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Videobeweis kommt ins Regelwerk: FIFA und Regelhüter stimmen zu

Schiedsrichter Wim Smet schaut sich eine strittige Szene in einem Spiel der Pro League an einem Bildschirm am Spielfeldrand genauer an. Foto: Belga

Die Regelhüter des Fußballs haben Grünes Licht für den Videobeweis gegeben. Das technische Hilfsmittel wird nach der zweijährigen Testphase in verschiedenen Ländern nun offiziell eingeführt. Dies hat ein achtköpfiges Gremium aus Vertretern der FIFA und des International Football Association Board (IFAB) am Samstag in Zürich beschlossen.

Damit ist auch der Weg frei für den Videobeweis bei der Weltmeisterschaft im Sommer in Russland. Das FIFA-Council muss dem allerdings noch zustimmen.

Den nationalen Verbänden bleibt es jedoch freigestellt, ob sie den technisch und finanziell aufwendigen Videobeweis auch nutzen. Innerhalb der Deutschen Fußball Liga (DFL) gibt es bereits Signale, an den Assistenten festhalten zu wollen. Der Videobeweis wird auch in mehreren anderen europäischen Ligen, darunter Belgien, eingesetzt – nicht ohne Kritik am System.

Die Schiedsrichter informieren sich vor Spielbeginn über die Technik des Videobeweises. Das war vor dem Testspiel der AS Eupen am 12. Juli 2017 gegen Borussia Mönchengladbach. Foto: Edgar Hungs

In Belgien wurde diese Saison in erster Linie bemängelt, dass der „Video Assistent Referee“ (VAR) nicht in allen Spielen eingesetzt wird.

Die spanische Fußball-Liga plant für die nächste Saison die Einführung. Während sich die Neuerung beispielsweise in Europa immer mehr durchsetzt, haben sich die Erstliga-Clubs im Land von Rekord-Weltmeister Brasilien gegen den Videobeweis ausgesprochen. Auch die UEFA sträubt sich bisher dagegen, ihn in der Champions League einzuführen.

Bislang waren technische Hilfsmittel jenseits der Torlinientechnik im FIFA-Regelwerk nicht vorgesehen. Die Devise für die Neuerung hatte die IFAB bereits vor ihrer 132. Jahrestagung ausgegeben: „Minimaler Eingriff – maximaler Nutzen.“ Es gehe für die Videoassistenten nicht um die Frage: War die Entscheidung des Referees korrekt, sondern: War die Entscheidung eindeutig falsch? Letztendlich obliege diese immer dem Spielleiter auf dem Platz. Ziel sei es, dabei nicht den wesentlichen Spielfluss und die Emotionen des Fußballs zu zerstören.

Der Bundesliga-Schiedsrichter Sascha Stegemann sitzt am 20.07.2017 in Köln in einem Videoassistcenter vor Monitoren, die einzelne Spielszenen zeigen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

FIFA-Präsident Gianni Infantino gilt ohnehin längst als Befürworter („Wenn wir die Chance haben, dem Schiedsrichter zu helfen, sollten wir das tun“) und will den Videobeweis bereits bei der WM sehen. Auf der Agenda des FIFA-Councils am 15. und 16. März in Bogota steht das Thema schon.

Die Statistiken des IFAB geben den Befürwortern des Videobeweises recht. 98,8 Prozent aller Entscheidungen seien korrekt, hieß es von der Projektgruppe in einer Zwischenauswertung.

Beim Confederations Cup im vergangenen Jahr in Russland gab es jedoch einige Pannen. Grundsätzlich sind die Eingriffe der Videoassistenten auf vier Szenarien beschränkt: Torentscheidung, Rote Karte, Elfmeter und Spielerverwechslung. Außerdem sollen die Helfer vor den Bildschirmen nur bei offensichtlichen Fehlentscheidungen des Referees eingreifen. (dpa)

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