Das Amt des Ministerpräsidenten der Region Brüssel-Hauptstadt wurde über Jahrzehnte hinweg von der Sozialistischen Partei (PS) dominiert. Charles Picqué (1989–1999, 2004–2013) und Rudi Vervoort (2013-2026) standen über viele Jahre an der Spitze der Regionalregierung. Mit der Ernennung von Boris Dilliès stellt nun erstmals seit über 20 Jahren wieder ein Liberaler (MR) den Regierungschef der Hauptstadtregion.
Die Ernennung von Boris Dilliès zum Ministerpräsidenten der Region Brüssel-Hauptstadt hat indes eine politische Debatte ausgelöst, die weit über seine Person hinausreicht. Nur wenige Tage nach Amtsantritt steht der liberale Politiker wegen seiner unzureichenden Niederländischkenntnisse in der Kritik – in einer offiziell zweisprachigen Region ein sensibles Thema.
Dilliès, Mitglied der frankophonen liberalen Partei Mouvement Réformateur (MR), war zuvor langjähriger Bürgermeister der Brüsseler Gemeinde Uccle. Seine Ernennung erfolgte nach einer langen Phase politischer Blockaden bei der Regierungsbildung in der Hauptstadtregion. Doch statt eines politischen Neustarts dominierte schnell ein anderes Thema die Schlagzeilen: seine Sprachkompetenz.
– Kritik aus dem flämischen Lager: In ersten Interviews mit niederländischsprachigen Journalisten geriet Dilliès sichtbar ins Stocken. Seine Antworten auf Niederländisch fielen kurz, unsicher und teilweise unvollständig aus. Das rief umgehend Kritik aus flämischen Parteien und Medien hervor.
In einer Region, in der Französisch und Niederländisch offiziell gleichberechtigt sind, erwarten viele, dass der Regierungschef beide Sprachen sicher beherrscht. Kritiker argumentieren, ein Ministerpräsident müsse alle Bürger gleichermaßen direkt ansprechen können – ohne Dolmetscher oder vorbereitete Texte. Einige Stimmen gingen noch weiter und stellten grundsätzlich infrage, ob jemand ohne solide Niederländischkenntnisse dieses Amt ausüben sollte.
– Dilliès’ Reaktion: Der neue Regierungschef reagierte auf die Vorwürfe mit einer Mischung aus Selbstkritik und Verteidigung. Er räumte ein, seit vielen Jahren kaum aktiv Niederländisch gesprochen zu haben. Gleichzeitig versprach er, intensiv an seinen Sprachkenntnissen zu arbeiten. Er betonte zudem, dass politische Führung sich nicht ausschließlich über Sprachkompetenz definiere, sondern über Inhalte und Problemlösungskompetenz. Seine Prioritäten lägen bei Sicherheit, Finanzen und sozialer Stabilität in der Hauptstadt.
Der Streit ist jedoch weit mehr als eine Frage individueller Fähigkeiten. Er berührt einen Kernkonflikt der belgischen Politik: das Gleichgewicht zwischen Frankophonen und Flamen.
Brüssel ist offiziell zweisprachig, faktisch jedoch mehrheitlich französischsprachig. Gerade deshalb ist die symbolische Bedeutung der Sprachgleichheit besonders groß. Die Besetzung des höchsten Amtes der Region mit einem Politiker, der kaum Niederländisch spricht, wird von vielen Flamen als politisches Signal gewertet – und als Ausdruck eines strukturellen Ungleichgewichts.
– Politische Folgen offen: Ob der Konflikt langfristige politische Konsequenzen haben wird, ist derzeit unklar. Sollte Dilliès rasche Fortschritte beim Niederländischlernen zeigen, könnte sich die Debatte beruhigen. Bleibt die Verbesserung jedoch aus, dürfte der Druck aus dem flämischen Lager wachsen.
Fest steht: Die Diskussion um seine Sprachkenntnisse ist ein Lehrstück über die komplexe Identitäts- und Sprachenpolitik Belgiens – und ein heikler Start für einen Ministerpräsidenten, der eigentlich Stabilität in die Hauptstadt bringen sollte.

15.06.2022, Belgien, Brüssel: Georges-Louis Bouchez, Präsident der frankophonen Liberalen (MR). Foto: Belga
– MR-Chef Boucher als Strippenzieher: Die Kontroverse um die Niederländischkenntnisse des neuen Ministerpräsidenten der Region Brüssel-Hauptstadt, Boris Dilliès, entwickelt sich zunehmend zu einer parteipolitischen Affäre. Inzwischen steht auch der Vorsitzende der frankophonen Liberalen, Georges-Louis Bouchez, im Zentrum der Kritik.
Bouchez, Präsident des Mouvement Réformateur (MR), gilt als treibende Kraft hinter der Ernennung Dilliès’ zum Ministerpräsidenten. Nach monatelanger politischer Blockade in der Hauptstadtregion setzte er parteiintern auf den ehemaligen Bürgermeister von Uccle – offenbar mit dem Ziel, rasch eine stabile Regierung zu ermöglichen und die Führungsrolle der Liberalen zu sichern.
Doch genau diese Entscheidung wird nun hinterfragt. Kritiker werfen Bouchez vor, die symbolische und politische Tragweite der Sprachenfrage unterschätzt zu haben. In einer offiziell zweisprachigen Region sei es riskant, einen Regierungschef zu präsentieren, der kaum Niederländisch spricht.
Aus dem flämischen Lager heißt es, Bouchez habe parteitaktische Überlegungen über institutionelle Sensibilität gestellt. Einige Stimmen argumentieren, die MR-Führung hätte im Vorfeld sicherstellen müssen, dass ihr Kandidat sprachlich ausreichend vorbereitet sei. (cre)

Haben diese flamen keine anderen Probleme ??? Nederlands – Franzoesisch – Deutsch und alle 5 km einen anderen Dialekt und das alles in diesem kleinen Belgien. Wenn dieser Mensch seinen Job gut macht ist es mir komplett egal in welcher dieser drei Landessprachen er diesen Job ausfùhrt.
Alfons van Compernolle, woher wissen Sie denn, dass er seinen Job gut ausführen wird? Typisch Ingenieur ihre Antwort. Im Programm „QR-Le Débat“, das jeden Mittwoch oder jeden zweiten im RTBf-Fernsehen La une life stattfindet diskutieren Vertreter der regierenden französischsprachigen Elite untereineinander die politische Zukunft des Landes. Manchmal ist ein Flame anwesend. Welche Anmaßung! 40% wollen ohne die 60% bestimmen, was läuft.
Alfons van Compernolle weiss auch, dass unser König ‚Filip‘ eine Intelligenzbestie ist.
Na ja, Georges-Louis Bouchez schert sich nur um sich selbst. Es stellt auch das System in Frage, wo die Ministerpositionen von den koalierenden Parteien ausgehandelt werden, aber die Parteipräsidenten die Namen auf Positionen setzen. Gewöhnlich wird aber doch der Name für den höchsten Posten verhandelt. In den USA, der EU und den Niederlanden gibt es aber eine Anhörung durch das Parlament, bevor eine Ernennung fest gemacht wird.
Das Versäumnis seitens der Politik, in unserem Land nur eine rechtliche Landessprache einzuführen, ist ein Fehler gewesen, der schon Jahrzehnte zurückliegt.
Einfach wäre es natürlich nicht gewesen, denn man muss auch über das Personal verfügen, welches den Kindern vom Beginn der Einschulung bis zum Ende des Studiums in eine gewählte Sprache unterrichten kann.
Wenn man sich nicht einig geworden wäre
(wie in unserem Land üblich) welche einzige Sprache es denn sein soll, hätte man sich einfach für die meistgesprochene europäische Sprache entscheiden sollen ;-)
Es hätte nicht nur Sinn gemacht, für die Verständigung mit anderen europäischen Ländern, sondern auch das Personalmangel Problem der zu lehrenden einzigen Sprache zu lehren.
Was mein Zuhause gesprochen hätte, spielt ja keine Rolle und wäre je nach Berufswahl auch sinnvoll gewesen, weitere Sprachen zu können.
Es hätte viele Komplikationen verhindert, die wir heute haben.
Im Idealfall, hätte sich die gesamte Welt auf eine Sprache einigen müssen.
Bin mir ziemlich sicher, dass es so manchen Krieg verhindert hätte.
Hugo Egon Bernhard von Sinnen, dass König Wilhelm I. der Vereinigten Niederlande Niederländisch als Nationalsprache einführen wollte, soll ein Grund für die belgische Revolution von 1830 gewesen sein. Ja, wenn der wallonische Teil einfach an Frankreich gegangen wäre, was Großbritannien niemals gewollt hätte, wären die Probleme nicht.
WK: Am Hofe von Friedrich dem Grossen , wurde ausschliesslich untereinander franzoesisch gesprochen und trotzdem war die Amtssprache in Preussen „Deutsch“ !!
Lernt man alles im Geschichtsunterricht (damals zu meiner Schulzeit) !
Ich weiss nicht ob dieser Herr Dillies seinen Job gut macht oder nicht, aber ich mache es nicht
abhàngig von der von ihm gesprochenen Sprache, zumal in Belgien auch in Vlaanderen sehrviele
auch Franzoesisch beherrschen im Gegensatz zu mir, sondern von seinem Handeln & Tun zum Wohle der Menschen in seiner Region !
Alfons van Compernolle, was hat denn Friedrich der Große mit der Region Brüssel-Hauptstadt zu tun.
PS: Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Sie immer à statt ä schreiben?
@Alfons: die Deutschsprachigen sind noch schlimmer.
Brusseler, in wie fern?
https://www.geistesleben.de/out/pictures/master/product/1/9783772523441_6512.png
WUNDERBAR!!! Da haben doch Einige bestimmt wieder einen Grund, die Koalition zu sprengen.Das Verhalten dieser Mischpoke kotzt einen nur noch an.
Wer von denen spricht denn die dritte offizielle Sprache, nämlich Deutsch?
Unser Premier De Wever!
Es gäbe sicherlich Diskussionen, falls unser MP „kaum Deutsch“ sprechen würde.
Wer sich auf dem Gebiet der brüsseler Region auf hohem Niveau engagiert, sollte dieses Engagement zumindest durch die Kenntnis beider Amtssprachen zeigen.
Eifelpendler, es geht um Brüssel, das offiziell zweisprachig französisch und niederländisch ist. Deutsch steht nich zur Debatte.
5/11, wenn Sie unseren ostbelgischen Ministerpräsident meinen, haben Sie Recht. Ihrem zweiten Satz stimme ich hundertprozentig zu. Was in Brüssel passiert ist, ist allerhand: Ein Parteichef aus Hennegau, der selbst kein Niederländisch kann und auch gesagt haben soll, es wären mehr Türkischsprachige als Deutschsprachige in Belgien, benennt in Brüssel jemanden, der kein Niederländisch kann. Die Brüsseler sollen ihren Ministerpräsidenten benennen, nicht ein Hennegauer.
Mit der Anzahl Türkischsprachigen könnte er ggf. Recht haben. Man weiß es nicht aber im Limburg haben sich viele Bergleute aus der Türkei angesiedelt und bei der Gebaehrfreude der ersten Generation von Einwanderern…
Der Alte, natürlich hat er Recht. Das war aber eine Aussage nicht für die Türken sondern gegen die Deutschsprachigen; ich weiß nicht mehr in welchem Umfeld. Insgesamt ist Bouchez ein Hetzer und in Brüssel ist die Linke mehrheitlich, eine Mittelinksregierung wäre angebracht.
Dass der neue MP von Brüssel kein Niederländisch spricht, ist schade, aber angesichts der schwierigen Regierungsfindung verschmerzbar – wenn „geliefert“ wird, sich also sehr bald konkrete Dinge für die Menschen in „Bruxelles“ zum Besseren wenden.
Dann muss er es lernen!
Wahrheit, er wird es nicht. Er ist seit 32 Jahren Berufspolitiker in der Stadt Uccle und der Region Brüssel-Hauptstadt und behauptet sogar, er hätte keine Gelegenheit gehabt, sein in der Schule gelerntes Niederländisch in die Praxis umzusetzen. Ein liberaler Apparatschik. https://fr.wikipedia.org/wiki/Boris_Dilli%C3%A8s
Dass ausgerechnet Alfons Van Campernolle sich darüber wundert, dass seine flämischen Landsleute ein Problem mit dem Brüsseler MP B. Dilliès haben. Der spricht nämlich nicht schlecht, sondern GAR KEIN NIEDERLÄNDISCH und in der zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt ist das sehr wohl ein Problem. Alfons VC kann getrost davon ausgehen, auch am Ende der Legislaturperiode wird es um die NL-Kenntnisse von B. Dillès nicht viel besser bestellt sein. Irgendwie erinnert mich das an Robert Martinez, den früheren Coach der belgischen Fußballnationalmannschaft. Bei Dienstantritt gelobte auch er das Erlernen der Landessprachen. Daraus wurde nix.
#Schild en vriend/ Viele schaffen es nicht, sich als erwachsen nachträglich einer anderen Sprache zu widmen.
Nicht jeder ist sprachgewandt und wenn doch, hört man es meistens, wenn man es nachträglich gelernt hat.
Spätestens beim Schreiben, fallen dann viele durch schriftfehler auf.
Die beste Zeit eine Sprache zu lernen, ist im Kindesalter und ständiger Gelegenheit diese Sprache auch weiterhin, nutzen zu können.
Denn alleine durch Veränderungen in der Muttersprache, könnte man vieles falsch verstehen, wenn man diese lange Zeit nicht mehr genutzt hat.
Von lustig bis ärgerlich, sind auch technische Geräte, bei denen man beispielsweise erkennt, dass der Text in deutsch übersetzt wurde, aber die Hälfte der Wörter in Englisch zu lesen oder zu hören sind.
„Der Streit ist jedoch weit mehr als eine Frage individueller Fähigkeiten. Er berührt einen Kernkonflikt der belgischen Politik: das Gleichgewicht zwischen Frankophonen und Flamen.“
Dies insbesondere nachdem die neue Brüsseler Mehrheit ja ebenfalls nur dadurch instande kam, dass man die NVA, Wahlsieger innerhalb des flämischen Wählerkollegiums, übergangen hat.
Der Alte, N-VA ist nicht Wahlsieger in Brüssel. Die Reihenfolge ist Groen, Team Fouad Afidar, N-VA. Der Grund ist auch, dass die frankophonen Parteien unbedingt ihre flämischen Schwesterparteien in der Regierung haben wollten. Die hätte man außen vor lassen sollen. Sollen erst mal besser bei den Wahlen abschneiden.
Stimmt, ich habe die Wahlergebnisse in Brüssel und in Flandern verwechselt.
Da darf man sich bei den Sozialisten der PS bedanken, die „ohne Rücksicht auf Verluste“ verhindern wollten, mit ihren größten Kritikern auf flämischer Seite eine Brüsseler Regierung zu bilden.
Der Bildtext insinuiert, dass die Vereidigungszeremonie auf irgendeinem Dach stattgefunden hat.
Ist das schon der 1. April oder sind das noch Fake News?
Wer ist Boris Dilliès: https://fr.wikipedia.org/wiki/Boris_Dilli%C3%A8s.
Ein Problem, dass man leicht beheben könnte !.“ Englisch,“ ist die Lösung !. geht doch auch mit dem Euro. Was der Bauer nicht kennt …….. Wenn ich sehe das Leute sich mit drei ,vier Sprachen rumschlagen müssen um irgendwo etwas zu bewirken. Und wenn sie nicht damit weiter kommen, siehe da, wird die Wundersprache ausgepackt. Warum einfach, wenn es auch umstândlich geht. :-)) Man kann ja seine Heimatsprache weiter sprechen oder lernen, aber die Amtssprache soll Englisch sein.
Die Idee, mit Esperanto eine friedliche und völkerverbindende Sprache zu nutzen, hatte schon der Kelmiser Arzt Dr. Molly vor weit über hundert Jahren. Daraus wurde nichts, aber es gibt immer noch Verfechter dieser Sprache, die sich weltweit regelmäßig treffen. Da es sich um eine neutrale Sprache handelt, käme es in keinem Land der Welt zu einem Konflikt, wenn man Esperanto als Zweitsprache nutzen würde. Jeder einzelne Mensch auf der Welt könnte sich dann mit jedem anderen problemlos unterhalten. Mühselig Fremdsprachen zu erlernen würde dann überflüssig werden.
Oder so ,Logisch.
Esperanto ist auch eine Fremdsprache, so wie alle Sprachen die man nicht von seiner „Mutter“ lernt. Esperanto ist dann leichter zu lernen als Französisch oder Englisch 🤔
Kinder können ohne weiteres zwei Sprachen perfekt lernen, wenn man beide konsequent anwendet.
Bei der Regierungsbildung gibt es einen Termin der verbindlich ist, der nächste Wahltermin; bis dahin muss so etwas wie eine Regierung installiert sein. Der Termin rückt näher also hat man einen politisch unbedeutenden Mann auf den Thron gehoben und dahinter laufen die altbekannten politischen Spielchen weiter. In dieser Koalition kann der Mann es niemandem recht machen, er wird einfach nur verheizt, ich denke er weiß das auch, gehört zum Spiel dazu. Brüssel ist unregierbar, innerbelgischer Sprachenstreit trifft auf unkontrollierbare Migration bei weiter zunehmender sozialen Verelendung. Brüssel ist im kleinen ein Vorgeschmack auf das was Europa im grossen erwartet….. 😕😮
Weder bevorstehende Wahlen noch der Sprachenstreit waren Hindernisse oder Gründe für die Brüsseler Regierungsbildung. Der einzige Grund war wohl die drohende Zahlungsunfähigkeit die wohl auch all die sozialistischen Organisationen und politischen Mandate in Brüssel bedrohten.