Gegner werfen ihm vor, sich wie ein König aufzuführen: Donald Trump ist seit einem Jahr wieder an der Macht. Wie hat sich das auf die Welt und Amerika ausgewirkt?
Als Donald Trump vor einem Jahr zum zweiten Mal Präsident der Vereinigten Staaten wurde, ahnten alle: Seine erste Präsidentschaft (2017-2021), die schon folgenreich war, war nur ein Vorgeschmack. Der 79-Jährige krempelt sein Land massiv um, mit Härte und Entschlossenheit – und die ganze Welt bekommt es zu spüren. Was hat sich verändert nach einem Jahr Trump?
DIE AUSSENPOLITIK
– Nato und Europa: Nichts ist mehr, wie es einmal war. Den Europäern ist im vergangenen Jahr so deutlich wie nie zuvor vor Augen geführt worden, welch großer Fehler es war, sich bei Verteidigung und Sicherheit in die Abhängigkeit der USA zu begeben. Aus Angst, Trump könnte angesichts der Bedrohung durch Russland das Nato-Schutzversprechen infrage stellen, schlucken sie seit zwölf Monaten eine Zumutung nach der anderen – von Sonderzöllen bis zur Forderung, die Unterstützung der Ukraine allein zu finanzieren.

15.03.2025, Grönland, Nuuk: Menschen nehmen an einem Marsch teil, der vor dem US-Konsulat unter dem Motto „Grönland gehört dem grönländischen Volk“ endet. Auf einem Plakat steht geschrieben „We are not for sale!“. Foto: Christian Klindt Soelbeck/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa
Jüngste Zumutung ist, dass Trump von Dänemark verlangt, den USA die Arktisinsel Grönland zu verkaufen. Weil europäische Staaten nun einige Soldaten auf die Insel schickten, kündigte der US-Präsident neue Strafzölle gegen acht europäische Länder ab 1. Februar an – bis man sich auf einen Kauf einige.
Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass die Europäer selbst bei einer erzwungenen Annexion keine Gegenmaßnahmen ergreifen würden, die möglicherweise einen sofortigen Rückzug der USA aus der Nato zur Folge haben könnte.
Groß ist nämlich die Sorge, dass sich Russland dann eingeladen fühlen könnte, seinen Eroberungsfeldzug auszudehnen – beispielsweise auf die EU-Staaten im Baltikum. Ob bei Atomwaffen, Satellitenaufklärung, Raketenabwehr oder Kampfflugzeugtechnik – in etlichen Schlüsselbereichen haben die Europäer derzeit nicht die Fähigkeiten, die für eine verlässliche Abschreckung Russlands als notwendig gelten.
So bitter und unerquicklich Trumps Politik für die EU und die meisten Mitgliedstaaten ist: Zumindest die Nato profitiert in gewisser Hinsicht von ihr. Unter Trumps Druck verständigten sich die Alliierten im Sommer darauf, ihre verteidigungsrelevanten Ausgaben in den kommenden Jahren auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Sollte der Grönland-Konflikt nicht doch in ein Aus der Nato münden, wird das Bündnis nach Einschätzung von Generalsekretär Mark Rutte so aufgerüstet werden, dass es auf absehbare Zeit unangreifbar bleibt.
– Russland: In Moskau wird Trumps Politik, die auch den Westen unter Druck setzt, mit Faszination verfolgt. In den Verhandlungen über ein Ende des von Wladimir Putin befohlenen Kriegs gegen die Ukraine hat Moskau im US-Präsidenten zudem einen lange Zeit bequemen Gesprächspartner gefunden, der Verständnis für die imperialen Ambitionen des Kremls demonstrierte.

15.08.2025, USA, Joint Base Elmendorf-Richardson: US-Präsident Donald Trump begrüßt den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der Joint Base Elmendorf-Richardson in Alaska. Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Geschickt nutzte dies die Moskauer Führung für ein Zeitspiel in den Verhandlungen aus. Nach außen hin wurde Dialogbereitschaft demonstriert, echte Zugeständnisse bei den Kriegszielen gab es nicht. Moskau köderte Trump dabei mit losen Versprechen einer wirtschaftlich lukrativen Zusammenarbeit beim Abbau von Rohstoffen. Ungeduld zeigte der US-Präsident erst in den vergangenen Wochen, als er Sanktionen gegen Russland wegen des immer noch andauernden Kriegs verstärkte.
