Leute von heute

Jeremy Offermann aus Eupen gewinnt die Rhetorika 2015

Die drei Erstplatzierten mit Ministerpräsident Oliver Paasch (links) und Moderator Olivier Krickel (2.v.l.). Foto: Jannis Mattar

Am Samstagabend fand im BRF-Funkhaus das Finale des Rednerwettstreits Rhetorika statt. Rund 400 Zuschauer ließen das Foyer am Kehrweg aus allen Nähten platzen. Gewonnen hat in diesem Jahr der Eupener Jeremy Offermann. Auf Platz zwei kam Hannah Pye aus Grüfflingen. Gary Schröder aus Büllingen belegte den dritten Platz und gewann den Publikumspreis.

Wie üblich stand es den acht Finalisten auch in diesem Jahr frei, sich zwischen einem von drei Themen der Kategorien „Lifestyle“, „Regional“ und „Global“ zu entscheiden.

Bereits ein Blick auf den Veranstaltungsflyer ließ erkennen, dass einige der aktuell heiß diskutierten gesellschaftspolitischen Themen berücksichtigt wurden. Das Problem der Staatsverschuldung wurde ebenso behandelt wie der für uns immer präsentere Terror.

Nicht jeder Moslem ist Islamist“ - Jeremy Schröder belegte den ersten Platz in der Jurywertung. Foto: Jannis Mattar

„Nicht jeder Moslem ist Islamist“ – Jeremy Offermann belegte den ersten Platz in der Jurywertung. Foto: Jannis Mattar

Sieger Jeremy Offermann behandelte in seiner Rede den „Terror vor der Haustüre“ und sprach über Gefahren, Ursachen und Lösungsansätze. „Der Religionskrieg findet in der Tat vor unserer Haustüre statt. Aber nicht erst seit den Anschlägen in Paris. Und wir müssen uns die Frage stellen, wieso die Radikalisierung junger Muslime in Belgien scheinbar so gut gelingt“, so der Abiturient aus Eupen.

„Ich denke, dass die Ablehnung, die Ausländer durch die Bevölkerung und die belgischen Behörden erfahren, die Radikalisierung auf dieses Level treibt. Doch trotz der hohen Zahl der Islamisten, die aus Belgien in den Nahen Osten reisen, dürfen wir nicht verallgemeinern. Kritisches Denken ist gefordert.“

Der erste Preis der Jurywertung ist mit 400 Euro dotiert.

Wer schützt die Arbeiter vor ihren Gewerkschaften?

Hannah Pye belegte den zweiten Platz. Foto: Jannis Mattar

Hannah Pye erreichte den zweiten Platz. Foto: Jannis Mattar

Zweite wurde Hannah Pye aus Grüfflingen. Sie wetterte in ihrer Rede gegen die Machtkämpfe der Gewerkschaften und stellte deren Integrität und Absichten in Frage: „Auf den ersten Blick stehen Gewerkschaften für die Angestellten ein. Doch auf den zweiten Blick erkennt man hinter diesen edlen Motiven Mittel zum Zweck, um die eigene Position und den eigenen Einfluss zu stärken. Die Frage ist: Wer schützt die Arbeiter vor ihren eigenen Gewerkschaften?“

Dritter wurde Gary Schröder aus Büllingen. Als einziger Kandidat wählte er ein lockeres und relativ einfaches Thema: „Smartphone – Kommunikationsmittel oder – Killer?“

„Smartphones vereinfachen und bereichern uns, aber wir dürfen die schöne echte Welt nicht vergessen. Außerdem ist der persönliche Kontakt wichtig. Kurzmitteilungen können gesprochene Worte nicht ersetzen. Und selbst bei den ausgefallenstens Smilies gilt: Ein echter Blick sagt immer mehr als Worte.“

Mit seiner lockeren Art konnte Gary Schröder den dritten Preis des Jurywertung sowie den Zuschauerpreis gewinnen.

Mit seiner lockeren Art konnte Gary Schröder den dritten Preis des Jurywertung sowie den Zuschauerpreis gewinnen. Foto: Jannis Mattar

Mit seiner witzigen und freundlichen Art konnte er nicht nur die Jury, sondern auch das Publikum in seinen Bann ziehen. So war es wenig verwunderlich, dass Gary Schröder den begehrten Publikumspreis und damit den Intensivkurs im Ceran Lingua Spracheninstitut gewinnen konnte.

Bei all den Preisen und Preisträgern darf man jedoch die restlichen Finalisten nicht vergessen. Sie alle haben den Abend im BRF informativ, interessant und auch unterhaltsam gemacht. Weitere Kandidaten waren Philippe Schneider, Simen Van Meensel, Daniel Stoffels, Eliane Weinbrenner und Felix Brock.

Die Jury setzte sich zusammen aus Oliver Paasch (Ministerpräsident), Lutz Bernhardt (Grenz-Echo), Robert Brandt (Versicherungen Brandt), Philippe Carl (Ceran), Raphael Grosch (Schauspieler), Martha Kerst (AHS), Stephanie Palm (Germanistin), Guido Reuter (COK), Toni Wimmer (BRF) und Werner Zimmermann (Dolmetscher).

JANNIS MATTAR

  1. Rhetorik : Was ist Rhetorik?
    Der Begriff der Rhetorik leitet sich aus dem altgriechischen „rhētorikḗ“ ab und bedeutet übersetzt so viel wie „Redekunst“ oder „Kunst der Beredsamkeit“. Erst mit Beherrschung guter Rhetorik ist es möglich, Menschen wirklich von seiner Aussage zu überzeugen und Reden zu halten, denen die Zuhörer gerne zuhören und die Inhalte letztendlich im Gedächtnis behalten.
    Rhetorik ist Wissenschaft und Kunstform zugleich. Der wissenschaftliche Teil behandelt die Art und Weise des wirksamen Vortrags und ist vor allem auf die Methoden und Stilmittel einer guten Rede gerichtet. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Theorie. Die Kunst der Rhetorik liegt darin, durch ihre Anwendung eine Botschaft so überzeugend rüberzubringen, dass die Adressaten von der vermittelten Meinung überzeugt sind, diese bestenfalls übernehmen und anschließend auch danach handeln.
    Soweit die Definition, aber die Sache (Rhetorik) hat eine dunkle Seite, denn wie aus der Definition hervorgeht, ist der Zweck der Rhetorik nicht die objektive Darstellung von Sachzusammenhängen, sondern die Kunst der Überzeugung; und da sind wir, ob wir wollen oder nicht, auch bei Hitler und Goebbels! Das waren beides hervorragende Rhetoriker die die Kunst der Rhetorik bis zum Schluss teuflisch gut beherrschten. Sollte man da nicht generell die Frage stellen, ob es Aufgabe der Bildungspolitik sein kann Rhetorik zu fördern, statt die kritischen Geister zu formen die der Rhetorik widerstehen können, und nicht der „Kunst der überzeugenden Rede“ anheimfallen. Aber das kann man jetzt auch wieder als rhetorischen Beitrag ansehen; vielleicht gibt es ja dafür den Publikumspreis von OBD….

  2. “Ich denke, dass die Ablehnung, die Ausländer durch die Bevölkerung und die belgischen Behörden erfahren, die Radikalisierung auf dieses Level treibt. Doch trotz der hohen Zahl der Islamisten, die aus Belgien in den Nahen Osten reisen, dürfen wir nicht verallgemeinern. Kritisches Denken ist gefordert.“

    Das hat er aber brav gelernt, jetzt kann er sich bei cdhpsecolo bewerben.

  3. Da kann sich der BRF ja freuen auf Nachwuchs!
    Ist auch höchste Zeit das da mal neue Gesichter bzw Stimmen ans Ruder/ Mikro kommen.
    Ulkig und komisch war, dass mehr Juroren als Mitwirkende präsent waren,ansonsten war der Abend OK.

  4. Wer schützt OD vor diesen Moralaposteln ?oder Wikipedia Plagiaten? Wer gut redet muss vorher überlegen . Hut ab vor dieser Jugend die es wagt offen und ohne Visier zu reden.
    Es war eine tolle Veranstaltung.

    • @ stratege

      Wie kommen Sie darauf das OD geschützt werden möchte? Ohne die vielen geistigen Tiefflieger, meinen etwas gewöhnungsbedürftigen Humor und die Nörgler und Knotterer müssten wir auf Erfolgsmeldungen wie „100.000 Kommentare auf Ostbelgien Direkt“ entweder Jahre warten oder ganz verzichten.

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