Politik

Emmanuel Macron wird neuer französischer Staatspräsident

Frankreichs neuer Staatspräsident Emmanuel Macron. Foto: Shutterstock

Emmanuel Macron wird Frankreichs nächster Staatspräsident und damit Nachfolger von François Hollande, der sich nicht mehr zur Wahl stellte. Der Sieg des 39-Jährigen fiel deutlicher aus als erwartet.

Der Kandidat der Bewegung „En Marche!“ erreichte in der Stichwahl am Sonntag 65,8%. Für Marine Le Pen vom Front National stimmten 34,2% der Wahlberechtigten.

Um 20 Uhr schlossen die letzten Wahllokale. Bereits zuvor war über belgische Medien, die an keine Schweigepflicht gebunden waren, der voraussichtliche Sieg von Macron in Aussicht gestellt worden.

Titelbild einer schon etwas älteren Ausgabe der Illustrierten „Paris Match“ über das Ehepaar Macron.

Die Stimmenthaltung dürfte bei rund 25% liegen. So hoch war sie zuletzt im Jahre 1969 mit mehr als 31%.

Der 39-jährige Macron ist damit der jüngste Präsident aller Zeiten.

Für Frankreich beginnt mit der Wahl in jedem Fall eine neue politische Ära. Denn die Bewerber der traditionellen Regierungsparteien – Konservative und Sozialisten – waren schon im ersten Wahlgang vor zwei Wochen ausgeschieden.

Die französische Präsidentenwahl war in ganz Europa mit großer Spannung und Nervosität verfolgt worden. Marine Le Pen hatte im Wahlkampf ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft versprochen und ein Ende der Gemeinschaftswährung Euro als normales Zahlungsmittel gefordert.

Der frühere Wirtschaftsminister und Investmentbanker Macron steht hingegen für einen klar europafreundlichen Kurs. Er soll spätestens am 14. Mai die Amtsgeschäfte des scheidenden Staatschefs François Hollande übernehmen.

Parlamentswahl im Juni

Wie groß der politische Spielraum des neuen Staatschefs sein wird, hängt nicht zuletzt vom Ausgang der Parlamentswahl im Juni ab. Ob Macrons Bewegung „En Marche!“ eine breite Mehrheit bekommen wird, bleibt abzuwarten.

Ohne eigene Mehrheit in der Nationalversammlung wäre Macron gezwungen, eine Regierung zu ernennen, der auch Politiker eines anderen politischen Lagers angehören. Eine derartige „Kohabitation“ gab es zuletzt von 1997 bis 2002 mit dem Konservativen Jacques Chirac als Präsidenten und dem Sozialisten Lionel Jospin als Premierminister.

Die Kandidatin Marine Le Pen und der Kandidat Emmanuel Macron vor dem TV-Duell am Mittwoch in einem Fernsehstudio in La Plaine-Saint-Denis, im Norden von Paris. Foto: epa

Auch wenn Le Pen nicht in den Élyséepalast einzieht, hat sie das politische Gefüge in Frankreich maßgeblich auf den Kopf gestellt. Der 48-jährigen ist es gelungen, die FN als eine für viele Franzosen wählbare nationalistische Partei zu etablieren.

Unter ihrem Vater Jean-Marie Le Pen hatte die FN vor allem für Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus gestanden und war politisch so isoliert, dass selbst viele FN-Wähler sich nicht öffentlich zu ihr bekennen wollten.

Le Pen räumte am Abend ihre Niederlage ein. Sie bezeichnete ihr Ergebnis jedoch als historisch. 11 Millionen Franzosen hätten sie gewählt. In der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen waren es noch 7,7 Millionen gewesen. Le Pen ließ durchblicken, dass sie ihre rechtsextreme Partei Front National (FN) im Juni in die Parlamentswahlen führen werde.

„Ein neues Kapitel unserer langen Geschichte beginnt heute Abend“, sagte Macron. Vor Tausenden jubelnden Anhängern am Pariser Louvre versprach der 39-Jährige, alles zu tun, damit Wähler in Zukunft nicht mehr für die Front National stimmen. Frankreich habe ein neues Kapitel seiner Geschichte aufgeschlagen: „Ich werde die Republik verteidigen.“ (cre/dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf „Ostbelgien Direkt“:

  1. Le Pen-Fan :(

    Schade, très schade. Sie hätte diesen Frexit, von dem sie zu spät Abstriche machte nicht so hoch hängen dürfen. Ihre Niederlage ist vor allem eine verpasste Chance, den Extremisten unter den Muslimen mal klare Kante zu zeigen; die brauchen das nämlich unbedingt. Die sehen in demokratischen, westlichen Werten nur Weicheierei, unserer Justiz lachen die ins Gesicht.

