Leute von heute

Brückeneinsturz in Genua: Zahl der Toten steigt auf 43 – Trauerfeier für 18 der Opfer

18.08.2018, Italien, Genua: Verwandte weinen an einem Sarg zu Beginn der Trauerfeier für die Opfer der Brückenkatastrophe in Genua. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

AKTUALISIERT – Es war ein gewaltiger Kraftakt für die Retter in Genua: Vier Tage nach dem Einsturz der Morandi-Brücke sind nun wohl alle Vermissten geborgen. Beendet ist die Sache damit noch lange nicht.

Rettungskräfte in Genua haben Medienberichten zufolge die Leiche des letzten Vermissten geborgen. Feuerwehrleute zogen den Mann aus den Trümmern der eingestürzten Morandi-Brücke, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Samstag berichtete.

Der Zivilschutz bestätigte den Fund zunächst nicht, gab aber an, die Präfektur in Genua bereite eine Stellungnahme vor. Damit würde die Zahl der Todesopfer nach dem Unglück am Dienstag auf 43 steigen, denn am Samstag verstarb einer der Verletzten. Noch sind aber nicht alle Leichen offiziell identifiziert.

Erst am Samstagmorgen hatte Ansa von dem Fund dreier weiterer Leichen berichtet. Dabei handle es sich um ein 9-jähriges Mädchen und seine Eltern. Die drei seien am Dienstag mit dem Auto auf der Morandi-Brücke unterwegs gewesen, als die Straße unter ihnen nachgab.

18.08.2018, Italien, Genua: Kardinal Angelo Bagnasco (r) segnet den Sarg des 9 Jahre alten Samuel Robbiano während der Trauerfeier für die Opfer der Brücken-Katastrophe im Ausstellungszentrum Fiera di Genova. Foto: Luca Zennaro/AP/dpa

Während eines Unwetters war ein etwa 180 Meter langer Abschnitt des wichtigen Polcevera-Viadukts in der norditalienischen Hafenstadt in die Tiefe gestürzt und hatte zahlreiche Fahrzeuge mitgerissen. Experten vermuten, dass der Einsturz durch den Riss eines Tragseils verursacht worden sein könnte.

Die Behörden hatten am Donnerstag zunächst gemeldet, dass noch 10 bis 20 Menschen vermisst würden. Am Freitag fiel die Zahl auf fünf, nachdem sich weitere Vermisste bei der Not-Hotline oder bei Verwandten gemeldet hatten. Auch ein vermisster deutscher Tourist meldete sich nach italienischen Medienberichten, um zu sagen, dass es ihm gut gehe.

Der Samstag wurde zum nationalen Trauertag erklärt. Am späten Vormittag fand eine Trauerfeier für die Todesopfer statt. „Auf Genua schaut derzeit die ganze Welt, in einer großen Umarmung aus Emotionen, Zuneigung und Erwartung“, sagt Erzbischof Angelo Bagnasco.

Die Feuerwehrleute wurden bei ihrer Ankunft bei der Feier mit Applaus begrüßt. Zuvor hatte Präsident Sergio Mattarella den Unglücksort in Genua besucht, um den Rettern zu danken.

Zeremonie mit nur 18 Särgen

Bei der Zeremonie gab es lediglich 18 Särge: Einige Angehörige von Opfern nahmen aus Protest gegen die Regierung nicht an der Veranstaltung teil, wie Medien berichteten. Andere hielten Trauerfeiern in ihren eigenen Gemeinden ab, wie etwa im piemontischen Alessandria oder im süditalienischen Torre del Greco.

Premierminister Giuseppe Conte hatte am Freitag einen Prozess eingeleitet, um der der privaten Betreibergesellschaft Autostrade per l’Italia ihre Lizenz zu entziehen. Das Unternehmen bestreitet Nachlässigkeit.

