Leserbrief

Johann Klos: Land in Sicht?

„On ne peut plus maintenir la politique de frontières ouvertes ou on aura une nouvelle sous-classe sociale que personne n’attend“: Plattitüden einer flämischen Parteivorsitzenden. Es gibt für mich wesentlich Tiefsinnigeres, um den Bürgern zu vermitteln, dass ein unbegrenzter Zuzug zu einer Gesellschaftsordnung führt, welche tendenziell die Gesellschaft spalten wird in eine Vielfalt von Gruppen und Gemeinschaften, welche ihren Zusammenhalt sowie die Verbindlichkeit ihrer Werte einbüßen werden. 

Eine multikulturelle Gesellschaft dieser Größenordnung ist immer unsolidarisch. Sie wird außerdem von beträchtlichen sozialen Ungleichgewichten geprägt werden. Integration wird durch kontinuierlichen ungeordneten Nachschub von Migranten auf der Strecke bleiben müssen.

Wir vergessen das Wesentliche. 

Der Neoliberalismus hat es mit Duldung der politischen „Mitte“ doch super hinbekommen, das bisschen Solidarität, das unsere Vorfahren auch durch den damals noch verbreiteten Glauben an die Allmacht Gottes inne hatten, zu zerschlagen. 

Der Staat, seine Repräsentanten haben es nicht als ihre Aufgabe gesehen, hier einzuspringen, um den Bürgern die Wichtigkeit dieser Tugend zu vermitteln, im Gegenteil. Es lebe die Ellenbogengesellschaft! Darf die Frage erlaubt sein, wie man Menschen, welche man jahrzehntelang dem Konsumrausch unterworfen hat, denen das Gefühl schon für ein Miteinander in den Familien verloren gegangen ist, jetzt plötzlich vermitteln werden soll, auch für Personen finanziell eintreten zu müssen, die im umgekehrten Fall aller Voraussicht nach nichts leisten würden?

Sollten wir zuerst nicht eine längst überfällige Analyse hinsichtlich der Wirtschaftslage der westeuropäischen Länder, deren Zukunftsaussichten, mit einer Gegenüberstellung des verfügbaren Arbeitnehmerpotenzials erstellen und auswerten? Es ist davon auszugehen, dass Industrie-4.0-Systeme im Fall ihrer breiten Durchsetzung die bisherigen industriellen Arbeitswelten nachhaltig verändern werden.

Vermutlich würde man dann per Saldo feststellen, dass ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung „abzuschreiben“ ist, ohne kurz- oder mittelfristige Aussicht auf lohnenswerte Arbeit. 

Der tausendfache Zuzug von Menschen ohne für unsere Wirtschaft passende Qualifikation wird diese Misere noch verstärken, mit voraussehbarem Leid für die Betroffenen und nicht voraussehbaren Kosten, insbesondere auch der Gesundheitssysteme, welche auch wir sogenannten reichen Länder nicht mehr ohne neue Schuldenlast stemmen könnten.

Eine solche ungeordnete, einem Bienenschwarm ähnliche Multikulti-Gesellschaft wird im Zweifel eine unsolidarische sein, mit zu erwartendenVerteilungskämpfen und daraus resultierende soziale Spannungen, welche mittels einer demokratischen Grundordnung nicht mehr zu meistern sein werden. 

Asylrecht für alle Kriegsflüchtlinge bleibt unsere Menschenpflicht,  aber zeitlich begrenztes Asyl ist alternativlos! Die umgehende Heimreise – auch eventuell mit einer Anschubfinanzierung all derer, welche aus Perspektivlosigkeit zu uns gekommen sind – leider unumgänglich.

11.11.2015 Johann Klos, Eupen

14 Antworten auf “Johann Klos: Land in Sicht?”

  1. Heuchel-Ei

    Hallo Herr Klos,
    Ob Plagiat oder nicht, Sie stehen dahinter mit Ihrem Namen und das alleine zählt.

    Wie trefflich bemerkt sind wir hier in Europa und auch in anderen kapitalistischen Staaten zu einer
    Nicht-Wertegesellschaft mutiert.

