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Deumeland, Milicevic, Beck, De Wolf: Hat die AS Eupen womöglich ein Problem mit Publikumslieblingen?

10.08.2020, Belgien, Löwen: Torhüter Ortwin De Wolf (l) in Aktion im Auswärtsspiel der AS Eupen bei OH Löwen am 1. Spieltag der Saison 2020-2021. Foto: Belga

Was schon länger erwartet worden war, ist seit Montag offiziell: Der Torhüter der AS Eupen, Ortwin De Wolf, wechselt für den Rest dieser Saison zum RFC Antwerp. Viele Fans der Schwarz-Weißen sind darüber verärgert.

Der 23-jährige De Wolf, der seinen Vorgänger Hendrik Van Crombrugge nach dessen Wechsel zum RSC Anderlecht schnell vergessen ließ, wird bis zum Ende der laufenden Saison an den „Great Old“ ausgeliehen.

Um den Ausfall von De Wolf zu kompensieren, wurde der Deutsche Robin Himmelmann bis zum 30. Juni 2021 unter Vertrag genommen.

23.11.2019, Belgien, Eupen: AS-Spieler Danijel Milicevic (r) im Duell mit Nicolas Gavory (l) von Standard Lüttich. Foto: Belga

Himmelmann stammt aus Moers und hat in seiner Karriere für RW Essen, Schalke 04 und FC St. Pauli gespielt. Von 2012 bis 2020 bestritt der heute 31-Jährige für den FC  St. Pauli 179 Spiele der 2. Bundesliga.

Derweil sind viele Fans der AS Eupen unzufrieden – weniger wegen der vielen ausgelassenen Torchancen, weswegen man sich am Samstag gegen Excel Mouscron trotz drückender Überlegenheit mit einem 1:1 begnügen musste, als wegen des Wechsels von Torhüter Ortwin De Wolf zum RFC Antwerp.

Den Hauptschuldigen für diesen aus ihrer Sicht ebenso unnötigen wie schmerzlichen Torwartverlust haben die Kritiker schnell ausgemacht: Trainer Beñat San José.

Nach der Verletzung war De Wolf nur mehr Nummer 2

Als sich Stammkeeper De Wolf am 27. November 2020 beim 3:1-Sieg gegen Sporting Charleroi verletzte und nach der ersten Halbzeit gegen Théo Defourny ausgewechselt werden musste, ahnte noch niemand, dass De Wolf seinen letzten Einsatz für die AS Eupen hatte.

02.11.2019, Belgien, Eupen: AS-Rechtsverteidiger Andreas Beck (2.v.l) im Zweikampf mit Dries Wouters (r) vom KRC Genk. Foto: Belga

Zunächst waren auch die Fans froh, mit Defourny einen sehr guten Ersatz für den verletzten De Wolf zu haben. Erstaunt waren viele von ihnen jedoch, als beim Auswärtsspiel beim FC Brügge am 26. Dezember 2020 der inzwischen wieder fitte Stammtorhüter De Wolf auf der Bank saß.

Trainer San José setzte weiter auf Defourny, obwohl es im Fußball ein ungeschriebenes Gesetz ist, dass ein Stammtorhüter nach einer Verletzung in die Startelf zurückkehrt, wenn er wieder fit ist. Bei De Wolf war dies nicht der Fall. Der frühere Torhüter der belgischen U21-Auswahl war nur noch die Nummer 2.

Als dann auch noch Defourny einige Patzer unterliefen, beispielsweise beim Spiel bei Cercle Brügge oder gegen den RFC Antwerp, und erste Gerüchte kursierten, De Wolf werde Eupen in Richtung Antwerpen verlassen, machte sich Unmut breit, der sich in erster Linie gegen den Trainer richtete.

De Wolf wie Deumeland, Defourny wie Van Crombrugge

Es ist nicht das erste Mal, dass Beñat San José einen Publikumsliebling auf die Reservebank verdonnert, obwohl rein objektiv dazu keinerlei Anlass besteht.

Das fing schon an mit Danijel Milicevic, den der spanische Coach längere Zeit völlig ignorierte, bevor er den Bosnier dann nach einer Reihe von unbefriedigenden Ergebnissen in die Anfangsformation holte.

Jonas Deumeland 2013 als Torhüter der AS Eupen. Foto: Grégoire Derouaux

Im Juni 2020 wurde der Vertrag mit dem bei den Fans sehr populären 34-Jährigen nicht mehr verlängert. Als „ein wenig bizarr“ empfand Milicevic die Tatsache, dass man mit ihm nicht einmal angefangen hatte zu verhandeln. „Ich war zu Gesprächen bereit, aber sie wollten nicht.“

Auch Andreas Beck wird von den Fans sehr geschätzt, kommt aber inzwischen nur noch sporadisch zum Einsatz.

De Wolf ist demnach kein Einzelfall. Das war auch schon so, als in der Endphase der Saison 2013-2014 der damalige Stammtorhüter Jonas Deumeland, der bei den Fans sehr populär war, dem jungen Hendrik Van Crombrugge Platz machen musste, dem anfangs – wie jetzt auch Defourny – einige Patzer verziehen wurden.

Eine Ausnahme gibt es trotzdem: Der Spanier Luis Garcia war sowohl bei der Vereinsführung als auch bei den Fans überaus populär. (cre)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

30 Antworten auf “Deumeland, Milicevic, Beck, De Wolf: Hat die AS Eupen womöglich ein Problem mit Publikumslieblingen?”

  1. Eines ist sicher: Trainer Beñat San José macht sich durch diesen unnötigen Wechsel eines sehr starken Spielers noch mehr Feinde. Doch er scheint bei der Direktion ein Stein im Brett zu haben. Ohnehin ist es schwierig, hinter der Fassade der AS Eupen zu schauen. Was darf der Trainer entscheiden und was darf er nicht entscheiden? Diese Frage wird wohl immer unbeantwortet bleiben, solange Aspire das Sagen am Kehrweg hat.

  2. Wer,fragt denn schon die Fans?
    Die AS Führung,unter Herrn Henkel interessiert sich wenig,oder besser gesagt,gar nicht um die Meinung der Fans.Die ziehen das durch,was der Geldgeber (Katar) vorgibt.
    Eine alte Weisheit sagt: Wer die Musik bezahlt,der bestimmt auch was sie spielt.
    Der Fan,ist einfach “ auf der Strecke “ geblieben.
    Wird doch ganz besonders in der Corona-Krise deutlich.
    Es wird Fußball gespielt (in den höheren Klassen) ohne Zuschauer.Hauptsache der Ball (Rubel) rollt.
    Der Fan kann ,wenn er denn die Möglichkeit hat,Zuhause vor dem Fernseher das Spiel schauen.
    Fazit:Die Vereinsführung, samt Geldgeber brauchen den Fan,schon lange nicht mehr.

  3. alter weißer mann

    Das beste Beispiel wie ein Trainer es richtig macht ist Koen Casteels in Wolfsburg. Er war in den letzten Jahren mehrmals verletzt, aber als er wieder genesen war bekam er selbstverständlich seinen Stammplatz zurück!

  4. Propaganda

    Diesen tollen Torwart der, der AS viele Punkte gerettet hat rausgeekelt zu haben, stösst vielen Fans übel auf. Was hat das für einen Sinn. Einer der besten Torhüter in der Pro Lige gegen einen vereinslosen Fußballrentner auszutauschen ist nicht zu verstehen und dafür haben die Fans auch keinerlei Verständnis. Es ist wie „Panda46“ schreibt. Hinter der Fassade von Aspire ist es schwierig zu schauen. Mit Alliance Sportive hat das ganze schon lange nichts mehr zu tun. Kein Wunder das die Fans (wenn sie denn dürfen) nicht mehr ins Stadion kommen. Es wird immer schwieriger sich mit diesem Klub zu identifizieren.

  5. fritz k.

    Einen jungen Torwart wie De Wolf gibt man nicht einfach so weg. (warum ?) Himmelman hat einige Jahre in St.Pauli einen guten Job gemacht. In Deutschland wollte ihn kein Proficlub mehr, obwohl man mit 31 als Torwart noch nicht zum alten Eisen gehört. Lassen wir uns überraschen.

  6. Hier wird über vieles spekuliert und man kann nur vermuten woran es wirklich gelegen hat. Eines wissen wir mit Sicherheit. Die Verantwortlichen sind nie zimperlich mit Spielern umgegangen, die hinter ihrem Rücken mit anderen verhandelt haben. Sollte DeWolf das auch gemacht haben, wäre es eine Erklärung. Weiss auch nicht, ob man ihn wirklich zu einem Publikumsliebling hinstellen kann. Ich persönlich hatte nie das Gefühl, dass er in Eupen angekommen ist. Er kam mit großen Vorschusslorbeeren, aber weiter entwickelt hat er sich bis jetzt nicht. Und in der jetzigen Posse wird er wie ein verwöhntes Kind dargestellt, dass seinen Lolly nicht bekommt und rummotzt. Flämische Freunde berichten mir, dass er schon immer Probleme mit Konkurrenz hat und es scheut den Kampf auf zunehmen.Von daher…schauen wir mal was er in den 12 Spielen bei Antwerpen reißt, bis jetzt ist er noch immer ein Panda.

  7. Wenn man die Internen Angelegenheiten des Klubs u Vorfälle u Gespräche zwischen dem Spieler u dem Verein nicht kennt, sollte man sich diesbezüglich zurückhalten. Die Verpflichtung von Himmelmann hat nichts in diese Richtung mit dem Weggang von Ortwin de Wolf zu tun. Sein Weggang war (leider) besiegelt. Man suchte einen erfahrenen Nachfolger. Nicht umsonst war Himmelmann Publikumsliebling in St. Pauli u hat immerhin zirka 179 Einsätze bei St. Pauli zu verzeichnen. Klar ist de Wolf ein sehr guter Torwart. Aber so läuft es überall im Fußball. Angebot, Nachfrage, Weggang, Gehaltsforderungen. Schwierig ein Urteil zu fällen ohne Hintergrundwissen. Robin Himmelmann wird uns vielleicht noch überraschen. Die AS wird nicht wahllos einen Torhüter unter Vertrag nehmen, wenn kein gegenseitiges Vertrauen besteht. Also Mut u Kopf hoch! Der Trainer hat da vielleicht gar keinen Einfluss was das betrifft.

