Politik

Die Ortmanns: Was Sohn „Joky“ werden will, wäre sein Vater Kurt vor über 50 Jahren fast geworden

Kurt Ortmann, ehemaliger Eupener Schöffe und RDG-Präsident. Foto: PDG

Die Wahl von Karl-Joseph („Joky“) Ortmann zum Spitzenkandidaten der CSP für die Eupener Stadtratswahl war letzte Woche eines der beherrschenden Themen in Ostbelgien. Sie weckt bei älteren Mitgliedern der Christlich-Sozialen zwangsläufig Erinnerungen an Vater Kurt Ortmann, den früheren 1. Schöffen der Stadt Eupen und RDG-Präsidenten.

Was mancher vielleicht nicht weiß oder schon vergessen hat: Was Sohn „Joky“ 2018 werden will, nämlich Bürgermeister von Eupen, war Vater Kurt (fast) schon mal.

Kurt Ortmann war 1965 für kurze Zeit designierter Eupener Bürgermeister. Dass er es dann doch nicht effektiv wurde, hat mit der Spaltung der CSP in jenem Jahr zu tun. Statt Ortmann wurde Reiner Pankert Anfang 1966 als Eupener Stadtoberhaupt vereidigt.

Karl-Joseph Ortmann, Spitzenkandidat der CSP bei der Eupener Stadtratswahl 2018. Foto: OD

Aus der Stadtratswahl von 1964 war die CSP unter ihrem Spitzenkandidaten Hubert Mießen als klarer Sieger hervorgegangen. Mießen hätte damit der Nachfolger des verstorbenen Bürgermeisters Hugo Zimmermann werden müssen.

Weil aber Mießens offizielle Ernennung in Brüssel vom damaligen Innenminister aus vermeintlichen Bedenken in Bezug auf Mießens Vergangenheit erst hinausgezögert und dann sogar verweigert wurde mit der Bitte, die CSP möge einen anderen Kandidaten als Bürgermeister von Eupen vorschlagen, kam es zum Zerwürfnis innerhalb der damals allmächtigen Eupener CSP.

Ein Teil der gewählten CSP-Stadtratsmitglieder warf der Parteiführung vor, sich nicht intensiv genug in Brüssel für die Ernennung von Hubert Mießen eingesetzt zu haben, was die CSP-Spitze jedoch vehement bestritt.

Statt Ortmann wurde Pankert Bürgermeister

Im Herbst 1965 gelangte die Parteiführung zu der Überzeugung, dass angesichts der Ablehnung der Kandidatur von Mießen für das Bürgermeisteramt durch die zuständigen Stellen in Brüssel der Zeitpunkt gekommen sei, eine andere Person vorzuschlagen.

Bei einer gemeinsamen Sitzung von CSP-Parteivorstand und Fraktion wurde der 34-jährige Eupener Sportlehrer Kurt Ortmann mit 9 Stimmen gegenüber 5 für Reiner Pankert und 3 für Felix Peters offiziell zum neuen Bürgermeisterkandidaten vorgeschlagen. Indes weigerten sich sechs Mandatare der CSP, die Kandidatur von Ortmann zu unterstützen.

Kurt Ortmann im Jahre 1970.

Daraufhin sollte auf einer Generalversammlung der CSP der Parteiausschluss der „Rebellen“ Mießen, Pankert, Peters, Krings, Willems und Wolter beschlossen werden. Die Spaltung war damit unvermeidbar geworden.

Die „Rebellen“ schlossen sich der Liste „Stadtinteressen“ des Stadtverordneten Paul Franck an und wählten Reiner Pankert zum neuen Bürgermeister.

Kurt Ortmann und die anderen Christlich-Sozialen mussten in die Opposition, verloren krachend die nächste Stadtratswahl von 1970 und kehrten erst 1976 – nach der Gemeindefusion mit Kettenis – dank einer Allianz mit den Sozialisten von August Pitsch und den Liberalen des künftigen Bürgermeisters Fred Evers in die Mehrheit zurück.

Kurt Ortmann genoss am Wahlabend 1976 seine Revanche. Auf einem Stuhl stehend brüllte er bei einer Wahlfeier im Jünglingshaus über die Köpfe der CSP-Mitglieder hinweg: „Endlich haben wir mit den ‚Stadtinteressen‘ aufgeräumt!“.

Ortmann wurde unter Evers 1. Schöffe. Bürgermeister ist er allerdings nie geworden, obwohl er dies später mithilfe der „Stadtinteressen“ durchaus hätte werden können, doch deren Avancen lehnte er stets ab. Zu tief saß noch der Stachel von 1965, zumal in der Zwischenzeit aus dem Zerwürfnis die PDB hervorgegangen war.

