Europa hat nicht mehr viele Alleinstellungsmerkmale. Wirtschaftlich wird es von den USA und China herausgefordert, militärisch hadert es mit sich selbst, technologisch läuft es häufig hinterher. Aber wenn irgendwo eine größenwahnsinnige Idee auftaucht, ist auf Europa erstaunlich oft Verlass.
Das jüngste Beispiel liefert Gianni Infantino. Der Präsident des Weltfußballverbandes FIFA wollte Investoren den Einstieg in den Weltfußball erleichtern – ein weiterer Schritt hin zu jenem Fußball, der weniger Sport als globales Finanzprodukt ist. Milliarden sollten fließen, Renditen entstehen, neue Märkte erschlossen werden.

15.05.2025, Paraguay, Luque: UEFA-Präsident Aleksander Ceferin (l) hat sich von FIFA-Boss Gianni Infantino (r) nicht einschüchtern lassen. Foto: Fernando Calistro/AP/dpa
Doch dann passierte etwas, womit Infantino offenbar nicht gerechnet hatte: Die UEFA sagte Nein. Nicht aus romantischer Verklärung des Amateurfußballs. Die UEFA ist selbst ein Milliardenunternehmen und weiß sehr genau, wie man Geld verdient. Aber sie kennt auch den Unterschied zwischen einem Wirtschaftsgut und einem Kulturgut. Wer Investoren dauerhaft an den Schalthebeln des Weltfußballs installiert, verändert den Charakter dieses Spiels unwiderruflich.
Dass Infantino seine Pläne nun begraben musste (siehe Artikel unten), ist deshalb mehr als eine sportpolitische Randnotiz. Es ist ein Lehrstück über die Bedeutung Europas im Weltfußball. Während die FIFA zunehmend globalen Geschäftsinteressen folgt, bleibt die UEFA – allen berechtigten Einwänden zum Trotz – häufig das institutionelle Gewissen des Sports. Und Europa übernimmt diese Rolle nicht zum ersten Mal.

17.01.2026, Dänemark, Kopenhagen: Menschen versammeln sich zu einer Pro-Grönland-Demonstration. Foto: Emil Helms/Ritzau Scanpix Foto via AP/dpa
Als Donald Trump seinerzeit den Kauf Grönlands ins Spiel brachte, wirkte das zunächst wie eine jener Ideen, die irgendwo zwischen Größenfantasie und Verhandlungstaktik angesiedelt waren. Europa – allen voran Dänemark – reagierte nicht mit Relativierung oder Beschwichtigung, sondern mit einem unmissverständlichen Nein. Es machte deutlich, dass nicht alles käuflich ist und dass es Grenzen gibt, die nicht vom Geld oder politischen Machtansprüchen definiert werden.
Natürlich sind Geopolitik und Fußball nicht miteinander gleichzusetzen, aber das Muster ähnelt sich. In beiden Fällen traf der Glaube, mit genügend Geld oder Einfluss lasse sich nahezu alles organisieren, auf eine europäische Kultur des Widerspruchs. Europa ist nicht deshalb stark, weil es alles möglich macht, sondern weil es manchmal verhindert, dass alles möglich wird. Nicht nur im Fußball. (cre)
Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD: