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Sabine Töpperwien in der Männerwelt Fußball: Die „Pionierin“ hört mit 60 als Sportreporterin des WDR auf

27.08.2011, Nordrhein-Westfalen, Leverkusen: Die WDR 2-Sportchefin und Fußball-Reporterin Sabine Töpperwien kommentiert ein Bundesligaspiel in Leverkusen. Sie beendet zum Ende des Monats ihre Laufbahn als Sport-Journalistin. Foto: picture alliance / dpa

Ihrer Sonderrolle als Frau im Sportjournalismus und speziell im Fußball ist sich Sabine Töpperwien früh bewusst. Die Radioreporterin öffnet Kolleginnen Türen. Sie hat aber auch Forderungen an die nächste Generation.

Auch an ihrem ersten Tag als Rentnerin wird Sabine Töpperwien dort sein, wo sie sich mit am wohlsten fühlt: am Mikrofon. Die langjährige Leiterin der Sportredaktion im WDR-Hörfunk wird am Montag um 12.00 Uhr im Podcast ihres dann ehemaligen Kollegen Stephan Kaußen über ihre mehr als drei Jahrzehnte als Frau in den Männer-Welten Sportjournalismus und Fußball plaudern.

„Ich werde noch einmal mehr zurück als nach vorne blicken und in Erinnerungen schwelgen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

HANDOUT – 17.10.2014, Nordrhein-Westfalen: WDR2-Sportchefin Sabine Töpperwien sitzt im Stadion an einem Mikrofon des WDR. Foto: Dirk Borm/WDR/dpa

Dass das verkündete Ende ihrer Laufbahn ein großes Echo ausgelöst hat, kam für die 60-Jährige unerwartet. „Ich bin gerührt. Ich bin stolz. Ich bin überrascht, weil ich mit so einer riesigen und unglaublichen Resonanz nicht gerechnet habe“, sagte Töpperwien, die sich aus gesundheitlichen Gründen verabschiedet.

In ihrer letzten Arbeitswoche ist sie in mehrere Hörfunk- und TV-Sendungen eingeladen, um über ihre Erfahrungen zu sprechen. Vielen TV- und Radio-Kolleginnen gilt sie als Vorbild. „Ich fand Sabine Töpperwien immer toll“, schrieb ZDF-Journalistin Katrin Müller-Hohenstein in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Töpperwien sei eine „Pionierin, die vielen anderen Frauen nach ihr die Tür ein Stück aufgestoßen hat. Etwa mir“.

WDR-Intendant Buhrow: „Legende des Sportjournalismus“

Ähnlich geht es Stephanie Baczyk, seit 2019 als erste Frau im Kommentatoren-Einsatz für die „Sportschau“ in der ARD. „Wie besonders ihre Rolle tatsächlich ist, realisiere ich erst Jahre später, als ich selbst Sportjournalistin werden will“, schrieb sie im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Dass Frauen im Fußball heute selbstverständlicher am Start sind, ist mit Sabines Verdienst.“

WDR-Intendant Tom Buhrow nannte Sabine Töpperwien nicht nur eine „Pionierin“, sondern gar eine „Legende des Sportjournalismus“.

Medienspektakel Bundesliga: Pressefotografen in Gelsenkirchen. „Ich stelle fest, dass es im Sportjournalismus und im Fußball-Journalismus im Speziellen noch immer nicht gleichberechtigt zugeht“, sagt Sabine Töpperwien. Foto: Shutterstock

„Das ist ein fantastischer Schlusspunkt für meine Laufbahn“, sagte Töpperwien über die Würdigungen, „weil ich sehr viele Steine in den Weg bekommen habe“. Es sei „ein harter Weg gewesen über drei Jahrzehnte“, meinte die „leidenschaftliche Reporterin“ (Töpperwien über Töpperwien).

Früh in ihrer Laufbahn wurde ihr die Sonderrolle als Frau im Sportjournalismus mit der Passion Fußball bewusst. „Es war so etwas Ungeheuerliches, dass man sich als Frau in Deutschland für die liebste Sportart, bei der die Männer am liebsten alles selber machen wollten, interessierte“, sagte sie. „Von da an hat mich das ein Leben lang begleitet.“ Ohne den Beistand und den „unglaublich wertvollen Tipps“ ihres Bruders, des früheren ZDF-Sportreporters Rolf Töpperwien, hätte sie es „nicht gepackt“.

