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Die Lehrerausbildung dauert ab September vier Jahre – ist dafür aber vielseitiger und mehr praxisbezogen

Vorstellung der reformierten Lehrerausbildung (v.l.n.r.): Cornelia Keutgen, Thomas Brüll, Minister Jérôme Franssen und Cathérine Mattar. Foto: Helmut Koch

Im September 2025 startet an der Autonomen Hochschule Ostbelgien in Eupen die reformierte Ausbildung für Kindergärtner und Primarschullehrer. Was in Zukunft anders werden soll, war Thema einer Pressekonferenz in der AHS.

„Wir haben die Reform und Verlängerung des Studiums auf vier Jahre zum Anlass genommen, das Programm auf den Prüfstand zu stellen und den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen des Lehrerberufs in Ostbelgien anzupassen“, schildert Cathérine Mattar, Leiterin des Fachbereichs Bildungswissenschaften an der AHS, das Vorhaben.

Bereits 2017 wurde das Projekt an der AHS eingeläutet, indem die Bedürfnisse der Berufe analysiert und daraufhin ein angepasstes Kompetenzprofil für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen erstellt wurde. Dieses ist nun seit drei Jahren verankert und bildet das Gerüst der reformierten Ausbildung.

Unterrichtsminister Jérôme Franssen (CSP). Foto: Helmut Koch

Ab September steht nun ein Studienjahr mehr Zeit zur Förderung dieser Kompetenzen zur Verfügung. Cathérine Mattar ist dabei wichtig zu betonen, dass nicht einfach ein Jahr zum bestehenden Studium hinzugefügt wird, sondern dass sich alle vier Studienjahre grundlegend verändern.

– Neue Studieninhalte und Vertiefung des Bestehenden: Eine bedeutende Entwicklung ist, dass die aktuellen Zusatzausbildungen in Förderpädagogik in beiden Abteilungen und in der Fremdsprachendidaktik Französisch in der Abteilung Primarstufe in das Grundstudium integriert werden. „Mit dem Abschluss des Studiums werden alle Absolventen die Zulassung besitzen, den Fremdsprachenunterricht in den Grundschulen zu erteilen und als Förderpädagoge oder als Lehrperson im Förderschulwesen zu arbeiten“, so der zuständige Minister Jérôme Franssen (CSP).

– Die Liste der vertiefenden oder neuen Studieninhalte ist lang: Pädagogische Diagnostik, die Arbeit im multiprofessionellen Team, die Förderung überfachlicher Kompetenzen, Medienpädagogik, politische Bildung und Bildung zur nachhaltigen Entwicklung und die Kommunikation mit Erziehungsberechtigten werden ebenso wie die Stärkung der Lehrerprofession und ihrer persönlichen Ressourcen vertieft in das Studium aufgenommen. Ein aufbauender Masterstudiengang in schulischer Heilpädagogik, der auf den ostbelgischen Bildungssektor zugeschnitten ist, ist in Kooperation mit anderen Universitäten in Planung.

– Kurse vom Kinde her gedacht: Die Reform hat auch Auswirkungen auf die Kursbezeichnungen. In Zukunft werden die Studierenden nicht mehr in Kursen „Fachdidaktik Deutsch“ oder „Entwicklungspsychologie“ sitzen, sondern Kursen folgen, die mit ihrem Titel bereits auf die Bedeutung für die schulische Praxis hindeuten: „Kinder gestalten Sprache in Wort und Schrift“, „Kinder nutzen individuelle Lernwege“ oder „Kinder erfahren entwicklungsförderliche Beziehungsgestaltung“.

Foto: Shutterstock

„Mit diesen Bezeichnungen möchten wir verdeutlichen, dass alle Kurse vom Kinde her gedacht sind und somit das Lernen und die Entwicklung der Kinder fokussieren“, so Cathérine Mattar. Dass sich nicht nur der Rahmen, sondern auch die Inhalte ganzheitlich weiterentwickeln, wird bei der Vorstellung deutlich. Die Förderung der Kompetenzen für eine inklusive Schullandschaft ist der AHS dabei besonders wichtig.

Mehr Praktikum in verschiedenen Kontexten: Fast verdoppelt wird der Umfang der Praktika im reformierten Studium. In sechs verschiedenen Praktikumssituationen werden die Studierenden insgesamt 26 Wochen im Praktikum verbringen. Dass ein Mehr an Praktikum nicht unbedingt zur Qualitätssteigerung führt, machte Anne-Sophie Pelegrin, Referentin für die Reform an der AHS, deutlich. Um die Qualität in den ausgeweiteten Praktika zu sichern, werde die Kooperation mit den Schulen in der Region und die Zusammenarbeit mit den erprobten Lehrpersonen, die die Studierenden in den Praktika begleiten, gestärkt.

Die AHS ruft Lehrpersonen zur Teilnahme an einer Pilotgruppe auf, die im Konzept der kooperativen Praktika mitwirken möchten. Dabei übernehmen die Studierenden schrittweise Verantwortung in den Klassen, lernen noch gezielter im Co-Planning und Co-Teaching mit den Lehrpersonen und können sich zu Beginn auf das Üben ganz zentraler Aufgaben im Lehrberuf konzentrieren, ein Unterstützungsgerüst, das nach und nach mit zunehmender Praxiserfahrung der Studierenden abgebaut wird.

– Innovative Lehr- und Lernformate: Parallel zur inhaltlichen Ausrichtung des Studiums hat sich das Team in Bezug auf die Gestaltung des Hochschulalltags auf den Weg gemacht. „Wir möchten an der AHS noch mehr Hochschulfeeling verankern und nicht das Gefühl entstehen lassen, in einer erweiterten Sekundarschule zu sein“, sagt Cornelia Keutgen, Direktorin der AHS. Dazu wurde auch der Studienkalender angepasst, sodass im reformierten Studium mehr Zeit für Eigenarbeit und das eigentliche Studieren verankert wird. Gleichzeitig werden Prüfungsformate und -momente überdacht und Kursformate umgestaltet, teils im Blended Learning-Format. „Wir werden zukünftig verstärkt in Blöcken arbeiten, sodass Studierende sich über einen begrenzteren Zeitraum intensiver mit Inhalten auseinandersetzen können“, sagt Cathérine Mattar.

Foto: Shutterstock

– Aufnahmeverfahren als eine Zulassungsbedingung: Wer an der AHS im Fachbereich Bildungswissenschaften studieren möchte, muss auch in Zukunft ein Aufnahmeverfahren erfolgreich absolvieren. Dieses besteht weiterhin aus einer Selbstreflexion, einer Prüfung kognitiver und sprachlicher Grundvoraussetzungen und einem Gespräch. Ergänzt werden die Zulassungsbedingungen um den Nachweis des DELF-Diploms in der französischen Sprache: Studierende des Lehramts Kindergarten müssen zu Studienbeginn den Nachweis über das B1-Niveau erbringen, Studierende im Lehramt Primarstufe benötigen den B2-Nachweis.

„Ich spüre in unserem Team viel Motivation und Vorfreude, dass es im September endlich losgeht“, berichtete Cathérine Mattar. Aber auch Anspannung und Unsicherheiten sind zu bemerken: „Natürlich sind wir gespannt, ob wir unsere Visionen wie geplant umsetzen können. Auch die Durchführung der parallel auslaufenden dreijährigen Studiengänge wird uns bestimmt vor die ein oder andere Herausforderung stellen. Aber es überwiegt ganz klar die Freude über den Start der Umsetzung der Reform“.

Dass dazu nicht nur die Hochschule gefordert ist, stellt sie dabei auch klar: „Eine qualitativ hochwertige Ausbildung kann wie bisher nur im Schulterschluss mit den Praktikumsschulen geschehen. Ohne die wichtigen Praxiserfahrungen, für die es ausreichend Praktikumsplätze benötigt, geht es nicht“, so Mattar weiter.

– Informationsvideo und -veranstaltungen: Um die Reform der Öffentlichkeit zu präsentieren, hat die AHS ein Werbevideo erstellt, welches über ihre Webseite und über sämtliche soziale Kanäle aufgerufen werden kann. Zudem lädt die AHS Studieninteressierte zu ihrem Studieninformationstag am 9. April ein, bei dem auch die anderen Studiengänge der AHS vorgestellt werden. Im Juni lädt die AHS nochmals alle Interessierten zur öffentlichen Vorstellung der Reform und zum Austausch über die reformierte Ausbildung ein.

Mehr Infos unter www.ahs-ostbelgien.be

28 Antworten auf “Die Lehrerausbildung dauert ab September vier Jahre – ist dafür aber vielseitiger und mehr praxisbezogen”

    • Pascale Baudimont

      Man hält uns wirklich für Idioten! Früher konnte man mit 18 Jahren Lehrerin werden. Man wählte einfach diesen Weg in der Sekundarschule, und mit 19 hatte man schon eine feste Stelle. Und wisst ihr was? Alles lief viel besser!

      • DR ALBERN

        @ Pascale Baudimont, da hatten wir auch noch nicht die ZUGEZOGENEN!!! Wer will denn heute noch Lehrer werden??? Sich dauernd anpöbeln lassen und auch noch mit dem Rechtsanwalt bedroht werden!!!

    • Guido Scholzen

      = = = ACHTUNG +++ SATIRIK = = =
      doch, das passt irgendwie zusammen. Wenn die heutigen Schulabgänger dümmer sind als früher, dann müssen die länger ausgebildet werden.
      😂😂😂
      = = = SATIRIK AUSSCHALTEN = = =

      P.S.: als einst gläubiger Katholik habe ich mich immer gefragt, warum ein Priester-Studium bis zu 7 Jahre dauern muss. 🤔
      Antwort: Damit genug Zeit vorhanden ist, um diese Kerle „weltanschaulich zu trainieren.“ (ok, ‚verblöden‘ ist auch eine Formulierung dafür)
      und das selbe geschieht auch mit unserem Lehrerpersonal, oder?🙄

      • KLARTEXT

        Sorry wen an eine Fiktive allmächtige Märchenfigur glaubt für welche es nicht eimal glaubwürdige Indizien geschweige Beweise gibt, braucht kein Studium sondern einen guten Psychiater !

        So ein Schwachsinn hat in der Schule / Bildung nichts zu suchen ! Egal welcher Glaube / Religion !

        Eine MPU sowie ein fachlicher Eignungstest für alle Lehrer Anwärter wäre sinnvoller.

        Nur weil einer etwas Studiert hat, bedeutet dass nicht dass dieser auch Ahnung davon hat !

        Wie bekannt hat Inteligenz nichts mit Bildung zu tun, man kann 7 Prof. und 18 Dr. Titel haben und trotzden dumm wie ein halber Meter Feldweg sein !

  1. delegierter

    Schreckt das nicht ab, 4 Jahre ? Müssen das nicht auch Pflege-Studenten ?
    Gebt den Leuten ein Grundgehalt ( 500 € im 3. Jahr, 750 € im 4. Jahr). Die haben ja auch Kosten, ev. Auto, Miete…. . Wer nicht 10 Jahre im Beruf bleibt, muß zurückzahlen.
    Als Polizist machst du auch eine Ausbildung und wirst von Anfang an bezahlt und ich glaube nach 6 Monaten zum Abzocken auf die Menschheit losgelassen.

  2. Komisch?!

    Zu meiner Zeit machte man das Abitur, ein Jahr Normalschule und war Lehrer – und die Schüler, die von diesen Lehrern ausgebildet wurden, waren in der Lage ein Abitur „mit Niveau“ zu erlangen und Universitätsstudien mit Erfolg abzuschließen.

    Heute dauert das Lehrer–Studium 4 mal solange und das Abitur der aktuellen Schüler entspricht dem Niveau des früheren „Einjährigen“ (9tes Schuljahr) – laut Information einer Direktorin.

    Woran das wohl liegt …?

    Da braucht man sich nicht zu wundern, dass Europa „den Bach runter geht“.

  3. Dass die Lehrerzimmer die Brutstätten der links/grünen Ideologie sind ist je kein Geheimnis und wohin das führt siehe hier:
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article255858068/Schulen-Die-Linke-will-Hausaufgaben-abschaffen-Strukturelle-Ungerechtigkeit.html
    …..
    „Hausaufgaben vertiefen die soziale Spaltung“, zitierte der „Stern“ aus einem Forderungspapier, das van Aken mit der Linken-Bildungsexpertin Nicole Gohlke verfasst hat. Darin heißt es weiter: „Wer Eltern hat, die helfen können, kommt weiter. Wer nicht – bleibt zurück. Wer kein eigenes Zimmer hat, keine Ruhe, keine Unterstützung, bekommt schlechtere Noten.“ Dies sei „keine individuelle Schwäche, das ist strukturelle Ungerechtigkeit“.
    ……
    /////
    Ich befürchte nur dass in der Lehrerausbildung noch 1 Jahr mehr die Ideologiefestigkeit gefördert wird. Prüfungen und Hausaufgaben, ja das gesamte Leistungsprinzip, alles wird abgeschafft was der Gleichheitsideologie im Wege steht. Die Schule hat keinen politischen Erziehungsauftrag sondern einen wertefreien Bildungsauftrag. Aber davon entfernt man sich immer weiter und so kommt es dass Abiturienten genau wissen wie klimaschädlich ein Auto ist aber mit der theoretischen Führerscheinprüfung heillos überfordert sind.

    • Nein, die theoretische Führerscheinprüfung ist abstrus schwer, die Fragen sind irreführend gestellt. Alles zum Zweck, so viele Leute wie möglich durchfallen zu lassen, um noch mal die 70-Euro-Gebühr zu kassieren. Aber gut, anderes Thema …

      Zu diesem Thema. Ich denke, an den bestimmten Stellen sitzen Leute, die sich ein bisschen zu wichtig nehmen und ihre hochbezahlten Posten durch allerhand Schwurbelei rechtfertigen müssen. So anders als früher sind die Kinder nicht, Missstände in Primarschulen sind mir nicht bekannt, ich sehe viele gut ausgebildete, hochmotivierte Lehrer und gebe meine Kinder morgens ruhigen Gewissens dort ab. Hier wird, ähnlich wie mit der „Aufnahmeprüfung“ für Primarschullehrer, ein Problem kreiert, wo keins ist, weil da irgendwo in den Administrationen Leute sitzen, die sich langweilen.

  4. Noch mehr!?

    Alles wird Heutzutage verparagraphiert und extremer gedacht und danach-gemacht! Hierbei beloben sich dessen Erfinder bereits beim Vordenken und Entscheiden! Natürlich, ich-wir waren das!?
    Warum nicht mal folgendes erdenken: aus Vier macht eins!?
    Ein Minister statt deren Vier bedeutet, jede Menge billiger und effizienter!?
    Das steht jetzt schoon fest!

    • War absolut nicht nötig

      Na ja , den momentanen Tourismusminister war absolut nicht nötig bei diesen Zeiten .
      Hauptsache , das Greisenteam vom Büchel hatte diesen Herrn mit aller Gewalt durchgeboxt .

    • Verwaltunbg und Minister … haben halt nicht wirklich etwas zu tun!
      Sie erschaffen nichts sind bauen um um sich zu rechtfertigen, Lächerlich !
      Life is a cabaret …
      Wo bitte bleiben Effizienz und Menschenverstand, die sollte alle samt ins Unternehmertum wechseln, dann müssen Resultate und Rentabiliteit gezeigt werden ! ;-)

  5. Noch mehr Praktikum? Die „Generation Praktikum“ lässt grüßen! Mehr Wochen in mehr Kontexten führen nicht automatisch zu besser ausgebildeten Lehrkräften. Statt Quantität zu steigern, sollte die Qualität der Ausbildung im Fokus stehen – durch gezielte Begleitung und fundierte Theorie-Praxis-Verknüpfung statt endloser Praktikumsschleifen.

  6. Stinkesatt

    Auweia! Immer mehr an Oberlehrerhaften Verordnungen, Erlasse und Paragraphen von oben herunter!? Macht diesen Laden und noch viele weiteren eher leichter, schneller, gezielter, produktiver und vor allem Menschenfreundlicher! Euer ewiges Gewurschtel und um Anerkennung werbendes Gedöhns geht allen auf den Wecker, und dann auch noch in dem Umfang?! Nicht nur den Lehrern und den Schülern, sondern dem geschröpften Volk! Stopp dieser Entwicklung!

  7. Wenn alles gut klappt, Abitur, mit 19.
    Studium zum Lehreramt dauert 4 Jahre…wiederum, wenn alles gut klappt.
    Danach ein Sabbatjahr zu Erholung der „erlittenen Strapazen“.
    Mittlerweile ist dann der potentiellen Lehrer 24 Jahren jung…alt…wie jeder mag…wenn alles gut geklappt hat.
    40 Dienstjahre sind wohl ein minimum das heißt dann Rente mit 64.
    Wofür streiken die dann, wenn man mit 64 nicht mal eine volle Laufbahn aufbieten kann…
    Wenn alle Ferien abgezogen werden sollen, kommt das Lehrpersonal gerade mal, verglichen mit einem Fabriksarbeiter auf 60% gearbeiteten Zeit…
    Ja dann…bloß weiterstreiken…

  8. Clownfisch

    Herr Minister, es wird händeringend nach Lehrer“innen“ u. Kindergärtner“innen“ gesucht.
    Und jetzt hängt man noch ein Jahr dran?
    Wie wollen sie da neue Leute motivieren diesen Job zu erlernen und auszuüben?
    Ne Aufnahmeprüfung als wenn man den Nobelpreis gewinnen will und dann 4 Jahre für nen Bachelor? (Wenn alles klappt!)

    Oder wollen Sie einsprigen wenn´s knapp wird?

    • Wetten, der Minister weiß keine Antwort? Auch, weil es keine gibt! Und es wird ein Jahr ganz ohne Abgänge geben! Und Lehrerstreiks! Und Motivationsverlust! Und Teilzeitberuf ohne Ende für Frauen! Und Männer eh Mangelware! Und Und Und…

  9. Regendat, Master und Co

    Ich weiss nicht, ob das wirklich so eine gute Idee ist? Wird der Schulunterricht besser? Es tut sich jetzt schon eine grosse Ungerechtigkeit auf. Studiert der zukünftige Lehrer in der Wallonie, so hat der Student nach 4 Jahren einen Master. Da werden sich doch viele junge Leute wirklich dreimal Überlegen dieses Studium noch zu machen. Also 10 Punkte für die DG Regierung. Der Fachkräftemangel ist vorprogrammiert.

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