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Wut und Protest nach Todesschüssen in Minneapolis: Trumps radikale Abschiebepolitik am Wendepunkt?

24.01.2026, USA, Phoenix: Menschen tragen Schilder und marschieren während eines Protestes gegen die bundesstaatliche Einwanderungsbehörde (ICE) in Phoenix. Foto: Caitlin O'Hara/AP/dpa

In vielen US-Städten gehen die Menschen gegen die von Donald Trump angeordneten Abschieberazzien auf die Straße. Bei einem Einsatz fallen erneut Todesschüsse. Ist das der Kipppunkt?

Es ist längst dunkel, kalt, die Temperatur auf minus 20 Grad gefallen. Doch da, wo der 37 Jahre alte Alex Pretti von US-Bundesbeamten erschossen wurde, versammeln sich immer noch Menschen.

Beobachter in Minneapolis beschreiben ein Gefühl zwischen Mahnwache und Protest. Die Abschiebepolitik von US-Präsident Donald Trump, die im Bundesstaat Minnesota ein zweites Todesopfer binnen weniger Tage forderte, könnte zu einem Wendepunkt führen.

24.01.2026, USA, Los Angeles: Ein als US-Präsident Donald Trump verkleideter Demonstrant nimmt an einem Protest gegen die tödlichen Schüsse auf den 37-jährigen Alex Pretti in Minneapolis in Los Angeles teil. Foto: Caroline Brehman/AP/dpa

Überall im Land gehen die Menschen auf die Straße, um gegen den Einsatz der oft rigoros vorgehenden Migrationsbehörde ICE zu demonstrieren. Viele sind getrieben von einem Ohnmachtsgefühl, ausgelöst durch die rigorose Politik der US-Regierung. Auch im Fall Pretti unternimmt die Trump-Administration nichts, um zu deeskalieren. Obwohl vieles unklar ist, sagt die Regierung früh: Der bewaffnete Mann, der mutmaßlich gegen einen Einsatz von Bundesbeamten protestierte, wurde von den Beamten nicht zu Unrecht erschossen.

– Es geht um Deutungshoheit: Ähnlich wie bei den Todesschüssen von Bundesbeamten am 7. Januar auf die 37-jährige Renée Good steht bei der US-Regierung nicht die Aufklärung im Fokus, sondern die Deutungshoheit.

Die Demokraten rufen zum Protest gegen Trump und die Razzien der Bundesbeamten gegen Migranten auf – die US-Regierung attackiert zurück. In den kommenden Tagen werden Debatten im US-Parlament erwartet mit dem Versuch der Demokraten, die Finanzierung der Abschiebepolitik zu blockieren. Alles könnte sogar wieder auf einen Stillstand der Regierungsgeschäfte – einen erneuten Shutdown – in den USA hinauslaufen.

– „Wie viele Amerikaner müssen noch sterben?“:  Der Bürgermeister von Minneapolis, der Demokrat Jacob Frey, richtet sich in einer Pressekonferenz direkt an den US-Präsidenten: „Wie viele Amerikaner müssen noch sterben oder schwer verletzt werden, damit dieser Einsatz beendet wird?“ Wenn das Ziel der Mission darin bestehe, für Frieden und Sicherheit zu sorgen, dann bewirke sie genau das Gegenteil.

24.01.2026, USA, Minneapolis: Eine Person hält ein Schild während einer Mahnwache für den 37-jährigen Alex Pretti, der in Minneapolis von einem US-Grenzschutzbeamten tödlich verletzt wurde. Foto: Adam Gray/AP/dpa

Der Gouverneur des umliegenden Bundesstaates Minnesota, der Demokrat Tim Walz, fordert Trump auf, die Kräfte von Minnesota abzuziehen. „Sie säen Chaos und Gewalt.“ Und: „Wir können so nicht leben. Unsere Kinder sind traumatisiert.“ Der demokratische Gouverneur von Illinois und damit auch von Chicago, wo es große Proteste gegen die Einsätze gegeben hatte, JB Pritzker, ruft auf X republikanische wie demokratische Gouverneure dazu auf, eine «gemeinsame Antwort» zu geben. „Wir alle müssen uns gegen die in unseren Städten herrschende Gesetzlosigkeit stellen.“

Die Demokraten auch andernorts versuchen, jetzt eine geballte Kraft zu bilden und Republikaner auf ihre Seite zu ziehen. Wenn das gelänge, könnte das für die Trump-Regierung ein Kipppunkt werden. Wer wie viele Unterstützer hat, lässt sich kaum mehr sagen. In den sozialen Medien kursieren viele Videos zu ICE-Einsätzen – teils mit Erschrecken kommentiert oder frenetisch gefeiert. Auch zu den Schüssen existieren jeweils mehrere Videos. Keines sorgt dafür, dass eine Seite eingesteht, die Situation falsch bewertet zu haben.

– Was macht die US-Regierung? Das US-Heimatschutzministerium postet ein Foto von einer Waffe, die der Getötete bei sich getragen haben soll. Trump schreibt auf der Plattform Truth Social, dass die Waffe geladen gewesen sei. Er schickt Kritik auch in Richtung Stadt und schreibt, ICE-Beamte seien nicht von der lokalen Polizei bei ihren Einsätzen geschützt worden. Die ICE-Beamten bezeichnet er als Patrioten. Dem Bürgermeister und dem Gouverneur wirft er vor, die Menschen in Minnesota mit ihrer Rhetorik aufzustacheln.

In den USA ist es quasi Alltag geworden, dass es Razzien gibt, bei denen Migranten mitgenommen werden. Die US-Regierung spricht von einer erfolgreichen Verfolgung von Ausländern, die sich illegal in den USA aufhielten und betont, dass man viele Straftäter gefasst habe.

– Mehrere Klagen gegen Bundesbehörden: Die ICE-Einsätze sind Teil der verschärften Abschiebepolitik in der zweiten Amtszeit von Trump. Seit Beginn der verstärkten Einsätze in Minnesota sind nach Angaben der US-Regierung rund 3.000 Menschen festgenommen worden. Mehrere Klagen lokaler Behörden gegen das Vorgehen der Bundesbehörden sind derzeit bei Gerichten anhängig.

24.01.2026, USA, Los Angeles: Demonstranten nehmen an einer Mahnwache bei Kerzenlicht teil, um auf die tödlichen Schüsse auf den 37-jährigen Alex Pretti in Minneapolis zu reagieren. Foto: Caroline Brehman/AP/dpa

Solche Razzien können Unbeteiligte auf offener Straße miterleben. In der US-Hauptstadt Washington etwa kommt es vor, dass man Zeuge von Einsätzen wird, bei denen Beamte bewaffnet in Wohnhäuser eindringen. Kritiker der unter Trump verfolgten Sicherheits- und Migrationspolitik ziehen dabei teils Vergleiche zu Deutschland in den 1930er Jahren und sprechen von „Gestapo“ und „Nazi-Methoden“. Die US-Regierung weist derartige Vergleiche zurück.

In vielen Städten haben sich Gegner dieser Politik mittlerweile organisiert. Sie warnen sich gegenseitig vor Einsätzen oder machen Lärm mit Trillerpfeifen oder hauen auf Töpfe, wenn sie eine Razzia bemerken.

– Weitere Demonstrationen erwartet: Kaum jemand glaubt, dass sich die Stimmung in den kommenden Tagen beruhigt. Erst am Freitag hatten trotz eisiger Temperaturen Tausende Menschen in Minnesota gegen die umstrittenen Einsätze der Einwanderungsbehörde protestiert. Die Organisatoren des Aktionstages forderten den Abzug der ICE-Beamten aus Minnesota.

Da standen viele Menschen noch unter dem Eindruck der Schüsse Anfang Januar. Renée Good war in ihrem Auto erschossen worden, auch hier bezeichnete die Regierung das Vorgehen als Notwehr. Demokraten und Demonstranten sprachen von übermäßiger Gewalt und mangelnder Transparenz bei der Aufarbeitung. (dpa)

7 Antworten auf “Wut und Protest nach Todesschüssen in Minneapolis: Trumps radikale Abschiebepolitik am Wendepunkt?”

  1. Peter S.

    Es gibt drei Möglichkeiten:
    -Trump schafft es, eine faschistische Diktatur zu etablieren
    -Trump versucht eine Diktatur zu etablieren, wird aber durch einen Bürgerkrieg daran gehindert
    -Die Midterms finden statt. Trump verliert und wird impeached

  2. Es ist mir mittlerweile herzlichst egal, welche Sau mal wieder durchs Dorf getrieben wird: Trump setzt seine Wahlversprechen mittels des ICE um und es gibt Leute die sich teils heftig dagegen stellen. Wie da die Ausgänge sein können, haben wir ja jetzt zu genüge gesehen.

    Was mich aber immer mehr schockiert sind die immer mehr verhärteten Fronten. Selbst hier, wo man gefühlt alle paar Stunden mal wieder hören kann, warum der US Präsident quasi Hitler ist. Wenn Medien wochen- und monatelang aufhetzen und legitime Behören mit Schlägertruppen aus der NS Zeit gleichsetzen – ja Leute, was erwartet ihr denn?! Erwartet ihr da echt Deeskalation und Frieden? Seid ihr komplett zurückgeblieben?

    Es wird langsam mal Zeit, dass sich der Wind noch schneller dreht und die grünlinke Meinungshoheit endlich wieder zurückgedrängt wird. Diese Bevormundung überall geht einfach nur noch auf den Sack.

    Mir auch egal ob ihr mich jetzt hier beleidigt oder mit den Nazis vergleicht – schaltet alle mal einen Gang zurück und überlegt mal, was hier tagtäglich für eine Entmenschlichung betrieben wird, übrigens von ALLEN Seiten!

    Wenn das unsere neue Art des Zusammenlebens ist, dann kann das ja noch echt heiter werden

    • #Peter G
      …“ und die grünlinke Meinungshoheit endlich wieder zurückgedrängt wird.“

      Diese „Meinungshoheit“ muss sich zu gegebener Zeit an den Wänden von Bleibergwerken austoben…

    • *Wer Massendeportationen als bloße „Umsetzung von Wahlversprechen“ verharmlost, verkennt, dass in einer Demokratie die Menschenwürde niemals zur Abstimmung steht – ein Wahlsieg ist kein Freibrief für staatliche Willkür.

      *Sich hinter dem Begriff der „legitimen Behörde“ zu verstecken, ist historisch blind, da jedes Unrechtsregime seine Gewaltorgane als legal definiert hat; auch in der NS-Zeit. Legalität ist kein Beweis für moralische Richtigkeit und kein Schutzschild vor Kritik.

      *Es sind nicht die Medien, die „aufhetzen“, wenn sie über Gewalt berichten, sondern es ist die staatliche Gewalt selbst, die den gesellschaftlichen Frieden bricht – wer die Kamera für das Feuer verantwortlich macht, will in Wahrheit nur die Zeugen mundtot machen.

      *Die verbale Kritik an einem mächtigen Staatschef mit der physischen Jagd auf Menschen gleichzusetzen und dies „Entmenschlichung von allen Seiten“ zu nennen, ist eine perfide Relativierung, die das reale Leid der Opfer unsichtbar machen soll.

      *Das Gejammer über eine „grünlinke Meinungshoheit“ ist ein reines Ablenkungsmanöver, um den Einsatz für Grundrechte als bloße politische Schikane darzustellen und sich der inhaltlichen Verantwortung für das eigene Weltbild zu entziehen.

      *Wer „Frieden“ und „Deeskalation“ fordert, während er Andersdenkende im selben Satz als „zurückgeblieben“ beschimpft, sucht keine Verständigung, sondern verlangt die bedingungslose Unterwerfung unter seine eigene autoritäre Sichtweise.

      *Die Befreiung von 1945 lediglich als Ende eines „politischen Systems“ kleinzureden, entlarvt eine gefährliche Geschichtsvergessenheit, die den Nationalsozialismus relativiert, um heutige radikale Maßnahmen zu rechtfertigen.

  3. Werner Radermacher

    Allein in Minneapolis im Januar hat die US-Grenzschutzbehörde zwei Menschen erschossen, ein 5 jähriges Kind verhaftet. Es ist beschämend wie tief die USA unter Trump sinken. Es ist eine Schande.

    • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

      Jedes Land welches glaubt, Leute aus ihrem eigenen Land vertreiben zu müssen, die nicht aus dem eigenen Land stammen, haben zuvor die Tore zu weit geöffnet. Das kann niemand bestreiten.
      Wenn man sich jetzt auf der Suche nach den Türstehern macht, findet man ein ganzes Netzwerk von Kriminellen.
      Und die gleichen Kriminellen, werden nach und nach dafür sorgen, das weder die hinzugekommenen Fachkräfte einen Job finden werden und erst recht nicht die eigenen Landsleute.
      Der Versuch hat einen Namen, den man 《noch》nicht , Diktatur getauft hat.
      Die Bezeichnung ist natürlich einer unverschämten Umgangssprache entsprungen.
      In Nordkorea nennt man das korrekt :
      《 Die glücklichsten Menschen der Welt 》😒

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