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„Kompany in Deutschland kurz vor Seligsprechung“ und „So eine Rede muss in den Bundestag“ [VIDEO]

17.05.2025, Baden-Württemberg, Sinsheim: Münchens Trainer Vincent Kompany kommt in das Stadion. Foto: Uwe Anspach/dpa

Als Vincent Kompany auf den mutmaßlichen Rassismus-Vorfall um Fußballstar Vinícius Júnior angesprochen wird, rückt alles andere schlagartig in den Hintergrund. Der deutsche Fußball-Clásico gegen Borussia Dortmund in einer Woche? Die drohenden Gelb-Sperren des Münchner Nationalspieler-Trios Joshua Kimmich, Jonathan Tah und Leon Goretzka im Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt? Alles in dem Moment nur zweitrangig.

Das alles verblasste im eindringlichen Zwölf-Minuten-Statement des Bayern-Trainers (siehe VIDEO unten) am Ende einer eigentlich routinemäßigen Spieltags-Pressekonferenz. Der 39 Jahre alte Belgier mit kongolesischen Wurzeln war emotional angefasst – und seine nachdenklichen Worte hallten über Deutschland hinaus nach.

Kompany hatte das Champions-League-Spiel von Benfica Lissabon gegen Real Madrid am Dienstagabend live im Fernsehen gesehen. Der Brasilianer Vinícius Júnior, der sein 1:0-Siegtor für Real exzentrisch bejubelte, beschuldigte Benfica-Profi Gianluca Prestianni danach auf dem Platz, ihn auf Spanisch als „Affen“ bezeichnet zu haben.

17.02.2026, Portugal, Lissabon: Vinicius Junior von Real Madrid streitet sich mit Schiedsrichter François Letexier. Foto: Pedro Rocha/AP/dpa

Real-Stürmer Kylian Mbappé bestätigte das, der Schiedsrichter unterbrach die Partie. Im fraglichen Moment hatte Prestianni sein Trikot über den Mund gezogen. Der Argentinier bestreitet die Vorwürfe.

Kompany stellte sich klar hinter Vinícius Júnior, beklagte grundsätzlich den Umgang mit Rassismus im Fußball und in der Gesellschaft. Und er kritisierte Benfica-Coach José Morurinho in der Sache hart. Dem Portugiesen warf er ein schweres Fehlverhalten in einer Führungsposition vor. Doch der Reihe nach.

– „Es gibt immer nur schwarz und weiß“:  „Es ist ein schwieriges Thema“, sagte Kompany zu Beginn seiner Ausführungen, bei denen er lieber vom Deutschen ins vertrautere Englisch wechselte. „Wenn es wahr ist, dass der Spieler von Benfica das gesagt hat, würde ich mir wünschen, dass es einen Raum für eine Entschuldigung gibt. Niemand auf der Welt ist perfekt. Aber wir berauben uns dieser Option. Es gibt immer nur links und rechts, schwarz und weiß“, beklagte der Belgier.

An Vinícius Júnior, der den Vorfall auf dem Platz bei Schiedsrichter François Letexier anzeigte, zweifelt Kompany nicht. „Wenn du die Aktion siehst, kann die Reaktion von ihm nicht vorgetäuscht sein. Es ist eine emotionale Reaktion. Und ich sehe keinen Nutzen für ihn darin, zum Schiedsrichter zu gehen und das ganze Elend auf seine Schultern zu nehmen. Aber er macht es, weil er findet, es ist in dem Moment das Richtige“, erklärte Kompany.

17.02.2026, Portugal, Lissabon: Vinicius Junior von Real Madrid streitet sich mit Benficas Trainer Jose Mourinho nach dem Führungstreffer. Foto: Pedro Rocha/AP/dpa

Er selbst hat in seiner Zeit als Spieler und auch als Trainer rassistische Anfeindungen erlebt. Vinícius Júnior sei im Gegensatz zu vielen anderen schwarzen Fußballern als berühmter Spieler „wenigstens in einer Position, dass er eine Stimme hat zu protestieren“, bemerkte der Bayern-Coach.

– „Krasser Fehler“ von Mourinho: Deutlich äußert er sich zum Trainer-Kollegen Mourinho. Der Portugiese habe nach dem Spiel „den Charakter von Vinícius Júnior attackiert, indem er dessen Torjubel anführt“, schilderte Kompany. Das lenke ab vom eigentlichen Kern. „Das ist für mich ein krasser Fehler in Sachen Führung. José Mourinho erwähnt den Namen Eusebio, um zu sagen, dass Benfica nicht rassistisch sein könnte, weil der beste Spieler in Benficas Geschichte ein Schwarzer gewesen sei.“ Er kenne viele schwarze Spieler, die von Rassismus betroffen waren und sind. Neben Eusebio zählte Kompany namentlich Ex-Stars wie Samuel Eto’o, Mario Balotelli und Patrick Vieira auf. „Ich urteile nicht über José Mourinho als Person“, sagte Kompany ausdrücklich: „Aber er hat einen Fehler gemacht. Und ich hoffe, das wird in der Zukunft nicht mehr passieren.“

Das Echo auf Kompanys Statement zum Thema „Rassismus im Fußball“ war gewaltig, vor allem im Deutschland. „Vincent Kompany steht in Deutschland kurz vor der Seligsprechung“, umschrieb etwas zugespitzt ein Fußballfan in den sozialen Netzwerken die Stimmung rund um Kompany nach dessen viel beachtetem Auftritt.

Tatsächlich sorgte der Trainer des FC Bayern München mit seinem Statement für eine Resonanz, die weit über das Sportliche hinausging. „Kompanys kluge Worte gegen Rassismus. Diese Rede muss in den Bundestag! Alle sprechen über den Auftritt vom Bayern-Trainer“, titelte die „Bild“-Zeitung. (dpa/cre)

Nachfolgend ein VIDEO mit dem Statement von Bayern-Coach Vincent Kompany zum Thema „Rassismus im Fußball“ nach den Vorfällen im Spiel Benfica Lissabon gegen Real Madrid (in Englisch mit Untertiteln in deutscher Sprache):

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