Politik

Braucht auch Deutschland eigene Atomwaffen?

Illustration: Shutterstock

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und wachsende Zweifel an der Verlässlichkeit der USA als Schutzmacht haben in Deutschland eine sicherheitspolitische Debatte neu entfacht. Erstmals seit Jahrzehnten wird wieder offen über die Frage diskutiert, ob Deutschland eigene Atomwaffen braucht oder ob eine europäische Lösung ausreicht.

Europa ist kein atomwaffenfreier Kontinent. Mit Frankreich und Großbritannien verfügen zwei europäische Staaten über eigene Atomwaffen. Dennoch stützt sich die Sicherheit Europas bis heute vor allem auf den nuklearen Schutz der USA im Rahmen der Nato.

Angesichts internationaler Krisen, globaler Machtverschiebungen und wachsender Zweifel an der Verlässlichkeit des Schutzes durch die Vereinigten Staaten von Amerika wird auch in Deutschland wieder über die eigene sicherheitspolitische Rolle diskutiert.

Ein Atomsprengkopf. Foto: Shutterstock

In diesen Tagen schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ): „Zweifel an Amerikas Bereitschaft, die Europäer bis hin zum Einsatz der Atombombe zu verteidigen, gibt es schon lange. Doch noch niemand nährte diese Zweifel so wie Trump und seine Leute, die Europa nicht als befreundeten Verbündeten betrachten. (…) Die Europäer rüsten nicht nur auf, weil sie von Putin bedroht werden, sondern auch weil Trump sich von ihnen abwendet. Die konventionelle Kriegstüchtigkeit ist unerlässlich, kann aber nicht den Schutzschirm der nuklearen Abschreckung ersetzen. (…) Der für Deutschland einfachste Weg wäre es, unter die Atomschirme Großbritanniens und Frankreichs zu schlüpfen. (…) Eine glaubwürdige nukleare Abschreckung aber ist für die Sicherheit Deutschlands unabdingbar. In Berlin muss daher auch über eine eigene nukleare Bewaffnung nachgedacht werden, so viele Gegenargumente es gibt.“

In diesem Zusammenhang hat sich der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) für eine europäische Atombombe ausgesprochen. Gemeint ist dabei keine nationale deutsche Atombombe, sondern eine gemeinsame europäische Lösung, die auf den bereits vorhandenen Atomwaffen Frankreichs aufbauen könnte.

Befürworter dieser Idee argumentieren, Europa dürfe sich nicht dauerhaft auf die USA verlassen. Sollte deren Schutz schwächer werden, brauche Europa eine eigene glaubwürdige Abschreckung.

07.11.2025, Berlin: Joschka Fischer, ehemaliger Außenminister, spricht während der ersten „Europaeum Annual Lecture“ (Europaeum-Jahresvorlesung) an der Freien Universität Berlin. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Eine gemeinsame europäische Atommacht wirft jedoch grundlegende Fragen auf: Wer entscheidet im Ernstfall über ihren Einsatz? Wer trägt die Verantwortung? Und würden alle europäischen Staaten eine solche Strategie mittragen? Kritiker warnen davor, dass eine solche Abschreckung Europa politisch spalten könnte.

Besonders deutlich wird das Problem bei der Frage nach einer deutschen Atombombe. Zwar wäre Deutschland technisch in der Lage, eigene Atomwaffen zu entwickeln. Das Land verfügt über großes technisches Wissen, eine starke Industrie und umfangreiche Forschungskapazitäten. Politisch und rechtlich ist dieser Weg jedoch nahezu ausgeschlossen.

Deutschland hat sich durch internationale Verträge klar gegen den Besitz von Atomwaffen verpflichtet. Ein Ausstieg würde schwere außenpolitische Folgen haben und Deutschlands Stellung in Europa erheblich beschädigen.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Der Verzicht auf eigene Atomwaffen gehört seit Jahrzehnten zur deutschen Sicherheitspolitik. Er ist eine Konsequenz aus der deutschen Geschichte und Grundlage für das Vertrauen vieler internationaler Partner. Eine deutsche Atombombe würde diesen Grundsatz infrage stellen. (cre/dpa)

 

50 Antworten auf “Braucht auch Deutschland eigene Atomwaffen?”

  1. JoKrings

    Gegen wen? Mars-Männchen? Vielleicht gegen Peter S.‘ Fantastereien!? Jetzt wird der langweilige Troll sagen, „RUSSLAND!!!!!!!!!“ Worauf man dann nur antworten kann: Wie kann es sein, dass Russland hier einmarschieren wird wenn es doch am Boden liegt und aus allen Turbinen pfeift? Und nicht einmal fähig ist, die gesamte Ukraine einzunehmen (was NIE die Absicht war). Na ja, einfach diesen beleidigenden und abgrundmässig dummen Idioten ignorieren.
    Also, gegen wen? Weder Russland, noch China, noch Nord-Korea, noch Venezuela (alles Tyrannen, laut „Qualitätsmedien“) sind im geringsten daran interessieren Europa den Krieg zu erklären. Wieso??? Es geht nur um Angstmacherei, damit die Idioten hier gigantische Rüstungsbudgets gut heissen und weitere knechtende Massnahmen der lieben EU einfach so hingenommen werden.
    Der nächste Krieg hier wird gegen die USA sein. Wetten, dass?

      • JoKrings

        Welche Vorurteile? Weche Argumente haben Sie? Was wollen Sie? 3x W, anstatt nur 2x W (wie in „Wirkt wundervoll“). Ich habe gewonnen! Ja, auf diesem Niveau beWegen Sie sich. Es gibt auch „die“, nicht nur „der“ ;-)))

  2. Atomwaffen können nur Länder unterhalten die auch Atomkraftwerke besitzen. Der „Sprengstoff“ muss entsprechend aufbereitet werden damit das Ding zündet. Es sei denn Deutschland lässt sich sein Waffenfähiges Uran oder Plutonium von Russland liefern…. 🤪🤪

  3. DR ALBERN

    Atombomben??? Zu spät!!! Russland, China, USA, Indien, Korea u.a. lachen sich doch ins Fäustchen, wie z. Zt. Barner, Merz, VdL, Macron (die Grossen der EU) schwanzwedelnd hinterherkriechen, um nicht abgehängt zu werden!!! Was man über Jahrzehnte verpasst hat, soll nun plötzlich gemeinsam verwirklicht werden!!! Vergebens!!! Jedes Land wird weiterhin sein eigenes Süppchen kochen!!!

  4. Hugo Egon Bernhard von Sinnen

    Nur die DG braucht Atomwaffen. Denn wenn Friedrich Merz versucht, die DG zu übernehmen…………… 😉

    Atomwaffen braucht kein Mensch, dann wäre das Problem selbst, auch schon gelöst.
    Denn wenn der eine Kriegsspielzeug Minister keine hat, dann denkt der andere Kriegsspielzeug Minister noch nicht einmal daran, seine auf den Wunschzettel für Weihnachten zu schreiben.
    Der ganze Quatsch kostet nur Geld .
    Das kann überall weg.

    • Wenn wir „sowas“ haben, schickt Putin uns „keins“ rüber!!

      @ Joachin Wahl

      Putin droht uns mit seinen Atomwaffen, weil wir verschlafenen Europäer dem nichts entgegen zu setzen haben! Wenn EUROPA vernünftig bewaffnet gewesen wäre, wäre Putin NIE in die Ukraine einmarschiert, womit den Ukrainern viel Leid und UNS VIEL ANGST (und so manche blamable „Arschkriecherei“) erspart geblieben wäre.

      Auch Trump hätte sich nicht von Europa verabschiedet, weil es ihm militärisch ein „trittbrettfahrerischer“ Klotz am Bein ist.

