Kultur

„Das Ikob wird auch in Zukunft Themen aufgreifen, die diskutabel sind“

Der scheidende Direktor des ikob, Francis Feidler.

Wie bereits berichtet, haben sich die Verantwortlichen des Ikob-Museums in Eupen dazu entschlossen, die beiden lebenden Vogelspinnen, die bislang Bestandteil der Jan-Fabre-Ausstellung waren, zu entfernen. Dazu verbreitete Direktor Francis Feidler am Sonntag eine Pressemitteilung des Ikob, die „Ostbelgien Direkt“ integral veröffentlicht.

Das Kommuniqué hat folgenden Wortlaut:

„Im Einvernehmen mit dem Künstler Jan Fabre hat das Ikob beschlossen, die lebenden Vogelspinnen aus der Ausstellung herauszunehmen. Sie wurden der Fachhandlung zurückgegeben.

Grund ist die Schwierigkeit, einen versierten Zoologen zu finden, der auch mit der belgischen Gesetzgebung bzw. den Dekreten der Wallonischen Region vertraut ist und uns bestätigen kann, dass die Spinnen bei uns artgerecht gehalten sind, bzw. der uns etwaige Verbesserungsvorschläge unterbreiten kann. Auch eine Vertreterin der Vereinigung Tierfreunde VoG, die sich bereit erklärt hatte, einen Fachmann zu finden, konnte uns keinen nennen.

Die Installation von Jan Fabre ohne Spinne im Spinnenkopftheater. Foto: Ikob

Die Installation von Jan Fabre ohne Spinne im Spinnenkopftheater. Foto: Ikob

Wir möchten an dieser Stelle unterstreichen, dass das Spinnenkopftheater mit lebenden Spinnen bisher in Flandern im SMAK, dem Stedelijk Museum voor Actuele Kunst der Stadt Gent und dem MuHKA, Museum van Hedendaagse Kunst Antwerpen, sowie einem Kunstmuseum in Frankreich in den letzten Jahren gezeigt wurde.

Dies geschah ohne jegliche Polemik; eine irgendwelche Genehmigung war auch nicht vonnöten.

Seit Beginn der Ausstellung war uns an einer artgerechten Haltung gelegen, und wir hatten dafür alle möglichen Vorkehrungen getroffen. Herr Michel Vandenbosch, Vorsitzender der belgischen Tierschutzbewegung GAIA, anwesend bei der Vernissage, hatte auch deshalb keine Bedenken anmelden können – einige Anregungen seinerseits konnten wir nach der Vernissage umgehend umsetzen.

Wir möchten Herrn Vandenbosch unseren Dank aussprechen für seine klaren und nützlichen Ratschläge sowie seinen professionellen, sachkundigen, konstruktiven Umgang mit Andersdenkenden und seine respektvolle Haltung gegenüber der zeitgenössischen Kunst.

Die Sonderausstellung der Werke von Jan Fabre aus der Zeit von 1975 bis 1979 behält mit ihren insgesamt 158 Exponaten einen herausragenden Wert und veranschaulicht weiter in einzigartiger Weise das ewige Thema in der Natur, die Vergänglichkeit sowie die Kontinuität in der Veränderung.

Michel Vandenbosch (links) von der Tierschutzorganisation GAIA im Gespräch mit dem Künstler Jan Fabre bei der Vernissage der Ikob-Ausstellung. Foto: Gerd Comouth

Michel Vandenbosch (links) von der Tierschutzorganisation GAIA im Gespräch mit dem Künstler Jan Fabre bei der Vernissage der Ikob-Ausstellung. Foto: Gerd Comouth

Die Ikob-Ausstellung ist auf breite Resonanz gestoßen und lockt viele einheimische und auswärtige Besucher nach Eupen.

Es ist das erste Mal, dass diese frühe Schaffensperiode des Künstlers in der jetzigen Vollständigkeit mit Kunstwerken aus belgischen, niederländischen und italienischen Museen und privaten Sammlungen gezeigt wird. Danach wird die ikob-Ausstellung in weiteren Kunstmuseen im Ausland zu sehen sein, so in der Kunsthalle von Recklinghausen im Rahmen der Ruhrfestspiele, danach im Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern sowie später in Frankreich.

Die öffentliche Debatte zeigt uns wieder, dass die Kunst überaus vielfältig und auch teilweise sehr persönlich begriffen wird. Seit seiner Gründung steht das Ikob für diese Vielfalt und verdeutlicht dies durch seine anspruchsvollen Ausstellungen und seine Sammlung. Das Ikob wird auch in Zukunft die Themen aufgreifen, die in unserer Gesellschaft diskutabel sind und nicht unbedingt auf einen breiten Konsens stoßen.“

Siehe dazu auch Artikel „Streitthema Ikob-Ausstellung: VoG Tierfreunde will Strafanzeige gegen Fabre und Feidler erstatten“

 

18 Antworten auf “„Das Ikob wird auch in Zukunft Themen aufgreifen, die diskutabel sind“”

    • Nachdenklich

      Nein Herr Liessen, es gibt vor allem Verlierer.
      Die ikob Verantwortlichen haben diesem Druck nun nachgegeben.Schade!
      Sie und Ihre Supporter haben sich durch unprofessionelle, überzogene, polemische, medienunterstützte Kritik versucht zu profilieren.
      Das haben selbst Unbeteiligte inzwischen erkannt.
      Die Spinnen leben nun wieder in einer Fachhandlung, ob sie es dort besser haben, sei mal dahingestellt.
      Und die Kunst? Darf und soll Fragen aufwerfen….Nun ja, dann war das dann wohl der Fall.
      Meine Frage an Sie:
      Haben Sie die Ausstellung überhaupt gesehen?
      Haben Sie je das Gespräch mit den Verantwortlichen persönlich ohne Presse gesucht?
      Bin gespannt auf die Antwort.

  1. Pit Demmer

    Wann werden die lebenden Hummer im Delhaize entfernt?
    Das finde ich viel grausamer! Bin aber sicher das dem ein oder anderen Spinnenfreund das Wasser im Mund zusammenläuft wenn die Hummer lebend in das kochende Wasser fallen.
    Es lebe die Scheinheiligkeit!

  2. dr fritz ut gen aunderstadt

    tach van aunder gen haas

    dat is nu eindeutig der flop 2013!!!…tierschutz für spinnen,

    ich glaub die spinnen die belgier.

    schön, dat et leute jibt, die sich mit sowas amüsieren, mein vorschlag für die nächste ikob ausstellung:

    tierschützer für spinnen, (bitte artgerecht halten)

    dat ist doch auch ne kunst für sich!

    ich hol jetzt dr staubsauger und geh auf spinnejagd

    tschöö van aunder gen haas

  3. BRF-4ever

    Hier hat eindeutig der Stärkere gewonnen.
    Nur durch Druck und Drohung mit Anzeige wurde das erreicht.
    Lächerlich.
    Ich frage mich, was mache ich jetzt mit meinen Spinnen die im Staubsauger landen oder die von den Hühnern gefressen werden?

    Muss ich dafür mit einer Anzeige rechnen? ;-) (c) IW

  4. Spinnefeind

    Hier kann man wirklich sagen:“Der Klügere gibt nach und der Verbissene beißt weiter!“ Was wohl die nächste Beute ist bei diesem Profielgehabe aus Pseudo-Tierliebe? Was Gaia recht ist, sollte Eupener Tierfreunden zumindest billig sein.
    Bei unseren eher pingeligen deutschen Nachbarn werden massenweise Vogelspinnen gezüchtet, für 2€ zu erwerben, viele fristen ihr langes Leben in 30 x 30 cm Glaskerkern, dies alles ohne eine Genehmigung. Das finde ich ich viel schlimmer. Der Kunst zu dienen ist zumindest noch eine ehrenvolle gemeinnützige Aufgabe, die armen Spinnen wurden ja nicht malträtiert. Letzthin meinte noch eine der beiden Spinnen im Eupene Spinnen-Theater – und sie sah sich ihre medialen Verteidiger gut an, „wie gut, dass die hinter Gittern sind!“

  5. Ironie des Ganzen

    So haben es die Tierfreunde, genau wie der “Künstler” geschafft, mit wenig Aufwand in die Medien zu kommen.
    Nur mit dem Unterschied, dass die Glaubwürdigkeit der VOG nun vollends den Bach, oder besser gesagt die Weser hinunter gelaufen ist.

    Ich würde gerne wissen wieviele Spinnen denn im Haushalt von Herrn Dirk Liessen beim letzten Hausputz den Tod gefunden haben?
    Aber was sehe ich auf dessen FB Seite?
    Fotos vom GRILLEN….
    Wieder ein SKANDAL in Eupen!
    Zwar ohne Smilie und E-Mail, aber diesmal mit toten Tieren!
    Sollte man hier nicht den sofortigen Rücktritt von allen Ämtern fordern?
    Ein Tierfreund der Insekten retten will, aber Tiere isst?
    Schon paradox das Ganze, oder? ;-)

  6. Dieter Crott

    Schön, ….freut mich für die Spinnen. Aber wo bleibt der kollektive Aufschrei der Hobbytierschützer wenn jährlich tagelang die Ponys zur Nikolauskirmes auf dem Werthplatz ihre Runden drehen müssen. Nein, dort wird zwar von städtischer Seite auch kein roter Teppich zu Ehren der Kirmeskünstler ausgerollt, ganz im Gegenteil. Hier marschiert die komplette Führungsriege im Prozessionsstil freudestrahlend vorbei und lädt den Pferdekirmesmann sogar noch zum Bierchen im Rathaus ein. Da werden seid Jahrzehnten Pferde vorgeführt, zu Aktivitäten gezwungen die sie freiwillig niemals durchführen würden. Zum „Durchdrehen“ gezwungen durch einen Elektromotor der erst dann abgestellt wird, wenn der’wie sacht der Eupener so schön „Kirmesbüll“, genug Geld auf deren Rücken verdient hat. Wahrscheinlich ist die Kirmes politisch wichtiger als eine Kunstaustellung, aber an Scheinheiligkeit wohl kaum zu überbieten.
    Nb: Da ich der Meinung bin, wer was zu sagen hat, sollte sich auch dazu bekennen, schreibe ich wie immer meinen Namen dazu. Denn mit den grossen Hunden pinkeln wollen und dann das Bein nicht hoch genug bekommen, kennt man ja in Eupen….oder war das jetzt auch tierfeindlich?

  7. Nachdenklich

    Das Spinnenkopftheater mit lebenden Tieren wurde also schon in Flandern und Frankreich gezeigt ohne besondere Genehmigung.
    Und in Eupen ereifern sich Tierschützer,Journalisten und Stadtverantwortliche im Hinblick auf irgendwelche fehlenden Papiere.
    Wenn die Argumente fehlen, dann soll die Bürokratie wohl helfen.
    Und hinterher schimpfen wir dann alle über zuviel Verordnungen und die Kosten.

    Liebe Tierfreunde, lasst die Kirche nächstens im Dorf. Ihr habt Schaden angerichtet.
    Offener, fairer Dialog zwischen Andersdenkenden erfordert
    vor allem gegenseitigen, menschlichen Respekt und Information aus erster Hand. Euer Präsident hat die Ausstellung noch nicht mal gesehen und ruft zum Boykott der Ausstellung auf…. Wie weit geht ihr?

    Diese Diskussion hat einen Begriff in den Mittelpunkt gerückt: „Artgerechte Tierhaltung“ Da wird nun diskutiert, gefloskelt, erwähnt, geschmunzelt und gewitzelt. Ob diese Tatsache dann aber dem Anspruch von Jan Fabre und dem ikob gerecht wird, wage ich zu bezweifeln und den wahrhaftigen, edlen Zielen der Tierfreunde auch nicht.

  8. Patricia

    Der Rest Glaubwürdigkeit dieser VOG ist, wie man liest und hört anscheinend jetzt wohl dahin. Zumindest der Präsident hätte überlegen sollen, wie der Kampf um ein paar Spinnen im Verhältniss steht, zu den BBQ Fotos einer Geburtstagfeier.

    Mit den Vorzeigethemen der VOG, den Kirmespferden, der Katzensterilisation und der Faux Gras befasst sich doch eigendlich Gaja?
    Sind hier die Tierfreunde nun Ableger von Gaia oder wie muss ich das verstehen?
    Was die Tierfreunde in Eigeninitiative auf die Beine gestellt seit ihrer Gründung?
    Bei Erfolge findet sich auf deren Webseite leider nur der Tag des Tierschutzes 2011. Das kann doch nicht alles sein, oder?

    Erstaunlich auch folgender Text auf der Webseite:
    Zur Zeit gibt es keinen akuten Notfall, um den sich die VoG Tierfreunde direkt kümmert.

    Dem kann abgeholfen werden, wie wäre es denn den überfüllten Tierheimen Hilfe anzubieten?

    Ich hoffe ich habe als Nichtspender auch ein Recht auf Aufklärung.

    MFG
    Patricia

    • Nachdenklich

      Gibt es den normaldenkenden Menschen?
      Wir leisten uns tolle und teure Sportstätten, unterstützen einzelne Leistungssportler, finanzieren professionelle Konzert-und Theater – Literatur- und Tanzangebote, renovieren unsere Kirchen, investieren in Bildungsangebote in und ausseralb der DG und, und, und… und daher glaube ich, hat das ikob auch seine Daseinsberechtigung. Jedem Tierchen sein Pläsierchen,

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