Gesellschaft

„Demokratie unter Druck“: Eupener Historiker David Engels diskutierte in prominenter Runde [VIDEO]

Die Diskussion von „Cicero“ in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin (v.l.n.r.): Alexander Marguier, Joschka Fischer, Prof. Dr. Ulrike Guérot, David Engels und Christoph Schwennicke. Foto: Screenshot Youtube

Ist die Demokratie in der EU in Gefahr und der Populismus auf dem Vormarsch? Darüber sprachen die Alexander Marguier und Christoph Schwennicke von „Cicero“ mit dem Eupener Historiker David Engels, der Demokratie-Forscherin Prof. Dr. Ulrike Guérot und dem ehemaligen deutschen Grünenchef und Außenminister Joschka Fischer.

Die knapp eineinhalbstündige Diskussion fand am Mittwoch in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin statt. Sie können Sie sich am Ende dieses Artikels anschauen (Diskussion beginnt in dem Video nach gut 10 Minuten!!!).

Viktor Orban oder Jaroslaw Kaczynski gelten als Beispiele, um die Rückkehr autoritären Regierens zu beglaubigen. Verstärkt wird diese düstere Diagnose durch gleichzeitige Wahlerfolge der Rechtspopulisten in Westeuropa, namentlich in Österreich, Italien, Frankreich, den Niederlanden und auch Deutschland.

Europa in tiefer Identitätskrise

Für den Historiker David Engels steht fest: Europa befindet sich in einer tiefen Identitätskrise, und diese Krise wird den Kontinent unwiderruflich in den Abgrund führen wie einst die späte römische Republik.

David Engels

Mit seiner kühnen These hat sich Engels international viel Gehör verschafft. Sein Buch „Auf dem Weg ins Imperium – Die Krise der Europäischen Union und der Untergang der Römischen Republik. Historische Parallelen“ ist bereits von vielen renommierten Zeitungen und Fachmagazinen besprochen worden.

Waren Demokratien in der Geschichte der Zivilisation immer nur sehr kurze glückliche Episoden? Steht der Niedergang der Demokratie in der EU tatsächlich wieder bevor? Wie könnte eine wehrhafte Demokratie aussehen?

Für Engels steht fest: Die europäische Demokratie steht unwiderruflich am Abgrund. Er vergleicht die Lage der Europäischen Union mit der Situation der dem Untergang geweihten späten Römischen Republik und entdeckt dabei verblüffende Gemeinsamkeiten.

Immigrationsproblematik und Bevölkerungsrückgang, Materialismus und Globalisierung, Werteverlust und Fundamentalismus, Technokratie und Politikverdrossenheit, der Verlust von Freiheit und Demokratie brachten bereits vor 2000 Jahren die Römische Republik ins Wanken. (cre)

Unter nachfolgendem Video können Sie sich die knapp eineinhalbstündige Diskussion zum Thema „Demokratie unter Druck“ anschauen (Diskussion beginnt nach gut 10 Minuten!!!):

17 Antworten auf “„Demokratie unter Druck“: Eupener Historiker David Engels diskutierte in prominenter Runde [VIDEO]”

  1. MARCEL SCHOLZEN

    Gut möglich, dass in Zukunft eine Diktatur droht. Durchaus Realistisch. Dies wenn es den demokratischen Institutionen nicht gelingt, die dringendsten Probleme zu lösen. Da wären z.B. der immer grösser werdende Unterschied zwischen Arm und Reich; die gleichen Chancen und Möglichkeiten in Politik, Beruf und Freizeit für alle; ausreichende Befriedigung der Grundbedürfnisse wie Wohnen, Sicherheit, Gesundheit, Arbeit, Einkommen,…; soziale Sicherheit; Glaubwürdigkeit der demokratischen Institutionen; usw

    Der Übergang zur Diktatur könnte dann so zum Beispiel abgehen, fiktives Beispiel Italien. Es gelingt der aktuellen Regierung nicht die Probleme in den Griff zu bekommen. Dann hätten sowohl die Linken als auch die Rechten Populisten jede Glaubwürdigkeit verspielt. Die politische Lage wäre instabil und würde den Weg ebnen für einen Alleinherrscher wie Putin oder Mao Zedong. Ich halte das für eine realistisches Szenario. In Frankreich auch durchaus möglich, wenn es Macron nicht gelingt die Problem auch nur ansatzweise zu lösen. LePen und Konsorten sitzen in den Startlöchern und warten auf ihre Gelegenheit.

