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UN-Bericht: Die Welt produziert Jahr für Jahr mehr Elektroschrott – Rund 82 Millionen Tonnen in 2030

Alte Handys und Smartphones liegen in einem Container, ehe sie geschreddert werden. Foto: Julian Stratenschulte/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa

Immer mehr Spielzeuge haben elektronische Raffinessen, das Smartphone gibts alle paar Jahre neu und die Zahl vermeintlich nützlicher Muss-man-haben-Geräte wächst. Entsprechend gewaltig ist der Berg an ausrangiertem Elektroschrott. Die wertvollen Rohstoffe darin werden bisher nur zum kleinen Teil zurückgewonnen.

Weltweit wird einem neuen UN-Bericht zufolge immer mehr Elektroschrott produziert – und das Recycling kommt nicht hinterher. Allein im Jahr 2022 fielen 62 Millionen Tonnen an elektronischem Abfall an, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten „Global E-Waste Monitor“ hervorgeht. Das sei ein Rekord – und ein Anstieg um 82 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010. Gehe es so weiter, sei 2030 mit 82 Millionen Tonnen zu rechnen. Unter E-Waste fällt dabei alles, was einen Stecker oder eine Batterie hat.

Die Autoren des Berichts wählen eindrückliche Vergleiche, um das Ausmaß des globalen Schrottproblems zu illustrieren: Mit dem Elektro-Abfall aus dem Jahr 2022 könne man 1,55 Millionen 40-Tonnen-Lastwagen füllen, schreiben sie. Stoßstange an Stoßstange würde die Lkw-Kolonne dann ungefähr rund um den Äquator reichen.

Das Problem: Im Verhältnis zum rasant wachsenden Berg aus ausrangierten Handys, Laptops, Fernsehern, Kühlschränken und anderen Geräten hinkt das dokumentierte Recycling stark hinterher. Im Jahr 2022 sei weniger als ein Viertel (22,3 Prozent) des Elektroschrotts nachweislich ordnungsgemäß gesammelt und aufgearbeitet worden, hieß es. Bis 2030 könne der Wert auf 20 Prozent sinken. Milliarden-Dollar-Werte an eigentlich wiedererlangbaren Ressourcen würden verschwendet.

Alte Mobiltelefone liegen in einer Schubkarre. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Hinzu kommen Gefahren für die Umwelt – denn Elektroschrott kann giftige Zusatzstoffe und gefährliche Substanzen wie Quecksilber enthalten. Er sollte darum auf die richtige Weise entsorgt und aufbereitet werden.

„Wir haben es mit einer ganz massiven Schieflage zu tun“, sagte Rüdiger Kühr, einer der Autoren, der Deutschen Presse-Agentur. „Das liegt maßgeblich daran, dass es in vielen Teilen der Welt weder entsprechende Gesetzgebung noch Infrastruktur für Sammlung und Recycling gibt. So kommen die Materialien nicht in den eigentlichen Recycling-Prozess.“ Zugleich gebe es in vielen Regionen einen enormen Zuwachs an elektronischen Geräten. Es komme viel mehr auf den Markt als derzeit gesammelt und recycelt werden könne.

„Da sind zum Beispiel die E-Zigaretten zu nennen. Oder smarte Kleidung, die en vogue wird – etwa mit eingebauter Heizfunktion“, zählte Kühr auf. Auch Kinderspielzeug funktioniere häufig nur noch mit einer Batterie oder einem Stecker.

Dass aus den einst neuen, schönen Produkten alsbald Schrott wird, hat viele Gründe. Einer davon: Reparaturen gestalten sich oft äußerst schwierig. Das liegt auch am Design der Geräte. Viele sind verklebt statt verschraubt, was es schwierig macht, sie ohne Schaden zu öffnen. „Das hat auch etwas mit den Kosten zu tun“, erklärte Kühr. „Eine intelligente Verschraubung ist in der Herstellung kostenintensiver als eine Verklebung.“ Es müsse ein Umdenken geben. „Die Reparierbarkeit muss vereinfacht werden.“

Etwa ein Drittel des weltweiten Elektroschrotts bestand 2022 nach Einschätzung der Autoren aus eher kleinen Geräten wie Spielzeug, Mikrowellenherden oder E-Zigaretten. Die dokumentierten Recyclingquoten bei diesem Equipment sind nach wie vor sehr niedrig (12 Prozent). Ausrangierte Großgeräte wie zum Beispiel Kühlschränke oder Waschmaschinen werden häufiger ordnungsgemäß aufbereitet.

Vielfach fehlt aber offenbar auch einfach das Wissen, was man mit dem ganzen Elektrozeugs machen soll, wenn es nicht mehr funktioniert – oder die Bequemlichkeit schlägt zu. Geschätzt 14 Millionen Tonnen Elektroschrott seien 2022 einfach in normale Mülltonnen gewandert, heißt es im Bericht.

Elektroschrott liegt in einer Halle einer Recyclingfirma. Foto: Marcel Kusch/dpa

„Das größte Problem weltweit und in allen Ländern ist der Eintrag von Elektroschrott in Siedlungsabfälle, die deponiert oder verbrannt werden“, erklärte Christoph Helbig von der Universität Bayreuth, der selbst nicht am Bericht beteiligt war. Elektrogeräte gehörten niemals in die normale Hausmülltonne – die Kommunen seien gefragt, gute, niederschwellige Rückgabemöglichkeiten zu schaffen.

„Viele Menschen wissen schlicht nicht, was sie mit ausrangierten Elektrogeräten machen müssen“, sagte Vanessa Gray, die ebenfalls am Bericht beteiligt war. Manch einer habe auch Angst, dass ein altes Telefon noch sensible Daten enthalte. „Es geht auch darum, ein Bewusstsein für diese Problematik zu schaffen.“ Sie betonte aber auch: „Die einfachste Lösung aller Elektroschrott-Probleme ist, gar keinen Elektroschrott zu produzieren.“

Pro Kopf liegen die Europäer beim Elektroschrott-Aufkommen mit 17,6 Kilogramm vorn, gefolgt von Ozeanien (16,1 Kilogramm) und Amerika (14,1 Kilogramm). Zugleich haben diese Regionen die höchsten Recyclingquoten – die Europäer etwa kommen auf 42,8 Prozent. In Afrika fällt pro Kopf viel weniger Elektroschrott an (2,5 Kilogramm) – aber weniger als 1 Prozent wird dort nachweislich ordnungsgemäß gesammelt und recycelt.

Der „Global E-Waste Monitor“ wird regelmäßig vorgelegt und kann so Zahlen und Daten aus verschiedenen Jahren vergleichen. Verfasser sind das Ausbildungs- und Forschungsinstitut der Vereinten Nationen (UNITAR) und die Internationale Fernmeldeunion (ITU).

Die Autoren blicken auch in die Zukunft. „Wir müssen klar sehen: Die Digitalisierung erfordert mehr elektronische Artikel und kritische Rohstoffe“, sagte Vanessa Gray. „Wir wissen zum Beispiel, dass ein Drittel der Weltbevölkerung noch nicht an das Internet angeschlossen ist. Wenn wir diese Menschen über die nächsten Jahren an der Digitalisierung teilnehmen lassen wollen, brauchen wir viel Material“, sagte sie. „Das wird natürlich auch zu mehr Elektroschrott führen.“ (dpa)

12 Antworten auf “UN-Bericht: Die Welt produziert Jahr für Jahr mehr Elektroschrott – Rund 82 Millionen Tonnen in 2030”

  1. Ich habe eine tolle Idee, degressive Telefonverträge!
    Das Modell beim Anmelden beim Netzbetreiber registrieren (auf der SIM-Karte), ist technisch ja kein Problem, das Abonnement wird dann immer billiger je länger das Gerät genutzt wird. Dasselbe bei Fernseher, „smart-TV“ können ja im Netz registriert werden und die HD-Karte wird mit jedem weiteren Nutzungsjahr billiger. Neue Geräte, neuer Tarif, teuer, degressiv…. 😁😁
    Computer, Tablets… usw, deren Einsatzdauer kann problemlos mit dem Internetabonnement gekoppelt werde und degressiv die längere Nutzung billiger gestaltet werden.
    Ich bin den neue Liebling der Grünen und aller „Klimaretter“…. 😁😁

      • Deshalb auch die Smileys in meinen Beitrag, Ironie…. Das Geschäftsprinzip der Marktteilnehmer ist ja das genaue Gegenteil, man versucht ständig mit noch tolleren „0 EURO“ Angeboten neue Telefone zu verkaufen. Das ist ja die Verlogenheit in der Gesellschaft, die Schüler rennen mit dem neuesten Telefon zur FFF Demo – aber in den Osterferien fliegt man mal kurz nach Mallorca….

