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Schatten über Olympia: Russland entgeht einem Komplett-Ausschluss

Das Foto hat Symbolcharakter: Der Dopingskandal wirft einen Schatten auf die Winterspiele in Südkorea. Foto: Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

Kein Kollektiv-Bann, aber Russland muss bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang auf Hymne und Fahne verzichten. Nur unter neutraler Flagge dürfen die russischen Athleten teilnehmen. So lautete die Strafe für die Betrügereien von Sotschi.

Allen Betrügereien zum Trotz ist Russland ein historischer Komplett-Ausschluss für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang erspart geblieben. Stattdessen darf die Sport-Großmacht unbelastete Athleten unter neutraler Flagge in Südkorea an den Start schicken.

Der Präsident des Internationalen Olympische Kommitees (IOC), Thomas Bach (l) und der frühere Schweizer Bundespräsident Samuel Schmid sprechen am 05.12.2017 nach einer Sitzung der IOC-Exekutive auf einer Pressekonferenz in Lausanne (Schweiz). Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Das entschied die 14-köpfige Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) unter Vorsitz von Präsident Thomas Bach am Dienstag auf der mit Spannung erwarteten Sitzung in Lausanne und verzichtete damit 66 Tage vor dem Beginn der Spiele in Südkorea auf die Höchststrafe für Russland im Zuge des ungeheuerlichen Dopingskandals von Sotschi 2014.

In weiteren Maßnahmen wurde das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROC) für die Winterspiele gesperrt. In Südkorea dürfen damit nur unbelastete russische Athleten „unter strikten Konditionen“ teilnehmen. Sie werden unter olympischer Flagge starten.

Dopingproben wurden ausgetauscht

Der frühere russische Sportminister Witali Mutko, der aktuell Chef des russischen Fußball-Verbandes und WM-Organisationschef ist, wurde als eine Schlüsselfigur im Doping-Skandal für alle zukünftigen Olympischen Spiele ausgeschlossen. ROC-Präsident Alexander Schukow wurde zudem als IOC-Mitglied suspendiert.

Einen Komplett-Ausschluss – es wäre der erste in der 121-jährigen Geschichte der Olympischen Spiele wegen Doping-Verstößen gewesen – wird es jedoch nicht geben.

Fahnenträger Alexander Subkow von Russland führt am 07.02.2014 das Team der russischen Athleten bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi an. Foto: Barbara Walton/EPA FILE/dpa

„Es handelt sich um einen nie dagewesenen Angriff auf die Integrität der Olympischen Spiele und des Sports. Diese Entscheidung soll einen Strich ziehen unter die verheerende Episode“, sagte Bach auf einer Pressekonferenz am Abend und nahm damit Stellung zum mutmaßlich staatlich orchestrierten Dopingsystem in Russland, das in Sotschi seinen negativen Höhepunkt erfahren hatte.

Mithilfe des Geheimdienstes sollen zahlreiche Dopingproben von russischen Sportlern ausgetauscht worden sein. Das IOC hat bislang durch seine zwei Kommissionen 25 Sotschi-Teilnehmer lebenslang gesperrt und Russland elf Medaillen, darunter vier goldene aberkannt.

Trotz der erdrückenden Beweislage konnten sich Bach, der als Freund von Russlands Staatschef Wladimir Putin gilt, und seine Kollegen nicht zu einem Komplett-Ausschluss durchringen.

Schon vor den Sommerspielen in Rio hatte das IOC – im Gegensatz zum Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) – Russland von einer drastischen Strafe verschont. Damals hatte das IOC die Verantwortung auf die Verbände übertragen, die eine Einzelfallprüfung der jeweiligen Sportler durchführen sollten. Viele Verbände waren damit überfordert und ließen die Athleten en bloc starten. IOC-Präsident Bach muss sich seitdem immer wieder anhören, er persönlich habe nicht genug Härte gegen Russland gezeigt.

Sportler unter neutraler Fahne

Nun also die etwas verschärfte Maßnahme des IOC, russische Athleten nur unter neutraler Flagge starten zu lassen. „Alle sauberen Athleten werden unter streng definierten Bedingungen teilnehmen dürfen. Sie können in Pyeongchang eine Brücke bauen“, ergänzte Bach.

Natalia Bockariowa (l) und Ilja Podolsky, Mitarbeiter eines russischen Labors, untersuchen am 24.05.2016 einige Proben in Moskau. Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Putin hatte für diesen Fall vor einigen Wochen von einer Demütigung gesprochen und mit einem Boykott gedroht, in den letzten Tagen waren diesbezüglich aber moderatere Töne aus Moskau zu vernehmen. „Wir sind gegen eine Einschränkung der Rechte unserer Sportler“, hatte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag noch betont. Ein staatlich gelenktes Dopingsystem wurde in Russland aber weiter vehement geleugnet.

Auslöser des Skandals war der Dopingbetrug der Russen bei den Heim-Winterspielen 2014 in Sotschi. Der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Dopinglabors, Grigori Rodschenkow, hatte als Kronzeuge über den systematischen Austausch von Dopingproben russischer Athleten berichtet. Die Pläne dafür seien bis in höchste politische Kreise bekannt gewesen. So sollen Manipulationen bei 15 von 33 russischen Medaillengewinnern vertuscht worden sein. Viele Athleten sollen indes vor den Wettkämpfen einen leistungssteigernden Cocktail mit Steroiden und Alkohol erhalten haben.

Der kanadische Rechtsprofessor Richard McLaren hatte im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA in zwei Berichten umfangreiches Material gesammelt, die staatlich gesteuerte Manipulationen im russischen Sport belegen. Mehr als 1000 Athleten sollen zwischen 2011 und 2015 davon profitiert haben. (dpa)

 

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