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„Hölle des Nordens“: Paris-Roubaix ist der härteste aller Radklassiker mit rund 50 km Kopfsteinpflaster

03.10.2021, Frankreich, Roubaix: Die vor lauter Schlamm kaum noch zu erkennenden Florian Vermeersch (l) aus Belgien vom Team Lotto Soudal und Sonny Colbrelli aus Italien vom Team Bahrain Victorious in Aktion. Foto: David Stockman/BELGA/dpa

Der Radsportklassiker Paris–Roubaix, oft als „Hölle des Nordens“ bezeichnet, steht an diesem Sonntag erneut im Mittelpunkt der Radsportwelt – und die Ausgangslage könnte kaum spannender sein.

Auf den rund 258 Kilometern von Compiègne bis ins legendäre Vélodrome von Roubaix warten am Sonntag (live ab 13.37 Uhr auf RTBF1 „La Une“ und VRT1) über 50 Kilometer Kopfsteinpflaster auf die Fahrer, verteilt auf 30 berüchtigte Sektoren.

Namen wie Arenberg, Mons-en-Pévèle oder Carrefour de l’Arbre stehen dabei nicht nur für Schlüsselstellen, sondern für Orte, an denen Rennen entschieden – oder zerstört – werden.

07.04.2024, Frankreich, Roubaix: Nils Politt aus Deutschland vom UAE Team Emirates, Stefan Küng aus der Schweiz von Groupama-FDJ und Gianni Vermeersch aus Belgien von Alpecin-Deceuninck in Aktion. Defekte, Stürze oder ein schlechter Moment vor der Einfahrt in einen Pavé-Sektor können selbst die größten Favoriten aus dem Rennen werfen. Foto: Jasper Jacobs/Belga/dpa

Trotz des flachen Profils gehört Paris–Roubaix zu den härtesten Rennen im Kalender. Anders als bei klassischen Bergetappen sind hier nicht nur die Beine entscheidend, sondern auch Technik, Positionierung und vor allem das Glück. Defekte, Stürze oder ein schlechter Moment vor der Einfahrt in einen Pavé-Sektor können selbst die größten Favoriten aus dem Rennen werfen. Genau diese Unberechenbarkeit macht den Mythos dieses Monuments aus.

Im Zentrum der diesjährigen Ausgabe steht ein mit Spannung erwartetes Duell zwischen Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar. Van der Poel reist als dreifacher Titelverteidiger an und gilt als nahezu perfekter Roubaix-Fahrer: technisch brillant, extrem robust und mit einem ausgeprägten Instinkt für das Chaos der Pavé-Sektoren.

Pogacar hingegen bringt eine andere Art von Dominanz mit – seine Explosivität und sein taktisches Gespür haben ihm bereits mehrere Monumente eingebracht, doch Paris–Roubaix fehlt ihm noch in der Sammlung. Ein Sieg hier würde ihn endgültig in eine eigene historische Dimension heben.

13.04.2025, Frankreich, Roubaix: Der Niederländer Mathieu van der Poel hebt die Trophäe in die Höhe, während der zweitplatzierte Tadej Pogacar aus Slowenien und der drittplatzierte Mads Pedersen aus Dänemark auf dem Podium zusehen. Foto: Thibault Camus/AP/dpa

Die äußeren Bedingungen könnten eine entscheidende Rolle spielen. Sollte es regnen, dürften die rutschigen Kopfsteinpflaster dem cyclocross-erfahrenen van der Poel entgegenkommen. Bei trockenen Bedingungen hingegen könnte Pogacar seine Effizienz und seine Stärke bei langen Attacken besser ausspielen.

In jedem Fall ist zu erwarten, dass die Entscheidung nicht erst im Vélodrome fällt, sondern bereits auf den letzten schweren Sektoren, insbesondere am Carrefour de l’Arbre, wo in der Vergangenheit oft die siegbringenden Attacken gesetzt wurden.

Hinter den beiden Topfavoriten lauert ein starkes Feld an Herausforderern. Fahrer wie Wout van Aert, der immer wieder vom Pech gebremst wurde, oder Filippo Ganna, der mit seiner enormen Motorleistung für lange Solofahrten prädestiniert ist, könnten vom kleinsten Fehler der Favoriten profitieren. Auch Klassiker-Spezialisten wie Mads Pedersen oder endschnelle Optionen wie Jasper Philipsen sind ernstzunehmende Kandidaten für das Podium.

Ein zusätzlicher historischer Spannungsbogen ergibt sich durch den Blick in die Geschichtsbücher: Den Rekord von jeweils vier Siegen bei Paris–Roubaix halten die Belgier Roger De Vlaeminck und Tom Boonen sowie der Italiener Francesco Moser. Mit einem weiteren Triumph könnte der Niederländer Mathieu van der Poel in diesen exklusiven Kreis aufrücken und sich endgültig unter die größten Klassikerjäger aller Zeiten einreihen – ein zusätzlicher Anreiz, der dem ohnehin schon hochklassigen Duell mit Pogačar noch mehr Brisanz verleiht.

06.04.2023, Frankreich, Roubaix: Ein mit Kopfstein gepflasterter Waldweg, die so genannte Schneise von Arenberg, glänzt im Regen während der Erkundung der Strecke vor dem diesjährigen Radrennen Paris-Roubaix. Foto: Dirk Waem/Belga/dpa

Rad-Ikone Eddy Merckx gewann Paris–Roubaix insgesamt dreimal (1968, 1970 und 1973). Damit gehört der Belgier zu den großen Namen des Rennens, liegt aber hinter den drei genannten Rekordsiegern (mit je vier Erfolgen) De Vlaeminck, Boonen und Moser.

Trotz seiner Dominanz im Radsport insgesamt (fünf Tours de France, fünf Giros etc.) blieb Paris–Roubaix eines der wenigen Monumente, das Merckx nicht dominierte, was zeigt, wie speziell und unberechenbar dieses Rennen ist.

Auch die 2026er Ausgabe von Paris–Roubaix verspricht ein Rennen zu werden, das alles vereint, was den Radsport faszinierend macht: rohe Härte, taktische Finesse, historische Dimension und eine Prise Unberechenbarkeit.

Ob van der Poel seine Dominanz fortsetzt oder Pogacar das letzte fehlende Monument erobert – fest steht, dass dieses Rennen einmal mehr Geschichten schreiben wird, die weit über den Zieleinlauf hinaus nachhallen. (cre)

Die Roubaix-Sieger der letzten 10 Jahre

2025: Mathieu van der Poel (Niederlande)
2024: Mathieu van der Poel (Niederlande)
2023: Mathieu van der Poel (Niederlande)
2022: Dylan van Baarle (Niederlande)
2021: Sonny Colbrelli (Italien)
2020: abgesagt (COVID-19)
2019: Philippe Gilbert (Belgien)
2018: Peter Sagan (Slowakei)
2017: Greg Van Avermaet (Belgien)
2016: Mathew Hayman (Australien)

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