Politik

Einigung in der EU auf Verbrenner-Aus ab 2035 – Was auf die Verbraucher zukommt [Fragen & Antworten]

Der Auspuff eines Autos mit Dieselmotor. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Nach erbittertem Ringen hat sich die EU darauf geeinigt, dass neue Autos ab 2035 emissionsfrei sein müssen. Der Kompromiss zwischen EU-Parlament und EU-Staaten ist ein wichtiges Element der Klimapolitik.

In gut 12 Jahren sollen alle Neuwagen in der EU emissionsfrei sein. Vertreter des Europaparlaments und der EU-Staaten haben sich am Donnerstagabend in Brüssel für diesen Schritt ausgesprochen. Was bedeutet die Entscheidung für Autofahrerinnen und Autofahrer? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

– Was wurde genau beschlossen?

Die EU einigte sich darauf, dass die sogenannten Flottengrenzwerte für Autos bis 2035 auf null sinken sollen. Diese geben Autoherstellern vor, wie viel CO2 ihre produzierten Fahrzeuge im Betrieb ausstoßen dürfen. Neue Benzin- und Diesel-Autos, die Klimagase ausstoßen, dürfen also ab 2035 nicht mehr verkauft werden.

Eine Kraftstoffanzeige eines Pkw. Im Kampf für mehr Klimaschutz soll in der EU der Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 verboten werden. Foto: Patrick Pleul/dpa

Im Jahr 2026 soll die Entscheidung aber erneut überprüft werden können. Zudem ist im Kompromiss eine Bitte an die EU-Kommission festgehalten, zu überprüfen, ob der Einsatz von sogenannten E-Fuels für Autos künftig in Frage kommen könnte.

– Ist das jetzt das endgültige Verbrenner-Aus?

Das kommt auf die Interpretation an. Der liberale Abgeordnete Jan-Christoph Oetjen schreibt: „Die Europäische Kommission muss den Weiterbetrieb des Verbrennungsmotors auch nach 2035 mit alternativen Kraftstoffen ermöglichen.“

Grüne und Umweltorganisationen interpretieren das Ergebnis dagegen anders. Der Grünen-Verhandlungsführer Bas Eickhout sprach davon, dass das Ziel, nur noch emissionsfreie Wagen zuzulassen beibehalten worden sei, bis der Markt vollständig elektrisch sei. Greenpeace geht davon aus, dass E-Fuels künftig höchstens in Sonderfahrzeugen wie Feuerwehr- oder Krankenwagen eingesetzt werden dürften.

Auch bei der Überprüfung im Jahr 2026 gilt es vielen Beobachtern als unwahrscheinlich, dass das Verbot noch mal gekippt wird. Theoretisch könnten die Klimaziele auch nachgeschärft werden. Welches Ergebnis diese Überprüfung der EU-Kommission haben wird, ist aber offen.

– Kann ich nach 2035 noch mit meinem Benziner oder Diesel fahren?

Ein Elektroauto lädt an einer Ladestation. Foto: Hendrik Schmidt/zb/dpa

Ja. Eingeschränkt würde bei Inkrafttreten des Gesetzesvorhabens nur der Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor. Zwar geht es bei den Flottengrenzwerten um den Ausstoß von Klimagasen, während das Auto gefahren wird, die Null-Emissionsvorgabe würde aber nur für Verkäufer von neuen Autos gelten.

– Was passiert mit meinem alten Verbrenner?

Bereits zugelassene Fahrzeuge sind von dem Vorhaben nicht betroffen. Wie sich eine Entscheidung auf die Preise für gebrauchte Verbrenner auswirkt, hängt von vielen Faktoren ab. Ein generelles Verkaufsverbot für gebrauchte Autos mit Verbrennungsmotor ist nicht vorgesehen. Wie sich die neuen Regeln aber auf andere Bereiche wie den Ausbau von Ladeinfrastruktur oder die Tankstellenabdeckung auswirken, ist ebenfalls noch offen.

– Kommen die Einschränkungen auf jeden Fall?

Wenn sich die Unterhändler der beiden EU-Institutionen auf einen Kompromiss geeinigt haben, muss der Ministerrat beziehungsweise das Parlament zwar noch formell zustimmen. Theoretisch könnte ein solcher Kompromiss auch wieder gekippt werden, wenn sich Regierungen oder Fraktionen quer stellen. Da die roten Linien der Verhandlungsteilnehmenden jedoch vorher bekannt sind, findet sich für die Kompromisse – sobald einer gefunden ist – auch in der Regel eine Mehrheit.

– Ist der nächste Schritt ein Fahrverbot für Verbrenner?

Davon ist nicht auszugehen. Pläne, Autos mit Verbrennungsmotor komplett von Straßen zu verbannen, sind bislang nicht im Gespräch. Realistisch ist, dass durch ein Verkaufsverbot klassische Benziner und Diesel automatisch immer seltener werden.

– Gilt das Verbot nur für Autos?

Nein, auch kleinere Transporter sind betroffen. (dpa)

41 Antworten auf “Einigung in der EU auf Verbrenner-Aus ab 2035 – Was auf die Verbraucher zukommt [Fragen & Antworten]”

  1. Besorgte Mutter

    2035, da werde ich 70. So werde ich mir im Jahre 2034 noch einen neuen rasanten Verbrenner zulegen und ich brauche mich nicht mehr mit diesem Elektroschrott herumzuschlagen.
    Für meine Kinder und Enkelkinder tut es mir aber leid, dass die wahrscheinlich mit den übertechnologisierten Elektrokarren werden herumfahren müssen.

  2. Don Quichotte

    @ Eifel_er: Nein, der Klimakrise … Und die Entscheidung fiel partei- und länderübergreifend. Ich wusste nicht, dass die „Grünen“ überall allmächtig am Ruder sind. Beim Klimawandel, ja Klimakrise sollte man sich den Realitäten stellen und keine Sündenböcke für nötige Veränderungen suchen. Wobei der Wandel der PkW zu Stromern nur Teil einer Lösung sein kann, die den motorisierten Individualverkehr durch gute Alternativen deutlich verringert. Am Ende ist es nämlich auch eine Frage des Ressourcenverbrauchs und weniger des Motors.

      • Alfons van Compernolle

        Wer von uns der ein ABO auf grüne Energie besitzt, kann mit 100% Sicherheit sagen, dass aus seiner Steckdose auch nur grüner Strom kommt ??
        Wenn ich mich richtig erinnere , gibt es keine getrennten elektr. Energienetze zur Anlieferung von elektr. Energie ! Richtig , Mogelpackung und nicht nur das !

    • Walter Keutgen

      Don Quichotte, was wollen Sie genau damit sagen: „Wobei der Wandel der PkW zu Stromern nur Teil einer Lösung sein kann, die den motorisierten Individualverkehr durch gute Alternativen deutlich verringert.“ Der Artikel sagt eindeutig, dass kleine Transporter auch betroffen sind. Ich denke man arbeitet auch am Schwertransport. Muss ich Ihren Satz so verstehen, dass Individualverkehr so teuer werden wird, dass nur noch Massentransport bezahlbar sein wird? Bitte bedenken Sie, dass hierzulande, also auf dem Land, um 21h30 Schluss mit Busverkehr ist. Und was, wenn plötzlich ein Gewrkschaftsvertreter oder sinst wer beschließt, Streik auszurufen. Fährt dann die Polizei uns in die Ausnüchterungszelle?

  3. Ich erinnere an die Aussage von P. Arimont zur Zukunft des Individualverkehrs: „In den Städten wird dann niemand mehr Auto fahren“. Die „Verkehrswende“ bedeutet dass man den Leuten das Auto fahren verbieten wird. Scheint aber für die meisten OK zu sein, man wählt sie immer wieder, die „Wende-Politik“….

    • 9102Anoroc

      Die Profitgier hat gesiegt.
      Der Normalbürger hat nichts zu Karamellen.
      Befehle befolgen ;
      Weitermachen und beobachten wie man uns jetzt immer mehr Atommüll-produktionsstätten vor die Nase setzen wird.

    • Grüner Wahnsinn

      Mein neuer Diesel ist weniger umweltschädlich als ein E-Auto!
      Man darf nicht nur die versiffte grüne Brille anhaben, sondern alle Aspekte betrachten, welche der Umweltschaden zufügen, und da schneidet das E-Auto erheblich schlechter als ein neuzeitlicher Verbrenner ab, beispielsweise allein schon die Akkus; über deren Umweltschädlichkeit redet ja niemand, erst recht kein Grüner oder sonstiger Befürworter des E-Schrotts!

    • deuxtrois

      Richtig, viele Einwohner in Städten möchten dort keine Autos mehr sehen. Eine Regierung setzt dieses Wahlversprechen um. Ich kann kein Problem erkennen, außer natürlich für alle, die ihr Auto noch immer gerne zum Bäcker fahren um sich 2 Minuten Gehweg zu ersparen. Die Zeiten sind langsam vorbei – gut so!

      • Ist schon klar. Die großen Einkaufsketten sind häufig in der Peripherie angesiedelt. Die kleinen Läden können kaum Überleben bei den Kosten. D.h. für viele Städter Einkäufe schleppen, wenn das Auto nicht mehr zur Verfügung steht. Für viele ältere Leute war ein Auto eine Möglichkeit mobil zu bleiben. Aber was soll es. Die Oma ist ja sowieso eine Umweltsau. Die Leute, die für den Wohlstand der jetzigen Jugend gesorgt hat, wird jetzt geopfert. Viele Rentner können die Energiekosten nicht mehr zahlen und kommen mit der Rente nicht mehr aus, aber das ist nur gerecht, denn laut FFF und den anderen Terrori… sorry, Aktivisten sind sie ja schuld am Klimawandel.
        In gewisser Weise erinnern mich diese fast mit religiösen Eifer um sich wütenden neuen Gruppierungen von Aktivisten an die Jugenbanden der kulturellen Revolution in China, die auch alles Alten und Traditionelle vernichteten, Menschen inklusive.

      • Er trägt die Entscheidung aber mit. Was verständlich ist, es ist eine Mehrheitsentscheidung die er akzeptieren muss. Aber was tut er dagegen? Sehe ich eine Kampagne der CSP gegen diese Entscheidung? Sehe ich die Forderung der CSP (bzw. EVP) diese Entscheidung zu revidieren? Wenn ich als Politiker eine Entscheidung als falsch ansehe dann muss ich versuchen politische Mehrheiten gegen diese Entscheidung zu organisieren. Es ist nicht nur P. Arimont, er ist nun einmal „unser“ Vertreter im EU Parlament, auch bei den anderen Parteien herrscht zu dem Thema nur betretenes Schweigen. Welche Partei und welcher Politiker in Ostbelgien gibt ein klares, unmissverständliches Statement FÜR den Verbrennungsmotor und FÜR weiter uneingeschränkte persönliche Mobilität ab? Sagen Sie es mir…. Ich sehe nur Politiker die vielleicht sagen dass sie es persönliche nicht ganz so sehen aber das EU-Parlament hat nun einmal so entschieden, da kann man nichts mehr machen.

      • Und noch etwas zum Thema P. Arimont. Er argumentiert mit einer vermeintlichen Technologieoffenheit. Folgende Passage im Wortlaut aus dem BRF Artikel:
        /////
        „Aber man hätte auch dem Verbrenner noch in dem Sinne eine Zukunft lassen können. Aus zwei Gründen: Zum einen, weil man klimaneutrale synthetische Kraftstoffe im Ausland produzieren kann, dort, wo viel mehr Sonne und viel mehr Wind ist. Das heißt, vom Preis und von der Machbarkeit ist das möglich.
        ////
        „Synthetische Kraftstoffe“ oder anders ausgedrückt E-Fuels oder Power-to-X sind nichts anderes als Wasserstoff der aus Elektrolyse gewonnen wird. Der reine Irrsinn! Bei diesem Prozess gehen 2/3 des Stromes verloren (Wirkungsgrad 33%). Anders ausgedrückt, mit dem Strom für 1 Mio E-Autos kann man Wasserstoff erzeugen um 300.000 fahren zu lassen. Das ist weder vom Preis noch von der Machbarkeit her möglich bzw. sinnvoll. P. Arimont (stellvertretend für fast alle anderen Politiker) ist nicht technologieoffen sondern ahnungslos. Nur mit flüssigen Kohlenwasserstoffen (sprich Benzin oder Diesel) lässt sich die aktuelle Mobilität erhalten. Aber bis zu der Erkenntnis ist es noch ein weiter Weg zurück zur Vernunft….

  4. In Belgien fahren so etwa 5 Mio PKW. Ziel der Politik ist es bis, keine Ahnung wann genau, 2030 oder 2035, 1 Mio E-Fahrzeuge auf die Strasse zu bringen. Was keiner der Politiker sagt (ne pas dire la vérité est aussi un mensonge), es gibt dann auch nur noch die 1 Mio E-Autos, die anderen verschwinden. Einer von aktuell fünf wird dann nur noch Auto fahren – und es sind nicht die „Klimaretter“ die dann noch Auto fahren. Deren Schicksal beschreibt der Spruch „Der Moor hat seine Schuldigkeit getan, der Moor kann gehen.“ P. Arimont sagt es auch noch, und alle klatschen…. 🤦‍♂️

  5. Rom vor 2000 Jahren:
    /////
    Heerscharen von Fußgängern, dazwischen Esel- und Ochsenkarren, die besseren Herrschaften hoch zu Ross, dann auch noch Sänften und Tragestühle für Kaiser oder Senatoren – auf dem groben Pflaster der Millionenstadt war der Teufel los. „Vorn müssen wir uns den Weg durch die Massen bahnen, hinter uns schiebt und drückt der Mob“, klagte der Satiriker Juvenal im ersten Jahrhundert nach Christus. „An unseren Füßen klebt Unrat, auf unserem Zeh ruht der Nagelschuh eines Soldaten.“ Meint der deutsche Archäologe Klaus Freyberger vom römischen Institut heute: „Auf den Straßen muss es richtig zur Sache gegangen sein.“

    Um das urbane Chaos einzudämmen, erließen die Herrschenden die Verkehrsregeln Nummer eins: „striktes Verbot zur Beförderung von Personen in Wagen innerhalb der Stadt“, wie der Kölner Altertumsforscher Werner Eck berichtet. Ausnahmen waren rar, etwa für verheiratete Frauen (matronae), die in einem pilentum, einer Art Kutsche, zu Opfern und Spielen fahren durften. Ansonsten galt über Jahrhunderte: „Wagen waren ausschließlich für den Transport von Gütern erlaubt.“

    Als auch das nichts half, wurde unter Cäsar die Verkehrsregel Nummer zwei erlassen: Der Warentransport wurde in die Nachtstunden verwiesen, keine Kleinigkeit bei der Versorgung der Millionenstadt. Herbeigeschafft wurden die Güter auf dem Tiber, von dort ging es mit Getöse durch die engen Gassen. „Das Rumpeln der schweren Wagen raubt selbst einem tauben Mann den Schlaf“, ärgerte sich Juvenal.
    /////
    Paris im 18. Jahrhundert:
    /////
    La circulation parisienne au XVIIIe siècle était très dangereuse: on ne se souciait que de son propre passage.
    Au XVIIIe siècle, la ville est bondée, les rues sont étroites… mais les parisiens étaient déjà pressés.
    Les voitures à cheval
    Aussi, le passant devait sans cesse se méfier des voitures à cheval. En effet, les carrosses pouvant transporter médecin, maître d’arme voire un prince s’élançant en ville aussi vite qu’en rase campagne. Comme on peut l’imaginer les accidents arrivaient souvent.
    ////
    Das Problem gab zu allen Zeiten in allen Städten. Und die „Klimaretter“ werden das auch nicht wirklich ändern. Die E-Mobilität, eine Torheit mehr für die Geschichtsbücher…..

  6. Die Wahrheit

    Warten wir mal ab, wie sich alles entwickelt. Die E Autos brauchen Strom. Ohne Strom keine Autofahrt. Woher kommt der Strom? Ach ja aus der Steckdose.
    Wenn die Wirtschaft am Boden liegt, dann sind wir Bürger noch glücklich, wenn wir was zum Essen haben.
    Ein Verbrenner muss so lange gefahren werden, bis er Schrott ist,. Wenn das Fahrzeug nämlich vorzeitig verschrottet wird, dann gehen Unmengen von grauer Energie flöten und das dient dem Klima bestimmt nicht.

    • 13 Jahre sind bei der heutigen Forschung und Entwicklung eine kleine Ewigkeit.
      Warten wir ab, ob es bis dahin endlich vernünftige Batterien, und wer sie sich dann leisten kann.
      Ohnehin ist dem „Weltklima“ nicht geholfen, die hier abgestossenen Fahrzeuge leben in Afrika noch Jahrzehnte weiter.

  7. Wir werden von Dilettanten regiert.

    Die grüne Ideologie wirft uns um Jahrzehnte zurück! Europa wird zum Armenhaus und am Klimawandel ändert sich „NICHTS“.

    Dass ein „Verbrenner“ auch mit grünem Wasserstoff betrieben werden kann, scheinen diese „Experten“ zu ignorieren. Das wären dann, im Gegensatz zu den E–Fahrzeugen, wirkliche „Null–Emission“ Antriebe.

    Aber die grünen Philosophen und Kinderbuchautoren wissen das ja besser!

    • Walter Keutgen

      Wir werden von Dilettanten regiert., in einem Verbennermotor kann man nicht egal was verbrennen. Ein Wasserstoffverbrenner muss spezifisch für Wasserstoff entwickelt sein. Und die irrsinnigen Stickoxidnormen einhalten. Wenn schon Wasserstoff, dann Brennstoffzelle, die noch am Anfang ihrer Entwicklung steht. Aber am meisten Sorgen macht mir die Explosionsgefahr; Zeppelin und Weltraumraketen vergessen?

  8. Es wird Laufen wie mit vielem sonst, große Ankündigungen u das war’s dann. Ohnehin werden bis dahin die aktuellen Dilettanten bzw grün roten hoffentlich in der Versenkung verschwunden sein

  9. Nehmen wir mal spaßeshalber an, alle würden Elektroauto fahren, glaubt den wirklich jemand ein Land oder Staat würde auf hunderte von Milliarden an Mineralölsteuer verzichten.
    Niemals.
    Unser Leben würde dadurch auf eine andere Art und Weise unbezahlbar werden.

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern