotiz. Es ist ein Lehrstück über die Bedeutung Europas im Weltfußball. Während die FIFA zunehmend globalen Geschäftsinteressen folgt, bleibt die UEFA – allen berechtigten Einwänden zum Trotz – häufig das institutionelle Gewissen des Sports. Und Europa übernimmt diese Rolle nicht zum ersten Mal.

17.01.2026, Dänemark, Kopenhagen: Menschen versammeln sich zu einer Pro-Grönland-Demonstration. Foto: Emil Helms/Ritzau Scanpix Foto via AP/dpa

Als Donald Trump seinerzeit den Kauf Grönlands ins Spiel brachte, wirkte das zunächst wie eine jener Ideen, die irgendwo zwischen Größenfantasie und Verhandlungstaktik angesiedelt waren. Europa – allen voran Dänemark – reagierte nicht mit Relativierung oder Beschwichtigung, sondern mit einem unmissverständlichen Nein. Es machte deutlich, dass nicht alles käuflich ist und dass es Grenzen gibt, die nicht vom Geld oder politischen Machtansprüchen definiert werden.

Natürlich sind Geopolitik und Fußball nicht miteinander gleichzusetzen, aber das Muster ähnelt sich. In beiden Fällen traf der Glaube, mit genügend Geld oder Einfluss lasse sich nahezu alles organisieren, auf eine europäische Kultur des Widerspruchs. Europa ist nicht deshalb stark, weil es alles möglich macht, sondern weil es manchmal verhindert, dass alles möglich wird. Nicht nur im Fußball. (cre)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

23 Antworten auf “Auf Europa ist mal wieder Verlass [Zwischenruf]”

  1. Hugo Egon Bernhard von Sinnen

    Denke eher ( das auf Europa Verlass ist ) wenn ab einer gewissen Prozentzahl der Bevölkerung, die Reklamationen zunehmen.
    Man schaut im Irrenhaus von Brüssel immer zuerst, wie die verwirrenden Mitteilungen bei den Medien und ihren Konsumenten ankommen.
    Regen sich ersichtlich über das Netz oder direkt demonstrierend, zu wenige Menschen auf, zieht man gleich welches Vorhaben einfach durch, auch wenn es an Schwachsinn nicht zu überbieten ist.
    Auch schwachsinnige Demonstrationen zu fördern, wird von der EU nicht selten, organisiert.
    Und leider sind in den letzten Jahren, sehr viele Vorhaben der EU, an Schwachsinn nicht zu überbieten gewesen, weil große Teile der Bevölkerung es versäumen, ihre Meinung, beispielsweise in Foren preis zu geben.

      • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

        Noha Parmontier / Solange sie sich einbilden, hier etwas zu sagen zu haben , ist für sie die Welt ja in Ordnung.
        Nur kann der Leser ihre sinnfreien Meinungen, ( in Form ihres Geschreibsels ) nicht hören und möchte es vermutlich auch nicht.

        • Dow Jones

          Das stimmt, man kann das Geschriebene nicht hören. Zum Hören wurde deswegen damals das Radio erfunden. Und natürlich hat Noha Parmontier aka Noah Parmentier hier etwas zu sagen, genau wie jeder andere auch. Wir sind ja immer noch im Forum für alle möglich Denker, dem großen Verfechter der Meinungs- und Redefreiheit.

        • Beatrice Schins

          Und ihre hier dargelegte Meinung ist dann kein ”Geschreibsel”?
          Geschreibsel sind nur die Kommentare anderer?
          Jeder hat Recht auf seine Meinung.
          Ob diese schriftlichen Ergüsse immer alle anderen Leser interessieren, bleibt dahingestellt.

  2. ….
    Europa ist nicht deshalb stark, weil es alles möglich macht, sondern weil es manchmal verhindert, dass alles möglich wird. Nicht nur im Fußball.
    /////
    Wie kommen Sie denn auf dieses schmale Brett, Herr Cremer? Europa ist nicht stark, Europa wird nach unten durchgereicht, nicht nur im Fußball.

  3. Ein alter Eupener

    Dazu sehr geehrter Herr Cremer,
    ein zwar altes, aber aktuell bleibendes Zitat von einem Nicht-Fußballfan:

    “ Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut etwas zu riskieren.“ (Vincent van Gogh, 1853 – 1890)

    Unter uns: Der Meister hätte Infantino nicht gemalt. Das Porträt von Trump wäre längst überklebt.

      • Ein alter Eupener

        „an der Waffel????“
        Ein ganz Großer der Kunstgeschichte. Heute bei Sothebys und anderen berühmten Auktionshäusern für Millionen ersteigert. Ein Amsterdam ein eigenes Museum. Auch mit Briefenweltliterarisch anerkannt. Wovon reden Sie in Ihrer beschämenden Unwissenheit?

        • @ Ein alter Eupener

          Ich meine irgendwann mal gelesen zu haben, dass Vincent sich sogar selbst ein Ohr abgeschnitten hat … war also wohl schon „ein bisschen durch den Wind“. Genie und Wahnsinn eben.

          • Ein alter Eupener

            ja, es stimmt, dass van Gogh sich ein Ohr abgeschnitten. im Absinthrausch nach der Abweisung durch eine geliebte Frau. Die Kulturgeschichte der ganzen Welt von solch dramatischen Dingen: Sokrates in der Gruft, Villon am Galgen, Hölderlin und Nietzsche umnachtet, Celan Freitod in der Seine, Hemingway mit der Flinte.

            Wesentlich jedoch: ihr Werk, ihre Worte und die gebliebenen Zitate behalten ihren Tiefsinn. Sie erlitten , helfen noch vielen in der persönlichen Not und verdienen alles andere als schlechtinformierten Spott.

            • Herbert G.

              Jaja, Sie brauchen hier nur ein paar grosse Namen reinzuwerfen und schon gehört Ihnen das Feld.
              Wer sind Sie, dass Sie mir „schlechtinformierten Spott“ vorwerfen?
              Van Gogh war psychisch krank und seine Selbstverstümmelung ist dafür ein Indiz.
              Das ist nicht weiter schlimm, seine Bilder sind deswegen nicht weniger schön.
              Aber dass er einen an der Waffel hatte ist Fakt.

  4. Eifel_er

    Hätte ich nen Wunsch würde ich auch dort gerne Angestellt sein. Arbeiten wenn ich Lust habe – kein Bock ? Bleibe ich daheim. Wird als Home Office vergütet und kein Hahn kräht danach

    • Guido Scholzen

      Richtig!
      Aber wer sind „die in Europa“ bei dieser Umverteilung?
      1. die da oben:
      Die Eurokratie ist mittlerweile als Klasse von „Parasiten“ anzusehen. Es gibt für mich eine klare Trennung zwischen jenen, die Werte schaffen (Unternehmer-Selbstständige, Erfinder, Freidenker, Ehrenamtliche, auch der einfache Arbeiter und Angestellte, Prakmatiker,…), und „denen“, die Werte+Vermögen verwalten, verteilen, reglementieren oder „umdeuten“, was in diesem Kontext als EU-Sozialismus ausufert.
      Die EU hat nicht das Recht, eigene Steuern zu erheben, tendiert jedoch zu einem allmächtigen Staatsapparat, der uns mit nutzlosen Verordnungen zumüllt, bis wir alle in diesem Abfall ersticken. Deshalb ist es absolut notwendig, dass die einzelnen Nationalstaaten diesem EU-Regulierungs-Monster genug Widerstand entgegen setzen.
      2. die da unten:
      die „Parasiten“, die als Sozial-Schmarotzer von dieser Umverteilung profitieren, ohne dem Vereinigten Europa jemals positiv gedient zu haben. Nutzlose Mitesser aller Art gab es immer, aber wieviel Prozent der Gesellschaft sind tragbar?

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