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Vier Jahre Ukraine-Krieg: Gibt es einen Ausweg?

22.02.2026, Ukraine, Kiew: Anwohner tragen ihre Habseligkeiten, als sie nach einem russischen Drohnenangriff, der Wohnhäuser beschädigt hat, ihre Häuser verlassen. Foto: Sergei Grits/AP/dpa

Russlands zerstörerischer und verlustreicher Angriffskrieg gegen die Ukraine geht in sein fünftes Jahr. Hunderttausende Menschen sind seit Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 gestorben. Millionen Ukrainer sind geflohen. Das größte Blutvergießen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg erschüttert die Sicherheit des Kontinents.

Zwar gibt es Bemühungen um ein Kriegsende. Doch wie stehen die Friedenschancen? Ein Überblick über die Szenarien, die beteiligten Seiten und ihre Motive:

– Wie ist die Ausgangslage der Kriegsparteien und anderer Beteiligter?

Ukraine: Ein Fünftel des Landes im Osten Europas ist russisch besetzt. Die Ukraine hat mit ausländischer Hilfe vier Jahre standgehalten. Doch sie kann den allmählichen Vormarsch des Angreifers nur bremsen, seiner Armee Verluste zufügen, kaum selbst in die Offensive gehen. Die Bevölkerung durchleidet wegen der Zerstörungen am Energienetz den kältesten und dunkelsten Winter bislang.

14.02.2026, Bayern, München: Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Foto: Sven Hoppe/dpa

Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert eine Waffenruhe und dann eine Regelung für einen „gerechten Frieden“. Zugleich setzt er auf eine Einigung in der EU, der Ukraine über zwei Jahre bis zu 90 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, mit denen das Land sich auch weiter gegen den Krieg wehren kann.

Russland: Kremlchef Wladimir Putin hat sich mit dem Überfall auf das Nachbarland übernommen. Die Verluste seiner Armee gehen in die Hunderttausende. Die wirtschaftlichen Probleme verschärfen sich unter dem wachsenden Druck der westlichen Sanktionen. Die Energiegroßmacht, die mit ihrem Verkauf von Öl und Gas etwa an China ihre Kriegsmaschinerie am Laufen hält, musste zuletzt auch schwere ukrainische Gegenschläge auf Raffinerien und Industrieanlagen hinnehmen. Ein wirtschaftlicher Kollaps ist möglich, aber nicht in Sicht. Vielmehr dürfte Russland noch einige Jahre Krieg führen können.

Europa: Die europäischen Länder unterstützen die Ukraine seit 2022 mit Waffen – aber dosiert, um keine Vergeltung der Atommacht Russland zu riskieren. Deutschland ist durch den Wegfall der USA zum größten Waffenlieferanten aufgestiegen. Immer mehr sehen sich die Länder gerade im Osten Europas durch Russland bedroht und rüsten zur Abschreckung auf.

USA: Unter Präsident Joe Biden war Washington größter militärischer Unterstützer der Ukraine. Unter Nachfolger Donald Trump gibt es Waffen nur noch, wenn die Europäer bezahlen. Trump hob die Isolation Russlands auf und traf sich 2025 mit Putin. Sein Verhältnis zu Selenskyj schwankt. Der US-Präsident hat aber russische Ölkonzerne sanktioniert und Käufer von russischem Öl mit Zöllen belegt, um den Kreml unter Druck zu setzen.

03.02.2026, Ukraine, Kiew: Auf diesem vom Pressebüro des ukrainischen Präsidenten zur Verfügung gestellten Foto nehmen der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (l) und Nato-Generalsekretär Mark Rutte an einer Gedenkfeier am Denkmal für gefallene ukrainische Soldaten auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew, Ukraine, teil. Foto: Uncredited/Ukrainian Presidential Press Office/dpa

– Besteht die Chance auf einen raschen Frieden?

Zwar gibt es angesichts der Abnutzung auf beiden Seiten Interesse an Verhandlungen. Aber ein Frieden ist nicht in Sicht. Die direkten Gespräche zwischen den Kriegsparteien unter US-Vermittlung kreisen um militärische, humanitäre und politische Fragen. Die Ukraine sieht auch Fortschritte etwa bei der Frage, wie ein künftiger Waffenstillstand überwacht werden kann. Im humanitären Bereich gibt es Austausche von Kriegsgefangenen, Zivilisten und auch getöteten Soldaten.

Aber am heikelsten sind die politischen Fragen, wie die verfeindeten Nachbarn zu einem friedlichen Zusammenleben kommen können. Und da sind die Gespräche festgefahren, in der Sackgasse.

Russland: Moskau stellt eine lange Liste an Maximalforderungen, die aus Sicht Kiews inakzeptabel sind. Zum einen verlangt Russland, dass die Ukraine im Donbass eigenes Gebiet abtritt, das sie selbst noch kontrolliert. Zum anderen will Russland eine neutrale und blockfreie Ukraine mit Minderheitsrechten für die russischsprachige Bevölkerung, darunter auch die Religionsfreiheit für die russisch-orthodoxe Kirche.

Ukraine: Selenskyj hat sich auf die US-Diplomatie eingelassen, weil aus seiner Sicht künftige Sicherheitsgarantien für sein Land ohne die Supermacht nicht funktionieren werden. Doch der Zeitdruck birgt für Kiew die Gefahr, große Zugeständnisse machen zu müssen. Selenskyj verlangt, dass das Kampfgeschehen an der Frontlinie eingefroren und von dort aus etwa über Gebietsfragen verhandelt wird. Und er will sich möglichst rasch mit Putin treffen, um Fragen für einen dauerhaften Frieden auf höchster Ebene zu klären. Zwar ist Putin nach eigenen Angaben bereit, aber das vom Kreml angebotene Treffen in Moskau lehnt Selenskyj ebenso ab – wie eine Kapitulation.

USA: Trump unternimmt den bislang entschiedensten Versuch, den Krieg zu beenden. Seit November haben seine Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner in vielen Runden mit den Russen und den Ukrainern beraten, zuletzt mit beiden Seiten in Abu Dhabi und Genf. Echte Fortschritte gibt es aber nicht. Trump möchte das Problem bis zum Sommer vom Tisch haben, um vor den Wahlen zum US-Kongress im November einen Erfolg vorweisen zu können.

Europa: Die europäischen Partner haben Mühe, in den geschlossenen Gesprächsprozess hineinzukommen. Selenskyj verlangt eine Beteiligung der Europäer, der Kreml lehnt das ab, weil er westliche Staaten als Kriegspartei sieht. Die Ukraine verlangt auch eine Aufnahme in die EU schon nächstes Jahr – als Teil einer Sicherheitsgarantie.

17.02.2026, Schweiz, Genf: Trilaterale Friedensgespräche zwischen den USA, der Ukraine und Russland in Genf. Foto: -/Ukrainian National Security and Defense Council press office/AP/dpa

– Was passiert, wenn die Verhandlungen scheitern?

Ukraine: Eine Eskalation der Kämpfe, ein plötzlicher Durchbruch der Russen sind immer noch möglich. Ein Zusammenbruch der Ukraine kann passieren, doch er erscheint nach den Erfahrungen der ersten vier Kriegsjahre und der Unterstützung des Westens weniger wahrscheinlich. Das Land baut seine eigene Rüstungsindustrie aus, es legt sich Waffen – Drohnen und Raketen – mit hoher Reichweite zu, die Luftwaffe wird mit westlichen Jets stärker.

„Das Ziel der Ukraine ist es, den Krieg für Russland sinnlos zu machen, indem sie territoriale Verluste minimiert, die russischen Verluste höher treibt, als Moskau neue Soldaten rekrutieren kann, und die wirtschaftlichen Kosten so erhöht, dass der Krieg untragbar wird“, schreibt der US-Militärfachmann Michael Kofman in „Foreign Affairs“.

Europa: Eine Niederlage der Ukraine will niemand in Europa zulassen, weil es auch Befürchtungen gibt, dass Russland sich dann ermutigt fühlen könnte, auch Nato-Staaten anzugreifen. Kremlchef Putin wies das als „Blödsinn“ zurück. Der deutsche Kanzler Friedrich Merz machte zugleich klar, dass die Ukraine unterstützt werde – solange es nötig sei, koste es, was es wolle.

Russland: Moskau betont, dass es seine Kriegsziele entweder auf diplomatischem oder militärischem Weg erreiche. Vom Kreml sind kaum Zugeständnisse zu erwarten. Die Politologin Tatjana Stanowaja sieht keine Lösung, solange der Westen nicht auch Russlands Interessen berücksichtige. Hauptquelle der russischen Aggression sei das tiefe Misstrauen gegenüber dem Westen und die Überzeugung Moskaus, dass die Gegner nur Russlands Untergang wollten, schreibt sie zum Jahrestag für die Denkfabrik Carnegie. „Und solange diese Befürchtung da ist (und sie wird von den Eliten und der Gesellschaft gleichermaßen geteilt), wird der Krieg nicht enden.“ (dpa)

4 Antworten auf “Vier Jahre Ukraine-Krieg: Gibt es einen Ausweg?”

  1. Peter S.

    Natürlich gibt es einen Ausweg. Die Sanktionen müssen bis zum Totalembargo verschärft werden. Ebenso müssen die Sekundärsanktionen verschärft werden und die Ukraine muss alles an Waffen bekommen, was sie braucht, ohne Reichweitenbeschränkung. Und in der EU sollte endlich gegen Moskaus 5. Kolonne vorgegangen werden.

  2. „Die Energiegroßmacht, die mit ihrem Verkauf von Öl und Gas etwa an China ihre Kriegsmaschinerie am Laufen hält, musste zuletzt auch schwere ukrainische Gegenschläge auf Raffinerien und Industrieanlagen hinnehmen. Ein wirtschaftlicher Kollaps ist möglich, aber nicht in Sicht. Vielmehr dürfte Russland noch einige Jahre Krieg führen können.“

    Das hätte man vor 2 Jahren schreiben können. Allerdings lebt der russische Staatshaushalt vom Krieg – wobei er nicht nachhaltig ist. 40% der Staatsausgaben gehen direkt und indirekt in das Militär (umgerechnet 240 Milliarden Euro). Die Mär von „noch einige Jahre Krieg führen können“ ist schon längst nicht mehr aktuell. Journalisten sind geübt darin, solche Informationen voneinander lange genug voneinander abzuschreiben. Zum Vergleich: Das haben bisher nur die USA in den 60er Jahren, also während des Kalten Krieges geschafft – allerdings mit einem viel höheren BIP. In der UdSSR wurden ca. 15-25% ausgegeben (und sind bankrott gegangen).

    Geld kann man eben nur einmal ausgeben. Russland hatte vor dem Krieg eine Wirtschaftsleistung wie das kleine Land Italien. Es hat einen Leitzins von 15,5% bei der russischen Nationalbank. Der Wirtschaftsboom durch die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft ist längst verflogen, weil der Industrie schon jetzt die Fachkräfte fehlen (die man natürlich auch an der Front verheizt hat).

    In Russland unterdessen werden sich wieder alte Witze erzählt, die in etwa so gehen:
    „Kommt ein Vater nach Hause und erzählt dem Sohn: ‚Schlechte Nachrichten, die Wodkapreise sind gestiegen.‘ – ‚Oha‘, sagt der Sohn, ‚wirst du jetzt weniger trinken, Papa?’– ‚Nein, Sohn, du wirst weniger essen.'“

    Wenn Russland noch „Jahre Krieg führen“ möchte, wird das wohl bis dahin ausschließlich auf Pferden und Motorrädern ausgetragen.

    Fazit: Putin ruiniert nach seinen erfolgreichen Jahren der russischen Wirtschaft wieder alles – nachhaltig. Russland wird Jahrzehnte brauchen, um sich davon nach dem Krieg zu erholen.

  3. Hugo Egon Bernhard von Sinnen

    4 Jahre Waffenhandel gibt es einen Ausweg?,
    wäre wohl die ehrlichere Schlagzeile der dpa gewesen.
    Wenn Friedensverhandlungen tatsächlich dem Wort, Friedensverhandlungen gerecht würde, dann wäre beiden Seiten viel Leid und uns finanzielle Schäden in der Vergangenheit, so wie in der Zukunft, erspart geblieben.
    Bei den nächsten Friedensverhandlungen, wäre die ideal Lösung, das Gebäude in dem die Friedensverhandlungen stattfinden, mit 10 tausenden Leuten zu umzingeln, die wirklich Frieden möchten.
    Denn auch in der Spitzenpolitik, sollte man vielleicht mal anfangen zu arbeiten?, anstatt sich auf die persönliche Nebeneinnahmen zu konzentrieren.
    Wenn die 10 tausenden sich vor dem Gebäude in Schichten abwechseln und sich erst entfernen, wenn der Friedensvertrag unterschrieben ist, würde es zwar nicht innerhalb kürzester Zeit durch Trump Frieden geben, aber immerhin durch Leute die den Frieden wirklich möchten.

    • „4 Jahre Waffenhandel gibt es einen Ausweg?,
      wäre wohl die ehrlichere Schlagzeile der dpa gewesen.“

      Das trifft nur zu, wenn es so wäre, dass man Kriege mit Stöcken, Pfeil und Bogen ausgetragen werden. Sonst hat dieser Hinweis überhaupt keinen Wert. Kriege werden nun einmal mit Waffen geführt.

      „Bei den nächsten Friedensverhandlungen, wäre die ideal Lösung, das Gebäude in dem die Friedensverhandlungen stattfinden, mit 10 tausenden Leuten zu umzingeln, die wirklich Frieden möchten.“

      Schicke fast eine Million Soldaten in den Tod. Was schert Putin sich dann noch um zehntausende Menschen in Genf? Das ist nicht nur unsinnig, sondern auch sehr blauäugig. Der Aggressator hat aktuell innenpolitisch keine Wahl, und die Ukrainer haben sich den Krieg nicht freiwillig ausgesucht.

      „Denn auch in der Spitzenpolitik, sollte man vielleicht mal anfangen zu arbeiten?, anstatt sich auf die persönliche Nebeneinnahmen zu konzentrieren.“

      Ja sicherlich. Dann würden die Russen wohl sofort die Waffen niederlegen, meinen Sie?

      „Wenn die 10 tausenden sich vor dem Gebäude in Schichten abwechseln und sich erst entfernen, wenn der Friedensvertrag unterschrieben ist, würde es zwar nicht innerhalb kürzester Zeit durch Trump Frieden geben, aber immerhin durch Leute die den Frieden wirklich möchten.“

      Wenn ich das Glauben möchte, gehe ich zur Kirche. Die befassen sich mit Glauben und solchen Dingen, na, Sie wissen schon…

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