  2. Zuhörer

    Wir werden doch gezwungen Elektroschrott zu produzieren. immer neue Betriebssysteme. Android/Windows, Führerscheine, Pass und so weiter, soll alles übers Smartphone geregelt werden. wer dann keine aktuellen Geräte hat, ist aufgeschlossen.

    Dann kommen noch Geräte dazu,die überhaupt nicht funktionstüchtig sind.
    Ich habe schon mehrere Solarleuchten gekauft, und musste sie im Container Park bringen.
    Vor zwölf Jahren hatte ich einen Side by Side Kühlschrank gekauft (Samsung) Der war nach nur Sechs Jahre hin. Dann habe ich einen noch teureren von Siemens gekauft, der ist jetzt nach auch genau Sechs Jahre kaputt. Früher hatten die Leute nach dreißig oder mehr Jahre funktionierende Elektrogeräte entsorgt, weil sie etwas moderneres haben wollten. Die alten Geräte brauchten auch viel Energie.
    Heute wird so produziert, zum wegwerfen. Wo sind die Grünen, wenn’s um Umweltschutz geht? Die können nur den kleinen Leuten ein schlechtes Gewissen einreden, und verbieten.

    • @ – Zuhörer 20:33
      Das wird beim E-Fahrzeug sicher auch nicht besser.
      Irgendwann bekommt man sicher einen Gutschein , für die Schrottpresse seines Fahrzeugs;
      wenn man kein teures Update aus Kostengründen und oder Alter des Fahrzeugs mehr machen möchte .
      Da hatte sich doch in der Vergangenheit schon jemand aufgeregt und kurzerhand seinen Tesla in die Luft gesprengt .

  3. Die UN lügt...

    Es ist nicht die Welt noch der Konsument, sondern die auf Maximalrenditen ausgerichtete Wirtschaft, die seit Ende der 90ger auf den Trichter kam, keine Gerätereparaturen mehr zu wollen, sondern nur noch ‚Neues‘ verkaufen will, die uns diesen Müll organisiert und ihn produziert hat !… Z.B. Bis Anfang der 90ger hatte man das Recht einen Schaltplan mit den TV Geräten zu bekommen… Dann kamen unsere Politiker auf die Idee (durch Lobbyeinfluss) diese Rechte abzuschaffen, zum Wohle des allgemein und ständig vorgebeteten Wachstumskredos, dass angeblich notwendig wäre…
    Es ist daher Zeit und vor allem nur gerecht, dass diese Rechnung nicht der Konsument zu tragen hat, sondern die Politischen Parteien und ihre Abzocker-Lobby-Kumpels und Börsen, und zwar privat, da die diese Misere angerichtet haben ! Wer sich für Menschenrechte stark machen will, sollte vor diesen Tatsachen nicht die Augen verschliessen !

  4. Zuhörer

    Gestern sprach ich mit einem bekannten, der einen Radio -Verstärker in einem Fachgeschäft reparieren lassen wollte. Dort sagte man ihm, das Gerät könne man nur noch wegwerfen. Dann sagte er mir, in Kettenis wären Leute die sowas reparieren. Das Gerät funktioniert jetzt wieder, zum Preis von 5€.
    Warum wollen Fachgeschäfte nie reparieren? Oder können sie es nicht mehr?

  5. Zuhörer

    Jetzt arbeiten die EU Minister daran dass man Autos die über 15 Jahre alt sind, auch nicht mehr reparieren darf.
    So sehen Politiker Umweltschutz und Klimaneutralität.
    Wegwerfen, bis unser Planet im Müll erstickt.

    • Eigentlich ist ein Auto je umweltfreundlicher, je länger es auf der Straße ist. An das Thema ‚graue Energie‘ scheint sich in der Politik keiner mehr zu erinnern. Nachhaltigkeit etc. scheint auch keine Rolle mehr zu spielen. Hauptsache Produzieren weil Wachstum sein muß, der Umweltschutz zählt da nicht wirklich wenn es ums Geldverdienen geht.

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