    Jetzt kommen hunderttausende Menschen wenn nicht sogar Millionen die Werte haben.
    Es sind nur nicht die Werte was wir unter Werte verstehen.

    Auf der Suche nach immer mehr Einfluß und Macht wird dem Kapital Tür und Tor geöffnet.
    Was nicht passt wird von der Politik und den Medien passend gemacht.

    Bis jetzt saßen die Verlierer auf anderen Kontinenten.

    Kriege werden immer durch Armut geschürt, es ist der Nährboden für faschistische Gruppierungen.

    Unseren sogenannten materiellen Wohlstand wird auf dem Rücken der armen dieser Welt ausgetragen.

    Auch bei uns gibt es schon viele Verlierer dieses Systems.
    Nur heißt es hier nicht nur Armut sondern Stress, Burn-out, Herzinfarkt usw.
    Wir werden uns darauf einrichten können das auch hier die materielle Armut
    ansteigen wird.
    Das nimmt das Kapital billigend in Kauf, denn nur durch alleinigem Zuwachs der
    Weltbevölkerung werden die Gewinne sprudeln.
    Und wenn interessiert es schon wenn da ein paar Milliarden auf der Strecke bleiben.

    Wir müßen immer nur brav den Politikern glauben. Wachstum, Wachstum und nochmal
    Wachstum, schafft ja Arbeitsplätze.

  2. Zaungast

    „Eine solche ungeordnete, einem Bienenschwarm ähnliche Multikulti-Gesellschaft wird im Zweifel eine unsolidarische sein,“

    Im Original steht:“Eine Multikulti-Gesellschaft wird im Zweifel eine unsolidarische sein.“

    Das Bild mit dem Bienenschwarm ist also auf Ihrem eigenen Mist gewachsen. Das hätten Sie besser unterlassen sollen, denn ein Bienenschwarm ist alles andere als ungeordnet. Bienenvölker sind sehr gut organisierte Gesellschaften, zwar mit einer Königin und also eine absolutistische Monarchie, aber sonst ohne Verteilungskämpfe, Asylanten, Obdachlose, Steuerhinterzieher, Gewerkschafter, Mindestlohn, Hartz IV, Sprachenprobleme, usw.

    Ihren Doktortitel sind Sie auf jeden Fall los. Wer schon abkupfert, sollte das auch angeben und sich nicht mit fremden Federn, sprich brillanten Formulierungen schmücken.

    Aber an dem Satz ist was dran. Die grösste Multikultigesellschaft sind die USA, die bei all ihrem Reichtum noch nicht einmal ein funktionierendes Sozialsystem auf die Reihe bekommen, aber wohl auf den Mars fliegen wollen

    Das Gegenteil wäre dann sicher eine Einkulturgesellschaft, die alles Fremde rigiros ausgrenzt und die höchste Solidarität übt, aber nur den eigenen „Volksgenossen“ gegenüber. Moment, das hatten wir doch schon mal. „Ein Volk, ein Reich, ein Führer!“ Vergleiche mit Heuschreckenschwärmen und anderem Ungeziefer, das es auszurotten galt, waren die Folge. Wie das dann weiterginng, wissen wir.

    Also kein Mitgefühl zeigen, wenn Asylanten an unseren Grenzen stehen. Zäune bauen, hart bleiben. Gerade an Sankt Martin, wo die Szene des Mantelteilens zwischen dem römischen Soldaten und den armen Bettler so rührend vor strahlenden Kinderaugen nachgestellt wird. Der Bettler war sicher auch ein römischer Staatsbürger, sonst hätte er weiter frieren müssen. Christlich-abendländische Werte eben nur für christlich-abendländische Menschen. Haushoch über dem Islam.

  3. Öppe Alaaf

    Betrachten wir Herrn Klos nicht als einen kompetenten Politiker, sondern als einen Menschen, der hier und da etwas aufschnappt, zusammenkopiert und der Community in OD zur Verfügung stellt.

    Das Stichwort heisst „Erwartungsmanagement“: Wenn die Erwartungen an Herrn Klos auf ein realistisches Maß reduziert werden, dann darf er sogar copy & paste, ohne Schaden zu nehmen. Einfacher gesagt: „Ist der Ruf erst ruiniert, …“

    Ich tu‘ mir jetzt den Artikel in der Welt nicht an, Herr Klos, weil ich glaube, Sie haben etwas anderes im Sinn.

    …und JA! Ich habe wieder ‘was zu ergänzen.

    Wie kommen Sie darauf, dass multikulturelle Gesellschaft unsolidarisch ist? …ach ja, dumme Frage. …abgeschrieben. …ich werde alt!

    Was bedeutet multikulturell?

    Bedeutet die hier so oft zitierte „deutsche Kultur“ der DG im ach so bösen Belgien (na ja, dessen Konstrukt) bereits, dass der gemeine Ostbelgier sich unsolidarisch verhält? …also Moment…vielleicht bei rechtem Licht betrachtet…nein, nicht rechts in dem Sinne!…ach, was ist heute nur los?

    Wo ist der Bezug zu den Bienen?

    Bleiben wir bei den Blumen und den Bienen. Wenn sich Bienen in Arbeiter, Wächter, Drohnen,… unterteilen lassen, so kann man getrost jeder Gruppe eine eigene Kultur zuordnen. Ja sogar eine eigen Ethik. Die Drohnen werden wahrscheinlich Hedonisten sein und die Wächter wohl Epikuristen. Würden Sie deswegen den Bienenstock als unsolidarisch betrachten? Sie sollten vielleicht, denn es handelt sich um eine Zweckgemeinschaft, in der die Drohnen nach Gebrauch dem Tod überlassen werden und die Wächter im Winter gnadenlos dezimiert werden, um Nahrung zu sparen.

    …und dennoch: Dies alles gilt einem gemeinsamen Ziel: Der Erhaltung der Art!

    Nähren wir uns dem Menschen. Einfache These: Der Staat dient der Erhaltung der Art!

    Der Staat dient dazu, dass Kinder heranwachsen können, damit sie in der Lage sind, eigene Kinder zu ernähren oder andere Kinder zu finanzieren. Punkt!

    Wie kommt jetzt einer, der sich Sozialdemokrat nennt und politisch aktiv ist, darauf, die neoliberale Argumentation zu nutzen, um am Ende zu dem Schluss zu kommen, dass die Gesellschaft, die am Ende die eine oder andere Gruppe aussortiert, vor Zuzug geschützt werden sollte?

    „Die fiesen Neoliberalen haben uns zu Egoisten gemacht, der Staat hat die Ellenbogen legitimiert und um die armen, ungebildeten Massen vor unseren Ellenbogen zu schützen, sollte man sie lieber nicht integrieren, sondern, ähnlich wie die Arbeitsbienen, im Stock lassen und bald zurücksenden.

    Das ist Sozialdarwinismus des 19. Jahrhunderts, lieber Herr Klos!

    Sie bedenken nicht, dass sich unsere Gesellschaft einmal kritisch reflektieren sollte. Immer mehr Menschen haben ein Problem damit, dass sie erkennen, dass unser Leben lediglich der Vermehrung von Profit dient und nicht der Erhaltung der Art im obigen Sinne. Nicht die bösen Neolibs, sondern die breite Masse hat aus dem Auge verloren, dass nicht die eigene Erhaltung, sondern die Erhaltung der nächsten Generation der Sinn eines Staates ist.

    Und Sie stellen sich hin und kapitulieren öffentlich. Ich bin diesmal wirklich enttäuscht.

    Wenn das Sozialdemokratisches Gedankengut ist, dann sollte man vor der Wahl nochmal in sich gehen. …aber Moment…ich glaube, ich habe Ihnen schonmal gesagt, dass ich den Eindruck habe, dass die Linke in Belgien sich lediglich an den Liberalen abarbeitet, ohne eigene Ideen zu entwickeln. Sie sind sich treu geblieben, …das verdient Respekt!

      • Öppe Alaaf

        Wenn eine Gesellschaft keine Zukunftsvision anbieten kann, entstehen Verlustängste bei der Bevölkerung. (Die man natürlich gut zur Steuerung derselben einsetzen kann.) Solidarität entsteht nicht spontan, sondern erst, wenn die Grundbedürfnisse erfüllt sind oder eine realistische Strategie besteht, diese in Zukunft zu erfüllen.

        Ceteris Paribus hat Solidarität eine Halbwertszeit wie ein Radionuklid.

        Im konkreten Leserbrief bedeutet das, dass der Einzelne sich in der Bedürfnispyramide nach unten bewegt, während es für die Migranten genau umgekehrt ist.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bedürfnishierarchie

        Meine Frage also an Herrn Klos: Was bietet die Linke an? Wird lediglich der Liberalismus verteufelt oder wird eine Politik angeboten, die den Menschen weiterhilft? …bisher bekam ich nie eine Antwort.

        Sagen Sie es mir Jockel Fernau, warum ist es für Herrn Klos so schwer, diesen einfachen Sachverhalt endlich einmal politisch zu erläutern? …oder sind seine Leserbriefe nur Einbahnstrassen?

    • Johann Klos

      Bienen als Beispiel in einem Belehrungsversuch eignen sich nicht unbedingt immer als satirische Aufmache.

      Die Völkerverständigung ist jedoch nicht immer erfolgreich und hängt unter anderem von der Königin ab: Bei einer asiatischen Königin mit einem europäisch-asiatischen Volk von Arbeiterinnen klappte die Verständigung in den meisten Fällen. Kam die Königin dagegen aus Europa, wurden die asiatischen Arbeiterinnen innerhalb von zwei bis drei Tagen von den europäischen Stockgenossen getötet.

      http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/voelkerverstaendigung-bienen-verstehen-auch-fremde-taenzerinnen-a-557472.html

      Sie bedenken nicht, dass sich unsere Gesellschaft einmal kritisch reflektieren sollte. Usw…………….

      Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt in wieweit das „Gro“ der Gesellschaft dazu überhaupt die notwendigen Voraussetzungen mitbringt?

      • Öppe Alaaf

        Sind Sie eingeschnappt, weil ich sagte, dass ein Bienenstock mehrere Kulturen beherbergt, wenn Bienen sich selbst bewußt wären, welches ihre Rolle ist? Dass Drohnen eher die eigene Befriedigung im Kopf hätten, während die Kriegerinnen in den Tag hinein leben, weil jeder der letzte sein könnte?

        Stimmt: Das „Gros“ des Bienenstocks ist sich nicht seiner Rolle bewußt und nicht zur Reflektion der eigenen Rolle fähig. Zum Glück beschränkt sich die Königin auf dicke Eier und hat mit Staatsführung nichts zu tun.

        Sie sehen, so weit sind meine Beispiele vom wahren Leben nicht entfernt, wenn Sie sich darauf einlassen.

        Lieber Herr Klos,
        veileicht sollte ich mich entschuldigen.
        Ich wollte diskutieren und nicht belehren.

        Meine Aufrichtige Entschuldigung. Ich werde meine Klappe halten.

        • Johann Klos

          Werter ÖA,

          Es wäre schade wenn Ich und andere auf ihre Kommentare verzichten müsste. Sie gehören zu den wenigen welche durch fundierte Stellungnahmen den einen oder anderen eine ausgeglichenere Weltanschauung vermitteln. Leute wie ich die das Maul aufreißen sollten wissen worauf sie sich einlassen. Wer mit solcher Kritik nicht umzugehen weiß sollte sich ein anders Hobby suchen und wird auch innerhalb einer Partei klanglos untergehen.

  4. Johann Klos

    Diese Antwort werden Sie von mir bekommen. Sie müssen sich nur noch etwas gedulden. Ich habe meine Gründe warum ich darauf bisher nicht geantwortet habe. Auch diese Warteschleife wird Ihnen dann erklärt werden.

  5. Réalité

    Dasselbe versprachen Sie mir auch , Herr Klos. Sie erinnern sich an die mir versprochen Antwort auf meine Kommentare in Sachen „KLÜNGEL“ von vor ein paar Monaten!
    Schönen Abend noch an Sie!

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