Gesellschaft

Diskotheken sind die Vergessenen der Corona-Krise

In Belgien sind Diskotheken seit März 2020 geschlossen. In Niedersachsen dürfen sie seit dem 31. Mai 2021 wieder öffnen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 liegt. Getanzt wird aber nur mit Maske. Foto: Shutterstock

Die Diskotheken gehörten im März 2020 in Belgien zu den Ersten, die wegen Corona schließen mussten. Sie werden wohl auch die Letzten sein, die wieder öffnen dürfen. Aber wann? Und wie?

Jedes Mal, wenn sich seit dem Frühjahr des letzten Jahres der Nationale Sicherheitsrat bzw. der Konzertierungs-Ausschuss versammelte und danach Lockerungen verkündete, war von Diskotheken oder Tanzlokalen nie die Rede.

Daran hat sich selbst jetzt, wo ein wahrer Lockerungs-Hype ausgebrochen ist, nichts geändert. Die Diskotheken bleiben weiterhin geschlossen. Premierminister Alexander De Croo (Open VLD) hat die Betreiber von Tanzlokalen nach der letzten Sitzung des Konzertierungs-Ausschusses nicht einmal in einem Nebensatz erwähnt.

Diskotheken, Bars und Clubs dürfen in Niedersachsen (und ab 1. September auch in Nordrhein-Westfalen) seit dem 31. Mai 2021 bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 35 wieder öffnen. Anders als zunächst festgelegt, müssen in den Diskotheken Gäste auf der Tanzfläche eine Maske tragen. Foto: Shutterstock

Der Lütticher Jean-Marc Rodolfs, der seit 1984 zwei Diskotheken in Vreren, am Stadtrand von Tongern, betreibt, muss seine Kunden nach jedem Konzertierungs-Ausschuss auf später vertrösten. „Ce n’est pas encore notre tour de rouvrir… Prenez bien soin de vous. À bientôt“ (Wir sind noch nicht an der Reihe, wieder zu öffnen… Passen Sie gut auf sich auf. Bis bald). Diesen Hinweis hat er schon unzählige Male auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht.

Er habe zwar einige Male Entschädigungen von der Region erhalten, sagte Rodolfs den Zeitungen von Sudpresse, diese Gelder seien natürlich besser als gar nichts, aber letztlich nur „ein Tropfen in einem Ozean im Vergleich zu dem normalerweise erzielten Umsatz“. Dass seine beiden Tanzhäuser überhaupt noch existieren, habe er hauptsächlich dem Umstand zu verdanken, dass er selbst Eigentümer des Geländes und der Gebäude sei und dadurch keine laufenden Kosten zu stemmen habe, sagte der Disko-Betreiber.

Diskotheken in NRW ab 1. September wieder geöffnet?

In Deutschland dürfen Diskotheken schon jetzt (Niedersachsen) bzw. ab dem 1. September (Nordrhein-Westfalen) wieder öffnen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 liegt.

In Niedersachsen wird für den Clubbesuch ein negativer Corona-Test verlangt. Es gilt eine Maskenpflicht auch beim Tanzen. Nur beim Sitzen am Tisch darf man den Mund-Nasen-Schutz ablegen. Außerdem dürfen die Betreiber von Clubs und Discos nur die Hälfte ihrer üblichen Kapazität nutzen.

Dieses Archivbild zeigt den Eingangsbereich der Diskothek „Starfish“ an der Liebigstraße in Aachen. Die Diskothek sollte eh Ende März 2020 definitiv schließen. Foto: OD

Von solchen Regeln hält Rodolfs, der Betreiber der Diskotheken „Alhambra“ und „Barocco“ in Tongern, nichts. Seiner Meinung nach macht die Wiederöffnung einer Diskothek nur dann wirklich Sinn, wenn alles so ist wie vor Corona. Eine Öffnung mit allerlei Restriktionen bringe nichts, sagte er gegenüber Sudpresse. „Maskenpflicht und Abstandsregeln funktionieren mit uns nicht.“ Also muss er weiter warten…

Glücklich können sich jene Betreiber von Diskotheken schätzen, die per Zufall noch vor dem Ausbruch der Corona-Krise beschlossen hatten, ihr Tanzlokal aufzugeben.

Dies gilt zum Beispiel für Marianne Limburg, die Eigentümerin der Aachener Diskothek „Starfish“, die im Januar 2020 bekanntgab, dass ihr Haus Ende März 2020 nach 20 Jahren schließen werde. Als von Corona noch keine Rede war, hatte Limburg den in der ganzen Region bekannten Tanzpalast an eine Ingenieursgesellschaft verkauft – ein Glücksgriff, wie sich nachher herausgestellt hat. Das Gebäude wurde inzwischen entkernt und soll in eine Eventlocation umfunktioniert werden. (cre)

4 Antworten auf “Diskotheken sind die Vergessenen der Corona-Krise”

  1. der heilige josef

    Discos waren in den 1960ziger 1970ziger 1980ziger Jahren der Renner. Bis auch wenige Ausnahmen gibt es sie einfach schon lange nicht mehr. Aber vielleicht kommen sie wieder wie damals nach dem 1 Weltkrieg als die 1920ziger Tanztempel aus dem Boden gestampft wurden.

  2. Tja ,D G !
    Passen halt keine 75000 Leute rein!!!
    10 Zuhause und bis 75000 für Geldgeile Festivals ,Spitze.
    Weiter so.
    Sollen die doch Open Air “ Festival Disco“ auf den Dächern feiern .

  3. Nachtleben...

    … in der DG und näherer Umgebung?!?
    Das stirbt schon seit den frühen 2000er! Corona war nur der letzte Sargnagel für die wenigen, die überhaupt noch existierten – Von Discos, über (Zelt)-Partys und Veranstaltungen, hin zu den Kneipen…
    Man vergleiche mal die Weihnachtsmärkte, Karneval-Season, Kirmestage, Tag der Musik, Biker-Treffen, Partys etc. von „Heute“ und vor ~2004.

    Das ATC (Eupen Plaza) ist quasi Sinnbild für die DG.
    Viel zu groß und ambivalent aufgezogen und schön von außen anzusehen. Es gab viele Ideen, wovon kaum etwas umgesetzt wurde, geschweige denn richtig oder wenigstens durchdacht – Fehlanzeige! Was bleibt,… ein totes Gemäuer vollgestopft mit Bürokratie, das nur Geld kostet und keinen anderen Zweck zu erfüllen scheint, außer dem Selbsterhalt samt einer hübschen Fassade.

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