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Das andere Duell: Grüne zum ersten Mal mit einem eigenen Kanzlerkandidaten – Baerbock oder Habeck?

Am 19. April wollen die Grünen verkünden, ob Robert Habeck (r) oder seine Parteichef-Kollegin Annalena Baerbock (l) die Union herausfordert. Foto: Hendrik Schmidt/zb/dpa

Noch ist nicht entschieden, wen von Armin Laschet und Markus Söder CDU und CSU zu ihrem Kanzlerkandidaten bei der Bundestagswahl im September küren. Es gibt aber noch ein anderes Duell, denn auch die deutschen Grünen entscheiden über ihre Kanzlerkandidatur.

Im Umfragen steht Bündnis 90/Die Grünen recht gut da. Wer die Partei als Spitzenkandidat oder Spitzenkandidatin in die Bundestagswahl führen soll, soll am Montag bekanntgegeben werden.

Seit Robert Habeck und Annalena Baerbock 2018 die Parteiführung übernommen haben, geht es mit den Grünen bergauf. Im Bundestag die kleinste Fraktion, liegen sie inzwischen mit über 20 Prozent in den nationalen Umfragen solide auf Platz zwei. Den Abstand zu den schwächelnden Christdemokraten von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) haben sie deutlich verkürzt. Nun wollen sie Kurs aufs Kanzleramt nehmen.

13.01.2020, Berlin: Annalena Baerbock und Robert Habeck, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, schneiden anlässlich des 40. Geburtstags der Grünen eine Torte an. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Erstmals in ihrer mehr als 40-jährigen Parteigeschichte wollen die Grünen zur Bundestagswahl am 26. September einen Kanzlerkandidaten oder eine Kanzlerkandidatin aufstellen. Wer es werden soll, ob Spitzenmann Habeck (51) oder Spitzenfrau Baerbock (40), wollen sie am kommenden Montag bekannt geben.

Und sie geben sich siegesbewusst. Man kämpfe um die Führung der nächsten Bundesregierung, heißt es in einem Schreiben von Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner aus der vorigen Woche.

Im Herbst geht es in Deutschland um die Nachfolge Merkels, die nach vier Amtszeiten nicht mehr bei der Bundestagswahl antritt. Doch während in der Christdemokratie ein Machtkampf zwischen CDU-Chef Armin Laschet und dem Chef der bayerischen Schwesterpartei CSU, Markus Söder, um die gemeinsame CDU/CSU-Spitzenkandidatur tobt, lösen die Grünen die „K-Frage“ nach Fahrplan. Konkurrenz zu Habeck und Baerbock regt sich keine, und in ihren drei Jahren als Parteichefs hat das telegene Paar nach außen größtmögliche Harmonie ausgestrahlt.

Regierungserfahrung kann nur Habeck vorweisen. Er war in Schleswig-Holstein, wo er herstammt, sechs Jahre Umweltminister. Der studierte Philosoph und Germanist hat auch als Schriftsteller reüssiert und gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Paluch Romane und Jugendbücher verfasst. Er schreibt auch politische Bücher, wie das jetzt erschienene „Von hier an anders. Eine politische Skizze“.

09.07.2020, Hamburg: Robert Habeck (r), Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen, und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen, bei der Besichtigung des Energiebunkers in Hamburg-Wilhelmsburg. Foto: Christian Charisius/dpa

Mit den sozialen Medien hatte der Mann aus dem Norden keine so glückliche Hand. Nach einem missglückten Tweet, der ihm Spott und Kritik bescherte, zog er sich 2019 aus Twitter und Facebook zurück.

Baerbock stammt aus Niedersachsen. Sie wuchs in einem Dorf südlich von Hannover in einer Art „Hippiehaushalt“ auf und wurde schon als Kind oft zu Anti-Atomkraft- oder Friedensdemonstrationen mitgenommen. Ihr Geburtsjahr 1980 ist das Gründungsjahr der deutschen Grünen. Sie studierte Politik- und Rechtswissenschaften in Hamburg und in London.

Im ostdeutschen Bundesland Brandenburg engagierte sie sich später gegen den Braunkohletagebau, und dort wurde sie 2013 auch in den Bundestag gewählt. Die Mutter von zwei Töchtern lebt mit ihrer Familie in Potsdam, zu ihren Hobbys zählt das Trampolinspringen.

Sollten die Grünen künftig Deutschland regieren, dann wollen sie als erstes ein generelles Tempolimit auf den deutschen Autobahnen einführen (130 km/h). In der Wirtschafts- und Sozialpolitik vertreten sie typisch linke Positionen mit höheren Steuern für Gutverdiener, Erleichterungen für Sozialhilfeempfänger und milliardenschweren staatlichen Ausgabenprogrammen. Die deutsche Schuldenbremse, die der Staatsverschuldung enge Grenzen setzt, wollen sie aufweichen und geduldeten Migranten den dauerhaften Aufenthalt im Lande erleichtern. Das Nato-Ziel, die Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukt zu erhöhen, lehnen sie ab.

Endgültig beschlossen werden sollen das Wahlprogramm ebenso wie die Kanzlerkandidatur bei einem Parteitag im Juni. Was die Grünen von ihren Vorstellungen am Ende verwirklichen können, hängt davon ab, mit wem sie regieren würden.

Robert Habeck und Annalena Baerbock freuen sich am 27.01.2018 über ihre Wahl zu neuen Bundesvorsitzenden von Bündnis90/Die Grünen in Hannover. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Eine Weile wirkte die CDU/CSU mit Umfragewerten jenseits der 35 Prozent auch für die Nach-Merkel-Ära unschlagbar. Doch die Unzufriedenheit der Wähler mit dem Corona-Krisenmanagement hat ihr eine unsanfte Landung beschert. Mit um die 27 Prozent lag sie zuletzt noch vier bis fünf Punkte vor den Grünen. Das könnte immer noch auf eine schwarz-grüne Koalition unter CDU-Führung hinauslaufen.

