Für Grausamkeiten während der Kolonialherrschaft im Kongo hat Belgien seine Schuld eingestanden. Vor Gericht geht es um die Rolle eines Belgiers bei der Ermordung des ersten Premierministers Patrice Lumumba.
Weil er bei der Ermordung des ersten Premierministers des Kongos, Patrice Lumumba, mutmaßlich eine Rolle gespielt hat, muss der ehemalige belgische Spitzenpolitiker Étienne Davignon vor Gericht. Die Ratskammer in Brüssel entschied, dass der heute 93-jährige Davignon sich einem Strafprozess stellen muss, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtet.
Étienne Davignon (geb. 1932) ist ein einflussreicher belgischer Diplomat, Politiker und Unternehmer, der vor allem in Europa eine wichtige Rolle gespielt hat.
Patrice Lumumba, der kongolesische Unabhängigkeitsführer und erste Premierminister des unabhängigen Kongos. Porträt auf einer Banknote von Guinea (1971). Foto: Shutterstock
– Belgien regierte mit brutalsten Methoden: Konkret geht es um die Rolle Davignons bei der Ermordung Lumumbas 1961. Der erste Ministerpräsident des 1960 von Belgien unabhängig gewordenen Kongo wurde nach seinem Sturz erschossen. Vorwürfen zufolge sollen dabei Belgien und die USA ihre Finger im Spiel gehabt und Davignon als junger belgischer Diplomat eine Rolle gespielt haben. Belgien war unter Leopold II. Kolonialmacht im Kongo und regierte mit brutalsten Methoden.
Ein Sohn Lumumbas hatte vor etwa 15 Jahren eine Klage gegen rund ein Dutzend Belgier eingereicht, die seiner Ansicht nach mit dem Tod in Verbindung gestanden haben könnten. Davignon, der von 1977 bis 1985 EU-Kommissar und auch Vizepräsident der Behörde war, ist der einzige Angeklagte, der noch lebt.
Patrice Lumumba galt als charismatische Sozialist und wird vielerorts noch heute als eine Symbolfigur afrikanischer Unabhängigkeit verehrt. (dpa/cre)
Besser spät als nie.
Auch König Baudouin war beteiligt am Mord.
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