Gelb und Blau sind in Belgien derzeit die Farben des Erfolgs. Was seit einigen Jahren Royale Union Saint-Gilloise mit seinem märchenhaften Aufschwung vormacht, erlebt nun auch Sint-Truiden VV: Die „Kanaries“ aus der Provinz Limburg sorgen in der Jupiler Pro League für Furore und mischen überraschend an der Tabellenspitze mit.
Mit mutigem Offensivspiel, klarer taktischer Struktur und bemerkenswerter Konstanz hat sich Sint-Truiden in dieser Saison als ernstzunehmender Titelanwärter etabliert. Vier Spieltage vor dem Ende der regulären Meisterschaft belegt STVV sensationell den zweiten Platz mit nur zwei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Union Saint-Gilloise und einem Punkt Vorsprung auf den FC Brügge.
Die Mannschaft aus der Provinz Limburg überzeugt durch defensive Stabilität ebenso wie durch Effizienz im Abschluss. Gerade gegen etablierte Spitzenklubs tritt STVV selbstbewusst auf und sammelt kontinuierlich Punkte – ein Bild, das man in dieser Form lange nicht mehr gesehen hat.
– Vizemeister 1965/1966: Die aktuelle Erfolgsgeschichte weckt Erinnerungen an das bislang größte Kapitel der Vereinschronik. In der Saison 1965/66 wurde Sint-Truiden mit dem Nationalspieler Odilon Polleunis, „Goldener Schuh“ 1968, sensationell Vizemeister in der höchsten belgischen Spielklasse – bis heute die beste Platzierung der Clubgeschichte. Jahrzehntelang blieb dieser zweite Platz der historische Maßstab.

15.02.2026, Belgien, Sint-Truiden: Der Kunstrasen des Stadions Stayen wird vor dem Fußballspiel zwischen Sint-Truiden VV und Zulte Waregem der Jupiler Pro League vom Schnee befreit, damit die Begegnung überhaupt stattfinden konnte. Foto: Bruno Fahy/Belga/dpa
Hinter der sportlichen Stabilität steht seit 2017 ein klarer strategischer Kurs. Der Club gehört dem japanischen Technologie- und Medienunternehmen DMM.com, das langfristig investiert und dem Verein wirtschaftliche Sicherheit verschafft hat.
So verbinden sich bei Sint-Truiden Tradition und Internationalität, Historie und Aufbruch. Und vielleicht steht am Ende dieser Saison nicht nur eine Wiederholung des großen Erfolgs von 1966 – sondern das größte Kapitel der Vereinsgeschichte in Gelb und Blau.
– Erfolg mit klarer Philosophie und japanischer Prägung: Sint-Truiden VV steht sinnbildlich für eine moderne, international geprägte Vereinsentwicklung im belgischen Fußball. Ein zentraler Baustein des sportlichen Fortschritts ist Trainer Wouter Vrancken, der die Mannschaft von STVV übernahm, nachdem Thorsten Fink zum Erzrivalen KRC Genk gewechselt war, der den ehemaligen Bayernprofi kürzlich entlassen hat. Intensives Pressing, strukturiertes Aufbauspiel und schnelles Umschalten prägen den Stil des Teams. Unter Vranckens Leitung gewann die Mannschaft nicht nur an taktischer Stabilität, sondern auch an mentaler Reife und Konstanz.
– Japanischer Einfluss: Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg ist der starke japanische Einfluss innerhalb des Kaders. STVV hat sich als wichtige Brücke zwischen Belgien und Japan etabliert und profitiert sportlich wie strukturell von dieser besonderen Verbindung. Spieler wie Ryotaro Ito, Rihito Yamamoto, Shogo Taniguchi und Keisuke Goto stehen exemplarisch für die hohe technische Qualität, Dynamik und Disziplin, welche die japanischen Profis in das Team einbringen. Ihre ausgeprägte Laufbereitschaft, taktische Intelligenz und Professionalität wirken sich positiv auf das gesamte Mannschaftsgefüge aus.
Schon jetzt hat STVV die Teilnahme an den Champions Playoffs nach der regulären Phase der Meisterschaft sicher. Und vielleicht steht am Ende dieser Saison nicht nur eine Wiederholung des großen Erfolgs von 1966, sondern sogar das größte Kapitel der Vereinsgeschichte: Meistertitel und Champions League.
Apropos Gelb und Blau: Das sind auch die Clubfarben des SK Beveren, Tabellenführer der Challenger Pro League und so gut wie sicher Aufsteiger in die höchste Spielklasse. (cre)