18.08.2018, Italien, Genua: Spieler der Campi Corniglianese Fußball-Mannschaft versammeln sich am Sarg ihres Teamkollegen Marius Djerri auf dem Messegelände Fiera di Genova zur Trauerfeier für die Opfer der Brücken-Katastrophe in Genua. Foto: Nicola Marfisi/AP/dpa

Das Management von Autostrade per l’Italia kündigte für Samstag eine Pressekonferenz an. Dabei soll es unter anderem um Hilfe für die Angehörigen der Opfer gehen sowie um Unterstützung für die Menschen, die durch das Unglück obdachlos wurden. Rund 600 Menschen mussten nach dem Einsturz der Brücke ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Die Gebäude, die teils unterhalb der Brücke stehen, müssen nach Behördenangaben abgerissen werden.

Der Versicherer Allianz ist gleich zweifach vom Brückeneinsturz im italienischen Genua betroffen: Der Konzern gehört nicht nur zu den Versicherern des Bauwerks, sondern ist auch an der Betreibergesellschaft Autostrade per l’Italia beteiligt, wie eine Allianz-Sprecherin am Samstag bestätigte. Zuvor hatte die „Welt am Sonntag“ darüber berichtet. Beim Einsturz der Autobahnbrücke waren wahrscheinlich 42 Menschen getötet worden.

Die Allianz gehöre als kleiner Partner einem Konsortium an, das das Bauwerk versichert habe, hieß es. Die Beteiligung bewege sich im einstelligen Prozentbereich.

Im Sommer 2017 hatte sich ein Konsortium aus Allianz, dem französischen Versorger EDF und dem niederländischen Fonds DIF mit 6,94 Prozent an Autostrade per l’Italia beteiligt. Auf den deutschen Versicherer entfallen 60 Prozent der Anteile an dem Konsortium. (dpa)

12 Antworten auf “Brückeneinsturz in Genua: Zahl der Toten steigt auf 43 – Trauerfeier für 18 der Opfer”

  1. Alfons Van Compernolle

    Konstruktionsfehler / Baumaengel / Instandhaltungsfehler / unzureichende Instandhaltung ,usw usw.
    Sehr traurig fuer die Familien der Opfer ! Aber derartiges gibt es auch in Belgien.
    Alleine in Gent gibt es 5 Bruecken , diese seit Jahren unter erheblich verstaerkter Aufsicht stehen , welche aber nicht saniert bzw. erneuert werden koennen , da sie in der Zustaendigkeit der Foeder. Regierung in Bruessel stehen.

  2. Walter Keutgen

    Laut Interview eines Direktors des wallonischen Ingenieurbüros Greisch auf La Première gibt es noch zwei Brücken dieses Typs in der Welt. Eine in Venezuela und eine in Südostasien. Er meinte außerdem Spannbeton sei nicht mehr in Mode, weil man durch Tricks Beton, der eigentlich nur Druck aushält, dazu bringt, Spannungen auszuhalten.

    Wegen der Rostgefahr müssen Betonbrücken regelmäßig auf Wasserinfiltrationen, die Armierungseisen zum Rosten bringen, kontrolliert werden.

    In Genua soll man bis vor Kurzem an der Basis der Brücke gearbeitet haben. Hatte man Angst ein Pfeiler stand nicht sicher? Ich denke mir, dass man nicht gewagt hat, diese wichtige Autobahn zu sperren mangels Alternative, falls ein Problem entdeckt worden ist.

    • Sockenschuss

      So lange da keine Lkw’s drüber rollen 5000% sicher. Aber bringen sie die Städte Region Aachen nicht auf solche Ideen. Tihange abschalten,weil es in der Nähe der Autobahn liegt. Es könnte ja mal von einem Lkw- fahrer mit einer Brücke verwechselt werden und dann …

      Zum Thema: Die EU ist natürlich schuld, wie man aus Italien hört

    • Walter Keutgen

      Die Atomkraftwerke schaltet man ja auch bei Störungen ab, was regelmäßig geschieht. Es gibt ja genug davon als Ersatz. Für die Autobahn A10 hatten die Italiener wohl keine Alternative.

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern