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Am Sonntag Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Seit 35 Jahren regiert hier die SPD – Mainz bleibt Mainz?

20.03.2026, Rheinland-Pfalz, Landau: Rudolf Scharping (l-r, SPD), ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD), Spitzenkandidat zur anstehenden Landtagswahl/Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), ehemalige Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, und Kurt Beck (SPD), ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, stehen vor einem Wahlplakat mit dem Konterfei von Schweitzer zusammen. Foto: Andreas Arnold/dpa

An diesem Sonntag, dem 22. März 2026, wählen rund drei Millionen Bürger in Rheinland-Pfalz einen neuen Landtag. Die Wahl gilt als eine der politisch spannendsten im laufenden „Superwahljahr“ in Deutschland – nicht zuletzt, weil sich ein enges Rennen zwischen SPD und CDU abzeichnet und ein Machtwechsel nach Jahrzehnten möglich erscheint.

Seit 1991 wird das Bundesland ununterbrochen von der SPD geführt. Aktuell ist Alexander Schweitzer Ministerpräsident, der das Amt 2024 von Malu Dreyer übernommen hat.

Die Sozialdemokraten treten mit dem Ziel an, diese lange Regierungsserie fortzusetzen. Herausforderer ist die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Gordon Schnieder, die laut Umfragen leicht vor der SPD liegt und erstmals seit über 30 Jahren wieder den Regierungschef stellen möchte.

20.03.2026, Rheinland-Pfalz, Landau: Alexander Schweitzer (SPD), Spitzenkandidat zur anstehenden Landtagswahl und Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, zapft Bier auf der SPD-Abschlussveranstaltung und Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), Fraktion- und Landeschefin der SPD-Rheinland-Pfalz, freut sich darüber.  Foto: Andreas Arnold/dpa

Neben SPD und CDU treten die üblichen im Landtag vertretenen Kräfte an: die Grünen, die FDP und die AfD. Hinzu kommen kleinere Parteien wie die Freien Wähler und Die Linke, die den Einzug ins Parlament anstreben. Insgesamt stellen sich mehrere hundert Kandidierende in 52 Wahlkreisen zur Wahl. Besonders spannend ist dabei die Frage, ob FDP und Linke die Fünf-Prozent-Hürde überspringen – davon hängt maßgeblich ab, welche Koalitionen überhaupt möglich sind.

Inhaltlich wurde der Wahlkampf von klassischen landespolitischen Themen geprägt: Bildung, wirtschaftliche Entwicklung, kommunale Finanzen und Infrastruktur spielten eine große Rolle. Auch der Klimaschutz war ein zentrales Streitfeld – etwa bei der Frage, wie ambitioniert die Klimaziele des Landes sein sollen. Daneben spiegeln sich bundespolitische Konfliktlinien in abgeschwächter Form wider, etwa bei Migration, sozialer Gerechtigkeit und Energiepolitik.

Entscheidend ist jedoch vor allem die Machtfrage: Wer stellt künftig den Ministerpräsidenten? Da die bisherige Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP laut Umfragen kaum eine Mehrheit erreichen dürfte, wird mit neuen Bündnissen gerechnet. Diskutiert werden vor allem eine große Koalition aus CDU und SPD oder andere Zweier- bzw. Dreierkonstellationen – wobei beide großen Parteien jeweils den Führungsanspruch erheben.

20.03.2026, Rheinland-Pfalz, Bad Dürkheim: Bundeskanzler Friedrich Merz (l, CDU) und Gordon Schnieder, CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, unterhalten sich in der Salierhalle beim Abschluss des Landtagswahlkampfs der CDU für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Foto: Uwe Anspach/dpa

Die Bedeutung der Wahl reicht über Rheinland-Pfalz hinaus. Sie ist Teil eines ganzen Wahljahres mit mehreren Landtagswahlen und wird daher als Stimmungsbarometer für die Bundespolitik interpretiert. Ein Erfolg der CDU könnte den Rückenwind für die Union in Berlin stärken, während ein SPD-Sieg als Bestätigung für die Sozialdemokraten gewertet würde. Gleichzeitig zeigt sich hier exemplarisch, wie stabil oder brüchig klassische Parteienbindungen derzeit sind – und welche Koalitionsmodelle künftig auf Bundesebene denkbar bleiben.

Insgesamt steht also mehr auf dem Spiel als nur die Zusammensetzung eines Landesparlaments: Die Wahl in Rheinland-Pfalz ist ein Testfall für politische Mehrheiten, für die Zukunft der SPD-Hochburgen im Westen und für die Kräfteverhältnisse im deutschen Parteiensystem insgesamt. (eag)

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