– China: China hat sich der Politik Trumps im Handelskonflikt bewusst entgegengestellt. Peking reagierte auf US-Zölle mit Gegenzöllen und nutzte zuletzt auch seine Vormacht bei seltenen Erden. Damit wollte Staats- und Parteichef Xi Jinping zeigen, dass China als Großmacht wehrhaft ist und über eigene Druckmittel verfügt. Neue Exportrekorde im internationalen Handel trotz der US-Zölle unterstreichen, dass Peking in der Tat widerstandsfähig ist.
International fand dieser Kurs vor allem im Globalen Süden Zustimmung. Dort wird China zunehmend als Gegengewicht zu den USA wahrgenommen. Zugleich nutzt Peking den Rückzug Washingtons aus internationalen Organisationen sowie umstrittene US-Aktionen wie zuletzt die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro in Caracas, um sich selbst als verantwortungsvolle Großmacht zu inszenieren.
– Trumps Zollpolitik: Gleich nach seinem Amtsantritt machte sich Trump daran, mit einem beispiellosen Zoll-Rundumschlag den Welthandel umzukrempeln. Seine These: Die ganze Welt nutzt seit Jahren die USA aus – und er werde das mit Zollschranken ändern und die Industrieproduktion ins Land zurückbringen. „Ich bin der Zoll-König“, sagte Trump. Warnungen von Ökonomen, Zölle dürften am Ende von US-Verbrauchern getragen werden, ignorierte die Trump-Regierung. Derweil könnte Trump noch das Oberste Gericht in die Parade fahren und die rechtliche Grundlage für einen großen Teil der Zölle entziehen.
DIE INNENPOLITIK
– Razzien gegen Migranten: Trump rüttelte auch im Inland an einigen Grundpfeilern. Nun sind in Amerika – für viele einst der Inbegriff eines Einwanderungslandes – Razzien von vermummten Beamten gegen Migranten an der Tagesordnung. In vielen demokratisch regierten Städten hat sich dagegen Widerstand formiert: Bürgerinnen und Bürger warnen sich mit Trillerpfeifen oder über Social-Media-Kanäle, wenn sie Beamte der Einwanderungsbehörde ICE in ihrer Gegend sehen. Für besonders viel Aufmerksamkeit sorgten jüngst die tödlichen Schüsse eines ICE-Beamten auf eine 37-jährige US-Bürgerin in Minneapolis.

03.10.2025, USA, Washington: Eine Kunstinstallation, die US-Präsident Donald Trump und Jeffrey Epstein Hand in Hand zeigt, steht auf der National Mall in der Nähe des Kapitols. Foto: Jose Luis Magana/FR159526 AP/AP/dpa
Die Frau der Getöteten, Becca Good, war bei dem Vorfall dabei und sagte, sie seien zu dem ICE-Einsatz gefahren, um ihre Nachbarn zu unterstützen. „Wir hatten Trillerpfeifen, sie hatten Waffen.“ Während sich die US-Regierung hinter den ICE-Beamten stellte, kam es zu landesweiten Protesten.
– Silicon Valley auf seiner Seite: Im Trumps erster Amtszeit war das Verhältnis zu den Tech-Konzernen aus dem als liberal geltenden Silicon Valley angespannt. Nach der Erstürmung des Kapitols in Washington durch seine Anhänger im Januar 2021 wurde Trump wegen Aufrufen zur Gewalt sogar von mehreren dort ansässigen großen Online-Plattformen wie Twitter (jetzt X), Facebook und Instagram gesperrt.
Ganz anders ist die Lage jetzt. Tech-Milliardär Elon Musk war einer der größten Geldgeber für Trumps Wiederwahl. Meta-Chef Mark Zuckerberg stampfte in den USA die Faktenchecks ein, über die sich Trump-Anhänger seit Jahren beklagt hatten. Apple, das den Großteil seiner Geräte in Asien bauen lässt, musste erfahren, wie abhängig das Geschäft von der Erhebung von Zöllen durch den Präsidenten sein kann. Zugleich signalisiert das Weiße Haus der Tech-Branche, dass sie auf Rückendeckung der US-Regierung bei Streitigkeiten etwa mit der EU bauen kann.
– Gefahr durch Zwischenwahlen: Für Trump wird sein zweites Amtsjahr entscheidend. Im November könnte seine Partei, die Republikaner, die jetzt schon hauchdünnen Mehrheiten in den Kammern im US-Parlament verlieren. Es stehen die Zwischenwahlen – die Midterms – an. Erstarken die Demokraten wieder, wäre das ein schwerer Rückschlag für Trump werden.
– Epstein-Unterlagen als Problem: Doch es droht noch mehr Ungemach für Trump. In den vergangenen Wochen bröckelte zunehmend der Rückhalt. im eigenen Lager – darunter in der Bewegung „Make America Great Again“ (Macht Amerika wieder großartig). Einige Republikaner kritisierten seine Politik öffentlich.
Trump musste jüngst – widerstrebend – ein Gesetz des Kongresses unterschreiben. Dieses verpflichtet das Justizministerium, Ermittlungsakten im Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, der einen Missbrauchsring betrieben hatte, offenzulegen. Obwohl die Frist dafür verstrichen ist, ist erst ein Teil der Daten freigegeben. Trump wollte die Akten nicht veröffentlicht sehen – warum, ist unklar. Im Wahlkampf hatte er das noch gefordert. Dass er seine Ankündigung nun nicht umsetzt, führt zu großer Enttäuschung im eigenen Lager. (dpa)
Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:
Warum schenkt man ihm nicht direkt ganz Europa??? Diskussionen über die Abschaffung der EU und der NATO wären überflüssig!!! Die Angst, Russland würde demnächst auch Europa angreifen, besteht dann nicht mehr, da wir ja militärisch, wie schon einmal, von der USA beschützt würden!!!
Jetzt werden Sie albern.
DR ALBERN/ Bin froh dass sie hinter dem Wort Europa, keine drei Ausrufezeichen gesetzt haben. Und stattdessen Fragezeichen. Nicht dass man im EU-Parlament wieder auf dumme Ideen kommt.
Aber im Prinzip ist es in der jetzigen Zeit, nur eine Preisfrage.
Sehr geehrter Herr Cremer,
ich fände es gut, wenn sie sich auch Mal mittels Satire über die EU-Ursula austoben würden.
Immer nur Trump wird langsam langweilig.
Das wäre politisch nicht korrekt! Weil OD für Vor/Quer/Nachdenker bestimmt ist, also nicht möglich!
@meinemeinungdazu: Wer spricht denn heute über Ursula? Trump dominiert seit Wochen das gesamte Weltgeschehen. Sie scheinen sich nicht der Gefahr bewusst zu sein, der Trump die Welt – und vor allem Europa – aussetzt. Wie im Bericht auch steht: Unter Trump ist „nichts mehr, wie es einmal war“. Trump ist nicht langweilig, Trump ist gefährlich.
#Blob/ Ihr Irrtum entsteht aus zwei Gründen.
Den Amerikanern vermittelt man Glaubwürdigkeit, mit einer riesen Show.
Diese Show, würde in Europa nicht ankommen. Es bedeutet aber nicht, dass VDL weniger gefährlich ist.
Auch wenn sie, langweiliger wirkt, steckt der gleiche Teufel in ihr.
@Hugo Egon Bernhard von Sinnen: Ihr Kommentar beweist, dass die Gefahr von Trump hierzulande immer noch unterschätzt wird. Die von der Leyen wird vor allem von den Corona-Geschädigten völlig überschätzt. Der Trump hingegen macht was er will. Leider begreifen die meisten Amerikaner das erst, wenn es schon zu spät ist. Trump ist längst ein Diktator. Darüber hinaus leidet er unter einem ausgeprägten Europa-Komplex, genauso wie sein Vize JD Vance, ein amerikanischer Joseph Goebbels. Trump und Vance sind die Totengräber des freien Westens. Man kann nur hoffen, dass sich eine Mehrheit der Amerikaner spätestens bis zur nächsten Wahl dessen bewusst wird.
Noch gefährlicher sind „unsere“ Politiker und die EU, die auf der Weltbühne zur grössten Lachnummer geworden sind. Es ist jedoch nicht sie, die den Schlamassel ausbaden, sondern wir. Europa wird seit Jahrzehnten von Clowns geFÜHRT, die vom angelsächsisch-jüdischen Komplex geFÜHRT werden. Seit über 120 Jahren ist Europa das Spielball dieser „Elite“ und die beiden Weltkriege gehen bereits auf deren Konto. Der Italiener Preparata hat dazu ein sehr gutes Buch geschrieben, und zwar CONJURING HITLER: HOW GREAT BRITAIN AND AMERICA CREATED THE THIRD REICH AND DESTROYED EUROPE.
Der Dritte Weltkrieg wird keineswegs ein „Weltkrieg“ sein, sondern ein Krieg zwischen den USA und… Europa. Wetten, dass?