      Auch wenn Trump hier wegen Grönland verschrieen ist … er hat doch recht wenn er sagt: „Die können das nicht“, wie sollen denn die Dänen inklusive der gesamten EU einen russischen Einmarsch in Grönland verhindern?!

  5. Es ist der Gipfel der Absurditäten dass ein Joschka Fischer, grüner Emporkömmling, der zusammen mit seinem Komplizen Trittin alles getan hat um die Deutsche Kernkraftindustrie zu zerstören, jetzt nach der Atombombe ruft. Wer immer noch nicht verstanden hat wie irre diese grüne Sekte ist, gehört wohl dazu, zu den irren Grünen…. 🥳🥳

  6. DearAugenblick

    Das Problem mit der Bewaffnung ist ja das man sich fragen sollte wie der Andere am Ende der Leitung darüber denkt…Wir sollten eher Bunker bauen…dann bekommt der Gegner angst xD
    Wenn ich mir so die gruselligen Gestalten anschaue die über die Menschheit aktuell das Sagen haben wird mir bei dem Thema Atom ganz komisch.

    • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

      #Dear Augenblick/ Bunker könnte sein.
      Es könnte aber genauso gut sein, dass wir nur einen Besen brauchen, wenn die Dinger auf dem Boden ticken und das Konfetti ausströmt.
      Bluffen ist des Politikers täglich Brot.
      Beziehungsweise das Brot der von Ihnen erwähnten, gruseligen Gestalten, die ich genauso toll finde wie sie ;-)

  7. Guido Scholzen

    1. Wenn Joschka Fischer dies sagt, ist dies folgendermaßen zu sehen: Die einst grünen Pazifisten sind auch hier das, was marxistische Sozialisten sind: es ist ein dummer verlogener nichtsnutziger dreckiger Haufen, der nur Schund+Schande+Scherben hinterlässt, egal was sie tuen oder auch unterlassen.

    2. Die deutsche Atombombe war schon mal in der Planung, und zwar in den 1950er Jahren!
    Also nichts total Neues.

    Rückblende:
    ein spannendes und heute etwas in Vergessenheit geratenes Kapitel der frühen Bundesrepublik.
    Es geht dabei um Westdeutschlands kurze Phase nuklearer Ambitionen in den 1950er Jahren, stark geprägt durch Franz Josef Strauß, der „Atomminister“ von 1955 bis 1956, (Bundesminister für Atomkernenergie und Wasserwirtschaft.)
    Seine Grundüberzeugung: Deutschland müsse wieder zur technologischen Weltspitze gehören, inklusive Kernenergie und moderner Waffentechnik. Er sah Nuklearenergie nicht nur zivil, sondern auch strategisch-militärisch. Strauß war auch danach Verteidigungsminister von 1956 bis 1962.
    Strauß argumentierte: Wenn andere europäische Staaten Atomwaffen haben (Frankreich, Großbritannien), so dürfe Deutschland nicht dauerhaft ausgeschlossen sein. Er bezeichnete 1957 taktische Atomwaffen öffentlich als „nichts weiter als eine Weiterentwicklung der Artillerie“.

    Dass Deutschland „die Bombe“ nicht bekam, lag international an den „Pariser Verträgen“ (Verbot von ABC-Waffen für Deutschland). So kurz nach dem Weltkrieg wollte niemand D’land zuviel vertrauen.

    3. Meine Meinung zu Nuklearwaffen: sie nutzen nichts im praktischen Sinn.
    Russland hat Nuklearwaffen, doch was nutzten die im Kampf gegen die Ukraine? Nichts. Putins nukleare Drohungen sind leere Reden.
    Israel hat Nuklearwaffen, doch was nutzten die im Kampf gegen Hamas und Hisbollah? Nichts.

    • Es lag nicht an den Pariser, sondern an den Potsdamer Verträgen!
      Zweitens unterschrieb Deutschland den Atomwaffensperrvertrag, womit es D sowieso verboten ist, eigene Atomwaffen zu besitzen! Aus diesem Grund haben sich die Deutschen unter den atomaren Schirm der NATO ( USA) gestellt.
      Nebenbei hat D noch nicht mal Atom U Boote, sondern nur konventionelle

      • Guido Scholzen

        Nee, stimmt nicht ganz.
        1. die Demilitarisierung D’lands in den Potsdamer Verträgen wurde durch die Gründung der BRD und der veränderten Weltlage (Kalter Krieg) obsolet. Folge: Gründung der Bundeswehr und Beitritt zur NATO.
        2. Die Atommächte USA, Russland (damals Sowjetunion), Großbritannien, Frankreich und China haben den Atomwaffensperrvertrag auch unterschrieben, und sind wie gesagt trotzdem Nuklearmächte.
        3. D’land ist in der Lage, U-Boote zu bauen, die nuklear bestückt werden können. Israel hat mindestens 4 Stück davon, Made in Germany, mit Dieselantrieb.

        • Guido Scholzen, es hat aber einige Zeit gedauert, bis Adenauer den USA die Wiederbewaffnung Deutschlands vorgeschlagen hat. Die Atommächte sind ganz sicher anders in dem Atomwaffensperrvertrag aufgenommen, z.B. solche Waffen nicht weiter zu geben.

          • Atomwaffensperr“Vertrag“

            @ WK

            Heutzutage ist ein „Vertrag“ weniger wert, als das Papier auf dem er steht – siehe Sicherheitsverträge von USA, GB und Russland für die Ukraine!

            Nord Korea bedroht die ganze Welt mit seinen Atomraketen und den Iran lässt man fleißig weiter basteln!

            Und hier diskutiert man darüber, ob unsere Nachbarn Atomwaffen haben „dürfen“ oder nicht! Der Woke Geist der EU führt unsere Kinder und uns in den Abgrund – wann endlich ist man hier bereit die Realität wahrzunehmen und WACH zu werden.

  8. Der Alte

    Atomwaffen für Deutschland? Lieber nicht, den östlichen Nachbarn ist nicht zu trauen, die sind viel zu viel Prinzipien verliebt und neigen zu irrationalen Impulshandlungen. Siehe Merz und seine Forderung in Sachen Euroclear.

    • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

      Der Alte/ Ja, so lange sein Puls schlägt, halte ich ihn persönlich, für die Menschheit gefährlich.
      Oder fast so gefährlich, wie Putin, Netanyahu, Selensky, VDL und Trump.
      Besonders mit Blick auf das Risiko der Verarmung, wirtschaftlich gut funktionierender Länder, durch deren Raubzug.
      Jetzt werden natürlich einige Kommentatoren einwerfen, dass ich mal nach Nordkorea schauen solle. Eben drum !
      Ich möchte nicht, dass es eines Tages bei uns so aussieht, als wäre der Raub an der eigenen Bevölkerung, eine Selbstverständlichkeit.

  9. Peter Müller

    Was wir zuerst mal brauchten, wâre ein gemeinsames Europa. Im Pass sollte Europäer stehn. Amtssprache Englisch, und die Mehrwertsteuer anpassen. dann kann man mal über Kriegswaffen sprechen. Stark genug wären wir, und könnten ganz anders auftreten. Das ist wie im Fussball 11 Fussballer machen noch keine Mannschaft ;-) Alles andere ist ppikram !.

    • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

      Peter Müller/ Ich würde es vorziehen, wenn im Pass《 original Europäer》 steht, denn es würde bedeuten, dass auf dieser Welt Frieden herrscht und wir deshalb 《 nicht 》über Kriegswaffen sprechen müssen.
      Denn 11 Rüstungskonzerne, machen noch keinen Frieden. alles andere ist Pipi Kram !

  10. Der Patriot

    Ungeachtet das Deutschland eh mehr als genug Atomwaffen besitzt, benötigt DeutschemLande wohl eher GEHIRN und Verstand !

    Europa/ Deutschland eine Großmacht ?
    Hatte Hitler im Grundprinzip auch versucht, den Ausgang kennen wir !

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