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Vor 55 Jahren Englands einziger Titel: Erinnerungen an die WM 1966, Eusebio und das Wembley-Tor [VIDEO]

Uwe Seeler (links) vor seinem größten und wichtigsten Spiel, dem Finale der WM 1966 (hier mit Englands Kapitän Bobby Moore). Foto: -/dpa

55 Jahre ist es her, dass das Mutterland des Fußballs seinen bisher einzigen Titel holte. Am 30. Juli 1966 wurde England Weltmeister durch einen 4:2-Sieg gegen Deutschland und mithilfe eines Treffers, der zu 99,9 Prozent keiner war. 

1966 war Belgien gar nicht dabei. Die Roten Teufel hatten ein Entscheidungsspiel in Florenz gegen Bulgarien verloren und durften nur zuschauen. Die Fernsehbilder waren noch schwarz-weiß.

16 Nationen nahmen an der Endrunde 1966 teil. Star der WM sollte der Brasilianer Pelé werden. Es wurde aber Eusebio, der am Ende mit Portugal Dritter wurde.

Die 101. Minute, die Geschichte um das Wembley-Tor nimmt hier ihren Anfang: Der Engländer Geoff Hurst (links) schießt den Ball an die Torlatte, der Deutsche Willi Schulz (rechts) kann dies nicht verhindern. Hinten in der Mitte: Franz Beckenbauer. Foto: -/dpa

Nicht nur Portugal war bei dem Turnier in England eine große Überraschung. Nordkorea sorgte für eine Riesensensation, weil es in der Vorrunde Italien ausschaltete und im Viertelfinale gegen Portugal nach 24 Minuten 3:0 führte, ehe Eusebio fast im Alleingang das Spiel noch drehte. 3:5 unterlagen die Nordkoreaner den Portugiesen, die im Halbfinale an Gastgeber England scheiterten.

Bei der WM 1966 ging ein Stern auf: Franz Beckenbauer. Der erst 20-jährige deutsche Mittelfeldspieler war überragend.

Das Endspiel im Wembley-Stadion bleibt unvergessen. In der Ehrentribüne saß die damals 40-jährige Queen Elizabeth. Das Finale ging vor allem wegen des Treffers zum 3:2 durch den dreifachen Torschützen Geoff Hurst in die Fußballgeschichte ein.

In der 101. Minute überwand Hurst den deutschen Torwart Hans Tilkowski mit einem Schuss aus kurzer Distanz. Der Ball prallte von der Unterkante der Latte auf den Boden auf und wurde dann vom deutschen Verteidiger Wolfgang Weber übers Tor ins Toraus geköpft (siehe VIDEO unten).

30.07.1966, Großbritannien, London: Tor oder nicht Tor im Finale Deutschland gegen England bei der Fußball-WM 1966 am 30. Juli im Londoner Wembley-Stadion? Der vom englischen Stürmer Geoff Hurst (nicht im Bild) geschossene Ball knallt von der Latte auf den Boden. Der deutsche Torhüter Hans Tilkowski (vorn) schaut sich im Hechten um, Abwehrspieler Wolfgang Weber (l) und der jubelnde englische Stürmer Roger Hunt schauen zu. Foto: -/dpa

Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst entschied zunächst auf Torabstoß und erst nach Rücksprache mit dem sowjetischen Linienrichter Tofiq Bachramov auf Tor. Die Kommunikation erfolgte mittels Zeichensprache, da Bachramov nur Aserbaidschanisch und Russisch sprach und die beiden Schiedsrichter so keine gemeinsame Sprache zur Verständigung hatten.

Eine Aufbereitung eines 35-mm-Films, der während des Spiels 1966 aufgenommen wurde, zeigte zweifelsfrei, dass der Ball weder während des Auftreffens an die Latte noch während seiner Flugphase vollständig die Torlinie überschritten hatte. Die Kamera, die diese Bilder aufgenommen hatte, befand sich fast auf Höhe der Torauslinie, so dass zu erkennen ist, dass der Ball den kürzesten Weg zwischen Torlatte und Linie genommen hatte und auf dieser aufsprang. Diese Erkenntnisse wurden im Mai 2006 veröffentlicht.

Linienrichter Bachramov, der vom Schiedsrichter Dienst befragt worden war und auf Tor entschieden hatte, schilderte in einem von ihm 1971 veröffentlichten Buch, er habe die Situation so gesehen, dass der Schuss von Hurst nicht von der Unterkante der Latte, sondern vom Netz zurückgekommen sei, wodurch sich eindeutig ergab, dass es sich um ein Tor handelte. Ob der Ball dann den Boden vor oder hinter der Linie berührt habe, sei ohne Bedeutung gewesen. Dies habe er auch nicht gesehen.

Das Wembley-Tor hatte eine vorentscheidende Wirkung auf den Ausgang dieses Endspiels, denn Deutschland musste danach volles Risiko eingehen, was die Engländer nutzten, um den 4:2-Endstand zu erzielen.

30.07.1966, Großbritannien, London: Jack Charlton (r) aus England hält die Jules-Rimet-Trophäe hoch, nachdem England das Finale der Fußball-WM gegen Deutschland gewonnen hat. Foto: -/PA Wire/dpa

Als bemerkenswert wurde damals hervorgehoben, mit welch großem Fair-Play diese umstrittene Entscheidung von der deutschen Mannschaft hingenommen wurde.

„Damals wurden wir vor Länderspielen im Ausland immer auch vorbereitet, dass wir uns als Deutsche anständig zu betragen und ordentlich zu benehmen haben“, sagte 50 Jahre später der Kapitän der DFB-Auswahl, Uwe Seeler: „So haben wir es auch da gehalten und nicht viel Theater gemacht. Nach dem Spiel haben wir dann gemerkt, dass unser Verhalten bombig angekommen ist, denn wir sind selbst von den englischen Fans gefeiert worden.“

Heute wäre der Treffer von Hurst 1966 wohl nicht anerkannt worden, denn inzwischen gibt es die Torlinientechnik.

Das Wembley-Tor wurde übrigens jahrelang im alten Wembley-Stadion für alle Besucher des Londoner Fußball-Tempels nachgestellt. Die Szene zeigte Deutschlands Nationaltorhüter Tilkowski, der beim Schuss von Hurst schon geschlagen war, während in seinem Rücken der Ball von der Unterkante der Torlatte auf den Boden sprang. Tor oder nicht Tor? Ganz genau wird man es nie wissen. (cre)

Nachfolgendes VIDEO zeigt das „Wembley-Tor“ mit dem Kommentar des deutschen Reporters Rudi Michel:

http://www.youtube.com/watch?v=XtiWJe54PPU

9 Antworten auf “Vor 55 Jahren Englands einziger Titel: Erinnerungen an die WM 1966, Eusebio und das Wembley-Tor [VIDEO]”

  1. Ein Wembley-Tor wird es am Sonntag nicht geben wegen der Torlinientechnik, die eindeutig ist. Das besagt aber nicht, dass England nicht anderswie bevorteilt wird, was ja schon deshalb der Fall ist, weil es sechs seiner sieben Spiele im Wembleystadion bestreiten durfte. Der Elfmeter gegen Dänemark lässt erahnen, dass die UEFA unbedingt will, dass England Europameister wird.

    • Boah nee...

      @Boff:
      Bisher hatte noch immer irgendeine Mannschaft ihren Heimvorteil. Nächste EM wird es Deutschland sein. Wo ist das Problem?
      Das England gegen Dänemark zum Schluss hin die klar bessere Mannschaft war, müsste jeder gesehen haben. Drücke Italien trotzdem die Daumen!

  2. Peter Müller

    Das kommt davon wenn man nur noch Augen für das Geld hat. Die E.M musste stattfinden wegen den Verträgen mit den Sponsoren. Wir, die nur schöne Spiele und Spass haben wollen, spielen da keine Rolle.
    Die E.M. ist ein reiner Wettbewerbsbetrug.

  3. Die Geschichte von dem Tor, daß zu 99.9 % keines war, ist bezeichnend für den Fussball. Es gibt eine Regelung die besagt, daß der Schiri entscheidet. Wer das nicht akzeptiert sollte keinen Fussball spielen oder konsumieren.

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