Bündnisse ohne die Konservativen sind aber denkbar, wenn sich die Wählerpräferenzen noch etwas verschieben. Eine „Ampel“ aus Grünen, Sozialdemokraten und Liberalen käme derzeit auf maximal 48 Prozent, ein grün-rot-rotes Bündnis mit SPD und Linkspartei auf bis zu 46 Prozent. In beiden Verbindungen wären die Grünen stärkste Kraft und hätten damit Anspruch aufs Kanzleramt.

„Die Grünen sprechen insbesondere junge und weibliche Wähler an und setzen dazu auf zwei sympathische Parteichefs, die auch mal über Persönliches sprechen“, sagt der Kommunikationsexperte Christian Hoffmann von der Universität Leipzig. Die Partei profitiere auch von der Geschlossenheit ihrer Führungsspitze. Außerdem gebe es eine „Wechselstimmung“ im Land. „Union und SPD wirken abgekämpft. Da bieten die Grünen die Perspektive auf Veränderung ohne einen allzu radikalen Wechsel“, sagt Hoffmann. (dpa)

18 Antworten auf “Das andere Duell: Grüne zum ersten Mal mit einem eigenen Kanzlerkandidaten – Baerbock oder Habeck?”

  1. DerPostbote

    Abgesehen von jeglicher Parteipolitik: Baerbock ist in Diskussionen extrem anstrengend, wird schnell laut und hektisch. Habeck bleibt hingegen ruhig, erläutert bodenständig die Positionen, argumentiert. Rein charakterlich hat Habeck in meinen Augen von beiden Kandidaten das besser Rüstzeug für einen Kanzlerkandidaten.

  2. Oh je, Autos weg, Fahrräder her (vielleicht die gebrauchten aus China, da man da inzwischen Auto fährt) Energie rationiert, keine Einfamilienhäuser mehr, Industrieverlagerung nach Asien und Schafwollsocken stricken – so sieht unsere Zukunft mit denen aus.

    • Grün muss man sich auch leisten können.
      In Aachen hat der Speckgürtel zu 80% Grün gewählt. Aber denen ist`s wahrscheinlich auch egal,
      wenn der Liter Heizöl 2,-€ und der Sprit 5,-€ kosten.
      Mit dem Hollandrad zur Firma, der Porsche steht in der Garage.

      • Ach Hans

        Echt jetzt, die Grünen sollen also wieder mal am Ölpreis Schuld haben. Nicht die Ölkartelle, nicht die Geopolitik und auch nicht die immer schwerer werdende Zugänglichkeit. Die Grünen sorgen langfristig für Energieautarkie. Wenn sie mich fragen, eine logische und sinnvolle Orientierung.

        • Sie werden zwar nicht gefragt, aber Sie glauben was die Grünen Ihnen erzählen und wissen nicht das die Grünen dies nicht halten können. Es wird keine Energieautarkie werden sondern eher mehr Abhängigkeiten. Wenn Sie jemanden Fragen der Ahnung davon hat wird er Ihnen erklären können das dies weder logisch noch sinnvoll ist.

          • Logisch wäre, wenn die liberale Weltordnung nicht mehr Anreize bekommt, Despoten mit Petrodollar zu versorgen, noch in andere Länder unter diesem Vorwand einzumarschieren. Wir brauchen keine Dritteweltländer auszubeuten um unseren Energiehunger zu stillen. Es gibt null Nachteil bei einer dezentralen nachhaltigen Energiegewinnung. Wüsste nicht, was daran unlogisch oder nicht sinnvoll sein soll.

  3. Corona2019

    @ – Der Postbote

    Abgesehen davon das ich jetzt den Kommentar nicht verkneifen kann , das man doch nicht’s verstanden hat ,wenn man die Gleiche selbst verliebte Schauspiel Truppe wieder wählen würde , bin ich auch für einen Totalen Wechsel an der Spitze .
    Und ihr Vorschlag gefällt mir am Besten .
    Leider fehlt uns als Ausländer das Recht zu wählen , auch wenn man die Gleiche Sprache spricht .

  4. Ein radikaler Wechsel beim Regierungspersonal wäre wünschenswert
    Ein grün / rotes oder grün/rot/rotes Bündnis jedoch kann man sich in Berlin ansehen, solche und durchaus schlimmere (da Landesregierung) Zustände im ganzen Land kann sich niemand wünschen. Dabei sollte man auch nicht nach BW sehen, denn Kretschmann ist zwar grüner Politiker, hat die Füße aber noch auf dem Boden.
    Die Vorstellungen dieser Menschen in Energie-, Natur- Industrie- und Landwirtschafts- und Bevölkerungsfragen haben jeglichen Realitätssinn verloren
    Es wird schlussendlich nur diejenigen freuen die uns dann versorgen müssen
    Herr bewahre

  5. Der kleine Belgier

    die 2 verkaufen sich sehr gut und haben durch die Fehler der CDU – CSU grosse Chancen,
    deren Wähler zu gewinnen
    Aber es gab doch mal einen Joschka Fischer, als dieser mitregieren durfte, ist der schneller
    umgekippt als die Titanic und ich befürchte, dass wenn die Grünen am Ruder sind, für
    uns Verbraucher ALLES sehr teuer werden wird. Die Grünen sind sehr gut in der Opposition.

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