    • Und ich lache dir ins Gesicht. Aus der Vergangenheit nichts gelernt? Wer eine extreme Partei favorisiert , sei es links oder rechts, hat meiner Meinung nach keinen Respekt verdient.

  2. War die beste Wahl für Frankreich! Jetzt muss er den eisernen Besen heraus holen, und den Unrat der vorherigen Nieten weg kehren! Das wird noch harte Arbeit fordern, und die Einsicht und Mithilfe des Volkes! Viel Glück dabei.

  3. Schirifreund

    Man bedenke, mehr als ein Franzose auf drei stimmt Extremrechts. Qui dit mieux? Ist das wirklich die Folge der Misswirtschaft der letzten Regierungen oder ist das Gesinnung. Durch 35 Stunden Woche und Pension mit 55 haben die vergangenen Rattenfänger das Volk hinter sich geschart. Der Misserfolg bietet den Fängern von Rechts leichte Beute. Wenn der Franzose wieder mehr arbeiten muss, was dann? Douce France

    • Wie soll Macron ohne parteipolitische Verankerung denn regieren? Haben die Sozialisten eventuell vergessen, dass er unter Hollande Minister war und diesem das Handtuch warf? Hatten die Sozialisten mit Hamon nicht einen eigenen Kandidaten? Die heuchlerischen Republikaner haben Macron zwar auf den Schild gehoben, um ihn doch bei erster Gelegenheit fallen zu lassen….Armer Macron, pauvre France……….

      • Politikus

        @ Hop Sing,

        Sie sind bisher der einzige, der hier etwas Sachliches gepostet hat. Ich vermute, die meisten anderen Kommentatoren haben sich (mal wieder) nur die deutschen Medien konsultiert und dadurch, wie so oft, in die Irre geführt worden. Ich will hierbei noch nicht mal das Wort Lügenpresse bemühen, es ist einfach zum großen Teil falsch was die berichten, zumindest aber nur oberflächig und um eine bestimmte Meinung zu veröffentlichen. Nun, in Kurzfassung was in Frankreich bezüglich der Präsidentenwahl abgelaufen ist. Zur Erinnerung: im ersten Wahlgang hatte Macron etwa 25% und Le Pen in etwa 21% der Stimmen auf sich beziehen können; was hierbei dann meist vergessen wird, ist der Umstand, dass
        sowohl Méchelon als auch Fillon, jeder für sich auch um die 20% erreicht hatten, also auch nicht sooooo viel schlechter abgeschnitten hatten als Macron und Le Pen. Das Resultat der übrigen Kandidaten kann insgesamt als „quantité négligeable“ betrachtet werden. Da nun Macron und Le Pen
        die beiden besten Resultate im ersten Wahldurchgang erzielten, musste sich der Wähler im zweiten
        Urnengang also nur um einen dieser beiden entscheiden, mit dem bekannten Resultat : Macron ca 65%
        Le Pen etwa 35% ( bei insgesamt 25% Nicht-Wählern). Auf den ersten Blick sieht das natürlich nach einem klaren Sieg für 2/3 Macron, 1/3 Le Pen aus. Aber was bedeutet das jetzt? Macron hat dieses Ergebnis ja nicht durch nur seine Bewegung „En marche“ erzielt, sondern viele Wähler aus allen anderen Parteien, außer dem FN natürlich, haben sich dann für Macron entschieden.( für viele das kleinere Übel).So ist dann das hohe Ergebnis für Macron entstanden. Was jedoch wichtig ist zu erwähnen, und das wurde kaum in den deutschen Medien erwähnt, dafür aber objektiv auf sämtlichen französischen TV-Kanälen, die ich sporadisch durch gezappt habe, ist die Tatsache, dass Le Pen im ersten Durchgang um die 7 Millionen Wähler für sich gewinnen konnte und gestern im zweiten Wahlgang über 11 Millionen, also eine Steigerung von über 4 Millionen. Das ist eine sehr wichtige Feststellung bei all dem Hype der jetzt für Macron entstanden ist. Also nochmals satte 4 Millionen zu vergangener Woche haben am Sonntag den FN gewählt. Und hier sind sich alle französischen Experten einig: Le Pen ist als Kandidatin gescheitert, der FN jedoch hat noch hinzu gewonnen, so paradox das auch erscheinen mag (besonders für bestimmte ausländische Medien und „Experten“).Und spannend wird es auch im Juni, wenn die Parlamentswahlen stattfinden. Da ist noch gar nicht sicher, ob Macron
        eine Mehrheit zusammen bekommt, die er gerne hätte. Jetzt schon haben sich führende Kräfte der anderen Parteien geäußert und kund getan, dass sie Macron nicht bei der Regierungsbildung unterstützen würden. Wie gesagt, Macron ist noch lange nicht am Ziel, der FN wird stärkste Opposition

