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Skeletonpilot aus der Ukraine darf wegen Helm mit Bildern von im Krieg getöteten Sportlern nicht starten

12.02.2026, Italien, Cortina d'Ampezzo: Wladislaw Heraskewytsch (Ukraine) zeigt seinen Helm. Im Streit um seinen Helm mit Bildern von im Krieg getöteten Sportkollegen ist der Ukrainer Wladislaw Heraskewytsch vom olympischen Skeleton-Wettbewerb ausgeschlossen worden. Foto: Robert Michael/dpa

Eskalation im Helm-Streit: Ukrainer von Olympia verbannt. Skeletonpilot Wladislaw Heraskewytsch darf wegen eines Helms mit Bildern getöteter Sportler nicht bei den Winterspielen starten. Das IOC bleibt nach tagelangen Debatten hart.

Im Schock über seinen Olympia-Ausschluss fühlte Wladislaw Heraskewytsch einfach nur „Leere“. Trotz eines Gesprächs mit IOC-Präsidentin Kirsty Coventry in letzter Minute ist es im Streit um seinen Helm mit Bildern von im Krieg gegen Russland getöteten Sportkollegen zur großen Eskalation gekommen. Der ukrainische Skeletonpilot durfte nicht bei den olympischen Rennen an den Start gehen und ist von den Winterspielen verbannt worden.

Der 27-Jährige wollte nicht auf das Tragen des vom IOC verbotenen Kopfschutzes verzichten und wurde noch vor Beginn des ersten Durchgangs auf der Bahn in Cortina d’Ampezzo aus dem Wettbewerb genommen.

12.02.2026, Italien, Cortina d’Ampezzo: Wladislaw Heraskewytsch (Ukraine) trägt seinen Helm unter dem Arm. Im Streit um seinen Helm mit Bildern von im Krieg getöteten Sportkollegen ist der Ukrainer Wladislaw Heraskewytsch vom olympischen Skeleton-Wettbewerb ausgeschlossen worden. Foto: Robert Michael/dpa

Diese Entscheidung traf die Jury des zuständigen Weltverbands IBSF. Das Internationale Olympische Komitee hatte zuvor entschieden, dass der Helm gegen das Neutralitätsgebot der Olympischen Charta verstößt.

„Es ist schwer, etwas zu sagen oder es in Worte zu fassen. Es ist Leere“, sagte Heraskewytsch. Die Entscheidung sei ein riesiger Fehler. „Ich glaube, dass ich keine Regeln verletzt habe“, beteuerte er und kündigte einen Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas an. Auch bei einem Treffen mit IOC-Präsidentin Kirsty Coventry habe Heraskewytsch keinen Kompromiss akzeptiert, teilte das IOC mit.

– IOC-Chefin unter Tränen: In einem nicht-öffentlichen Bereich hatte sich die Präsidentin des IOC mit dem Ukrainer rund eine Stunde vor dem Start des ersten Laufs getroffen. Danach verkündete sie unter Tränen, dass sie Heraskewytsch nicht umstimmen konnte und der Ausschluss „unter Bedauern“ vollzogen werden müsse.

„Es geht nicht um die Botschaft, es geht nur um die Regeln und Vorgaben. In diesem Fall müssen wir in der Lage sein, ein sicheres Umfeld für alle sicherzustellen“, sagte Coventry. „Traurigerweise heißt das, dass keine Botschaften erlaubt sind.“ Nach Angaben des IOC wurde Heraskewytsch die Akkreditierung für die Winterspiele entzogen.

Politische Botschaften sind laut IOC-Regeln an den Wettkampfstätten untersagt. Die Dachorganisation hatte Heraskewytsch als Kompromiss angeboten, anstatt des Helms ausnahmsweise einen Trauerflor am Arm zu tragen. Das hatte der Ukrainer abgelehnt. Noch kurz vor der Entscheidung hatte Heraskewytsch via Instagram ein Einlenken des IOC und eine Entschuldigung gefordert.

06.02.2026, Italien, Mailand: IOC-Präsidentin Kirsty Coventry spricht während der Eröffnungsfeier. Foto: Yves Herman/Reuters Pool Photo/AP/dpa

– IOC verweist auf mit Athleten abgestimmte Regeln: In mehreren Trainingsläufen war Heraskewytsch mit dem Helm gefahren. Darauf sind Bilder von rund 20 Athleten zu sehen, die bei russischen Anschlägen ums Leben gekommen sind. Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren gegen eine russische Invasion. Der Helm sei „eine Hommage an Athleten und einige von ihnen waren Medaillengewinner bei den Olympischen Jugendspielen. Das bedeutet, sie gehören zur olympischen Familie“, erklärte Heraskewytsch.

