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Rhetorika 2013: Berlusconi bringt Eifeler den Doppelsieg

Die Finalisten der Rhetorika 2013. Foto: Jannis Mattar

Michael Moutschen ist der große Gewinner der Rhetorika 2013. Der Abiturient der Bischöflichen Schule St. Vith gewann am Samstagabend im BRF-Funkhaus in Eupen sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis.

In seiner Rede über die Gefährdung des europäischen Gedankens durch Populismus (Titel: „Berlusconi – Europa, wie stabil ist es wirklich?“) gelang es dem Manderfelder mit Humor und Scharfsinn, die Jury und das Publikum zu überzeugen.

Michael Moutschen gewann den Jury- und den Publikumspreis. Foto: Jannis Mattar

Michael Moutschen gewann den Jury- und den Publikumspreis. Foto: Jannis Mattar

Zweiter wurde der Honsfelder Sebastian Löfgen (Bischöfliches Institut Büllingen). Den dritten Platz belegte Anne Richter aus Thommen (Bischöfliche Schule St.Vith).

Zum ersten Mal gab es in diesem Jahr acht Finalisten. Sieben davon kamen aus dem Süden der DG. Das Prozedere zur Themenvergabe lief auch in diesem Jahr ab wie gewohnt. Jeder Kandidat zieht aus drei Lostrommeln jeweils ein Thema auf den Gebieten Lifestyle, Regionales und Globales. Eines dieser drei muss er in Akkordzeit recherchieren und bearbeiten.

DG-Minister Harald Mollers Jurypräsident

Die Jurybesetzung war in diesem Jahr leicht abgeändert. So ersetzte zum Beispiel Harald Mollers (ProDG) seinen Minister- und Parteikollegen Oliver Paasch, der sich auf Auslandsreise befand – „jedoch auf Einladung“, wie Mollers in Anspielung auf den Streit um die Kosten der Auslandsreisen der DG-Regierung eindringlich versicherte.

Michael Moutschen, Sebastian Löfgen und Anne Richter (v.l.n.r.). Foto: Jannis Mattar

Michael Moutschen, Sebastian Löfgen und Anne Richter (v.l.n.r.). Foto: Jannis Mattar

Der Rest des Abends war dann den Kandidaten und ihren Reden gewidmet. Sie alle fanden mit ihren Aussagen Verbündete im Publikum, und bei allen schien die Teilnahme am Finale durchaus gerechtfertigt. Am Ende seiner Rede wurde jeder Finalist mit einem Zitat von Mark Twain konfrontiert. („Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt“). Das brachte selbst die Redegewandtesten leicht ins Straucheln.

Allerdings blieben auch Jurypräsident Mollers und Moderator Olivier Krickel nicht von dieser Aufgabe verschont und antworteten gegenseitig auf ihre Zitate. Zuvor hatte der Minister in einer kurzen Rede mehrfach auf die Wichtigkeit der Rhetorik hingewiesen. „Wer die Rhetorik beherrscht, behält die Hebel in der Hand.“

Zu viel oder zu wenig Humor?

Die Jury hatte sich nach den Vorträgen schnell auf die drei ersten Plätze geeinigt. So belegte Anne Richter mit ihrem Plädoyer gegen die vorzeitige Haftentlassung für Sexualstraftäter den dritten Platz, der mit 150 Euro dotiert ist.

Die Jury der diesjährigen Rhetorika. Foto: Jannis Mattar

Die Jury der diesjährigen Rhetorika. Foto: Jannis Mattar

Der zweite Platz (200 Euro) ging an Sebastian Löfgen, der sich für erneuerbare Energien aussprach und damit viel Zustimmung im Publikum fand.

Der erste Jurypreis (400 Euro) ging an Michael Moutschen, der zudem auch den Publikumspreis, einen Sprachintensivkurs im Wert von 2500 Euro, gewann. Er warnte vor den Folgen und Auswirkungen des Populismus für den Zusammenhalt und den Einheitsgedanken Europas am Beispiel von Silvio Berlusconi, Italiens „ergrautem Playboy“. „Es kann nicht sein, dass ein Staat das Wohl aller anderen gefährdet“, so Michael Moutschen.

Gerechnet hatte der Doppelsieger mit dem Ausgang des Abends so nicht: „Natürlich habe ich gemerkt, dass ich beim Publikum ankam, aber ich wusste nicht, ob ich vielleicht zu viel oder auch zu wenig Humor mit einfließen lasse. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie es sein würde, zu gewinnen.“ Die Aufregung sei direkt am Anfang der Rede verflogen. „Wenn man das Publikum sieht, kann man etwas lockerer werden“, so der Abiturient, der plant, ab September Wirtschaftswissenschaften zu studieren.

JANNIS MATTAR

  1. Jos uit Vlaanderen

    “Ergrauter Playboy” und “es kann nicht sein, dass ein Staat das Wohl aller anderen gefährdet” sind Aspekte, die mir so noch nicht bewusst waren. Es handelt sich dabei tatsächlich um messerscharf recherchierte Fakten. Auch die Wahl von Worten wie „ergraut“ und „Wohl“ zeugt davon, dass das Thema rhetorisch überaus meisterlich behandelt wurde. :-)

  2. @nmn
    Rhetorik ist u.a. den Mut zu haben seine Meinung in der Öffentlichkeit zu sagen; d.h. das Gegenteil eines feigen schreibenden Heckenschützen. Alle Finalisten waren Gewinner!!“

  3. Ich meine, wenn man die Reden nicht selbst gehört hat, kann man auch kein (objektives) Urteil abgeben. Ich persönlich finde diesen Wettbewerb
    gut.Wobei m.M.nach das Thema des Vortrags auch eine gewisse Rolle
    spielt. Über Berlusconi zu reden ist ja auch nicht so schwierig, um bei der Jury, bzw. dem Publikum gut anzukommen. Jedenfalls einfacher als beispielsweise über die „Unsterblichkeit der Maikäfer“, die „asiatische Meisterschaft im Ziegelsteinwerfen“ oder ähnliches zu referieren (kleiner Scherz). Übrigens, Berlusconi ein “ ergrauter Playboy“ ?
    Habe mir ein aktuelles Konterfei von ihm angeschaut, keine Spur von ergraut.Hat die Haare wahrscheinlich gefärbt. Sicherlich sind wohl seine Gehirnzellen ergraut.

  4. Ja, wie vermutet, hat er einfach nachgeplappert, was ARD und ZDF tagein tagaus über Berlusconi verbreiten. Das zu wiederholen gilt dann als „messerscharf recherchierte Fakten“, jemand anderes nennt es „Mut“.
    Aber in der Tat, gegen Berlusconi zu hetzen ist einfach, weil man der Jury (waren wohl mehrheitlich Lehrer) einfach ihre Vorurteile vorblöken musste.

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