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Nur ein WM-Eröffnungsspiel mit Belgien, aber was für eines: 1:0-Sieg gegen Argentinien 1982 [VIDEO]

13/07/1982, Barcelona: Belgiens Torschütze Erwin Vandenbergh (l) und Torhüter Jean-Marie Pfaff lassen sich nach dem Sensationssieg gegen Argentinien im Eröffnungsspiel der WM 1982 im Camp Nou von Barcelona feiern. Foto: Belga

Am kommenden Donnerstag um 17 Uhr (MESZ) beginnt die Fußball-WM in Russland mit dem Eröffnungsspiel zwischen dem Gastgeber und Saudi-Arabien. Belgien ist zum 13. Mal bei einer WM dabei und bestritt bisher einmal ein Eröffnungsspiel: bei der WM 1982 in Spanien gegen Argentinien. Unvergessen.

Das Spiel ging in die belgische Fußballgeschichte ein, denn die Roten Teufel besiegten an jenem 13. Juni 1982 im Stadion Camp Nou von Barcelona den Titelverteidiger mit seinem jungen Superstar Diego Armando Maradona mit 1:0 durch ein Tor von Erwin Vandenbergh in der 62. Minute nach einer weiten Flanke von links durch Frank Vercauteren.

Es war das erste Tor in einem WM-Eröffnungsspiel, seitdem es diese gab, nämlich seit der WM 1966 in England. Bis dahin waren alle Auftaktspiele 0:0 ausgegangen.

Belgier schalten Maradona aus

Die Roten Teufel nahmen nach zweimaliger Abwesenheit 1974 und 1978 (beide Male in der Qualifikation am späteren Vize-Weltmeister Holland gescheitert) endlich wieder an einer WM-Endrunde teil. Die Elf von Trainer Guy Thys bestand überwiegend aus jener Mannschaft, die zwei Jahre zuvor bei der EM in Italien überraschend Vize-Europameister geworden war.

Der Siegtreffer zum 1:0 für Belgien durch Erwin Vandenbergh in der 62. Minute. Argentiniens Torhüter Ubaldo Fillol hat das Nachsehen. Foto: Screenshot Youtube

Das Eröffnungsspiel einer WM bestritt zu jener Zeit der Titelverteidiger, in diesem Fall Argentinien. Inzwischen ist man wieder dazu übergegangen, den Gastgeber das erste Spiel austragen zu lassen.

Im Spiel in Barcelona 1982 war Argentinien ganz klar Favorit. Die Südamerikaner hatten in Spanien mehrere Weltmeister von 1978 im Kader, dazu kam noch der junge Diego Armando Maradona, der nach der WM von Boca Juniors zum FC Barcelona wechseln sollte, also in seinem künftigen Heimstadion antrat.

Der Star der Argentinier wurde vor 95.000 Zuschauern immer dann, wenn er am Ball war, von mehreren Belgiern in die Zange genommen und ausgeschaltet. Maradona kam in den gesamten 90 Minuten nur zu einer echten Chance bei einem Freistoß, als er den Ball an die Latte donnerte.

WM trotzdem eine Enttäuschung

Im Tor der Belgier stand Jean-Marie Pfaff, der nach der WM vom SK Beveren zum FC Bayern München wechselte.

Die belgische Mannschaft gegen Argentinien war folgende: Pfaff – Gerets, L. Millecamps, De Schrijver, Baecke – Vandersmissen, Coeck – Vercauteren, Czerniatynski – Ceulemans, Vandenbergh.

Maurice De Schrijver vom SC Lokeren musste den gesperrten Abwehrchef Walter Meuws von Standard Lüttich ersetzen, was dem unerfahrenen Blondchopf mit Bravour gelang.

Diego Armando Maradona stand bei der WM 1982 mit 21 Jahren erst am Anfang seiner Karriere, war aber damals schon der Superstar im Team des Titelverteidigers. Foto: Shutterstock

Die verdiente 0:1-Niederlage war für Maradona & Co. eine große Ernüchterung, aber noch nicht das Aus für den Favoriten. Schon gegen Ungarn im zweiten Spiel kamen die „Gauchos“ in Fahrt. Das 2:0 gegen den krassen Außenseiter El Salvador stimmte schon wieder bedenklicher.

Doch auch die Belgier rissen keine Bäume aus. Es folgte ein 1:0 gegen El Salvador, das den Ungarn im ersten Spiel 1:10 (!) unterlag. Gegen die Magyaren schafften Keeper Jean-Marie Pfaff & Co. ein erst spät gesichertes 1:1 durch ein Tor von Alex Czerniatynski (nach sensationeller Vorbereitung von Jan Ceulemans). Das reichte jedoch zum zweiten Gruppensieg vor Argentinien.

In der Zwischenrunde schied Belgien jedoch nach einem 0:3-Debakel gegen Polen und einer 0:1-Niederlage gegen die UdSSR aus. Damit endete die WM, die mit einem großartigen Sieg begonnen hatte, mit einer großen Enttäuschung.

Bei der folgenden WM vier Jahre später in Mexiko war es genau umgekehrt. Damals verlor Belgien sein erstes Spiel (gegen Gastgeber Mexiko) und erreichte nur mit Ach und Krach (als Gruppendritter!) das Achtelfinale.

Vier Jahre später der Höhepunkt

Im Achtelfinale schalteten die Roten Teufel die UdSSR aus und im Viertelfinale Spanien (nach Elfmeterschießen). Im Halbfinale gelang dann Argentinien und Maradona die Revanche für die Niederlage m Eröffnungsspiel von 1982.

