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Kinderpornografische Bilder bei Dutroux entdeckt

17.06.2004, Belgien, Arlon: Marc Dutroux sitzt vor der Urteilsverlesung der Geschworenen im Gericht. Foto: Michel Krakowski/Belga Pool/epa/dpa

Im Zusammenhang mit dem Fall des Kindermörders Marc Dutroux sind Berichte über die Entdeckung zahlreicher kinderpornografischer Dateien auf einem in seinem Besitz befindlichen Mobiltelefon aufgetaucht.

Dutroux, der 2004 wegen Entführung, sexuellen Missbrauchs und Mordes an mehreren Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, gilt als einer der berüchtigtsten Straftäter in der Geschichte Belgiens. Die neuen Vorwürfe sorgen nun erneut für Bestürzung und werfen Fragen zur Sicherheit und Kontrolle innerhalb des belgischen Strafvollzugssystems auf.

22.05.2000, Belgien, Neufchâteau: Marc Dutroux (M, in Handschellen) wird von Polizeibeamten nach einer Anhörung aus dem Justizpalast geführt. Foto: David Martin/dpa

Nach entsprechenden Informationen sollen auf einem Mobiltelefon, das Dutroux trotz seiner Inhaftierung besessen haben soll, Hunderte von Bildern entdeckt worden sein, die sexuellen Missbrauch von Minderjährigen zeigen. Der Besitz eines solchen Geräts im Gefängnis würde bereits einen schweren Verstoß gegen die Haftbedingungen darstellen. Noch gravierender sind jedoch die Inhalte, die mutmaßlich darauf gespeichert waren. Die zuständigen Behörden haben Ermittlungen eingeleitet, um zu klären, wie Dutroux Zugang zu einem Mobiltelefon erhalten konnte und ob es möglicherweise Unterstützer oder Versäumnisse innerhalb des Gefängnissystems gab.

04.02.2013, Brüssel: Demonstranten halten vor dem Justizministerium ein Transparent mit der Aufschrift „Dutroux soll im Loch bleiben“. Foto: Julien Warnand/EPA/dpa

Besonders schockiert reagierte Jean-Denis Lejeune, der Vater von Julie Lejeune, einem der von Dutroux entführten und ermordeten Mädchen. Lejeune, der sich seit Jahrzehnten als Aktivist für Opferrechte und Reformen im Justizsystem engagiert, äußerte sein Entsetzen darüber, dass ein zu lebenslanger Haft verurteilter Straftäter offenbar Zugang zu einem Kommunikationsgerät gehabt haben soll. Er stellte öffentlich die Frage, wie ein solches Sicherheitsversagen möglich sei, zumal nach seinen Angaben nur Dutroux’ Anwalt oder Gefängnispersonal Zugang zu dessen Zelle hätten. Lejeune forderte umfassende Aufklärung und transparente Ermittlungen, um mögliche Verantwortlichkeiten zu klären.

Die belgischen Justizbehörden stehen nun unter Druck, die Umstände lückenlos aufzuklären. Der Fall berührt nicht nur die Sicherheit in Haftanstalten, sondern reißt auch alte Wunden in der belgischen Gesellschaft auf. Die Verbrechen von Dutroux hatten in den 1990er Jahren landesweite Proteste ausgelöst und tiefgreifende Reformen im Justiz- und Polizeiapparat angestoßen. Die aktuellen Entwicklungen könnten das Vertrauen in die bestehenden Kontrollmechanismen erneut erschüttern. (cre)

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