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„Geoblocking“: Pascal Arimont fordert eine Lösung für die Sprachminderheiten

Hinweis an die Nutzer von bestimmten Angebot der ZDF-Mediathek. Foto: Screenshot ZDF

Wohl jeder kennt es: Man versucht ein Video in einer Mediathek eines ausländischen Anbieters aufzurufen und erhält die Meldung „Dieses Angebot ist in Ihrem Land nicht verfügbar“. Bei diesem ärgerlichen Phänomen handelt es sich um das so genannte „Geoblocking“, wodurch bestimmte Regionen von digitalen Angeboten ausgeschlossen werden.

Dies führt z.B. dazu, dass TV-Sender den Zugriff auf ihre Livestreams oder Mediatheken im Ausland verhindern.

In einer parlamentarischen Anfrage an die EU-Kommission hat der ostbelgische EU-Abgeordnete Pascal Arimont (CSP-EVP) eine Lösung für das Sperren audiovisueller Inhalte insbesondere für Sprachminderheiten in Europa gefordert.

„Geoblocking verwehrt europäischen Bürgern den Zugang zu bestimmten Inhalten im Nachbarland. Staatsgrenzen dürfen aber keine Informationsgrenzen sein. Das gilt insbesondere für sprachliche Minderheiten, die oftmals von Informationen und Angeboten aus einem anderen Staat angewiesen sind. Daher habe ich die Kommission nochmals eindringlich dazu aufgefordert, hierfür eine Lösung zu finden“, so Arimont zum Hintergrund seiner Anfrage.

Pascal Arimont im Gespräch mit Vertretern von Netflix und Sky.

In seiner parlamentarischen Anfrage verweist Arimont auf eine Entschließung des Parlaments, die am 13. November 2018 mit großer Mehrheit angenommen wurde und sich mit den Mindestnormen für den Schutz von Minderheiten in Europa befasst.

In dieser Resolution fordert das Parlament die Kommission dazu auf, „die erforderlichen rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen, um eine ungehinderte Bereitstellung und Übertragung und einen ungehinderten Empfang audiovisueller Inhalte in Gebieten, in denen Minderheiten leben, sicherzustellen, damit sich Minderheiten über Staatsgrenzen hinweg ausgestrahlte Inhalte ohne geografische Sperren (‚Geoblocking‘) in ihrer Muttersprache ansehen und anhören können“.

In diesem Sinne möchte Arimont nun von der Kommission wissen, welche Schritte sie konkret unternimmt, um diese Forderung in die Tat umzusetzen. „Vor allem Sprachminderheiten sollte der Empfang audiovisueller Inhalte in ihrer Muttersprache staatsübergreifend möglich werden“, macht Arimont deutlich.

Eine Form des Geoblockings hat das Europäische Parlament bereits abgeschafft: die Einschränkung der Mitnahme von Online-Abonnements („Portabilität“) besteht seit dem 1. April 2018 nicht mehr. In der Tat reicht das aber noch nicht aus, um beispielsweise ein deutsches Netflix-Abonnement in Belgien zu beziehen. Denn die Mitnahme des Angebots gilt immer nur für das Abo, das im eigenen Wohnsitzland zur Verfügung steht.

14 Antworten auf “„Geoblocking“: Pascal Arimont fordert eine Lösung für die Sprachminderheiten”

  1. Walter Keutgen

    Gut, dass Herr Arimont der Kommission die Frage stellt. In der ach so schönen, digitalen Welt ist es ein Leichtes, Inhalte vom Grenzübertritt abzuhalten. Bei analogen Wellen ist das schon schwieriger, nur über den Zugang zum Kabel und über die Form und Leistung der Senderantennen kann man was machen. Eigentlich müssten als Folge der Machwerke der Baroso-Kommissionen schon alle analogen Sender abgeschaltet sein, wenn ich mich recht erinnere. Und, Törö, man könnte hier sicher kein Deutsch mehr, wenn es Digital schon viele Jahrzehnte gegeben hätte. Im flämischen Kabel durften oder dürfen nur zwei Kanäle auf Französisch sein.

