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„Was juckt mich der Bürgerkrieg in Syrien?“

Es kann nie schaden, einen Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen. Denn die Welt hört an den Grenzen Belgiens oder sogar an denen der Europäischen Union nicht auf zu existieren. Manche Geschehnisse gehen uns sogar viel mehr an, als uns selbst wahrscheinlich lieb ist. Zum Beispiel der Konflikt in Syrien. Der lässt hierzulande die meisten Menschen ähnlich kalt wie der Nahost-Konflikt. Wenn abends in den Fernsehnachrichten von Israelis und Palästinensern, vom Gaza-Streifen und von der Siedlungspolitik Israels die Rede ist, schalten viele ab. Zu Unrecht.

Der Konflikt zwischen dem Schreckensregime des syrischen Präsidenten Assad und den Oppositionsgruppen geht uns in Wirklichkeit sehr wohl etwas an. Denn was bisher noch ein Bürgerkrieg war, könnte demnächst ein „richtiger“ Krieg werden, vielleicht sogar ein neuer Kalter Krieg.

Eskalation mit unkalkulierbaren Folgen

Die Zeitung „The Independent“ schrieb neulich: „Die zunehmende Gewalt der letzten Monate, die Vermutungen über den Einsatz von Nervengas und die israelischen Luftangriffe in Syrien haben die Befürchtungen verstärkt, dass der Konflikt über Syriens Grenzen hinaus reichen könnte.“

Der „Tagesspiegel“ beurteilte die Entwicklung ähnlich: „Nach den israelischen Luftschlägen auf Ziele in Syrien wächst die Angst vor einer Eskalation des Konflikts mit unkalkulierbaren Folgen.“

Immer deutlicher ergreifen die Russen Partei für das diktatorische Assad-Regime, das neuerdings sogar von Moskau mit Flugabwehr-Raketen beliefert werden soll. „Das verändert das strategische Gleichgewicht im Syrien-Konflikt. Die Gefahr einer Konfrontation der nuklearen Weltmächte entsteht“, bemerkte die Zeitung „Die Welt“.

Zahl der Flüchtlinge steigt dramatisch

Nicht zu vergessen das menschliche Elend, das von Tag zu Tag unerträglicher wird. Mit zunehmender Verschärfung des Konflikts in Syrien steigt die Zahl der Flüchtlinge dramatisch an. Allein in der Türkei könnten nach einer Schätzung des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) bis Ende 2013 rund eine Million syrischer Bürger Schutz vor den blutigen Unruhen in ihrer Heimat suchen. Schon jetzt seien die Kapazitäten vielerorts zum Bersten gespannt, hieß es.

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis es syrische Flüchtlinge in Scharen nach Mitteleuropa zieht. Von deren Vereinnahmung durch islamische Fundamentalisten ganz zu schweigen.

Um also zu der Ausgangsfrage im Titel dieses „Standpunkts“ zurückzukommen: „Was juckt mich der Bürgerkrieg in Syrien?“ – die Antwort kann nur heißen: Sehr viel.

GERARD CREMER

 

11 Antworten auf “„Was juckt mich der Bürgerkrieg in Syrien?“”

  1. Es reicht!

    1 Millionen Flüchtlinge aus Syrien nach der Türkei. Spätestens jetzt müssten bei den Flüchtlingsbüros in den EU- Staaten die Allarmglocken losgehen. Bin Mal gespannt wieviele von den armen Leuten es bis nach Belgien schaffen.
    Wieso gibt die EU nicht der Türkei die finanziellen Mittel diese zwischenzeitlich aufzunehmen damit diese nach Beendigung des Krieges wieder nach Hause zurückkehren können.
    Zudem wieso unternimmt die EU nichts den Krieg zu stoppen.
    Wenn die Asylanten es bis nach Belgien geschafft haben werden diese von unseren Gutmenschen gehegt und gepflegt nur wenn diese in der Türkei festsitzen interessiert dieses keine S..

  2. Joseph Meyer

    Es ist richtig, dass uns dieser Konflikt nicht gleichgültig sein darf!

    Ich finde es skandalös, dass die israelische Luftwaffe Raketen auf Ziele in Syrien abschießt und dort Menschen tötet! Natürlich ist das Assad-Regime eine Diktatur, aber das gibt den Israelis doch nicht das Recht nur mal so dort Menschen zu töten. Das ist Barbarei! Wieso gibt es deshalb in unseren Medien keinen Sturm der Entrüstung dagegen?

    Ob im syrischen Konflikt tatsächlich Nervengas eingesetzt wurde, und wenn, dann von welcher Seite, ist offensichtlich überhaupt nicht geklärt. Trotzdem wird versucht, damit einen Grund zum Überfall auf dieses Land zu konstruieren, ähnlich wie gegen Sadam Hussein mit Hilfe der nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen…

    Und wer sind eigentlich die „Oppositionellen“? Zum Teil sicher gedungene Söldner aus den pro-westlichen, muslimischen Diktaturen in der Nachbarschaft… Muss erst noch Syrien fallen, damit dann anschließend der Iran leichter erobert werden kann?!

    • borderside

      Traumtänzer pur, Herr Meyer,
      Die gesamte Problematik des Nahen Ostens und der islamischen Welt haben Sie nicht begriffen, ebenso wenig wie das Recht Israels zur präventiven Selbstverteidigung. Sie sollten dort mal den libanesischen Bürgerkrieg überlebt haben und auch die Situation an den israelischen Grenzen kennen. Die Hisbollah und terroristische Konsorten fordern die Ausrottung des israelischen Staates und Syrien war stets ein Unterstützer dieses Zieles, genauso wie der Iran. Wichtiger ist vielmehr zu bemerken, dass der Islam mittlerweile die größte Gefahr für die Welt ist und somit auch Europa und Russland, demnach dem europäischen – jüdischen Kulturraum. Der Islam gehört nie und nimmer zu Europa und bevor die Türkei in die EU aufgenommen werden sollte ( hoffentlich nie! ), müßte Israel schon lange dazu gehören. Machen Sie doch eine Montagsdemo in St. Vith am Rathaus unter dem Titel: Stoppt den Aggressor Israel, Schutz für Al Quaida und die Hisbollah. Noch so ein Lacher, wie gehabt.

      • Was Sie unter präventiver Selbstverteidigung verstehen ist schon bedenklich. Israel bombardiert in einem souveränen Staat Ziele. Menschen sterben. Über die wahren Motive kann man nur spekulieren.
        Es sollte doch mittlerweile klar sein, dass Angriffskriege (wie auch z.B. der 2003 zu Unrecht angezettelte Krieg der USA gegen den Irak) völkerrechtswiedrig sind. Stattdessen rechtfertigt man solche Angriffe mit der Angst vor dem ach so gefährlichen Islam. Die westliche Propagandamaschinerie scheint gut zu funktionieren.

  3. Jürgen Margraff

    „….. Neuerdings sogar von Moskau mit Luftabwehr Raketen beliefert werden soll“ – Die Luftabwehrsysteme in Syrien SIND seit JAHRZEHNTEN entweder sowjetischer oder russischer Herkunft.
    Die haben keine einzige Rakete oder gar Radarstation westlichen Ursprungs, sie wollen allerdings neuere russische Systeme anschaffen – Pantsir S1 & S 300 Raketen, ob das allerdings über die Bühne geht ist noch nicht in trockenen Tüchern.

  4. mstirner

    Assad ist sicher kein Menschenfreund, wie auch Gaddafi keiner war. Wenn der Westen aber meint, islamistische Terroristen unterstützen zu müssen, dann wird in Syrien bald das gleiche Chaos herrschen wie in Libyen, wahrscheinlich ein noch größeres. Ich weiß nicht welches Interesse Israel haben sollte, den Antisemiten Assad durch nocht schlimmere Antisemiten ersetzt zu sehen und ich weiß nicht, was es der Türkei bringen sollte, wenn sich die kurdischen Gebiete Syriens nach Zerfall desselben mit den Kurdengebieten Iraks vereinigen und nach dem türkischen Teil Kurdistans greifen.
    Ich war übrigens vor zehn Jahren für den Krieg gegen den Irak, die peinlichen „Beweise“ habe ich nicht abgekauft, ich fand die Beseitigung Saddams gerechtfertigt. Allerdings war ich so naiv zu glauben, die Amerikaner blieben so lange, bis die Arbeit gemacht, das heißt das Land stabilisiert ist und nicht nur bis sie keine Lust mehr haben.
    Nach Libyen wird jetzt mit Syrien das nächste Land ruiniert und hinterher will es dann wieder keiner gewesen sein.
    Aber vielleicht halten ja noch die Russen dagegen.

  5. Joseph Meyer

    Jetzt soll der Westen glauben, dass das Assad-Regime so dumm ist mit Bomenanschlägen in einem türkischen Dorf nahe der syrischen Grenze selber die Türkei gegen sich zu mobilisieren – und damit die westlichen Verbündeten…
    Assad führt sicher ein die Menschenrechte verachtendes Regime, aber das tun die Herrscher in Saudi-Arabien, in Kuweit und den Emiraten auch: Ist doch eigenartig, dass gegen die Diktaturen in diesen Ländern praktisch kein westlicher Protest zu hören ist…
    Auch Sadam Hussein war sicher ein Diktator, das war aber wohl nicht der Grund warum er „weg“ musste, ebenso wir Gaddafi in Lybien: Der wirkliche Grund war doch wohl, weil er „unser“ Mineralöl seines Landes gegen andere Währungen als den Dollar verkaufen wollte und bereits verkaufte…Gleicher Grund im Übrigen wie für den Iran.
    Unsere Medien sollten endlich ihre „Einäugigkeit“ ablegen, finde ich.

  6. Joseph Meyer

    Jetzt soll der Westen glauben, dass das Assad-Regime so dumm ist mit Bomenanschlägen in einem türkischen Dorf nahe der syrischen Grenze selber die Türkei gegen sich zu mobilisieren – und damit die westlichen Verbündeten…
    Assad führt sicher ein die Menschenrechte verachtendes Regime, aber das tun die Herrscher in Saudi-Arabien, in Kuweit und den Emiraten auch: Ist doch eigenartig, dass gegen die Diktaturen in diesen Ländern praktisch kein westlicher Protest zu hören ist…
    Auch Sadam Hussein war sicher ein Diktator, das war aber wohl nicht der Grund warum er „weg“ musste, ebenso wir Gaddafi in Lybien: Der wirkliche Grund war doch wohl, weil er „unser“ Mineralöl seines Landes gegen andere Währungen als den Dollar verkaufen wollte und bereits verkaufte…Gleicher Grund im Übrigen wie für den Iran.
    Unsere Medien sollten endlich ihre „Einäugigkeit“ ablegen, finde ich.

    • There will be Blood

      Und wenn „man“ sich das Öl östlich von Syrien besorgt, wie kriegt „man“ es dann in den Mittelmeerraum ohne wohlgesonnenen Brückenstaat? In Syrien ist sehr wohl was zu holen. Nämlich eine „Seidenstraße für Öl“. Wie sie sagen, nicht immer nur an Öl denken, sondern auch an den Rattenschwanz. ;-)

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