Die WM 1986 beendeten die Roten Teufel letztlich sensationell als Vierter und wurden in Brüssel wie Weltmeister empfangen. (cre)

Nachfolgend ein VIDEO mit den besten Szenen aus dem Eröffnungsspiel der WM 1982 in Barcelona am 13. Juni zwischen Belgien und Argentinien (Kommentator ist Rik De Saedeleer von der VRT):

  1. Pensionierter Bauer

    Das waren die besten Spieler die Belgien je hatte. Damals hatten wir hier in Belgien auch noch eine richtig starke Liga mit Europapokalsiegern. Das waren keine verwöhnten Multimillionäre wie wir sie heute auf dem Platz laufen haben. Pfaff, Ceulemans, Vanden Bergh und Co, das waren noch Spieler mit Herzblut.

    • German angst

      …und Sie waren noch nicht pensioniert und schüttelten mit dem Kopf, wenn Ihre Eltern über die moderne Zeit und den Fortschritt jammerten. Früher war ales besser. Sogar die Zukunft

      • Pensionierter Bauer

        Recht haben Sie, damals war ich ich nocht nicht pensioniert. Um mir diese Spiele anschauen zu können musste ich mich beim Melken immer tierisch beeilen oder 1986, bei der WM in Mexico, mir die Nächte nach langen Arbeitstagen um die Ohren schlagen. Aber bei soviel Herzblutfussbal machte dass garnichts aus. Nein, früher war beileibe nicht alles besser, zB musste ich mir die Spiele noch in Schwarzweiß anschauen. Als selbstständiger Bauer hatte man in den Anfangsjahren gar nicht zu viel Geld um sich alles leisten zu können. Aber die Leistungen der Roten Teufel waren seinerzeit unter dem Trainer Guy Thys schon der Hammer. Leider sorgte der Standart Bestechungsskandal in den 80ern für einen herben Dämpfer in diesem Fussballhoch.
        Wir wurden 1980 Euro Vizemeister, 1986 vierter bei der WM, hatten immer wieder Europapokalsieger unter unseren Vereinen der 1.Division, der letzte war Mechelen.
        Im Fussball war damals alles besser als heute. Trotzdem werde ich mit der Belgischen Mannschaft mitfiebern, wenn ich auch nicht bereit bin den Optimismus vieler Fans zu teilen, denn uns fehlen einfach die Herzblutfussballer a la Ceulemans, Vercauteren, Vandersmissen und natürlich eines Jean Marie Pfaff.

  2. Wenn man die Statistiken von Vandenbergh mit denen von Lukaku vergleicht, schneidet Erwin sehr schlecht ab.
    Und mit Hazard, De Bruyne und Lukaku haben wir von den 5 besten Fussballern, die Belgien je gehabt hat, inder heutigen Mannschaft ( die anderen 5 sind Van Himst und Van Moer).
    das einzige, was der heutigen Mannschaft fehlt, ist die Mannschaftsgeschlossenheit, das Herzblut.

    • Pensionierter Bauer

      Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass man es seinerzeit mit ganz anderen anderen Gegnern zu tun hatte als heute. Es gab damals kein San Marino, Andorra oder Farörer es gab damals auch noch die Sojwetunion und kein Estland und Moldawien, es gab damals ein Jugoslawien und kein Mazedonien oder Montenegro. In den Qualifikationen hatte man es damals immer wieder mit Holland und Frankreich zu tun. Die Gegner im Fußball haben sich seit damals genau so verändert wie die politische Landkarte hier in Europa. Das Tore schießen wurde einem Erwin Vandenbergh oder François Van der Elst nicht so einfach gemacht wie heute einem Lukaku oder De Bruyne.

  3. Mischutka

    Ja Freunde, das waren noch Zeiten…. Und dabei habe ich noch eine sehr schöne Erinnerung von Jean-Marie Pfaff : Als er am 08. Juni 2005 in Herbesthal in dieser Bäckerei für eine Autogrammstunde anwesend war (das war eine Werbung für eine bestimmte Brotsorte) hatte ich die große Freude und Ehre, mich ca. 10-12 Minuten (!) mit ihm an einem Tisch zu unterhalten. Wir haben über alles (vom oben geschriebenen) unterhalten. Er hat mir auch viel über seine Zeit bei Bayern München erzählt und natürlich von der WM. Eine meiner schönsten Erinnerungen (von vielen bestaunt !!!) hängt noch heute bei mir auf : ein großes Poster von ihm mit dem handgeschrieben (!) Text : „avec sympathie pour mon ami (dann folgt mein echter Name) : Jean-Marie“ . Dann noch seine Unterschrift.
    Dann haben wir noch Fotos (draußen) von Jean-Marie (mit mir samt Hund) gemacht. Ein Super Mensch, ein Super-Sportler. Und ein großer Hundefreund.

    • @ Mischutka , sind sie immer noch nicht der Meinung , das die Zeiten endgültig vorbei sind , wo man solchen Propheten hinterherläuft , die Unsummen Geld einstecken wollen , sei es für brotwerbung , oder mit ihrem Antlitz imponieren wollen , das nur um nur reichlich Kohle zu machen . Es klingt absolut sehr traurig , das es noch immer intelligenzlose Zeitgenossen gibt , die alles hergeben möchten , nur um diesen Scharlatanen bei jeder Gelegenheit ihr sauerverdientes Geld abhaschen zu lassen .

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