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Altkanzler Gerhard Schröder bei seinem Freund Wladimir Putin in Moskau: Buhmann der Nation als Vermittler?

Gerhard Schröder (r), ehemaliger deutscher Bundeskanzler, gibt Wladimir Putin (l), Präsident von Russland, bei dessen Amtseinführung im Kreml die Hand. Foto: Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa

AKTUALISIERT – Es geht um die Beendigung des Kriegs in der Ukraine – und nebenbei um den Ruf eines früheren deutschen Kanzlers. Gerhard Schröder nutzt seine Freundschaft zum russischen Präsidenten für einen Vermittlungsversuch – ohne Einbindung der Bundesregierung.

Gefaltete Hände, geschlossene Augen, im Hintergrund der Rote Platz in Moskau. Mit einem solchen Foto von sich auf Instagram sorgte Soyeon Schröder-Kim, die Frau von Altkanzler Gerhard Schröder, am Donnerstagabend für Aufsehen, Verwunderung, Zustimmung, aber auch Befremden.

Es wurde von vielen als inoffizielle Bestätigung für das gelesen, was einige Stunden zuvor das Nachrichtenportal „Politico“ in vielen Einzelheiten berichtet hatte: Der zu Hause viel gescholtene Ex-Kanzler und Russland-Lobbyist Gerhard Schröder ist in Moskau, um Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über den Krieg um die Ukraine zu führen. Später wurde das auch der „Bild“-Zeitung und der Deutschen Presse-Agentur bestätigt.

08.12.2021, Berlin: Gerhard Schröder (SPD), Bundeskanzler a.D., und seine Frau So-yeon Schröder-Kim. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Ganz überraschend kommt das nicht. Schröder ist seit seiner Zeit als Kanzler (1998 bis 2005) mit Putin befreundet, hat ihn immer verteidigt und ihn sogar einmal als „lupenreinen Demokraten“ geadelt.

Nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik sammelte Schröder Posten bei dem russischen Staatskonzern Rosneft und den Projektgesellschaften für die deutsch-russischen Gas-Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 – und steht deswegen zu Hause seit langem in der Kritik.

– Der Mann mit dem direkten Draht in den Kreml: Auch der russische Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine änderte nichts an Schröders Freundschaft zu Russland und Putin.

Der Ukraine warf er dagegen wegen ihrer Forderungen nach Waffenlieferungen aus Deutschland und anderen Nato-Staaten „Säbelrasseln“ vor. Trotzdem haben offenbar auch die Ukrainer erkannt, dass Schröders Russland-Kontakte nützlich sein können.

Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (rechts) und der russische Präsident Wladimir Putin begrüßen sich am 08.09.2005 in Berlin. Foto: Peer Grimm/dpa

Der ukrainische Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, sagte vor einer Woche der „Bild“: „Er ist einer der wenigen hier in Deutschland, die womöglich noch einen direkten Draht zu Herrn Putin haben. Es gibt keinen, der so etwas hat in Deutschland und den anderen europäischen Ländern.“

– Die Türkei als Vermittlungshelfer: Die Reise nach Russland soll von einem ukrainischen Politiker mit Unterstützung der Türkei eingefädelt worden sein. Das Ehepaar Schröder-Kim reiste schon am Montag nach Istanbul, wo Schröder eine ukrainische Delegation getroffen haben soll. Seine anschließende Bitte bei Putin um ein Treffen soll innerhalb von zehn Minuten positiv beantwortet worden sein, berichtet „Politico“. Am Mittwoch seien Schröder und Schröder-Kim dann mit einer russischen Maschine nach Moskau gebracht worden.

Schröder-Kim hatte schon am Samstag auf Instagram geschrieben: „Ihr könnt sicher sein, was auch immer mein Mann tun kann, um zur Beendigung des Krieges beizutragen, wird er tun und zwar unabhängig von Ultimaten der SPD oder anderen Organisationen wie etwa dem DFB.“

– Es geht auch um das Bild Schröders in den Geschichtsbüchern: Ob es nun Schröders Intention ist oder nicht, bei der Reise geht es auch darum, was über den siebten Kanzler der Bundesrepublik mal in den Geschichtsbüchern stehen wird.

Mit seinem Festhalten an seinen Posten und seiner Freundschaft zu Putin selbst in Kriegszeiten hat Schröder seinen Ruf in der Heimat inzwischen ziemlich ramponiert. Die Mitarbeiter seines Berliner Büros kündigten ihm, Borussia Dortmund entzog ihm die Ehrenmitgliedschaft, am Freitag entschied sich auch der Deutsche Fußball-Bund für einen solchen Schritt. Die Stadt Hannover entscheidet am 31. März über den Entzug der Ehrenbürgerschaft.

Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder nimmt am 29.09.2017 an einer Hauptversammlung des russischen Ölkonzerns Rosneft in St. Petersburg teil. Foto: Peter Kovalev/TASS/dpa

Und dann ist da noch die SPD. Der Ortsverein Heidelberg hat den Parteiausschluss Schröders beantragt und die Bundesvorsitzenden Lars Klingbeil und Saskia Esken haben ihn ultimativ aufgefordert, seine Posten bei russischen Staatsunternehmen aufzugeben. Die beiden haben vor zwei Wochen in einem Brief auf «zeitnahe» Antwort gedrungen.

– Alles, was hilft, ist willkommen: Jetzt sieht es so aus, als sei die Reise nach Moskau Schröders Antwort. Ganz nach dem Motto: Enge Beziehungen nach Moskau können auch für etwas gut sein. Der SPD bleibt nun nichts anderes übrig, als die Initiative erstmal gut zu finden.

„Alles, was hilft gerade, um diesen furchtbaren Krieg zu beenden, ist ja willkommen“, sagte Klingbeil am Donnerstagabend im ZDF. Ob es etwas nütze, werde man sehen. Auf jeden Fall aber sei gerade jede Gesprächssituation «erstmal was Vernünftiges». Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Michael Roth (SPD), sagte im ZDF: „Jede Chance sollte ergriffen werden, um die Waffen zum Schweigen zu bringe.“ Es gehe um die Menschen in der Ukraine. „Deswegen drücke ich die Daumen.“

Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder. Foto: Peter Kovalev/TASS/dpa

Der ehemalige SPD-Chef und Minister im Kabinett Schröder, Franz Müntefering, kritisierte indes die mögliche Vermittlungsmission des Altkanzlers: „Wenn Gerhard Schröder tatsächlich über Einfluss bei Wladimir Putin verfügen sollte und damit menschliches Leid
abwenden könnte, ist die Frage, warum er sich nicht eingeschaltet hat, bevor es zu diesen abscheulichen Kriegsverbrechen in der Ukraine gekommen ist“, sagte er der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ (Samstagausgaben).

– Schröder vermittelte schon einmal erfolgreich: Es ist nicht das erste Mal, dass Schröder vermittelt. Im Oktober 2017 schaltete er sich in die Bemühungen um die Freilassung deutscher Staatsbürger aus türkischer Haft ein.

Es ging vor allem um den „Welt“-Journalisten Deniz Yücel, der wenige Monate später dann auch freikam. Schröder nutzte damals seine guten Kontakte zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Damals handelte der Ex-Regierungschef aber im Auftrag der Bundesregierung. Der damalige Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) soll ihn ausdrücklich um die Vermittlung gebeten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll zugestimmt haben.

Altbundeskanzler Gerhard Schröder (73) und seine südkoreanische Lebenspartnerin Soyeon Kim (48) geben am 25.01.2018 in Seoul (Südkorea) eine Pressekonferenz. Foto: Ahn Young-Joon/AP/dpa

Diesmal hat die Bundesregierung nichts damit zu tun. „Ich kenne nur die Presseberichte“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Wolfgang Büchner am Freitag. Die Bundesregierung freue sich zwar über jede diplomatische Initiative. Zu der von Schröder wollte sich Büchner dann aber doch nicht konkret äußern. „Ich werde mich zu diesem ganzen Sachzusammenhang hier nicht einlassen.“

– Scholz will „Ergebnisse zur Kenntnis nehmen“: Ob die Schröder-Initiative Wirkung zeigt oder nicht, wird man vielleicht nie so genau wissen. Es werden derzeit zahlreiche Gespräche in unterschiedlichen Konstellationen geführt.

Auch Scholz telefoniert mit Putin, erst am Donnerstag wieder zusammen mit Macron. Ein weiteres Gespräch mit dem russischen Präsidenten soll bald folgen. Welche Kontakte genau zu was führen, wird man am Ende schwer nachvollziehen können.

Scholz wollte die Reise Schröders am Freitag am Rande des EU-Gipfels in Versailles auch nicht kommentieren. Immerhin sagte er aber: „Wir werden sicherlich die Ergebnisse zur Kenntnis nehmen können und einbeziehen können, in all das, was wir an eigenen Anstrengungen unternommen haben.“ (dpa)

https://twitter.com/peterbreuer/status/1501932287461511180?t=hXZFlnIihC1k0Sui4xivsQ&s=19

Zum Thema siehe auch folgende Artikel auf OD:

13 Antworten auf “Altkanzler Gerhard Schröder bei seinem Freund Wladimir Putin in Moskau: Buhmann der Nation als Vermittler?”

  1. Werner Radermacher

    Bisher sind die Verbindungen von Schröder zum Kriegstreiber Putin einfach nur widerlich. Wenn er aber eine Möglichkeit sieht, Putin zum Einlenken zu bewegen, dann kann man Schröder nur viel Erfolg wünschen. Denn jeder Vermittlungsversuch, diesen grausamen Krieg zu beenden, ist wünschenswert.
    Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass der beratungsresistente Putin seine Meinung ändert.

  2. delegierter

    habe gehört für seine Jobs in Russland bekommt er ne knappe Million im Jahr.
    Nun, jeder der geschieden ist, der braucht Geld. Wenn man 4x geschieden ist, dann brauchst du wohl ein Vermögen, soviel kannst du mit arbeiten nicht verdienen, wie der GASGERD ( in Spiegelschrift DREGSAG ).

  3. Wer zuletzt lacht

    Solange in dieser Geheimdienstposse die koreanische Kim dazwischen zwitschern darf, kann nichts Seriöses dabei rauskommen. Profis arbeiten anders. Deren Nebeneinkünfte strömen durch die BILD-Pipeline Nordstream3 in die Haushaltskasse von Gasgerd nach Hannover, wo Dregsag seinen Ehrenbürgertitel zurück geben muss.
    Zu Öl und Gas passend: schlechtes Schmierentheater Genosse Altkanzler. Der Ehrenmann Willy Brandt dreht sich im Grab rum.

  4. Gasgerd fädelte alles so ein das viel Geld in Putins Kasse gespült wurde, er machte viele Länder vom Gas abhängig, Warum man ihm vertraute ist mir schleierhaft seine Amtszeit machte er nicht fertig mit Hartz brachte er viele in Armut, sein Freund Peter Hartz legte er auch rein, Sein Schwur war zum wohl des Deutschen Volkes, war ein Flopp das wusste er also nur Geschwätz , bei einem Schwur heißt es sowar mir Gott helfe, ( Hippokrates Eid auch Schwur des Hippogrates genannt ) Gasgerd kann dann wenn es eng wird sagen es ist kein Eid gewesen sondern nur die Unwarheit

  5. Karli Dall

    Gerhard Schröder in seinem Brief an die Stadt Hannover:

    „Ich verzichte unwiderruflich auf die Ehrenbürgerwürde der Stadt Hannover.“

    – Ein Stadtsprecher konnte am Dienstag zunächst den Eingang des Briefes nicht bestätigen. Es werde juristisch geprüft, ob die Verzichtserklärung ausreicht oder ob noch ein formaler Verwaltungsakt zum Entzug der Ehrenbürgerwürde notwendig sei. Ein Beschluss über den Entzug der Ehrenbürgerschaft sollte am 31. März gefasst werden. –

    Wenn schon kein Akt, dann wenigstens ein Verwaltungs-Akt, dafür wird der Stadtrat von Hannover benötigt.

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