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Ex-EU-Kommissar muss wegen Lumumba-Mord vor Gericht

06.11.2014, Belgien, Brüssel: Der ehemalige belgische Spitzenpolitiker Étienne Davignon während einer Konferenz im Bozar-Palast in Brüssel im November 2014. Foto: Julien Warnand/dpa

Für Grausamkeiten während der Kolonialherrschaft im Kongo hat Belgien seine Schuld eingestanden. Vor Gericht geht es um die Rolle eines Belgiers bei der Ermordung des ersten Premierministers Patrice Lumumba.

Weil er bei der Ermordung des ersten Premierministers des Kongos, Patrice Lumumba, mutmaßlich eine Rolle gespielt hat, muss der ehemalige belgische Spitzenpolitiker Étienne Davignon vor Gericht. Die Ratskammer in Brüssel entschied, dass der heute 93-jährige Davignon sich einem Strafprozess stellen muss, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtet.

Étienne Davignon (geb. 1932) ist ein einflussreicher belgischer Diplomat, Politiker und Unternehmer, der vor allem in Europa eine wichtige Rolle gespielt hat.

Patrice Lumumba, der kongolesische Unabhängigkeitsführer und erste Premierminister des unabhängigen Kongos. Porträt auf einer Banknote von Guinea (1971). Foto: Shutterstock

Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, dass Davignon unter anderem wegen bestimmter Formen der Beteiligung an Kriegsverbrechen und unrechtmäßiger Freiheitsberaubung vor das Strafgericht treten muss.

– Belgien regierte mit brutalsten Methoden: Konkret geht es um die Rolle Davignons bei der Ermordung Lumumbas 1961. Der erste Ministerpräsident des 1960 von Belgien unabhängig gewordenen Kongo wurde nach seinem Sturz erschossen. Vorwürfen zufolge sollen dabei Belgien und die USA ihre Finger im Spiel gehabt und Davignon als junger belgischer Diplomat eine Rolle gespielt haben. Belgien war unter Leopold II. Kolonialmacht im Kongo und regierte mit brutalsten Methoden.

Ein Sohn Lumumbas hatte vor etwa 15 Jahren eine Klage gegen rund ein Dutzend Belgier eingereicht, die seiner Ansicht nach mit dem Tod in Verbindung gestanden haben könnten. Davignon, der von 1977 bis 1985 EU-Kommissar und auch Vizepräsident der Behörde war, ist der einzige Angeklagte, der noch lebt.

Patrice Lumumba galt als charismatische Sozialist und wird vielerorts noch heute als eine Symbolfigur afrikanischer Unabhängigkeit verehrt. (dpa/cre)

9 Antworten auf “Ex-EU-Kommissar muss wegen Lumumba-Mord vor Gericht”

    • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

      Kann es sein, dass wenn man keine kriminelle Ader hat, es überhaupt nicht schafft an der Spitze der EU-Kommission zu kommen ?
      Den Mann erst im Alter von 93 Jahren den Prozess zu machen, ist ein Schlag ins Gesicht für alle Kongolesen.
      Vermutlich war die letzte ärztliche Diagnose von Davignon, dass es wahrscheinlicher ist, dass er gestern gestorben ist, anstelle von den nächsten 4 Wochen.

  1. Erwin Haep

    Etienne Davignon ist ein bedeutender Belgier, ein seltener wie auch Alfred Bourseaux.
    Natürlich ist Lumumba ermordet worden, Spuren führen auch nach Spa. Lumumba galt als Kommunist, vermutlich bedeutend weniger als kolportiert, war daher ein Feind. Und wenn einmal die Verfolgung angesetzt hat, entsteht ein Heißhunger, der nicht mehr zu stillen ist. Ich erinnere wie wir als Schüler bei der Unabhängigkeitsrede von Lumumba dachten, der ist verrückt. Dabei war die Rede aus heutiger Sicht noch milde.
    Zugleich muss man sehen, dass die Belgier den Kongolesen sehr viel gebracht haben, ungleich mehr als umgekehrt. Dies ist aber in Ordnung. Es ging für ein junges Volk noch einigermaßen zivil zu, Demokratie will auch gelernt sein.
    In Ruanda hat es 1994 (!) den Genozid der Hutus an den Tutsis mit 800.000 Ermordeten gegeben. Auch hier waren die Krieger, die Hutus, nicht mehr zu bremsen und jegliche Kultur wurde über den Haufen geworden. Hier bedauert man mit Recht, dass die Grünhelme nicht eingegriffen haben und die Ermordung zugelassen hat.
    Kagame konnte ohne große Kämpfe in Ruanda einmarschieren, weil die Krieger mit Äxten und Hieben mit der Vernichtung der Tutsis beschäftigt waren.

    • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

      #Erwin Haeb/ Jemand der vor Gericht antreten muss, könnte zwar unschuldig sein.
      Es würde dann aber nicht an den Medien weitergegeben, wenn dem so wäre.
      Er soll schließlich eine mutmaßliche Rolle gespielt haben, im bösen Spiel.
      Ein Vergleich mit Alfred Burseaux ?
      Warten Sie doch lieber auf das Urteil, bevor sie solche Vergleiche ziehen ?

  2. Pieke va Oepe

    Einen verdienstvollen 97Jährigen vor Gericht zu zitieren oder sich in einem OD-Kommentar über seinen baldigen Tod zu mokieren, sind Geschmacklosigkeiten, die in einem Belgien der ehemaligen Kolonie-Profiteure nur noch anwidern. Zu diesen „Entwicklungshelfern“ gehörten auch namhafte Ostbelgier.

    Neben dem vom Kreml ferngelenkten Lumumba gab es im Kongo tausende Ermordete über die ( ausser Peter Scholl-Latour) niemand etwas wissen wollte. Die damaligen belgischen Aussenminister Wigny und Spaak überraschten den UN.Sicherheitsrat mit Krokodilstränen und verachtender Nonchalance. Für den blasierten Löwener Historiker Génicot war das Kongo-Kapitel noch Mitte der 60ger Jahre eine Erfolgsgeschichte.

    König Baudouin wollte im Kongo keinen zweiten Algerienkrieg. Petite histoire: bei seiner Jubelfahrt in Léopoldville wurde ihm der Säbel geklaut…

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