Politik

„Grünes Kraftwerk Europas“: Offshore-Windenergie soll in der Nordsee boomen – Anrainer-Gipfel in Ostende

24.04.2023, Belgien, Ostende: Mark Rutte, Premierminister der Niederlande, (l-r) Leo Varadkar, Premierminister von Irland, Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, Mette Frederiksen, Ministerpräsidentin von Dänemark, Alexander De Croo, Premierminister von Belgien, Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, Olaf Scholz, Bundeskanzler von Deutschland, Xavier Bettel, Premierminister von Luxemburg, Jonas Gahr Store, Ministerpräsident Norwegen, nehmen am Nordsee-Gipfel in Ostende teil. Foto: Geert Vanden Wijngaert/AP/dpa

Bislang ist das Offshore-Potenzial der Nordsee weitgehend ungenutzt. Nun wollen die Anrainer-Staaten Tempo machen – und ein „kolossales Unterfangen“ vorantreiben.

Windenergie aus der Nordsee soll künftig maßgeblich zur Stromversorgung Europas beitragen. Vertreter von neun Anrainer-Staaten kamen am Montag in Ostende zusammen, um den Ausbau von Windparks vor der Küste voranzutreiben und die Nordsee zum grünen Kraftwerk Europas zu machen.

„In ganz kurzer Zeit wird die Nordsee, noch viel mehr als wir das heute schon wissen, der wichtige Ort der Energieproduktion sein“, sagte der deutsche Kanzler Olaf Scholz.

24.04.2023, Belgien, Ostende: Der deutsche Kanzler Olaf Scholz kommt zum Nordsee-Gipfel in Ostende an. Foto: Michael Kappeler/dpa

Konkret wollen die neun Staaten – Belgien, Deutschland, die Niederlande, Frankreich, Norwegen, Dänemark, Irland, Luxemburg und Großbritannien – bis 2030 Offshore-Windkraftanlagen mit einer Leistung von 120 Gigawatt bauen.

Bis 2050 sollen mindestens 300 Gigawatt aus der Offshore-Windenergie erzeugt werden. Zugleich soll die Produktion von grünem Wasserstoff in der Nordsee ausgebaut werden. Dies soll dazu beitragen, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen.

Alexander De Croo als Gastgeber des Gipfeltreffens sprach am Montag von ambitionierten Zielen. Nun gehe es darum, diese Ziele umzusetzen, sagte Belgiens Regierungschef. „Dies bedeutet, dass wir standardisieren müssen, dass wir besser zusammenarbeiten müssen, dass wir die Lieferketten synchronisieren müssen.“ Ebenso wichtig sei die Sicherheit der Infrastruktur in der Nordsee, betonte De Croo. Windfarmen, Kabel auf dem Meeresgrund und Pipelines seien anfällig für Sabotage und Spionage.

24.04.2023, Belgien, Ostende: Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, trifft zum Nordsee-Gipfel ein. Foto: Virginia Mayo/AP/dpa

Im vergangenen Jahr lag der Wert der Offshore-Windenergie der neun Staaten nach Angaben der belgischen Regierung bei rund 30 Gigawatt. Etwa 8 Gigawatt kamen aus Deutschland, davon der Großteil aus der Nordsee. Frankreich, Norwegen und Irland wiederum produzierten jeweils deutlich weniger als 1 Gigawatt.

„Es handelt sich um ein kolossales Unterfangen und ein echtes Beispiel gelebter Energiewende“, hieß es vor dem Gipfel in einem gemeinsamen Beitrag der Staats- und Regierungschefs für das Magazin „Politico“. Dafür seien massive Investitionen sowohl an Land als auch auf See nötig. Zugleich müssten etwa bürokratische Hindernisse abgebaut werden.

„Wir können nicht jahrelang auf Genehmigungsprozesse warten, während die globalen Temperaturen steigen und autokratische Regierungen die Möglichkeit haben, uns das Licht in unseren Wohnzimmern abzudrehen und unsere Industrieproduktion zum Erliegen zu bringen“, hieß es. Gleichzeitig müssten die gesunden und robusten Meeresökosysteme erhalten bleiben.

24.04.2023, Belgien, Ostende: Alexander De Croo (l), Premierminister von Belgien, und Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, während des zweiten Nordsee-Gipfels. Foto: Benoit Doppagne/Belga/dpa

Der Ausbau der Offshore-Windenergie kam in der EU zuletzt nur langsam voran. Bei dem Gipfel an der belgischen Küste setzten sich die teilnehmenden Staaten nun jeweils auch nationale Ziele. Deutschland hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, mindestens 30 Gigawatt bis 2030 und mindestens 70 Gigawatt bis 2045 Gigawatt aus Offshore-Windenergie anzupeilen. Davon dürfte der Großteil aus der Nordsee kommen.

Rund um den Gipfel wurden zudem weitere Erklärungen verabschiedet und Projekte angestoßen. So schlossen die EU und Norwegen formell eine Vereinbarung, die die Kooperation etwa bei erneuerbaren Energien und dem Umweltschutz stärken soll. Großbritannien und die Niederlande wiederum kündigten den Bau einer „Stromautobahn“ in der Nordsee an, die Anfang der 2030er Jahre in Betrieb gehen soll. Die Leitung „LionLink“ soll dann beide Länder mit Windparks in der Nordsee verbinden. (dpa)

31 Antworten auf “„Grünes Kraftwerk Europas“: Offshore-Windenergie soll in der Nordsee boomen – Anrainer-Gipfel in Ostende”

    • 9102Anoroc

      @ – 🌵 18:46

      Die Fische freuen sich aber nur so lange bis sich eins der 22.000 Atommüllfässer auf dem Meeresgrund öffnet ;
      Ob jetzt oben unten oder seitlich eine Öffnung entsteht spielt ja keine Rolle.
      Ob sie sich überhaupt öffnen , ist auch nicht die Frage.
      Die Frage ist wann? .

      • Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass die noch alle intakt sind.
        Oder dass plötzlich eins aufgeht und das ist dann ein Supergau? Die lecken längst.

        Mir ging es mit dem link um was anderes.
        Nachweislich wird der Lebensraum von Seevögeln gestört. Es wird nicht lange dauern und wir haben das Pendent zum Feldhamster offshore.

  1. Guido Scholzen

    Gebet des Tages:
    „Oh Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tuen“
    Diese Öko-Quatsch-Politiker wissen noch nicht mals was Grundlastfähigkeit ist, zertrümmern weiterhin eine stabile Stromversorgung, und bauen weiter mit am grünen Lügengebäude – bis es zusammenbricht. Und die Marktwirtschaft kann auch danach wiedermals die Trümmer eines real existierenden Sozialismus beseitigen – diesmal in grün.

  2. Windstrom, der reine Irrsinn, jeder kann es sehen aber keiner will es verstehen:
    https://www.elia.be/en/grid-data/power-generation/wind-power-generation
    Im Belgischen Netz sieht es aktuell so aus:
    Installierte Windstromleistung: 5245 MW
    Gelieferte Leistung am:
    22/04/2023 um 21:00 Uhr ==> 300 MW
    23/04/23 um 07:00 Uhr ==> 2600 MW
    24/04/23 um 08:00 Uhr ==> 3500 MW
    24/04/23 um 21:00 Uhr ==> 500 MW
    Hinter jedem Windrad steht ein herkömmliches Kraftwerk, ansonsten ginge ganz schnell das Licht aus. Die Zusammenhänge werden hier erklärt:
    https://sites.google.com/view/gegenpol-ostbelgien/energie/strom-aus-wind-eine-illusion
    Diese Politik führt zwabgsläufig dazu dass wir immer absurdere Preise für eine immer unsicherere Stromversorgung zahlen müssen. Windstrom, ein völlig unkontrollierbares auf und ab und jetzt will man auch noch Mio E-Autos und Wärmepumpen daran hängen. Europa will das „Klima retten“ und sägt den Ast ab auf dem wir sitzen…

    • 9102Anoroc

      @ – Dax 21:25

      Aber Dax ;
      Das Schiff geht doch nicht unter!
      Die 22.000 Atommüllfässer, auf dem Grund der Weltmeere , werden jetzt durch einem stromkabel mit den Windrädern verbunden;
      was glauben Sie wie schnell die Windräder dann drehen ? 😁
      Ihre Werbung für die Atommüll Produktionsanlagen, war jedenfalls vergebens.
      Vielleicht können sie sich ja jetzt der KI widmen.-)

  3. Joachim Wahl

    Liebe(r) Frau/Herr Dax, es geht nicht um Klimarettung, das geht sowieso nicht. Es geht um ein Milliardengeschäft. Anders ist die Rückkehr zur windmühlengestützten Energiewandlung nicht zu erklären. Müssten die Betreiber der Anlagen selbst durch backup-Kraftwerke den Ausfallstrom bereitstellen, würde niemand in solch windige Geschäfte investieren. Den ganzen für die Meere ökologisch verheerenden Irrsinn bezahlt letztendlich der Stromkunde. Dieser lässt sich durch blumige Worte, wie „Stromautobahn“ blenden. Wenn man keinen Treibstoff für das Auto hat, nützt auch die Autobahn nichts.Übrigens, wer liefert den Stahl? Richtig, die Chinesen.

  4. Es weiß auch noch niemand so genau wie man den Wasserstoff transportieren soll. Stromkabel und Pipelines sind ja scheinbar nicht sicher genug und Wasserstoff kann auch scheinbar nicht über lange Distanzen per Pipeline transportiert werden. Das Gas zu komprimieren (auf 200 bis 250 Bar), das geht zwar und so macht man es ja auch mit Erdgas (CNG), aber dann ist das zu transportierende Volumen trotzdem noch enorm groß. Wasserstoff zu verflüssigen wäre dann die einzige Möglichkeit aber dann muss man das Gas auf -250 Grad Celsius kühlen und auch gekühlt transportieren. Um dem Laien mal die Herausforderung vor Augen zu führen: Der absolut kälteste Ort im bekannten Universum ist -273,15 Grad Celsius kalt (= 0 Grad Kelvin). Flüssig Erdgas (LNG) ist mit -162 Grad Celsius vergleichsweise noch „warm“ und die 100 Grad weiter runter zu kühlen verbraucht enorm viel Energie. Die Kältemaschinen verbrauchen beim Erdgas schon 10 bis 25 % der Energie des Erdgases. Der Transport per Schiff verbraucht noch einmal 1- 2 % der Energie pro 1000 Km. Bei der Entspannung der Flüssigkeit zu Gas geht erneut 1 % der Energie verloren. Die Energieverluste beim LNG liegen bei durchschnittlich 20 %, beim Wasserstoff also eher noch mehr, und hinzu kommen ja noch alle anderen Kosten.
    Die Alternativen sind, dass man Wasserstoff in ein anderes Molekül umwandelt, sogenannte „Syngase“, neuerdings auch E-Fuels genannt, beispielsweise Methan, Ammoniak oder Methanol. Bei dieser Umwandlung geht aber noch mehr Energie verloren! Aber wir bezahlen es ja …

    • Alles grün, also, wie der Dollar

      Ich habe ein Buch zum Thema „Sonnen- und Windenergie für Europa aus Nord-Afrika“ übersetzt. Darin geht es selbstredend auch um „Wasserstoff“. Allein der (Aus)Bau der nötigen Infrastruktur wird Hunderte Milliarden kosten. Alles grün, also, wie der Dollar…
      Ich habe nur mit dem Kopf geschüttelt, aber die haben gut bezahlt…

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