Allgemein

Blamage für Europa: Das Ende der Zeitumstellung wohl noch nicht im Jahr 2019, wahrscheinlich erst 2021

21.02.2018, Brüssel: Jean-Claude Juncker, Kommissionspräsident der EU, schaut am Ende einer Pressekonferenz auf seine Uhr. Foto: Virginia Mayo/AP/dpa

AKTUALISIERT – Immer Sommerzeit oder Winterzeit? Das Hin und Her ist in der Öffentlichkeit ein heißes Thema. Die Abschaffung der Zeitumstellung macht weit mehr Probleme als gedacht.

Das Ende der Zeitumstellung im Frühjahr und Herbst kommt wohl noch nicht 2019 – eine Blamage für Europa, die EU-Kommission und deren Präsidenten Jean-Claude Juncker, der etwas vollmundig verkündet hatte, dass die Zeitumstellung schon im kommenden Jahr abgeschafft werde.

Die EU-Staaten wollten mehr Vorlaufzeit, bestätigten EU-Diplomaten in Brüssel. Deshalb würden die zuständigen Minister kommenden Montag noch keine Entscheidung treffen. Als Kompromiss liege ein Vorschlag des österreichischen Ratsvorsitzes auf dem Tisch, den Dreh an der Uhr 2021 abzuschaffen.

24.03.2017, Großbritannien, Edinburgh: Ein Gallery-Mitarbeiter wechselt in der Ausstellung „Between Poles and Tides“ in der Talbot Rice Gallery eine von insgesamt neun Uhren aus, die die Zeit auf allen Planeten in unserem Sonnensystem anzeigen sollen. Foto: Jane Barlow/PA Wire/dpa

Schon Ende Oktober hatte Österreichs Verkehrsminister Norbert Hofer erklärt, der Großteil der EU-Länder habe beim Zeitplan für die Abschaffung Bedenken. Für eine Änderung ab 2021 gebe es hingegen breitere Zustimmung.

Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, schon von kommendem Jahr an nicht mehr an der Uhr zu drehen. Die Staaten sollen stattdessen wählen können, ob sie künftig immer Winter- oder Sommerzeit haben wollen.

Diplomaten erläuterten jetzt, die Abschaffung des Hin und Her ließe sich zwar schnell entscheiden. Die Wahl der künftigen Zeit und die Koordinierung zwischen den Mitgliedsstaaten seien hingegen kompliziert.

Kritik im Netz: „Nicht einmal das kriegt die EU hin“

Welche Zeit künftig ganzjährig gelten soll, liegt im Ermessen des jeweiligen EU-Staats. Legte sich aber jedes Land tatsächlich ohne Rücksicht auf die EU-Nachbarn fest, könnte ein Flickenteppich mit viel mehr Zeitzonen als heute entstehen. Möglicherweise lasse sich die heutige große mitteleuropäische Zeitzone von Polen bis Spanien nur erhalten, wenn man die Zeitumstellung beibehalte, hieß es. Einige EU-Staaten hätten grundsätzliche Bedenken.

23.03.2018, Dresden: Uhrentechniker Tobias Vogler kontrolliert die Mechanik der Zeiger der Kirchturmuhr der Dresdner Lukaskirche. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Die EU-Kommission hatte die Abschaffung der seit Jahrzehnten umstrittenen Zeitumstellung vorgeschlagen, nachdem sich in einer Online-Befragung mehr als 80 Prozent der Teilnehmer dafür ausgesprochen hatten. Von 4,6 Millionen Antworten kamen etwa 3 Millionen aus Deutschland.

EU-Staaten und Europaparlament müssten mehrheitlich zustimmen, damit die Vorschläge der EU-Kommission umgesetzt werden könnten. Im EU-Parlament sehen die Befürworter der Abschaffung eine Mehrheit für ihre Position.

Die Sommerzeit gibt es in Belgien seit 1977, in Deutschland seit 1980.

Die Ankündigung, dass die Zeitumstellung möglicherweise erst 2021 abgeschafft werde, wenn überhaupt, stieß im Internet auf scharfe Kritik. „Warum haben die überhaupt eine Umfrage gemacht? EU entscheidet, nicht der Bürger“, schrieb jemand. Ein anderer User meinte: „Noch nicht mal das bekommt man in der EU hin.“ Auch war zu lesen: „Wäre ja auch ein Wunder, wenn es mal nicht jahrelang gedauert hätte, um etwas zu entscheiden.“ (dpa/focus.de/cre)

13 Antworten auf “Blamage für Europa: Das Ende der Zeitumstellung wohl noch nicht im Jahr 2019, wahrscheinlich erst 2021”

  1. Pensionierter Bauer

    Dann hoffen wir mal, dass die Damen und Herren in der EU Kommission es sich noch einmal bis 2021 gut überlegen ob sie uns wirklich die schönen Terassenabende vermiesen wollen.
    Heute hat die EU Kommission beschlossen, dass Europa bis 2050 „Klimaneutral“ werden soll. Auch wenn die Zeitumstellung nur etwa 1,5% Energieeinsparung erbracht hat, so trägt diese doch auch zur Einsparung bei. Wenn wir wieder eine Einheitszeit bekommen, dann sind diese 1,5% schonmal wieder verloren. Hieran erkennt man ganz deutlich, dass das zusammenhängendes Denken nicht die Stärke unserer EUrokraten ist

  2. Wer um Himmels Willen kann von Blamage schreiben ?
    Wie kann man auch nur annehmen, daß man mit einer Vorlaufzeit von nur einigen Monaten solch eine wichtige Kleinigkeit abändern kann.
    Bei der gesamten Natur, allen Tieren und auch den Menschen muss ja erst mal der Reset/Knopf gedrückt werden.
    Und was die 1,5% betrifft, ich glaube Nichts mehr, was man mir an Zahlen vorgibt.
    Es sei denn, ich hab die Zahlen selber erfunden.

    • Proseccoauf

      Jawoll!! Führen Sie uns Prosecco!!! Sie haben recht, wir schweigen…
      Ne mal im Ernst die Farce ist doch, dass hier von „Bürgerwillen“ gefaselt wird, weil weniger als 1 Prozent der EU-Bürger in einem e-Voting mehrheitlich für irgendwas gestimmt haben.

      • Die vermeintlich weniger als 1 % der EU- Bürger haben für genau das gestimmt, was „ProSecCo“ hier fordert. Winterzeit oder auch Normalzeit für immer. Warum beschweren Sie sich über vermeintlich nicht vorhandenen Bürgerwillen?

        • 4,6 Millionen waren zum Zeitpunkt der Abstimmung weniger als 1% der EU-Bevölkerung.
          Die Briten waren damals und sind auch noch heute dabei.
          Wenn Ihnen Wahlberechtigte lieber ist, sind es weniger als 2%. Ob die 4,6 Millionen alle wahlberechtigt waren, bleibt dahingestellt.
          Um die 3.1 der 4.6 Millionen kamen aus einem EU-Staat.

          84% der Teilnehmenden stimmten für die Abschaffung des Hin und Hers. Aha.
          Und nun die Überraschung (für Sie): die Mehrheit stimmt in der Subsidiärfrage für die dauerhafte Beibehaltung der Sommerzeit.

          Soweit zu Ihrer Wahrnehmung des Bürgerwillens.

          • Es ist mir völlig egal, ob es einen Zeitzonenflickenteppich gibt oder nicht! Hauptsache ich muss nich zweimal im Jahr tagelang mit extremer Müdigkeit kämpfen! Das ist eine vorsätzliche Körperverletzung, die absolut nichts bringt! Dafür müsste man ein Schmerzensgeld bekommen! Das mit der Sommerzeit ist für mich keine Überraschung. Auch wenn es ziemlich blöd wäre, wenn es im Winter erst um halb Zehn hell würde, wäre es immer noch besser als diese verdammte Umstellerei!

    • Natur ist Kirchturmzeit. Zwischen Vigo (Galizien, ES) und Bialystok (PL) ist da ein natürlich Unterschied.

      Ich schlage vor, dass ich weiterhin die Punkte setze (mach ich gerne) und Sie in der Zwischenzeit die Kirchturmuhren koordinieren.

  3. Meine Fresse, geht mir das auf den S…! Endlich sollte diese schon seit fast 40 Jahren andauernde gefährliche Körperverletzung, die man zweimal im Jahr gegen seinen Willen ertragen muss, abgeschafft werden. Und was passiert? Irgendwelche Vollidioten treten schon wieder auf die Bremse! Man sollte die Namen der Bremser veröffentlichen, damit man wenigstens weiß, wen man garantiert nie wieder wählt!

    • Die „Vollidioten“ sind nun mal die Regierungen einiger Mitgliedsstaaten; diese haben nun mal in der Frage das letzte Wort. Die Leute haben nun mal Bedenken, dass eine Umstellung in so einem kurzen Zeitraum (Ende Oktober 2019) zu einigen logistischen Herausforderungen führt. Darüber hinaus tun sich diese Leute sich schwer, einen Flickenteppich an Zeitzonen zu fürdern.

      Eigentlich lobenswert zu überlegen bevor man handelt.

      Wenn Sie solch noble Charakterzüge für sich in Anspruch nehmen würden, könnte auch Ihre Schlussvolgerung sein, das es Ihnen gut zu Gesichte stehen würde, besagte F….. nicht gleich aufzureißen und diese statt zur Geräuschproduktion wieder bevorzugt zur Nahrungsaufnahme und dem Beginn des Verdauungsprozesses einzusetzen.

  4. Zaungast

    Es wäre für die Diskussion hier sicher hilfreich, mal den folgenden Text durchzulesen:
    https://ec.europa.eu/info/consultations/2018-summertime-arrangements_de#contributions
    (Auf das Stichwort „Zusätzliche Informationen“ klicken)

    Dann könnte man erfahren, dass weder Herr Juncker als Präsident der Kommission quasi als Diktator, noch die Europäische Kommission aus eigener Initiative tätig geworden sind. Sie kamen vielmehr einer Aufforderung des Europäischen Parlamentes nach, das bekanntlich demokratisch von allen EU-Bürgern gewählt wurde.:
    http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P8-TA-2018-0043+0+DOC+XML+V0//DE

    Zusätzlich hat die Kommission aber eine Online-Umfrage durchgeführt. Dafür, dass die Beteiligung äußerst niedrig war (nur rund 4,5 Millionen, davon allein 3 Millionen Deutsche) kann sie nichts.
    Außer in Deutschland, Österreich und Luxemburg lag die Beteiligung unter 1 %.
    Kein gutes Omen für eine oft geforderte direkte Demokratie, auch wenn man den letzten Abschnitt des obigen Artikels liest……

    „Die Europäische Kommission hat heute (Freitag) [31/08]/2018] die vorläufigen Ergebnisse einer öffentlichen Konsultation zur Zeitumstellung in Europa veröffentlicht. Vom 4. Juli bis 16. August 2018 gingen 4,6 Millionen Rückmeldungen aus allen 28 Mitgliedstaaten ein. Die meisten Teilnehmer wollen die Sommerzeit auch im Winter, sagte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Freitag im ZDF. Er kündigte an, dass die Kommission vorschlagen wird, die halbjährliche Zeitumstellung im März und Oktober abzuschaffen. Dann sind die Mitgliedstaaten und das EU-Parlament am Zug.“
    https://ec.europa.eu/germany/news/20180831-konsultation-sommerzeit_de

    Da die Mitgliedsstaaten sich aber nicht einigen konnten, war es unumgänglich, die endgültige Entscheidung aufzuschieben.
    Es ist also keineswegs eine „Blamage“ für Juncker und die Kommission, sondern eher für die Mitgliedsstaaten, die selbt bei solch einer vermeintlich „einfachen“ Sache keinen gemeinsamen Nenner finden konnten. Aber wie gewöhnlich, steckte der Teufel wohl auch hier im Detail.

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern