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Jugendliche mit weniger Zeit fürs Smartphone sind laut Studie glücklicher

Foto: Shutterstock

Dass ständiges Online-Sein labile Jugendliche runterziehen kann, haben schon mehrere Studien gezeigt. Eine neue Untersuchung weist darauf hin, dass auch die große Mehrheit durch zu viel Gedaddel nicht glücklicher wird.

Instagram-Likes checken, die täglichen Snapchat-Kontakte am Laufen halten, mit Freunden texten und dann noch online Hausaufgaben machen. Viele Teenager nutzen mittlerweile mehrere Stunden am Tag ihr Smartphone oder Laptop.

Eine neue US-Studie liefert weitere Hinweise für etwas, das selbst viele der jungen Dauernutzer schon ahnen: Immer mehr Zeit online zu verbringen heißt nicht zwingend, sich immer besser zu fühlen.

Maximal 1 Stunde täglich

Im Gegenteil. Am glücklichsten sind die Teens, die nur knapp eine Stunde täglich online sind – das zumindest ergab die Studie der San Diego State University, die im Fachmagazin „Emotion“ veröffentlicht ist.

Für die, die länger als eine Stunde pro Tag am Bildschirm kleben, sinken die Zufriedenheitswerte – ebenso bei denen, die gar keine Digitalmedien nutzen (dürfen).

Weniger Kontakte von Angesicht zu Angesicht. Foto: Shutterstock

Einen kausalen Zusammenhang stellt die Studie allerdings nicht her, sondern zeigt nur eine Korrelation – es bleibt also unklar, ob die Zufriedenheit wirklich an die Medien-Nutzung gekoppelt ist oder an andere, damit verbundene Faktoren.

Insgesamt zeigte sich: Jugendliche, die einen größeren Teil ihrer Freizeit mit Sport, Lesen oder Verabredungen verbringen als mit Online-Aktivitäten wie Computerspielen, sozialen Medien oder Video-Chats mit Freunden, fühlen sich deutlich glücklicher als solche, bei denen das Verhältnis umgekehrt ist.

Das Team um die Psychologin Jean Twenge durchforstete dazu Daten einer jährlichen, repräsentativen US-Langzeituntersuchung (Monitoring the Future), für die seit 1991 mehr als eine Million Acht-, Zehnt- und Zwölftklässler befragt wurden.

Dabei stiegen Selbstachtung, Lebenszufriedenheit und das Gefühl, glücklich zu sein, seit den 1990er Jahren bei den Teenagern insgesamt stetig an. Ab 2012 jedoch – dem Jahr, in dem die Hälfte aller US-Teens ein Smartphone besaß – kehrte sich der Trend abrupt um.

Ähnliche Zahlen hatte Twenge im Sommer 2017 schon in ihrem Digitalmedien-kritischen Buch zur sogenannten „iGeneration“ vorgelegt – und dafür von Fachkollegen wegen des alarmistischen Tons nicht nur Lob bekommen.

Doch Twenge ist überzeugt: „Der bei weitem größte Unterschied im Leben von Teenagern 2012 und 2016 war der Anstieg der Zeit, die sie mit sozialen Medien verbrachten – und der daraus folgende Rückgang bei Sozialkontakten von Angesicht zu Angesicht und bei der Schlafdauer.“

Technologie ist schnell der Sündenbock

Die Forscherin Amanda Lehnart (Better Life Lab) mahnt in der „Washington Post“ an, dass es schwierig sei, die Bildschirmzeit von anderen möglichen Stressfaktoren im Leben der Jugendlichen zu unterscheiden – etwa politisch bedingten oder ökonomischen Lebensumständen. „Technologie wird heute schnell zum Sündenbock gemacht – sie ist neu, sie macht Angst, sie verändert das Leben von uns und unseren Kindern.“

Kommunikationsforscherin Dorothée Hefner (Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover) hält die Studie für plausibel und nachvollziehbar – „auch wenn die zwar breite, aber wenig tiefe Datenbasis kaum Erklärungen dafür liefert, warum ein Mehr an Online-Aktivitäten mit einem Weniger an Lebensfreude zusammenhängt.“

Eine Zeichnung mit einem durchgestrichenen Smartphone weist eine Smartphone-freie Zone aus. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Hefner, die selbst jüngst ein Buch zum Phänomen „Permanent Online, Permanent Connected“ mit herausgegeben hat, glaubt, dass die Angst davor, etwas zu verpassen, für viele Jugendliche ein wichtiges Motiv bei der exzessiven Smartphone-Nutzung ist. Dann sei auch eine Abwärtsspirale möglich – etwa, wenn man passiv mitlese und sehe, wovon man alles ausgeschlossen sei. Auch Neid spiele beim Lesen von Posts oft eine Rolle.

Bei instabilen Jugendlichen könne der ständige Vergleich mit anderen möglicherweise eine Depression anfeuern. „Ich würde mich jedoch nicht so weit aus dem Fenster lehnen, zu behaupten, dass das Smartphone die Suizidrate noch oben treibt“, sagt Hefner. Und es dürfe nicht vergessen werden, wie viel Chancen der sozialen Unterstützung, der Information und Bildung die Online-Welt für junge Menschen biete.

Ähnlich wie andere deutsche Studien zieht auch Hefner den Schluss: „Beschränkung macht mit Sicherheit Sinn.“ Fraglich sei, ob beim Smartphone eine strikt zeitliche Begrenzung funktioniere. „Was aber geht: kein Smartphone beim gemeinsamen Essen und bei Gemeinschaftsaktivitäten, kein Smartphone abends und nachts im Bett. Und tagsüber smartphonefreie Fenster.“ All dies in Absprache und Aushandlung mit dem Nachwuchs.

Das ist deutlich weniger strikt als manche Regeln, die US-Technik-Titanen ihren Sprösslingen auferlegen: Sie schicken sie im Silicon Valley nicht nur auf Technologie-freie Schulen, sondern erlauben ihnen Smartphones auch erst ab 14 Jahren – wie etwa Bill Gates dies tut. (dpa)

5 Antworten auf “Jugendliche mit weniger Zeit fürs Smartphone sind laut Studie glücklicher”

  1. ?_?_?_?_?_?_

    Zeit ohne Zeit

    Die Menschen haben Welttheater in den Fernsehschränken
    und PKWs mit Schallgeschwindigkeit.
    Sie haben alles, was sich Menschenhirne denken,
    Doch Sie haben eines nicht mehr – „ keine Zeit ! “

    Sie haben keine Zeit mehr für das Innenleben
    und keine Stunde übrig für Gemütlichkeit,
    Sie haben kaum noch Zeit, die Hände sich zu geben,
    Und der Refrain des Tages lautet: „ keine Zeit ! “

    Sie haben Geld, Wohlstand, reichgefüllte Teller,
    auch Arbeit, Hast, Unruh, Müh und Plag.
    Sie leben nebeneinander – alle für sich selber
    unbewusst hinein in jeden neuen Tag!
    Der ganze Sinn in ihrem Leben
    hier auf dieser irdischen Welt
    liegt sehr oft nur in dem einzigen Bestreben
    nach Ansehen, Würde, Macht und Geld.

    Sie rasen rastlos über unbegrenzte Straßen
    und haben nicht mal Zeit zur Zufriedenheit !

    Sie haben eines noch, – und – das auch nur gezwungenermaßen
    grad – für das Sterben – noch ein Viertelstündchen Zeit !

  2. Alfons Van Compernolle

    Ach, was haben wir nur frueher ohne Haendy & Smart-Phone gemacht ????
    Ich kann mich nicht erinnern, dass wenn ich jemanden eine Nachricht uebermitteln wollte, dass dieses
    nicht geglueckt waere. Stimmt: immer und ueberall zu jeder Zeit erreichbar sein zu wollen / koennen / muessen, ist schon eine qual ! Ich bin hier rueckstaendig, mein altes Haendy ist meistens „AUS“ und zu Hause liegend. Und ja, ich schreibe wenige Mails, sondern meistens Briefe mit der Hand und Federhalter und maschiere zur Post, was in meinem Alter gut tut !

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