    • Wieder eine Tüte Luft von Herrn Arimont. Auf der einen Seite ein Riesenzirkus wie gut dem EU Parlament der Schutz des Urheberrechts gelungen ist und auf der anderen Seite der misslungene Versuch genau diesen Rechtekatalog jetzt wieder zurückzudrehen.
      Die TV Anstalten kaufen die Rechte Filme und Serien im eigenen Land auszustrahlen. Für registrierte Nutzer werden Programme jetzt auch im Ausland freigeschaltet. Das bedeutet Menschen die in Deutschland leben können, sofern sie registriert sind, auf deutsche Inhalte auch aus dem Ausland zugreifen.
      In Belgien liegen die Rechte bei belgischen Anbietern. Das die für uns paar Hanseln nicht Synchronisieren sollte jedem klar sein. Die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen.
      Versuchen Sie einmal in Belgien eine Spielfilm DVD mit deutscher Synchronisation zu bekommen, Das gibt es nicht, nur in drei Landessprachen Französisch, Niederländisch und Englisch werden angeboten.
      Warum sollen deutsche Fernsehanstalten ihren gebührenfinanzierten Content den Bürgern in den Nachbarländern zur Verfügung stellen und dafür höhere Lizenzgebühren bezahlen?
      Mittlerweile gibt es sogar ein EuGH Urteil wonach Fernsehanbieter den Online Recordern die Aufnahme von Sendungen zu verbieten können. RTL macht für sich und die verschiedenen „Tochterunternehmen“ bereits Gebrauch davon.

      • Zuschauer

        Und warum können wie dann überhaupt deutsches Fernsehen bei uns empfangen? Die Rechte an Filmen und Serien sind ja gekauft fèr den deutschen Markt und wir können sie uns trotzdem anschauen. Dann müsste es doch auch möglich sein, diese auch online anzuschauen. Und das es in Belgien keine DVDs mit deutscher Synchronisation gibt ist doch logisch: wer kauft die? Die meisten gehen doch eh in eines der Nachbarländer shoppen.
        Ich kann Ihre Argumentation nicht nachvollziehen.

        • @ Zuschauer

          Deutsches Fernsehen können wir desshalb empfangen weil ein geostationärer Satelit eingesetzt wird und eine Verschlüsselung wie in Österreich, wo jeder SAT-Receiver über ein Decodertool verfügt, in Deutschland nicht machbar ist.
          Das hat etwas mit Decoderkosten, Zwangsgebühren ( warum soll sich einer der Zwangsgebühren zahlt einen Decoder kaufen?) und Landesgröße zu tun.
          Über TV Anbieter wie Proximus-TV können wir ausgesuchte deutsche Programme empfangen weil für die eine „Einspeisegebühr“ bezahlt wird. Erscheint die, wie vor einiger Zeit, Proximus (damals noch der Belgacom) zu hoch wird auch schon mal „abgeschaltet“.
          > Und das es in Belgien keine DVDs mit deutscher Synchronisation gibt ist doch logisch
          Warum ist das logisch? Die synchronisierten Fassungen sind ja vorhanden. Das der Verkauf nicht über die Grenze geht ist einzig und alleine eine Rechtefrage, oder warum funktioniert bei DVDs nicht was bei Kondensmilch geht?

          • Das ist doch unsinn… Wenn ein Programm über Astra ausgestrahlt wird, besteht die Empfangsmöglichkeit in weiten Teilen Europas und der angrenzenden geographischen Gebiete. Die Rechte sind also mitnichten nur für den „deutschen Markt“. Der entscheidende Punkt ist, dass das Internet rechtemäßig ein anderer Verwertungsweg als (lineares) Fernsehen ist.
            Das kann man schön bei der deutschen Tagesschau sehen: Die ARD hat offenbar die Rechte für die Ansage „Hier ist das Erste deutsche Fernsehen mit der Tagesschau“ nur für den Vertriebsweg „lineares Fernsehen“ eingekauft; bei der Übertragung via Stream wird die Ansage (wie auch Teilweise die Berichterstattung über Sportereignisse) geblockt.

            • Wenn ein Programm über Astra ausgestrahlt wird, besteht die Empfangsmöglichkeit in weiten Teilen Europas …….

              @ Unsinn

              Dann sollten Sie einmal versuchen das Programm von ORF 1 über Astra zu empfangen. Da der ORF z.T. die gleichen Rechte eingekauft hat wie RTL oder Pro7 wird das Programm nur verschlüsselt gesendet. RTL und Pro7/Sat1 wiederum senden bei „Rechtekonflikten“ in Österreich ein anderes Programm als in Deutschland.

                • @ rb 1976

                  Zitat aus meiner Antwort vom 22.01. 9:42

                  Deutsches Fernsehen können wir desshalb empfangen weil ein geostationärer Satelit eingesetzt wird und eine Verschlüsselung wie in Österreich, wo jeder SAT-Receiver über ein Decodertool verfügt, in Deutschland nicht machbar ist.
                  Das hat etwas mit Decoderkosten, Zwangsgebühren ( warum soll sich einer der Zwangsgebühren zahlt einen Decoder kaufen?) und Landesgröße zu tun.

                  • Walter Keutgen

                    EdiG, wenn analoges deutsches Fernsehen tatsächlich abgeschaltet ist, bleiben nur drei digitale Quellen: Satellit wie Sie beschreiben, Kabel, auch hier beschrieben und erdnahes (terrestrisches) Fernsehen. Ob Sperrung letzteres möglich ist, weiß ich nicht, aber die physische Empfangsmöglichkeit könnte schwächer sein als die des alten, analogen Fernsehens.

                    Was auf uns zukommt, wenn DAB+ die einzige übrig bleibende Radionorm sein wird, wage ich nur zu erahnen.

  2. Da soll Herr Arimont mal einen 15jährigen fragen; der regelt ihm das Problem.
    Deutsches Netflix ist natürlich kriegsentscheidend; vor ein paar Wochen waren es noch mangelnde Sprachkenntnisse.

    • Walter Keutgen

      Der., mir sind schon öfter Beiträge der deutschen öffentlichen Rundfunkanstalten nicht zugänglich gewesen. Sie behandeln Informationen über ihr Land wie zu schützende Geldquellen. Früher bezahlte doch der deutsche Steuerzahler den Deutschlandfunk. Ebenso ist es mir im Internetportal des französischen Rundfunkprogramms Europe 1 ergangen. Mit meinem vorherigen Antivirusprogramm kam eine VPN-Verbindung, aber in den Lizenzbedingungen stand ausdrücklich, dass man das Programm nicht nutzen durfte, um Illegales zu tun, was doch ein Urheberrechtsverstoß ist. Umgekehrt lässt die RTBf auch nicht ihre Inhalte gebührenfrei ins Ausland, d.h. in keinem ausländischen Hotel kann ich belgisches Fernsehen haben. Ebenso konnte ich in Deutschland mein bevorzugtes VRT-Radio-Programm nicht hören. Ja, es gibt ja die mobilen Geräte, die auf Internetfernsehen zugreifen können, aber auch da kann man das Gerät technisch geografisch zuordnen und gegebenenfalls den Fluss sperren. Die EU kehrt sich immer weiter vom geeinten Europa, von dem wir träumten, ab. Netflix ist doch für Unterhaltungsprogramme. Im Übrigen frage ich mich, wieviel Strom die unzähligen festen und mobilen Internetverbindungen mit beweglichen Bildern verbrauchen. Samstagsabends sollen solche Programme die Hälfte des Proximus-Internet-Verkehrs ausmachen. Waren es nicht 15-Jährige die in Brüssel gegen den Klimawandel demonstrierten?

  3. Trippel D

    Habe ein belgisches Netfix Abo und muss sagen was die an deutschsprachige Angebot haben ist ordentlich.Müsten sie nicht machen aber die tun es da könnten sich andere Anbieter ein Beispiel dran nehmen.

    • Walter Keutgen

      Trippel D, ja, die US-Amerikaner sind halt multikultureller als die Belgier. Es ist ja weder technisch noch wirtschaftlich ein Problem, dass die belgische Filiale, die Inhalte die das Mutterhaus für Deutschland vorsieht in Belgien zugänglich macht. Die Rechte erwirbt es eh für die ganze Welt.

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