    • Werter Herr Scholzen,

      natürlich besteht die Möglichkeit das Ihre düstere Zukunftsprognose eintrifft. Ich setze aber auf Jugendbewegungen. Es formiert sich in ganz Europa Widerstand. Organisationen, ich vermeide bewusst den Begriff Parteien, wie „Pulse of Europe“, „Volt“ oder „#wir sind mehr“ finden unter jungen Menschen immer mehr Zuspruch. Ich hoffe sie helfen uns die Fehler unserer Väter zu vermeiden.

      • Marcel Scholzen Eimerscheid

        Was stattfindet, ist eine Spaltung der Gesellschaft in Extrem Links und Extrem Rechts. Und die politische Mitte und damit Vernunft und Kompromisfaehigkeit verschwinden.

        • Werter Herr Scholzen,

          Dieser Eindruck entsteht weil die Extremen schrill und laut sind. Gelegentlich meldet sich auch „die Mitte“ zu Wort. Allerdings könnte das tatsächlich gerne mal lauter sein damit man sie wahrnimmt.

  2. Sehr viele Besserwisser und Alleinunterhalter

    Wenn man sich das „bunte Treiben“ so etwas aus der Distanz ansieht, ist zum sich Tot lachen! Was die „Eliten“, wie hier im Forum, so alles meinen zu wissen, die meinen besser zu machen usw..! Ist schon bizarr und invers! Und dabei sich dann diese „Alternativen Parteien“, welche da wie Pilze aus dem Boden erstehen, ansieht! Ja dann fragt man sich was die mit „Alternativ“ meinen!? Nur etwas mehr maulen, vor allem Panik säen, die Leute verdummen, der grosse Manitou ist ja dabei der Trump, aber Lösungen das kennen die nicht! Sie werden schnell wieder von der Bühne verschwunden sein!?

  3. Keine Panik, wir haben doch einige Fortschritte gemacht. Z.B. ist der Unterschied zwischen Arm und Reich nicht mehr so krass wie früher. Meine Mutter (Jahrgang 1930) ist als junges Mädchen 5 Jahre in Stellung gewesen bei einer normalen, aber recht gut situierten Familie. 7-Tage-Woche, 14-Stunden-Tage, und das für einen Hungerlohn. Heutzutage haben die jungen Leute in diesem Alter viel Bildung (wenn sie denn wollen), viel Spass am Leben und schon viel von der Welt gesehen.

    Vielleicht ist das das Problem. Die Menschen wollen immer mehr. Mit dem, was sie haben, sind sie immer unzufriedener. Viele glauben, anderswo sei das Gras grüner. Ist es aber nicht und wird es auch nie sein.

  4. Zaungast

    Ich weiß nicht, woran es liegt, aber der oben angegebene Link funktioniert bei mir nicht so richtig.
    Sollte es bei anderen auch so sein, dann gebe ich den Tipp, es auf Youtube zu versuchen:
    https://www.youtube.com/watch?time_continue=27&v=GREJPK5Ch8Q
    Die 20 ersten Minuten kann man sich schenken. Nur Einleitungsblabla.
    Auch die „Frageviertelstunde“ am Ende bringt nichts mehr.

    Die Position von Prof. Dr. Engels kann man wie folgt zusammenfassen:

    – Die Geschichte wiederholt sich, gleiche Ursachen, gleiche Folgen. „Eine steile These“, wie in der Diskussion angemerkt wird.

    – Man braucht also nur in der Vergangenheit nach gesellschaftlichen Phänomenen zu suchen, die in etwa den heutigen entsprechen, und zu sehen, wie die Geschichte damals weiterging, um für die heutige Zeit voraussagen zu können, was in naher Zukunft passieren wird.

    – Als Althistoriker sucht er Parallelen in seinem Fachgebiet und zwar der Zeit des Endes der römischen Republik, einem Jahrhundert sozialer und politischen Unruhen – bekannt als „Römische Bürgerkriege“ (130 – 30 v.C.). Julius Cäsar war ein uns heute noch allgemein bekannter Akteur damals.
    In seinem Buch „Auf dem Weg ins Imperium“ beschreibt er zahlreiche Analogien zu dieser Zeit, verschweigt aber, dass es auch gravierende Unterschiede gibt.

    – Nach diesen Bürgerkriegen, die allerdings vorwiegend von Heerführern mit ihrem jeweiligen zivilen und vor allem militärischen Anhang geführt wurden, kam mit Augustus ein Mann an die Macht, der das Reich im Inneren befriedete. Nach außen ging die Expansion ungehindert weiter.

    – Wir befinden uns laut Engels heute in einer Zeit der Bürgerkriege, allerdings bleibt unklar, was er genau damit meint. In der Diskussion spricht er von „Unruhen in den französischen Banlieues“. Ein anderer Teilnehmer meinte, die beiden Weltkriege seinen auch schon im Grunde „europäische Bürgerkriege“ gewesen.

    – Folgerichtig – und sozusagen den ehernen Gesetzen der Geschichte folgend – wird „Europa“ (die „EU‘?) danach und in nicht allzu ferner Zukunft vom einem neuen Augustus autoritär regiert werden.
    Wo Engels allerdings auch nur einen Beleg dafür sieht, die (noch) 28 Staaten der EU könnten allesamt zugunsten eines europäischen „Führers“ abdanken, weiß wohl nur er selbst. Eher wäre wahrscheinlich, dass ein Zerfall der EU die Rückkehr in nationalistische Konflikte bedeuten würde, jeder gegen jeden, wie sie sich schon in der angesprochenen Frage der österreichischen Pässe für „deutschsprachige“ (!) Südtiroler andeutet. Minoritäten und also Konfliktstoff gäbe es in Europa zuhauf.

    Nützliche Lektüre: – GE vom 5. März 2013 S. 4
    Und auch https://www.huffingtonpost.de/2017/02/01/david-engels-buergerkrieg_n_14546506.html

    • Danke für den Link, @Zaungast
      Habe versucht der Diskussion zu folgen, musste dann aber abbrechen da der Herr Fischer, sowieso schon nicht mein Fall, dermaßen rumknarzt dass man Ohrenkrebs bekommt. Obendrein nervt sein ganzes rechthaberische Gehabe. Ein Ekelpaket.

      • Ekel Alfred

        @ Daniela, der Fischer….ist das der Mann, der auch mal mit Steinen geworfen hat….und der immer auf Pater-Noster Sandalen herumlief….und nur das Fahrrad als Fortbewegungsmittel benutzte….und der doch für ein Rollensystem innerhalb der Partei eintrat….was daraus entstanden ist….Vera.schung von A-Z….dafür stehen die Grünen….

  5. Zaungast

    @Daniela
    Nichts zu danken. Schade, dass Sie sich so schnell entmutigen ließen. J. Fischer hat die Diskussion ja nicht im Alleingang beherrscht, und nach ihm gab es einige interessante Interventionen. Allerdings war Fischer der Einzige, der Realitätssinn erkennen ließ. Die Professorin – der Name ist mir leider entfallen- kannte nur ein Thema: „One man, one vote.“ Und Herr Engels fand leider keinen richtigen Kontrahenten.

    @Ekel Alfred
    Ihr Beitrag ist wie immer sehr bereichernd.
    Was die Grünen anbelangt, so lesen Sie mal, wie Herr Merz sich gerade über sie geäußert hat:
    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-11/kandidat-cdu-vorsitz-friedrich-merz-gruene-partner
    Bekommt Deutschland also demnächst eine Koalition zwischen CDU/CSU und den Grünen?

    • Bekommt Deutschland also demnächst eine Koalition zwischen CDU/CSU und den Grünen?

      @ Zaungast

      Wenn Herrn Merz nichts anderes übrig bleibt schluckt der auch ne dicke grüne Kröte. Herr Bouffier in Hessen hat es vorgemacht und das es auch umgekehrt geht zeigt Herr Kretschmann in Stuttgart. Da ist die CDU nämlich der Juniorpartner in der Koalition.

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