Standpunkt

Mathieu Grosch: Das Ende einer großen Karriere

Mit seinem Rückzug aus der Gemeindepolitik hat der scheidende Kelmiser Bürgermeister Mathieu Grosch sich selbst keinen Gefallen getan. Er erweckt damit den Eindruck, als sei er sich als langjähriger Bürgermeister und noch amtierender EU-Abgeordneter für das Amt des einfachen Gemeinderatsmitglieds zu schade. Dieser Fauxpas reiht sich nahtlos in eine Serie von Episoden ein, die Grosch in den letzten Jahren viel an Popularität gekostet haben und einen Schatten werfen auf eine große politische Karriere, die ein besseres Ende verdient hätte.

Seit seiner Wahl zum CSP-Regionalpräsidenten im Jahr 2005 ist es mit Mathieu Grosch langsam, aber sicher bergab gegangen. Seine Wiederwahl zum Kelmiser Bürgermeister im Jahr 2006 konnte noch viele Ungereimtheiten kaschieren. Der Abwärtstrend war jedoch bereits in vollem Gange.

2009 nicht CSP-Spitzenkandidat

Doch zurück zum Jahr 2005 und der Wahl von Mathieu Grosch zum CSP-Regionalpräsidenten: Damals hatten die Christlich-Sozialen dem Kelmiser, dessen politische Laufbahn bis dahin nur aus Erfolgen bestanden hatte, noch am ehesten zugetraut, nach der verlorenen PDG-Wahl 2004 der Partei neues Leben einzuhauchen. Ziel war die Rückkehr in die Mehrheit im Jahr 2009.

Getan hat sich aber in vier Jahren so gut wie nichts. Schlimmer noch: Vor der PDG-Wahl 2009 machte Grosch einen kapitalen Fehler, der ihm von vielen Parteifreunden bis heute nicht verziehen wurde: Statt sich als CSP-Spitzenkandidat für die PDG-Wahl und damit als Herausforderer von Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz (SP) zur Verfügung zu stellen, war Grosch vor allem darauf erpicht, sein (lukratives) Mandat im EU-Parlament zu verteidigen. Das eigene Interesse schien Grosch wichtiger zu sein als das der Partei.

Vorwahlabkommen ein Eigentor

Die CSP scheiterte auch bei dieser PDG-Wahl, und so mancher Christlich-Soziale ist überzeugt, dass es der Partei mit Grosch als Spitzenkandidat gelungen wäre, einen Mehrheitswechsel zu bewirken.

Für Grosch war dies der Anfang vom Ende, denn vor der Kelmiser Gemeinderatswahl am vergangenen 14. Oktober leistete er sich einen weiteren folgenschweren Fehler: Das Vorwahlabkommen mit der SP war ein Eigentor und hat der einstigen Lichtgestalt der ostbelgischen Politik nur noch mehr geschadet. Für Louis Goebbels und die PFF war der Deal zwischen CSP und SP „ein gefundenes Fressen“: Die Wahl für Goebbels war aus Kelmiser Sicht in erster Linie eine Wahl gegen Grosch.

Historisches Wahldebakel am 14. Oktober

Zwar ist Grosch noch Europaparlamentarier, in Wirklichkeit jedoch ist seine politische Karriere mit dem historischen Wahldebakel am 14. Oktober in Kelmis zu Ende gegangen.

Dass er sich 2014 ein weiteres Mal einen Platz im EU-Parlament sichern kann, ist unter Berücksichtigung der veränderten politischen Landschaft in der DG eher unwahrscheinlich. Es ist nicht einmal sicher, dass die CSP Groschs erneute Kandidatur für Straßburg unterstützen würde. Der Groschen ist gefallen.

GERARD CREMER

7 Antworten auf “Mathieu Grosch: Das Ende einer großen Karriere”

  1. Klärie Cormann

    Was hackt ihr immer nur auf Grosch rum. Schaut euch doch mal die ganze Bande an, da will doch jeder die erste Geige spielen und wenn es drauf ankommt die Oldies vorschieben und keine Courage zeigen. Laut reden und so weiter wie im Kindergarten können sie alle gut, doch unsere Neuen haben es nicht leicht, weil, wie sie feststellen mussten, ist doch nicht alles so gelogen. Wäre schön, wenn das Volk endlich mal von den Alten und Neuen der Regierung aufgeklärt würde, aber da werden die Neuen sich genauso in Schweigen hüllen wie die vorherigen.

  2. senfgeber

    Die Größe dieser großen Karriere ist so groß, dass der große Große die Größe hatte, sich nach seiner Abwahl nicht auf die kleine Oppositionsbank zu setzen. Auch da hätte er seiner Größe entsprechend große Größe zeigen können und den großen Auftrag der Bevölkerung, nun setz dich mal auf die Oppsitionsbank, annehmen können. So hätte er dem Eindruck entgegenwirken können, dass ihm der große Sessel des Bürgermeisters zwar gut steht, er sich aber für die kleine Oppositionsbank zu schade ist, denn er hätte einem „Generationenwechsel“ vor den Wahlen das Wort reden können und nicht erst nach seiner eklatanten Abwahl.
    Wenn dieser große Große bei soviel Größe nach diesem großartigen Schritt persönlicher Größe dann für die nächste Wahl des EP wieder von seiner Partei aufgestellt wird, dürfte diese sich noch mehr ins Abseits befördern.
    (Herr Cremer, seit wann ist es denn eine „Karriere“, sich auf einer politischen Liste aufstellen zu lassen und sich dann von Hinz und Kunz wählen zu lassen?)

  3. Krowpöngel

    Ob ich für oder gegen Mathieu Grosch bin tut nichts zur Sache. Fest steht das jede Entscheidung die er nach der Wahl treffe die Falsche sein würde. Wäre er in der Opposition geblieben, hätten die Leute (und die Journalisten) gesagt: „Hat er denn nicht verstanden daß seine Zeit vorbei ist und er Platz für die neue Generation machen soll?“ Nun macht er Platz für die Neuen, nun heisst es: „Er ist sich zu gut um die Oppositionsbank zu drücken!“
    Wollen wir einmal abwarten was die neue Gemeindeführung macht…

    • Bernd Neicken

      Genauso ist es. Wie er es macht, macht er es falsch. Aber die Leute, die eben ihren Senf dazu geben müssen (im Schatten eines Pseudonyms) hat man noch nie auf einer Liste gesehen, geschweige denn sich für irgendetwas engagiert, weil sie zum einen den ganzen Tag rumhängen und sich Gedanken machen wie man einen tollen Text mit 100 groß und Größe-Wortspielen verfasst, oder den ganzen Abend CO2 in die Atmosphäre pumpen, weil sie keine anderen Interessen haben. Aber da hat man ja dann wieder Zeit sich Gedanken über die Größe anderer zu sorgen. Trauriger Tagesablauf.

  4. senfgeber

    Diese lieben Klischees, die Politik ist kein Monopol für gesellschaftliches Engagement (doch für einige ein ausschließliches Monopol für die Bestreitung ihres Lebensunterhalts) und viele brauchen es auch nicht, sich auf Wahlplakaten bei Hinz und Kunz anzubiedern, das ist nun wirklich nicht beleidigend.

  5. Marc Van Houtte

    Sicherlich was das Abkommen mit der PS nicht die beste Idee aber dieses nachtreten halte ich für überflüssig, es macht mir hier den Eindruck einer Abrechnung.
    Wenn die meisten Lokalpolitiker die Wahl zwischen Eupen oder Brüssel- Strasbourg haben würden Sie ebenfalls Europa vorziehen. Aber Politik und Ehrlichkeit….
    Ja so mancher Ost Belgier meint das Eupen eine Metropole ist die Außenminister braucht.
    Jedenfalls war die Kampagne in Kelmis wo nur Herr Grosch als Verantwortlicher für einen hohen Ausländeranteils auf Kelmis Straßen genannt wird eine Sauerei.
    Nach dieser Karriere würden nur Leute die sich tu Tode langweilen sich in den Gemeinderat setzen.
    Besser hat es Herr Grosch gemacht so kann nachgerückt werden.

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