Für ZDF-Sportreporterin Claudia Neumann ist Töpperwien eine Schwester im Geiste. „Ich bin in den Fußball soft reingewachsen“, sagte Neumann der dpa. „Ich habe nichts Negatives erfahren.“ Erst als sie als erste Frau live bei einer Männer-WM kommentierte, erlebte sie Beleidigungen und Beschimpfungen. „Es ist schön, dass sich Claudia durchgeboxt hat“, sagte Töpperwien. „Das ZDF ist stabil geblieben und hat sich hinter sie gestellt.“

Über 700 Spiele kommentiert, 600 davon in der Bundesliga

Grundsätzlich freue sie sich, dass es heute mittlerweile mehr Sportjournalistinnen gibt. „Aber ich stelle auch fest, dass es im Sportjournalismus und im Fußball-Journalismus im Speziellen noch immer nicht gleichberechtigt zugeht“, sagte Töpperwien, die über 700 Fußballspiele kommentierte, knapp 600 davon in der Bundesliga.

ZDF-Sportreporterin Claudia Neumann (Bild) sieht sich immer wieder der Kritik von wütenden Fußballfans ausgesetzt. „Es ist schön, dass sich Claudia durchgeboxt hat“, sagt Sabine Töpperwien . Foto: Rainer Jensen/dpa

Im Hörfunk und im Fernsehen komme man nicht einmal „auf zwei Hände voll an Reporterinnen“. „Das ist für 2021 eigentlich ein Skandal“, meinte sie. Sie habe 1998 erstmals ein WM-Spiel im ARD-Hörfunk kommentiert, ein Jahr zuvor den UEFA-Pokal-Sieg von Schalke 04. „Wie wenig ist seitdem passiert?“, beklagte sie. Es dürfe nicht sein, „dass man in dieser Dekade nur einzelne Kolleginnen vor Augen hat“.

Auch beim Publikum sieht sie noch Vorbehalte. „Ich glaube, das liegt auch daran, weil es diese einzelnen Frauen sind. Damit ragen sie schon heraus, allein schon wegen der Stimme.“ Das sei noch immer etwas Ungewohntes. Das klinge dann fremd und sei unerwünscht. „Und dann kommen noch die Chauvinisten dazu, die anderen die Fachkompetenz absprechen“, sagte Töpperwien. (dpa)

9 Antworten auf “Sabine Töpperwien in der Männerwelt Fußball: Die „Pionierin“ hört mit 60 als Sportreporterin des WDR auf”

  1. Frauenstimmen eignen sich nicht für Livereportagen. In Belgien hat man meines Wissens keine Livereporterin. Die Frauen werden dort eingesetzt, wo sie auch wirklich gut und kompetent sind: entweder an der Seitenlinie für Interviews in der Halbzeit oder nach dem Spiel oder im Studio für die Moderation. In Deutschland will man die Reporterfrage mit aller Macht zu einer Frage der Gleichberechtigung machen. Das ist Unsinn. Im Fußball wären mehr Frauen als Schiedsrichter gebraucht, da sind sie wirklich gut. Eine Claudia Neumann käme in Belgien als Livereporterin erst gar nicht zum Einsatz. Auch Sabine Töpperwien fand ich jetzt auch nicht so toll.

  2. delegierter

    legendär in den 80ziger und 90ziger Jahren. WDR2 live dabei und man hing mit beiden Ohren am Kasten.
    Das Ganze ohne Werbung während des Spiels. Heute mehr Kommerz als Spektakel. Da lobe ich mir heute noch oft den Pistor gegen alle und mit allen.
    Alles Gute Sabine und weiter so ihr Radioreporter-innen.

  3. Peter Müller

    Das klinge dann fremd und sei unerwünscht. „Und dann kommen noch die Chauvinisten dazu, die anderen die Fachkompetenz absprechen“, sagte Töpperwien. (dpa)

    da haben Sie Recht, sieht man ja hier wieder. 700 Spiele, da kann man nichts verkehrt gemacht haben.

  4. Sportmeinung

    Frauen sollten Leichtathletik moderieren. ok.
    Frauen sollten keinen Fussball und keinen Radsport kommentieren, jedenfalls nicht im Radio.
    Die Töpperwien? es war nicht alles schlecht, aber das Gelbe vom Ei stelle ich mir anders vor.

  5. Gabi Mertens

    Sie hat die Stelle durch reale Kompetenz und nicht über Geschlechterquote bekommen und hat sich fachlich bewährt. Alles richtig gemacht, meinen höchsten Respekt! Allerdings bevorzuge ich – und das ist mein persönlicher Geschmack – als Sprecherstimmen in den audiovisuellen Medien Männerstimmen bei Nachrichten und Fußball.

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