Was Kurt Ortmann 1965 verwehrt geblieben ist, könnte ihm jetzt sozusagen posthum gelingen: über seinen Sohn Karl-Joseph, falls dieser es im Oktober 2018 schaffen sollte. Kurt Ortmann verstarb im August 2010 im Alter von 79 Jahren. (cre)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf „Ostbelgien Direkt“:

  1. Theodor Mooren

    Wie war das eigentlich mit Ihrem Vater? Wollte der nicht auch mal Bürgermeister werden und hat sogar seinen Vornamen eingedeutscht? Welche Partei war das auch noch mal? War der nicht 1970 der Spitzenkandidat bei dieser krachend verloren Wahl?

    • Viele Fragen auf einmal, Herr Mooren. Warum fragen Sie eigentlich, wenn Sie scheinbar alles wissen ? Spielt da auch ein bisschen Häme mit ? Sind Sie ein verbittert Mensch, Herr Mooren ?

      • Theodor Mooren

        Werter Grüner,
        Verbittert? Kein bisschen. Häme? Ein bisschen. Ich fand es nur erwähnenswert, dass der Autor des Artikels, der jetzt sicherlich das Handbuch des Journalismus“ für eine Replik wälzen wird, einfach darüber hinweg geht, dass es in dem von ihm erwähnten Wahlkampf 1970 genauso viel um seinen Vater Heinrich bzw. Henri wie um Kurt Ortmann ging.

  2. Ekel Alfred

    @ Theodor Mooren, brüllen konnte der ehemalige General Ortmann schon immer, nicht erst seit 1976….viel früher….als Turnlehrer im College Patronne brüllte er immer….besonders wenn die Dicken beim Seilklettern immer unten am Seilknoten (sah aus als wären die vom lieben Gott sehr bestückt worden) herumbaumelten….vorgeturnt hat er aber nie….auch in der ehemaligen Stiftung „WETZLARBAD“ war er nicht zu überhören, wenn er, warm angezogen, uns in’s eiskalte Hillwasser jagte….nur in der Kapelle des College Patronne, wo wir zweimal wöchentlich zur Messe mussten, war er ganz schön still, denn da tobte und brüllte WIMBO, sein wohl damals schärfster Konkurrent….

    • Mischutka

      @ Ekel Alfred :
      Hallo Alfred…. darf ich mal annehmen, daß wir mal „Schulkollegen“ waren ? Und evtl. noch in der gleichen Klasse das „alles“ mitgemacht haben ? Denn der Kurt Ortmann war auch mein Turnlehrer. Und im Sommer ging es schon mal zum Schwimmunterricht. Denn was du schreibst, stimmt haargenau mit meinen Schulerlebnissen überein ! Dann der „Wimbo“. Der tobte genau so. Und sammelte immer für seine „Missionen“. Da durfsteste in der Fastenzeit nichts Susses essen – man sollte es bei ihm abgeben….. Und dann diese dauernden Spendenaktionen vom Wimbo. Auf jeden „Luxus“ sollten wir verzichten. Als wir aber mal an einem Samstag (Nachmittags) ein Treffen mit den „Pfadfindern“ auf dem Schulhof des Collège Patronné hatten, ist er ganz aus der Rolle gefallen : Er hatte lange nicht gemerkt, daß wir ihn beobachtet hatten, als er stundenlang mit einem (neuen) Moped Kreise auf dem Schulhof fuhr und dabei sang ….. (er sagte ja immer, er sei „arm wie eine Kirchenmaus und gönne sich nichts). Kennst du auch noch die ganzen anderen : den „Giftzwerg“, den „Schisch“, den „Don Alfonso“ ? Wenn ja – da waren wir eben mal Schulfreunde ….. oder so.
      MfG.

  3. Ekel Alfred

    @ Mischutka, klar habe ich auch die anderen Lehrer gekannt….wie der Teufel es will, habe ich sogar vom „Giftzwerg“ seinen privaten Ohrensessel über Umwege (Altersheim) erhalten, nach der Restaurierung ein wahres Schmuckstück….aber auch Parriere, Hellebrandt, Stevens, Le Dur u.a. waren immer eine Lachnummer wert. Die heutigen Schüler werden diese goldenen Jahre wohl so, wie wir sie gekannt haben, nicht mehr erleben….

  4. Zappel B.

    Ich glaube, das ist ganz normale „Alters-Verklärung“, Alfred… Die – heute – jungen Schüler werden im Alter, genau so wie wir hier, enthusiastisch über die „schöne alte Schulzeit“ sprechen (über die Marotten der Profs und sonstige Erlebnisse), auch wenn’s – wie bei uns – nicht alles immer so schön und lustig war.
    Ich bin Jahrgang 1947 und war 12 Jahre im Collège Patronné (d.h. 12 von 70 Jahren!) und habe nur noch gute Erinnerungen, auch wenn die genannten Profs teilw. gar nicht so lustig waren. Ein besonderes Unikum war noch der Nijns, „n’est-ce pas, v(f)ieux“? ;)

    • „Ich bin Jahrgang 1947“

      Hallo Herr Bosch, darf man nachträglich zum „70.ten „gratulieren oder ist es dazu noch zu früh?
      PS: Vermisse irgendwie Ihre Leserbriefe im Grenz-Echo……..

    • Mischutka

      @ Zappel B.
      Hallöle : da waren wir doch auch irgendwie „Klassenkameraden“ …. Theoretisch bin ich zwar 1 „Jahr“ älter …. aber das können ja auch nur 2-3 Monate sein. Ich hatte auch Jungs von 1947 in „meiner“ Schulklasse …. Und war genau wie du 12 Jahre im Collège Patronné…. Also sehr oft gesehen haben wir uns auf jeden Fall !
      Meine Hochachtung für einen Satz von dir : die „jungen Schüler von heute …..usw.“. Jo, wenn die mal unser Alter erreicht haben, dann werden die genau so schreiben wie wir heute. (auch wenn die uns im Moment noch belachen sollten. Also sollten….. Und, ja dann, dieser Nijns… mein Englischlehrer. Das war eine Nummer für sich. Seltsam war, wenn man heute darüber nachdenkt, daß sich einige der Herren „Professoren“ nannten …. Na ja, Professor hört sich besser an ….
      Einen hatte ich noch vergessen : den „Globi“. und den „84er“….. Alles solche Unikate.
      Dann können wir ja demnächst eine „Ecke“ für uns hier aufmachen (☺)….
      MfG – und bis demnächst.

  5. Ekel Alfred

    @ Zappel B., da bin ich nicht ganz Ihrer Meinung….meine Gedanken sind da bei meinen Kindern, und besonders bei den Enkelkindern….mit alle diesen modernen Geräten sind die doch kaum noch ansprechbar….die kommunizieren ja noch mit ihren Handy’s, wenn sie nebeneinander hocken….da Sie, verehrter Zappel B. ja bereits im College Patronne immer so zappelig (daher wohl der berechtigte Name) waren, war das natürlich für Sie von Vorteil, da Sie ja nie sitzen blieben…..im Gegensatz zu uns….wir waren auch zwölf Jahre im College Patronne, davon 2 Jahre in der so genannten Verbannung….wie Sie es ja selbst schreiben, es war eine unvergessene Zeit….

  6. Waldvogel

    WÄRE ES NICHT ENDLICH EINMAL ZEIT FÜR EINEN JUNGEN, UNVERBRAUCHTEN KANDITATEN, DER NEUE IDEEN HAT, DER NEUE WEGE GEHT, DER FRISCHEN WIND IN DEN STADTRAT BRINGT. UND NICHT WIEDER EIN DIESESMAL 62 JÄHRIGER BZW. BIS 2018 EIN 63JÄHRIGER KANDIDAT.
    HABT DOCH ENDLICH EINMAL MUT, UND NEHMT EIN UNVERBRAUCHTES GESICHT, MIT VÖLLIG NEUEN IDEEN, DER NEUE, VIELLEICHT BESSERE WEGE GEHT.

    • Ja klar. Am besten frisch von der Uni. Uns fehlen Realpolitiker. Wir werden regiert von Kindern, die frisch von der Uni kommen und noch nie im Leben gearbeitet haben, von Politikergenerationen, die Posten von Vater zu Sohn oder Bruder zu Bruder usw. weitergegeben haben und last but not least von Lehrern. Das kann nicht gut gehen. Es fehlt in fast allen Belangen die Beziehung zur Realität und zu den Sorgen der Menschen, egal ob auf Gemeindeebene oder auf Landesebene…

        • Echter Eifler

          Herr Mollers ist ein guter Musiker und ein begabter Dirigent.Er hat m.E. noch den besten Bezug zu
          den Menschen und daher zum realen Leben..PS: Er wäre gerne Sozialminister geblieben, durfte es aber nicht……

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