Standpunkt

Man muss auch mal „respektlos“ sein

Im Zusammenhang mit dem Streit um die Bushof-Party in Eupen ist einige Male das Wort „respektlos“ gefallen. So wurde u.a. kritisiert, die Karnevalisten, die sich nicht an das Technomusik-Verbot gehalten haben, hätten sich „respektlos“ verhalten. Was aber versteht man unter „respektlos“? Und gibt es nicht Situationen, in denen zum Beispiel junge Menschen sich fast schon dazu genötigt fühlen, gewisse Formen von Respektlosigkeit an den Tag zu legen, weil sie anderswie keine Chance sehen, sich Gehör zu verschaffen? Die Frage stellt sich durchaus.

Selbst nach all den Diskussionen von letzter Woche bleibt die Arbeitsgemeinschaft Karneval Eupen (AGK) stur, wie ihre Stellungnahme von Sonntag zeigt (siehe Artikel an anderer Stelle). Warum gibt die AGK nicht zu, dass ihr in der ganzen Geschichte Fehler unterlaufen sind? Dies wäre einer „Befriedung“ mit Sicherheit dienlich gewesen. Stattdessen aber beharrt die AGK etwas selbstherrlich auf ihrer Position.

Einen Weg finden, der allen zusagt

Die Frage muss erlaubt sein: Was wäre gewesen, wenn sich sowohl bei der Bushof-Party als auch bei den Diskussionen danach alle Karnevalisten und Kommentatoren respektVOLL verhalten hätten? Dann wäre wahrscheinlich gar nichts passiert. Es hätte keine Diskussionen gegeben, und das Gemeindekollegium der Stadt Eupen hätte sich auch nicht bereit erklärt, noch vor Ende Februar „den Dialog mit allen Akteuren aufzunehmen, um für die Zukunft gemeinsam nach Lösungen zu suchen“. Das Problem hätte sich nächstes Jahr wieder gestellt.

So aber können wir hoffen, dass es tatsächlich zu einem konstruktiven Meinungsaustausch kommt und die Voraussetzungen geschaffen werden, dass im nächsten Jahr nach dem Rosenmontagszug nur noch gefeiert und nicht mehr gestritten wird. Garantiert wird man einen Weg finden, der allen zusagt. Und das wäre nicht respektlos, sondern respektabel.

Die Respektlosigkeit in den Sechzigern

Apropos „respektlos“: Wenn das, was nach dem Eupener Rosenmontagszug passiert ist, respektlos gewesen sein soll, wie soll man denn das bezeichnen, was die Jugend in den 60er Jahren gemacht hat? Deren „ziviler Ungehorsam“ hat in vielerlei Hinsicht den Weg zu neuen Ufern geebnet. Was wäre passiert, wenn sich damals die Jugendlichen immer respektVOLL verhalten hätten? Gar nichts. Eben.

GERARD CREMER

Siehe dazu auch Artikel „Polemik Bushof-Party: AGK bezieht offiziell Stellung“

Siehe dazu auch Artikel „Bushof-Party: Gemeindekollegium verurteilt jede Art von Beleidigungen und Angriffen“

 

9 Antworten auf “Man muss auch mal „respektlos“ sein”

    • Gerard Cremer

      Liebe Franziska Jammer, zu Ihrem Kommentar kann ich leider nichts schreiben, weil in der Angelegenheit, die Sie da ansprechen, noch ein Gerichtsverfahren anhängig ist. Also lasse ich Ihren Kommentar einfach mal so stehen. Ihr Pseudonym finde ich übrigens echt lustig, aber auch diese Geschichte ist längst Schnee von gestern. Gruß

  1. Joachim Ackers

    wie immer muss Herr Cremer Salz in die offenen Wunden streuen! Liegt zwar in der Natur das Journalisten, ist aber meiner Meinung nach auch eine Art der Respektlosigkeit! Denn für viele der betroffenen Personen ist die Lösung des Problems nicht so einfach wie sie meinen, da sie persönlich (und auch privat per Telefon und Erscheinen vor der Haustüre) belästigt werden.

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