Von der Studentenbewegung bis zur Gegenwartsdebatte: Jürgen Habermas hat Generationen von Denkern beeinflusst. Nun ist er gestorben.
Eine der einflussreichsten Stimmen Deutschlands ist verstummt: Am Samstag starb der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas im Alter von 96 Jahren in Starnberg, wie der Suhrkamp Verlag unter Berufung auf die Familie der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.
Habermas zählte zu den wichtigsten Denkern der Gegenwart. Seine Hauptwerke entstanden in Frankfurt am Main, wo seine Karriere in den 1950er Jahren am Institut für Sozialforschung bei Theodor W. Adorno begann. 1961 wurde er in Marburg mit dem Werk „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ habilitiert.

12.12.2012, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Der Philosoph Jürgen Habermas steht im Heinrich-Heine-Institut neben einer Heine-Büste. Foto: Martin Gerten/dpa
Nach wenigen Jahren an der Universität Heidelberg übernahm er 1964 Max Horkheimers Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie an der Universität Frankfurt. Aus seiner Antrittsvorlesung wurde 1968 das Buch „Erkenntnis und Interesse“ (1968). Während der Studentenrevolte wurde Habermas als Unterstützer wahrgenommen, lehnte die Radikalisierung der Bewegung jedoch ab.
1971 wechselte er nach Starnberg bei München, wo er bis 1981 das Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt leitete. In seinem letzten Jahr veröffentlichte er sein Hauptwerk, „Theorie des kommunikativen Handelns“. 1983 kehrte er nach Frankfurt zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung 1994 erneut einen Lehrstuhl für Philosophie übernahm.
Habermas erhielt zahlreiche angesehene und hoch dotierte Preise, etwa den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels oder den mit 50 Millionen Yen (364 000 Euro) dotierten Kyoto-Preis.
Im Alter, das er am Starnberger See verbrachte, meldete er sich zu politischen Fragen zu Wort, etwa zu Kosovo-Krieg, Hirnforschung oder Religionskämpfen.
Habermas hatte 1955 Ute Wesselhoeft geheiratet. Das Ehepaar bekam drei Kinder, zwei davon wurden später wie der Vater Universitätsdozenten.(dpa)