Allgemein

Werbeeinbrüche und Geisterredaktionen: Die Coronakrise hat die Printmedien fest im Griff – Grenz-Echo in Kurzarbeit

Blick auf das Verlagsgebäude des Grenz-Echo am Marktplatz in Eupen. Wegen Unbauarbeiten wurde die Geschäftsstelle in einem Container vor dem Gebäude untergebracht. Foto: OD

In einer Krise stecken die Tageszeitungen schon lange. Wegen der aktuellen Coronakrise jedoch geht es für einen großen Teil der Printmedien ums nackte Überleben.


Das Anzeigenaufkommen bei Tageszeitungen ist bis zu 80 Prozent eingebrochen. Die meisten Redaktionen von Zeitungen und Zeitschriften haben auf Homeoffice umgestellt.

Das Grenz-Echo geht seit Montag in Kurzarbeit und funktioniert nur noch mit reduzierter Mannschaft, wie die einzige ostbelgische Tageszeitung bereits am Wochenende online und in ihrer heutigen Printausgabe meldete.

Eine Leserin wirft einen Blick auf die Seiten 2 und 3 der Grenz-Echo-Printausgabe von diesem Montag, 23. März, die mangels Werbung und Themen nur 20 Seiten stark ist. Foto: OD

Aufgrund der wegbrechenden Werbeeinnahmen durch die weitgehende Lahmlegung des wirtschaftlichen Lebens in Belgien sehe sich das Grenz-Echo gezwungen, „frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um den Fortbestand der Zeitung nicht zu gefährden“, wurde offiziell mitgeteilt.

Die zum Verlag gehörenden Werbezeitungen „Wochenspiegel“ und „KurierJournal“, die wesentlich zu den Einnahmen des Verlags beitragen, erscheinen bis auf Weiteres gar nicht mehr.

Auch die Themen brechen weg. Abgesehen von der Coronakrise gibt es kaum etwas, worüber es sich lohnt zu berichten. Deshalb wird auch der Umfang der Printausgabe reduziert. Am Montag waren es 20 Seiten. Es können in nächster Zeit des Öfteren auch nur noch 16 Seiten sein.

GE-Chefredakteur Oswald Schröder (links) und Grenz-Echo-Geschäftsführer Oliver Verdin. Foto: Grenz-Echo

Erst mit Beginn dieses Jahres hatte die DG die Pressebeihilfe fürs Grenz-Echo um rund 80 Prozent von 174.000 Euro auf 314.000 Euro pro Jahr erhöht. Die Zahl der Abonnenten und Käufer ist schon seit Jahren stark rückläufig. Auch im Bereich der Werbung mussten Einbußen in Kauf genommen werden, die vom Onlinegeschäft nur zum Teil aufgefangen werden konnten.

Die Verluste durch die Coronakrise, von der niemand weiß, wie lange sie noch dauern wird und was danach kommt, bedrohen die Printmedien mehr als je in ihrer Existenz. Mehrere Verlage fordern ihre Journalisten auf, angesichts der durch das Coronavirus verursachten schwierigen wirtschaftlichen Situation freiwillig ihre Gehälter zu senken. (cre)

15 Antworten auf “Werbeeinbrüche und Geisterredaktionen: Die Coronakrise hat die Printmedien fest im Griff – Grenz-Echo in Kurzarbeit”

  1. Und das gleiche gilt sehr wohl für viele andere Betriebe und Unternehmen auch und viele von diesen haben keine zusätzlichen Einnahmen von Werbung, Werbung und nochmals Werbung. Wer fragt denn danach wenn da zig Unternehmen und Betriebe schließen müssen, ihr Personal entlassen usw? Sind diese weniger wert wie eine Printmedie? In aktueller Situation trifft es alle und jeden einschl der kurzarbeit bis hin zu Entlassungen und chomage technique. Also bitte!

  2. Dass die Tageszeitung in der jetzigen Form über kurz oder lang verschwinden wird, ist so gut wie sicher. Die jetzige Krise beschleunigt den Untergang womöglich. Schade, ein Stück Kulturgut verschwindet von der Bildfläche.

  3. Ekel Alfred

    Die Journalisten sollen ihre Gehälter senken….während die Bosse jahrzehntelang fett abgesahnt haben….übrigens das Wetzlarbad und Scheiblers Haus waren einmalige Kulturgüter….aber doch nicht das GE-Blatt….wenn das verschwindet….schaut so mancher davon abhängige Politiker dumm in die Röhre….

  4. Friedrich Meyer

    Ich lese das kurier journal nicht mehr, weil die liebe Post mir am Donnerstag eine Zeitung bringt, die am Mittwoch aktuell war.
    Leider suchen die Verantwortlichen von kurier journal keinen andern Auslieferer. Na ja, sind ja die gleichen wie die vom Grenz-Echo…ideenlos ?!

  5. Einige Unternehmen wird man sicherlich im Falle einer Pleite nach der Corona-Krise vermissen, wozu das Grenz-Echo nicht gehört. Im Falle einer Ansteckung mit dem Corona-Virus sind besonders ältere Menschen gefährdet und das sind die Abonnenten des Grenz-Echo,… die Krise steht erst am Anfang. Ebenso werden politische Parteien mit größtenteils dieser älteren Kundschaft es nach der Krise noch deutlich spüren. Diese Krise wird Auswirkungen haben, die wir uns noch nicht einmal vorstellen können.

  6. Subventioniertes Presseblättchen

    Mir tun mein Lieblingsitaliener, junge Geschäftsleute und -gründer, der Handwerker meines Vertrauens in der akuten Krise sowie jeder Fabrikarbeiter, Kfz-Mechaniker oder Koch mit 30% Gehaltseinbußen leid, nicht aber dieses Schmierenblatt, das DPA Artikel schlecht kopiert und für Hofberichterstattung Hunderttausende Euro von der DG kassiert… um dann dem Staat auch noch mit Kurzarbeit auf der Tasche zu liegen. Welches Kulturgut?

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern