Leute von heute

22. Juni 1941: Vor 80 Jahren griff Hitler Stalin an [VIDEO]

Deutsche Soldaten beim Überfall auf die Sowjetunion im Frühsommer 1941. Foto: Shutterstock

Am 22. Juni 1941, vor genau 80 Jahren, überfiel Hitler-Deutschland die Sowjetunion: Operation Barbarossa. 27 Millionen Todesopfer gab es bis 1945 – so viele wie in keinem anderen Land.

Hitler setzte mit dem Russland-Feldzug seinen rassenideologischen Vernichtungskrieg gegen die slawischen Völker fort. „Er wollte den jüdischen Bolschewismus auslöschen“ – verkörpert in der UdSSR, sagt der Experte Matthias Uhl vom Deutschen Historischen Institut (DHI) in Moskau.

So sehr die Rote Armee auch überrascht wurde von dem nächtlichen Überfall an der heutigen polnisch-belarussischen Grenze, so rasch gab es wenige Monate später im Dezember bei der Schlacht vor Moskau bereits die erste große Niederlage der Wehrmacht.

07.05.2021, Russland, Moskau: Ein nachempfundenes Flugzeug der deutschen Luftwaffe mit Hakenkreuz steckt auf einem nachgestellten Schlachtfeld im Boden. Die Szene ist Teil des vom Verteidigungsministerium aus dem Boden gestampfte „Patriot-Park“, der auch das größte Kriegsmuseum des Landes beherbergt. Foto: Ulf Mauder/dpa

„Die Bedeutung der Schlacht bei Moskau ist lange unterschätzt worden. Im Grunde wurde da schon deutlich, dass die Wehrmacht sich auf der Verliererstraße befindet und den Krieg gegen das riesige sowjetische Imperium nicht gewinnen kann“, sagt Uhl. Hitler habe aber immer weiter kämpfen lassen – selbst nach dem endgültigen Wendepunkt des Krieges bei der Schlacht von Stalingrad (heute Wolgograd) 1943. Obwohl spätestens da klar war, dass die Deutschen verlieren.

Als Operation Barbarossa ging Hitlers Überfall in die Geschichte ein – eine Attacke, auf die die Sowjetunion nach dem Nichtangriffspakt mit Deutschland nicht gefasst war. Stalin habe seinen sowjetischen Agenten nicht glauben wollen, dass die Deutschen den Pakt verletzen und eine neue Front aufmachen würden, sagt Uhl. Doch heute wird in Russland über mögliche Versäumnisse Stalins, die Verhinderung einer solch großen Zahl an Opfern in Russland meist geschwiegen.

„Die Frage der Opfer wird zunehmend ausgeblendet“, meint Uhl. „Alles richtet sich vielmehr auf den Sieg über Hitler-Deutschland. Das ist heute die wichtigste Klammer, die die Gesellschaft zusammenhalten soll.“

07.05.2021, Russland, Moskau: Die neue russische Militärkirche in der Nähe von Moskau, an der außen zahlreiche Reliefs mit kämpfenden Soldaten und von Panzern im Zweiten Weltkrieg zu sehen sind. Sie ist Teil des vom Verteidigungsministerium aus dem Boden gestampfte „Patriot-Park“, der auch das größte Kriegsmuseum des Landes beherbergt. Foto: Ulf Mauder/dpa

Russlands Kinoindustrie produziert ein Epos nach dem anderen über sowjetische Kriegshelden. Dabei werden Deutsche bisweilen als „holzschnittartige Einfaltspinsel“ dargestellt, die erfolglos gegen sowjetische Verteidigungsstellungen ankämpften, ohne dass – wie Uhl sagt – nachgefragt wird, warum der Krieg dennoch so lange dauerte.

Der Experte spricht von einer Art Geschichts-Happening» und „Disneysierung des Erinnerns“. Die ganze Grausamkeit des Kriegs trete in den Hintergrund. Auch Menschenrechtler beklagen, dass jene, die kritische Fragen stellen, etwa zum Massaker der Sowjets an polnischen Offizieren in Katyn 1941, sich in Russland schnell an den Pranger gestellt sehen.

Erst unlängst stellte das russische Parlament etwa die Beleidigung von Veteranen oder Vergleiche der Hitler- mit der Stalin-Diktatur unter Strafe. Russische Historiker sprechen bisweilen von einer Bevormundung durch die Politik.