        • Unparteiischer

          @Politikus: Sie sagen „Also nochmals satte 4 Millionen zu vergangener Woche haben am Sonntag den FN gewählt.“

          Das ist die eigentliche Schande dieser Wahl. Le Pen ist eine ewiggestrige Tante, die fern von jedem Regieren gehalten werden muss.

          • Politikus

            @ Unparteiischer, Ihr Zitat
            „Das ist die eigentliche Schande dieser Wahl. Le Pen ist eine ewiggestrige Tante, die fern von jedem Regieren gehalten werden muss.“

            Das erscheint mir etwas zu undifferenziert dargestellt. Wenn idT gestern nochmals 4 Millionen (!) den FN zusätzlich zu den bereits vom Vorsonntag abgegebenen Stimmen, wählen, spricht das m.M.nach nicht dafür, dass da insgesamt über 11 Millionen eine „ewig gestrige Tante “ wählen. Oder sind diese 11 Millionen auch „Ewig Gestrige“ ? Ich glaube diese Behauptung wäre zu einfach und entspricht auch nicht den Tatsachen. Ich persönlich bin kein „Fan“ des FN. Dieser ist aber weder mit der NPD, bzw. der AfD beispielsweise in Deutschland zu vergleichen. Aber das tun viele hier in Ostbelgien, weil sie meistens nur die Berichterstattung in den deutschen Medien verfolgen und diese auch nur unausgewogen berichten.Wenn man, wie ich persönlich, zig Jahre in Frankreich verbracht hat und die Entwicklung des FN etwas vor Ort mitverfolgen konnte, bekommt man ein anderes Bild, als dasjenige welches uns meistens von den ausländischen -sprich vor allem der deutschen Medien -vermittelt wird.
            Der FN ist in Frankreich schon lange salonfähig geworden, hat nichts mehr mit dem Vater der Marinne Le Pen ( in der Tat ein Rassist) zu tun. Sie hat inzwischen Wähler in allen Bevölkerungsschichten, sogar bei Muslimen ( die das zugeben, wie ich selbst in Erfahrung bringen konnte). Also nochmals, nicht zu vergleichen mit der NPD oder gar der AfD. Im übrigen wird sich in mittelbarer Zukunft auch an der Parteispitze des FN vermutlich was ändern. Gerüchten zufolge wird jemand anders in absehbarer Zeit die Führung übernehmen. Der FN zählt in seinen Reihen auch Absolventen von Elite-Unis,( wie u.a.Macron).

    • Zwei von drei Franzosen haben Macron gewählt. Wenn man die 11 % weiße Stimmzettel hinzufügt und das ganze Prozentual runterrechnet sieht das Ergebnis anders aus. Dabei noch 25 % Stimmenthaltung. Wahrlich ein Grund zu feiern! Ein geeintes Volk!
      Hoffentlich lernt Macron und hört auf die Stimmern der Kritiker und auf die Sorgen eines großen Teils der Bevölkerung.

      • 43,62% haben Macron gewählt
        22,38% haben Le Pen gewählt
        Die restlichen 34% haben nicht gewählt, sich enthalten oder waren nicht im Stande den Wahlzettel korrekt auszufüllen.

        Nicht einmal die Hälfte der Wahlberechtigten hat Macron gewählt. Das ist nicht wirklich überzeugend.

        • Das sage ich ja. Aber dennoch setzt der Euro zu neuen Höhenflügen an. Sämtliche Politiker in Europa jubeln. Der DAX explodiert. Es bleibt alles wie es ist. So wenig wie die Banken aus der Krise gelernt haben, so wenig schert den Politikern die arbeitende Bevölkerung. Die Bedenken eines großen Teils der Bevölkerung werden einfach vom Tisch gefegt. Was interessieren mich meine Sorgen von gestern?

          • Politikus

            Das sehe ich wie Sie, Atheist.

            Und nicht nur “ sämtliche Politiker in Europa“ jubeln, klar besonders diejenigen die von der EU“ versorgt“werden, inklusive dem ganze Beamten-Apparat dort. Vor allem, werter Atheist, sind es aber die Bosse der Großkonzerne, vor allem aus der Billig-Republik, die jubeln. Das sind idT ja glühende Anhänger Europas, nicht, weil sie das Schicksal der Menschen interessiert, sondern ihre Export-Bilanz.
            Und da hatte vor allem Deutschland ein Interesse daran, dass da jemand wie Macron, der bestens
            im“ System verankert“ ist, Präsident wurde und keine Le Pen, bei der „La France d’abord“ angesagt
            gewesen wäre. Wie gesagt, alle Politiker jubeln, wie Sie erwähnten, so auch die Merkel, weil die Wahl so gut für die Wirtschaft – äh – die Bürger verlaufen ist. Wetten, das alles so weiter läuft in der „Grande Nation“, wie bisher; für dass sich da was ändern würde, dafür sind die Tröge für die Politiker zu gut gefüllt; wer verzichtet denn freiwillig darauf?

  4. Marcel Scholzen eimerscheid

    Diese Wahl hat zum wiederholten Male gezeigt, dass Linke Parteien immer mehr an Bedeutung und Vertrauen verlieren. In Frankreich hat sich die PS selbst abgeschafft durch eine Politik, die gegen ihre eigene Wählerschaft gerichtet war. Dazu kommt noch die Zersplitterung des Linken Spektrums in mehrere verfeindete Lager,, die mit zum aktuellen Ergebnis beigetragen hat. Auch bei der Landtagswahl in Schleswig Holstein Ist die SPD abgestraft worden. Die Menschen haben das Vertrauen in die traditionellen sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien verloren, weil denen ein klares Profil fehlt und Posten und Macht am wichtigsten sind. So ist es auch in der gesamten Wallonischen Region. Wie kann man sonst den Aufstieg der PTB erklären?

    • Radio Euro

      Ich weiß nicht, ob jemand links ist der einen Friseur für sich beschäftigt und dem jeden Monat rund 10.000 EUR gibt. Das ist aber wie beim Kommunismus. Der Kommunismus ist weniger das Problem, der Mensch ist das Problem. Und ein asozialer linker Präsident ist halt schlimmer, als eine kriminelle Le Pen, da erwartet man das halt schon fast. Fillion hat ja auch nicht ansatzweise daran gedacht, zurückzuziehen, der hat auch die Partei über die Klinge springen lassen.

  5. Gut, dass Le Pen nicht gewonnen hat.
    Ihr eigener Vater, der sie ja kennen muss, hält sie nämlich für ungeeignet, das Präsidentenamt auszuüben.

    „Bessere Chancen auf eine künftige Präsidentschaft räumt er seiner Enkeltochter Marion Marechal-Le Pen oder deren Tochter Olympe (2) ein.“ ( https://kurier.at/wirtschaft/jean-marie-le-pen-setzt-auf-enkelin-oder-urenkelin/262.585.747 )

    Eins muss man ihm lassen: Der Mann hat einen langen Atem. Ein richtiger Visionär.

  6. 66% der Stimmen für Macron…
    Eigentlich nur(!) 54% wenn die Blancostimmen abgezogen werden.
    Übrigens 34%(1 auf 3 Stimmgerechtigten) gegen Macron bzw. gegen dass jetzige politisches System sind Zahlen die sollte nachdenklich machen.

  7. Bei so viel Zahlenspielereien will ich aber auch nicht abseits stehen, obwohl ich nie ein Genie in Mathe war.

    100 Wahlberechtigte, davon 25% Nichtwähler, bleiben 75 Wähler
    Von diesen 75 wählten 11% weiß oder ungültig, also 75 x 11 % = 8
    75 – 8 = 67 gültige Stimmen.
    Davon entfallen auf Macron 66%, also 67 * 66% = 44 und auf Le Pen 67 * 34 = 23 Stimmen.

    25 + 8 + 44 + 23 = 100 Wahlbürger¨, was zu beweisen war (cqfd).

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