Gesellschaft

Ex-Frau von Kindermörder Dutroux im Sommer definitiv auf freiem Fuß – „Horror-Haus“ wird im Juni abgerissen

So sah Michelle Martin aus, als ihr 2004 in Arlon der Prozess gemacht wurde. Foto: Belga

Michelle Martin wird der Justiz bald keine Rechenschaft mehr schuldig sein. Wie Sudpresse am Mittwoch berichtet, hat die Ex-Frau von Kindermörder Marc Dutroux alle Auflagen, die ihr 2012 für ihre bedingte Entlassung während zehn Jahren von der Justiz gemacht wurden, eingehalten.

Die heute 62-jährige Michelle Martin wurde 2004 vom Geschworenengericht von Arlon zu 30 Jahren verurteilt, weil sie die Kinder, die Dutroux in seinem Versteck in Marcinelle gefangen hielt, nicht ernährt und  nicht gerettet hatte.

Michelle Martin war seit ihrer Verhaftung am 13. August 1996 inhaftiert und wurde am 31. Juli 2012 auf Bewährung entlassen. Am 28. August 2012 verließ sie das Gefängnis in Berkendael, um es nie wieder zu betreten.

03.08.2021, Belgien, Charleroi: Ein verbarrikadierter Eingang und ein übergroßes Bild eines Kindes, das einen Drachen in die Luft steigen lässt, an der Fassade des Hauses, in dem der Sexualstraftäter und Kindermörder Marc Dutroux seine Taten verübte. Das Gebäude in der Avenue de Philippeville in Marcinelle wird abgerissen und soll einer Gedenkstätte Platz machen. Foto: Esra Ayari/dpa

Martins Freilassung nach 16 Jahren Haft schockierte einen Teil der öffentlichen Meinung und die Familien der Opfer. Zehn Jahre lang wurde sie von einer Justizassistentin des Justizzentrums in Namur überwacht und bei regelmäßigen Terminen begleitet. Trotz ihres Alters (sie war damals über 50 Jahre alt) nahm sie ihr Studium wieder auf und machte in Namur einen Bachelor-Abschluss in Rechtswissenschaften.

Jean-Denis Lejeune, der Vater von Julie, reagierte mit viel Sarkasmus auf die bevorstehende definitive Freilassung von Martin: „Ich erfahre, dass Michelle Martin ihre Strafe verbüßt und völlige Freiheit genießt, nachdem sie meine Tochter Julie und ihre Freundin Melissa hat verhungern und verdursten lassen. Seien Sie nicht schockiert, das ist völlig normal. Es ist unser Rechtssystem, das das zulässt.“

Unterdessen wurde bekannt, dass das Haus in der Avenue de Philippeville in Marcinelle, in dem Dutroux die Mädchen Julie und Mélissa gefangen hielt, aller Voraussicht nach im Juni abgerissen wird. Die erforderliche Genehmigung für einen Abriss des „Horror-Hauses“ wurde erteilt, wie Sudpresse meldete. An der Stelle soll eine Gedenkstätte für die Opfer errichtet werden. (cre)

18 Antworten auf “Ex-Frau von Kindermörder Dutroux im Sommer definitiv auf freiem Fuß – „Horror-Haus“ wird im Juni abgerissen”

  1. Robin Wood

    „Martins Freilassung nach 16 Jahren Haft schockierte einen Teil der öffentlichen Meinung und die Familien der Opfer.“

    Vollkommen zu Recht. Jemand, der unschuldige Kinder verhungern lässt und weiss, was die Peiniger ihnen noch Grausames antun, muss für immer hinter Gittern bleiben.
    Diese gerichtliche Entscheidung muss wie eine schallende Ohrfeige für die Angehörigen aller Opfer sein. Wie hätten die zuständigen Richter wohl reagiert, wenn das eigene Kind vergewaltigt worden und verhungert wäre.
    Was für ein kaputtes Rechtssystem!

  2. Vive la Belgique

    🤬🤮
    Belgischer Staat und Europa
    Frei wird die sich hoffentlich nicht fühlen.
    Jegliche Daseinsberechtigung dieser und aller Beteiligten Personen in diesem und anderen Fällen darf nicht sein, Punkt.
    Ungeschriebenes Gesetz.

    • Robin Wood

      @ZDF Doku 2001
      Danke für diese interessante Doku. Mehr offene Fragen als Antworten. Zu viele tote Zeugen, die nicht aussagen konnten. Dutroux, der als Sozialhilfeempfänger (!) 5 Häuser und mehrere Konten mit viel Geld hatte… Unsere Justiz hat wieder einmal versagt bzw. wurde „aufgehalten“. Ich nenne sowas korrupt und mir tun die Angehörigen leid, die niemals die Wahrheit erfahren werden.

  3. Ungeheuerlich

    Wieder so eine Tatsache, welches Rechtssystem in Belgien angewandt wird!? SElbst eine Beihilfe zum Tode von unschuldigen Kindern, wird nicht mal gerecht bestraft! Ungeheuerlicher Vorgang! In welcher Welt leben wir wohl hier?

  4. dans le trou

    wie konnte es überhaupt möglich werden, daß diese Frau studieren durfte und dann auch noch für Anwältin???
    Was hier in diesem Land alles schief läuft. Aber fahr mal zu schnell oder parke einmal länger wie eine Stunde in Eupen !!!!

  5. Gastleser

    Das es einer Mörderin gestattet wird zu studieren ist eine Schande. Denn das ist sie in meinen Augen. Sie hätte die Mädchen retten können und hat es nicht getan. Sie sollte genauso wie ihr Mann für immer in den Knast bei Wasser und Brot. Aber nein die Richter geben so einer auch noch eine Chance. Beschämend.

      • @ Bestätigung , wie schrieb doch der ganz oben erwähnte Leo K. “ Viele vergessen , das Michelle Martin nun selber Anwältin ist “
        Meinst Du auch nicht das dieser Herr sich in seiner Schreibweise vielleicht vergriffen hat ?????

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