Den Ton gibt vor allem Wladimir Putin an. Der Präsident werde zum Jahrestag in einer deutschen Zeitung einen Artikel veröffentlichen, teilte der Kreml mit, ohne Details zu nennen. Die Stoßrichtung dürfte dennoch klar sein. Putin beklagt immer wieder Tendenzen einzelner Länder, das Andenken an die Rote Armee, die Europa maßgeblich von den Faschisten befreite, in den Schmutz zu ziehen. Polen, Tschechien und die baltischen Länder etwa sehen sich da in der Kritik.

07.05.2021, Russland, Moskau: Die neue russische Militärkirche in der Nähe von Moskau. Sie ist Teil des vom Verteidigungsministerium aus dem Boden gestampfte „Patriot-Park“, der auch das größte Kriegsmuseum des Landes beherbergt. Foto: Ulf Mauder/dpa

Deutschland dagegen genießt in dem Fall die Wertschätzung der russischen Führung, weil die Erinnerung an die Opfer der Roten Armee vielerorts wachgehalten wird. Allein in Deutschland gibt es nach russischen Angaben 40.000 sowjetische Soldatengräber. Die sowjetischen Opfer stammten nicht nur aus Russland, sondern unter anderem auch aus der Ukraine und aus Belarus (Weißrussland).

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel nennt den 80. Jahrestag des Überfalls von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion einen „Anlass für Scham“. In einem Video-Podcast sagt die CDU-Politikerin: „In Demut verneigen wir uns vor den wenigen heute noch lebenden Überlebenden dieses Angriffskriegs.“ Deutschland sei „zutiefst dankbar, dass so viele dieser Menschen uns die Hand zur Versöhnung gereicht haben. Dass sie dazu bereit waren, grenzt an ein Wunder, nach allem, was Deutsche ihnen angetan haben.“

Ein gemeinsames prominentes Erinnern zum Jahrestag auf höchster Staatsebene gibt es in Zeiten massiver Spannungen zwischen Berlin und Moskau nicht. Dennoch wird Merkel im Podcast deutlich und kritisiert, dass Russland zivilgesellschaftliches Engagement einschränke, ja unmöglich mache. „Wenn friedliche Demonstranten und missliebige Oppositionelle weggesperrt werden, belastet das unsere Beziehungen schwer.“ Der Dialog mit Russland solle aber weitergehen. (dpa)

Nachfolgend eine Doku des ZDF als VIDEO zum Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion:

11 Antworten auf “22. Juni 1941: Vor 80 Jahren griff Hitler Stalin an [VIDEO]”

  1. Frank Mandel

    Die NATO hat nicht nur keine Schlüsse daraus gezogen sondern besitzen die Frechheit wieder vor der Russen Haustür zu stehen. Dies fing auf widerliche Art und Weise mit dem Mauerfall an. Die NATO ist einer der größten Kriegstreiber. Diese Vereinigung hat zu viel Monopoly gespielt und den Anblick der Toten aus m 1. und 2. Weltkrieg vergessen. Oh Entschuldigung, ich hab vergessen, dass man ja Monopoly auf Kosten anderer spielt, dann haben die ja doch was gelernt. Viel Spaß!

    • Brettspielkönig.de

      Meinst du vielleicht Risiko? Zwinkersmiley.
      Die Siedler von Catan kann ich auch empfehlen. Risiko gibt es auch in einer Game of Thrones Version, unter anderem zu finden in unserem Shop.

  2. wer ist denn -wieder- dazu übergegangen, politik mit waffengewalt zu machen???? Krim, ukraine, syrien…

    Die NATO ist eine allianz vieler staaten, ein Verteidigungspakt und ausschließlich auf eigenem terretorium stationiert.

    • ich hab hier nur einen namen seit meiner anmeldung vor zig jahren. Gut zu erkennen an meiner schreibweise. Alles klein. :-) Nur nach punkt groß bzw. wenn ich was betonen möchte.

      Meine „vorgezogene“ rechtschreibreform, noch von den engländern und dem schreiben am pc geprägt.

      • aber zurück zur sache. Angela hat recht, es ist beschämend, was im deutschen namen geschehen ist. Es wird auf ewig teil der deutsche geschichte sein und wir nachkriegsdeutsche bekommen das in jährlicher folge in (unliebsamer) erinnerung gebracht. Mal mehr-mal weniger diplomatisch. Je nach politisch herrschenden bzw. taktischer zielrichtung. Das ist unsere „last“ am geschehenen und die müssen wir „aushalten“. Nicht mehr- aber auch nicht weniger.

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern