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Francis Feidler und Georg Kremer

Die "Insektenzeichnungen & Insektenskulpturen" von Jan Fabre sind noch bis zum 24. März im Ikob zu sehen.

Über die umstrittene Ausstellung des renommierten belgischen Künstlers Jan Fabre im Eupener Ikob („Insektenzeichnungen & Insektenskulpturen“) hat das Grenz-Echo vor einigen Tagen den scheidenden Direktor des Ikob, Francis Feidler, und den Kulturbeauftragten der Stadt Eupen, Georg Kremer, zu einem „Pro & Contra“ eingeladen. „Was kann, was darf die Kunst?“ lautete die Fragestellung.

Feidler befürwortete die Ausstellung (siehe dazu auch unseren Bericht „Im Ikob krabbeln die Spinnen und Käfer“) und Kremer war dagegen. Fabre ist wegen seines Umgangs zu Zwecken der Kunst sehr umstritten.

Kunstform, um Symbiose zwischen Mensch und Tier zu verdeutlichen

Francis Feidler im Gespräch mit Ministerin Isabelle Weykmans.

Francis Feidler im Gespräch mit Ministerin Isabelle Weykmans. Fotos: Gerd Comouth

„Die bildende Kunst bedient sich vieler ungewöhnlicher Ausdrucksmittel, um das Leben mit all seinen Facetten zu spiegeln, damit sich bei uns Menschen auf subtile Art und Weise das Blickfeld erweitert um neue Verständnisperspektiven zu eröffnen“, schrieb Francis Feidler als Anwalt des „Pro“ und fügte hinzu: „Jan Fabre bedient sich sämtlicher Kunstformen, um die Symbiose zwischen Mensch und Tier zu verdeutlichen. Ethische Grundsätze werden durch diese manchmal bizarren Kunst- Formen in Frage gestellt, mit Hinblick auf die erweiterte Moralbildung des Individuums.“

Feidler wies außerdem darauf hin, dass bei der Vernissage der Ausstellung Michel Vandenbosch, der Gründer und Präsident der Tierschutzorganisation GAIA, „keine moralischen Bedenken beim Anblick des Spinnenkopftheaters“ gehabt habe.

Auch Tiere haben Rechte – und die sind im Gesetz verankert

Georg Kremer (links) im Gespräch mit Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz.

Georg Kremer (links) im Gespräch mit Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz.

Georg Kremer, Anwalt des „Contra“, schieb: „Ohne diese ‚Kunst-Performance‘ bewerten zu wollen, muss die Frage erlaubt sein, ob die sogenannte Freiheit der Kunst über jegliche Frage der Moral steht.“ Zudem bemerkte der Kulturbeauftragte der Stadt Eupen: „Dass die freie Kunst, das letzte Schlupfloch des Menschen in dieser Welt, um Seele und Gedanken auszudrücken, daherkommt, den Tieren auch noch ihren letzten Respekt zu nehmen, ist inakzeptabel. Auch Tiere haben Rechte, und die sind im Gesetz ganz klar verankert.“

 

7 Antworten auf “Francis Feidler und Georg Kremer”

  1. lindenhose

    Wie doppelmoralisch. Alle, die sich hier so enorm aufregen essen Fleisch und sicherlich ein Grossteil von ihnen aus garantiert nicht tierfreundlicher Produktion! Wie sieht es denn da mit dem Tierschutz aus?!

    • Christophe Heuschen

      @lindenhose: Es ist korrekt, dass die Mehrheit der Bevölkerung sich über die Art der Schlachtung oder Tierhaltung aufregt, jedoch nichts ändert. Obwohl sie dies durch Ihren Konsum steuern könnte.
      Hier geht es jedoch um den allgemeinen Respekt, wer schwächere oder stärkere Lebewesen nicht respektiert, bringt mehr hass oder negatives Verhalten in dieser Welt.

  2. @lindenhose:Respekt (lateinisch respectus „Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung“, auch respecto „zurücksehen, berücksichtigen“) bezeichnet eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen (Respektsperson) oder einer Institution. Eine Steigerung des Respektes ist die Ehrfurcht, etwa vor einer Gottheit.

    Gegenbegriffe sind Respektlosigkeit, Missachtung und gesteigert als Verachtung.
    Dies,gilt für ALLE Lebewesen.!!Da,gibt es keine Bigotterie.

