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Eine Büste für Ex-Premierministerin Sophie Wilmès

Die ehemalige Premierministerin neben ihrer Büste. Mit der Skulptur von Sophie Wilmès wurde die Reihe der belgischen Premierminister erstmals um eine Frau ergänzt. Foto: Belga

In der Abgeordnetenkammer in Brüssel ist gemäß einer langjährigen parlamentarischen Tradition die Büste der ehemaligen Premierministerin Sophie Wilmès (MR) enthüllt worden.

Die Zeremonie fand in Anwesenheit der Liberalen selbst statt, die heute nach wie vor zu den populärsten Politikerinnen des Landes gehört.

Seit dem 19. Jahrhundert werden in der belgischen Abgeordnetenkammer Büsten aller ehemaligen föderalen Regierungschefs aufgestellt. Mit der Skulptur von Sophie Wilmès wurde diese Reihe erstmals um eine Frau ergänzt.

13.05.2020, Belgien, Brüssel: Sophie Wilmès (3.v.r), damals Premierministerin, spricht nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats (NSR) zu aktuellen Maßnahmen bezüglich der Corona-Pandemie. Foto: Pool Eric Lalmand/BELGA/dpa

Wilmès, die Belgien von Oktober 2019 bis Oktober 2020 durch die politisch und gesundheitlich außergewöhnliche Phase der Covid-Krise führte, zeigte sich bei der Enthüllung sichtlich bewegt, betonte jedoch, dass die Ehrung über ihre Person hinausweise. „Es ist eine immense Ehre, aber über meine Person hinaus symbolisiert diese Büste vor allem ein Amt und das Engagement, das dieses Amt im Dienst unseres Landes und unserer Mitbürger verlangt.“

Zugleich verwies sie auf die Bedeutung der Sichtbarkeit von Frauen in der politischen Geschichte. Die Aufstellung ihrer Büste solle nicht als Ausnahme verstanden werden, sondern als Anfang. „Ob es nun um mich oder um eine andere geht – es war Zeit, dass eine Frau unter den Büsten der belgischen Premierminister Platz nimmt. Ich hoffe aufrichtig, dort nicht lange allein zu bleiben,“ sagte Wilmès während der Zeremonie.

„Sie haben in doppelter Hinsicht Geschichte geschrieben“, betonte seinerseits der Präsident der Kammer, Peter De Roover, während der Einweihungsfeier. Nicht nur als erste – und bis heute einzige – Frau an der Spitze der belgischen Föderalregierung, sondern auch, weil die frankophone Liberale die Zügel des Landes in einer Zeit einer beispiellosen Gesundheitskrise übernommen hat, als Covid-19 die Welt heimgesucht habe.

24.03.2022, Belgien, Brüssel: Sophie Wilmès (l-r), damals Außenministerin von Belgien, Ludivine Dedonder, Verteidigungsministerin, und Alexander De Croo, Premierminister, sprechen vor einem Treffen am Runden Tisch während des Nato-Sondergipfels im Nato-Hauptquartier. Foto: Benoit Doppagne/BELGA/dpa

Die Skulptur wurde von der Künstlerin Li Rong Luo geschaffen, die nach eigenen Angaben mit künstlerischer Freiheit arbeiten konnte, um nicht nur die äußeren Züge, sondern auch den Charakter und die Haltung der ehemaligen Premierministerin einzufangen.

Nach dem Ende ihrer Amtszeit als Premierministerin übernahm Sophie Wilmès im Oktober 2020 das Amt der Vizepremierministerin und Außenministerin Belgiens. In dieser Funktion war sie unter anderem für die europäische und multilaterale Diplomatie zuständig und vertrat Belgien in einer Phase, die stark von den Folgen der COVID-19-Pandemie und internationalen Krisen geprägt war. Aufgrund einer schweren Erkrankung ihres Ehemanns legte sie dieses Amt 2022 nieder und zog sich vorübergehend aus dem politischen Tagesgeschäft zurück.

Heute ist Sophie Wilmès Mitglied des Europäischen Parlaments, dem sie seit 2024 angehört. Innerhalb der frankophonen Liberalen (MR) positioniert sich die 51-Jährige zunehmend als inhaltliches und stilistisches Gegengewicht zum umtriebigen Parteipräsidenten Georges-Louis Bouchez. Während Bouchez einen konfrontativen, stark polarisierten Kurs verfolgt, steht Wilmès für einen moderateren, institutionell geprägten Liberalismus, der stärker auf Konsens, europäische Einbindung und politische Verantwortung setzt. (cre)

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