    • Gerd Henkes

      Lieber Strolch,

      dann nennen Sie mal bitte einen seriös geführten Verein, in dem wirklich jede Saison die halbe Mannschaft ausgewechselt wird? Also von jedrm Verein zu sprechen ist hier etwas arm.

      • Belgien halt

        In Belgien trifft das auf sehr viele Vereine zu.. bestes Beispiel ist dabei Anderlecht.
        Der einzige Verein, der auf Konstanz setzt, ist Brügge – wobei die in der Winterperiode auch mächtig dem Kader umgekrempelt haben.
        Belgien gilt deswegen nicht umsonst als Ausbildungsliga. Ganz billig die Spieler holen und dann mit Mehrwert irgendwann verkaufen. Anders ist es in Belgien nicht rentabel.

        • Peter Müller

          Das sieht man am BVB. Die werden nie Meister, und wenn ,dann nur einmal. Da geht es zu wie in einem Bordell, immer neue Damen, aber sie bleiben nicht lange. Da kann keine Harmonie und Einheit entstehen.

        • Gerd Henkes

          Sie wollen allen ernstes die Transferpolitik von Anderlecht mit der von Eupen vergleichen? Ich kann mich daran erinnern, dass Anderlecht jedes Jahr 12 Spieler abgibt um dann 12 Neue zu holen.

  8. Hinterdemtorsteher

    Ich persönlich finde Spieler, die der Sprache der Region mächtig sind, schon immer besser als Transfers aus fernen Ländern. Mit denen kann man sich identifizieren.

    De Wolf ist kein Publikumsliebling gewesen, Milicevic seit seinem Wechsel zu Charleroi bestimmt nicht mehr.

    Die Torwartfrage an sich: De Wolf hat uns genauso viele Punkte verschuldet wie Defourny auch.. beide waren nicht perfekt. Defourny hat halt gut gehalten als De Wolf verletzt war, der sich wiederum danach nicht mit einem Platz auf der Bank anfreunden konnte. Naja und wenn der älteste Verein des Landes dich anbaggert, dann lässt man sich halt schnell mal den Kopf verdrehen. #Onyekurusyndrom

  9. AS-FAN-KELMIS

    Ortwin geht und Robin kommt. Wie immer bei der AS , ein kommen und gehen, natürlich ohne Erklärung.Ich hoffe nur das der Junge einschlägt und wünsche Ihm alles Gute hier,nicht das es nachher heisst bei OD : Himmelmann machte sich zum Hampelmann…..

  10. RaymondW

    Wie OD richtig schreibt: Obwohl es im Fußball ein ungeschriebenes Gesetz ist, dass ein Stammtorhüter nach einer Verletzung in die Startelf zurückkehrt, wenn er wieder fit ist. Das Gleiche könnte dem Ortwin jetzt auch passieren, wenn Jean Butez wieder fit ist! Lassen wir uns überraschen!

    • @Ermitler: na und, wäre das schlimm? Eupen ist in, der ewigen Tabelle der ersten belgischen Liga auf dem 41. Platz, 35 er wenn man die Vereine, welche gelöscht wurde, abzählt.
      Das ist eine tolle Leistung und weit mehr als man es von einem Verein einer so kleinen Gemeinde erwarten kann.

  11. lambertzprinte

    Wo bitte ist De Wolf denn Publikumsliebling. Ein guter Torwart der aber auch seine Probleme hatte, mehr nicht. Aber Publikumsliebling ??? OK Defourny ist Bestimmt auch nicht das gelbe vom Ei, der hat in den letzten Wochen schon manchen Punkt auf sein Gewissen. Aber solch einen Hype um einen Wechselwilligen Torwart muss auch nicht sein, wobei ich der Meinung bin dass DE Wolf sich mit Antwerpen keinen grossen Gefallen getan hat ( die Zukunft wird’s zeigen) und auch dort mehr auf der Ersatzbank sitzen wird wie ihm lieb ist( wenn überhaupt) und dann kommt er im Sommer wieder hier angekrochen .

  12. Nein nein , der kommt nicht mehr zurück.
    Im Sommer kommt sicherlich ein Katarischer Torwart als Vorbereitung um WM Torwart zu sein, sonst hat das alles keine Logik.
    Dann noch 5/6 andere WM Kaderleute und hopp steht die Truppe für 2021/2022.
    Wait and see…..
    Es sei denn wir steigen ab….dann brauchen sie eine andere bessere Liga um sich meisterschaftsmäßig
    als Team optimal auf die WM vorzubereiten.

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