    Respekt (lateinisch respectus „Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung“, auch respecto „zurücksehen, berücksichtigen“) bezeichnet eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen (Respektsperson) oder einer Institution. Eine Steigerung des Respektes ist die Ehrfurcht, etwa vor einer Gottheit.

    Gegenbegriffe sind Respektlosigkeit, Missachtung und gesteigert als Verachtung

  3. Frank Bosch

    Und der Künstler lacht sich ins Fäustchen: seine Ausstellung ist in aller Munde …
    Bleiben trotzdem viele Fragen : Ist das wirklich noch Kunst ? Lohnt es sich wirklich, sich solchen „Unfug“ ansehen zu gehen ? Und damit auch noch den ‚hipe‘ zu verstärken? Lohnen sich wirklich die sicher nicht unbedeutenden DG-Ausgaben für solche (sorry!!!) „entartete“ Kunst (manchen gilt das Diskutieren darüber ja – leider – schon als Kunst) ? Geht Kunst nur noch über Provokation ? u.v.a.m.

  4. @Frank Bosch:DOCH! Oder gerade deshalb,ist es wichtig darüber zu
    reden(schreiben).Damit,solche sog.“KÜNSTLER“ sich nicht alles erlauben.Denn,es gibt selbsternannte Künstler,die sich öffentlich erdreisten mit Aussagen wie:In der Kunst,ist alles erlaubt! Kunst, ist frei.
    Dem,muss man einen Riegel vorschieben.Denn,sonst werfen sie (Die Künstler) harmlose Katzen in die Luft und nennen das KUNST!!!!
    MfG.AS 56

  5. Moral oder Gerechtigkeit

    „Betrachten wir uns die gegenwärtige Moral etwas genauer, so erkennen wir, dass es sich um eine doppelte oder sogar eine dreifache Moral handelt. Die in den Staatsgesetzen und in der öffentlichen Meinung verankerte Moral soll verhindern, dass der Einzelmensch in eigennütziger Weise gegen den Nutzen seiner Mitmenschen und damit gegen den Gemeinnutzen verstößt, z. B. durch Diebstahl und Betrug. Aber sie erreicht diesen Zweck nur in einem verhältnismäßig kleinen Teilbereich der menschlichen Gesellschaft, nämlich nur für die Menschengruppe der wirtschaftlich Schwachen, also der Arbeitenden (Zinsverlierer). Der wirtschaftlich Starke, also der Kapitalist (Zinsgewinner), hat ja die moralisch verwerflichen, d. h. durch die Gesetze verbotenen und durch die öffentliche Meinung verfemten Mittel nicht nötig zur Verwirklichung des Eigennutzes mit Schädigung der Mitmenschen und des Gemeinwohles und zwar im allergrößten und praktisch uneingeschränkten Ausmaß.
    Neben dieser offenkundig doppelten Moral gibt es aber noch eine dritte, von den wenigsten Menschen durchschaute Seite, bedingt durch das heimlich schlechte Gewissen der Vertreter und Nutznießer dieser verlogenen Moral. Hier handelt es sich freilich nicht um die Großkapitalisten, die ja ihr Gewissen, wenn sie je eines besaßen, längst abgetötet haben, sondern um die breite Schicht der bürgerlichen Bevölkerung… Sie vertreten die kapitalistisch verzerrte Moral, die ihre wirtschaftlichen Vorteile gegenüber den völlig mittellosen, ausgebeuteten, arbeitenden oder arbeitslosen Bevölkerungsschichten sichert. …Den Gegensatz zwischen Gemeinnutz und Eigennutz halten sie für eine zwar betrübliche, aber selbstverständliche und unabänderliche Tatsache. …
    …Der geschilderten, innerlich so verlogenen Moral mit all ihren, hier nur kurz angedeuteten schädlichen Auswirkungen stellen wir nun die natürliche und sinnvolle Ordnung entgegen, welche die Natürliche Wirtschaftsordnung nicht nur für die wirtschaftlichen Beziehungen der Menschen untereinander darstellt, sondern auch für den Aufbau der Gesellschaft und darüber hinaus jeder menschlichen Gemeinschaft nahe legt.“

    Dr. Ernst Winkler (Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung, 1952)

    Wer nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist, um eine Existenz in „dieser Welt“ ertragen zu können. Zu diesem Zweck gibt es die Religion, die so erfolgreich war, dass sie die systemische Ungerechtigkeit der Erbsünde bis heute aus dem allgemeinen Begriffsvermögen der halbwegs zivilisierten Menschheit ausblenden konnte:

    http://www.juengstes-gericht.net

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