Ein offizielles Gesuch um eine Erlaubnis für den Kopfschutz lehnte das IOC jedoch unter Verweis auf die Regeln für politische Botschaften ab. Diese seien mit der Athletengemeinde abgestimmt. Es müsse allen Sportlern möglich sein, sich in einem sicheren Umfeld auf ihre Leistung zu konzentrieren, unbeeinflusst von den zahlreichen Konflikten auf der Welt. Heraskewytsch sei es erlaubt, in Interviews rund um den Wettkampf seine Meinung frei zu äußern, hieß es weiter.

Der Ukrainer gehörte für die Skeleton-Rennen nicht zum Kreis der Topfavoriten. Er hatte gesagt, eine Medaille sei „wertlos im Vergleich zu Menschenleben und der Erinnerung an diese Athleten“. Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine, Wadym Gutzajt, hatte beim IOC vorher noch erfolglos interveniert.

Zuspruch hatte Heraskewytsch auch von anderen Mitgliedern der ukrainischen Olympia-Delegation und vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erhalten. Der Skeletonpilot erinnere an den Preis, den die Ukraine in ihrem Abwehrkampf zu zahlen habe, schrieb Selenskyj auf Telegram. Eine solche Wahrheit könne nicht unbequem oder unangebracht sein. Die Ukraine halte sich an den Geist von Olympia, Angreifer Russland nicht. (dpa)

41 Antworten auf “Skeletonpilot aus der Ukraine darf wegen Helm mit Bildern von im Krieg getöteten Sportlern nicht starten”

  1. Man soll olympische Spiele und auch andere internationale Veranstaltungen politisch neutral halten.
    Wenn dieser ukrainische Sortler Regeln missachtet und stur bleibt, muß er eben die Konsequenzen tragen.

    • schlechtmensch

      Sehr richtig. Es ist schade, dass es immer wieder Menschen gibt die alles politisieren wollen. Politik hat weder beim Sport, noch in der Schule etwas zu suchen. Gleiches gilt für die Gender-Religion.

    • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

      Ob er nun ukrainischer oder russischer Sportler ist , muss man sich auch in seiner Lage versetzen können und zugeben, dass der Verlust von Kollegen, die auch Freunde gewesen sein können, an keinem spurlos vorbei geht.
      Dass er also durch sein Handeln eine politische Botschaft absetzen möchte, in der er verdeutlicht, wie sinnlos politisch organisierte Tötungen sind, sollte jeder normale Mensch verstehen.
      Aber wenn politische Botschaften, zu recht oder unrecht, bei diesem Sport verboten sind, dann hätte er einfach den Helm wechseln sollen.
      Die Tatsache das politische Botschaften verboten sind, sollte aber die Überlegung erlauben, weshalb politische Größen, auf Sportveranstaltungen den wichtigen machen dürfen ?

    • Vollkommen korrekt. Und nochwas, diese Story ist international kaum Thema AUSSER natürlich bei der Deutschen Presse, die am liebsten im Verbund mit der Politik alles der Ukraine unterordnen würde, wenn sie es im noch größeren Maße könnte. Ich wusste sofort, hier bei OB-Direkt wird diese Belanglosigkeit sofort groß aufgezogen.

  2. Alfons van Compernolle

    Es gab Zeiten da waren das Ausrichten und Abhalten der olymp. Spiele verboten , wenn in einem teilnehmenden Staat ein Krieg ausgefochten wird. Das sind die ursprùnglichen alten Regeln zu Zeiten des
    „Roemischen Reichs“ !! Warum soll dieser Sportler aus der Ukraine nicht mit diesen seinem Helm verziehrt mit den Fotos gefallener Sportskollegen/innen , starten koennen????? Es ist keine Politisierung der Olymp.-Spiele auch bei dieser Gelegenheit seine anteilnehmende Trauer oeffentlich zu zeigen.
    Dieser Mensch ist ausgeschlossen worden an der Teilnahme der Olymp.-Spiele wegen seines Schutzhelms ???? Echt ???? Meine Gedanken sind gerade , sind die Olymp.-Spiele noch Zeitgemaess oder ùberflùssig ??

    • meinemeinungdazu

      @AvC
      „Dieser Mensch ist ausgeschlossen worden an der Teilnahme der Olymp.-Spiele wegen seines Schutzhelms ???? Echt ????“
      Schon wieder falsch was sie hier veröffentlichen!
      Der ukrainische Sportler ist nicht ausgeschlossen worden wegen seines Helms.
      Er ist ausgeschlossen worden, weil er auf seinem Schutzhelm Bilder aufgeklebt hatte, was laut Regeln nicht erlaubt ist.
      Auch Ingeniöööre sollten Regeln anerkennen, ob sie ihnen nun passen oder nicht.

      • meine Heimat

        @MeineMeinung dazu
        Ergänzend zu ihrem Kommentar ist nicht unwichtig zu erwähnen, dass ihm vorgeschlagen wurde, einen neutralen Helm zu benutzen, so wie alle übrigen Sportler. Der Ukrainer blieb aber stur und lehnte ab. Also ging es ihm nur darum seine Botschaft zu veröffentlichen und weniger um den Sport.

        Die Ukrainer meinen sowieso, sie wären etwas besonderes.
        Selensky fordert jetzt ja schon verbindliche Daten, um in die EU aufgenommen zu werden.
        Sie fordern Daten, sie fordern Geld, sie fordern Waffen, sie fordern Ausnahmen, sie fordern dies und sie fordern das … und die Geflüchteten leben in Europa wie die Maden im Speck.
        Sie erhalten als Nicht-EU-Mitlied automatisch Arbeitsgenehmigungen, fahren mit nicht Tüv-geprüften Fahrzeugen durch die Gegend, ob die hier verkehrenden Fahrzeuge überhaupt haftpflichtversichert sind weiss keiner so genau, usw….

      • #meinemeinungdazu
        12/02/2026 14:39
        „Auch Ingeniöööre sollten Regeln anerkennen, ob sie ihnen nun passen oder nicht.“

        ..sie müssen Regeln und Vorgaben akzeptieren und anwenden, sonst handelt es sich nicht um „Ingeniöööre“, sondern um Bastler…

  3. Bittere Realität

    Hier geht es schon lange nicht mehr um einen sportlichen Wettbewerb der Nationen, sondern hier regiert nur der blanke Profit. Warum startete hier die zuvor schon angeschlagene Lindsey Vonn, nur wegen ihrer hoch dotierten Werbeverträge. Und Kriegsopfer passen nun mal gar nicht ins Bild.

    • JoKrings

      Wie viele Palästinenser hat Israel massakriert? 1.000 x mehr als getötete Israelis, nicht zuletzt weil die IDF-Tsahal selbst jede Menge getötet hat, der Hannibal Doktrin entsprechend. Die Juden sind die Antisemiten!

  4. Inwiefern ist ein Bild eines verstorbenen Sportlers ein politisches Statement? Kein Text, kein Hinweis auf die russischen Mörder, kein Hinweis auf die Todesursache und doch ein politisches Statement.
    Nur, weil wir wissen wer der Mörder ist?

  5. Der Alte

    Tempus fugit. Vor zwei Jahren wäre es noch undenkbar gewesen einen ukrainischen Athleten au sperren. Da hätte es wohl eher eine Dienstanweisung gegeben, dass mindestens ein Ukrainer auf jedem Podest stehen muss, zumindest bei rein europäischen Großveranstaltungen. Heute schlägt die Stimmung um.
    NB: bei Veranstaltungen, die alle Kontinente betreffen ist die Ukrainophilie sowieso wenig ausgeprägt gewesen.

  6. Willi Müller

    Das passt den Menschen nicht, wenn man die schöne Feierlaune versaut und mit Kriegstoten daherkommt.
    Dabei ist es die traurige Realität. In der Ukraine ist Menschentöten erlaubt.

  7. Medallienspiegel

    War da nicht auch ein Sportler, der auf die Zig-Tausend getötetetn Hutsis und Tutsis aufmerksam machen wollte, oder der deutsche Olympia-Teilnehmer aus der ehemaligen DDR, der an seine getöteten Freunde an der Berliner Mauer erinnern wollte? War nicht der Fall ? Na dann…..hätte ja sein können

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